Tutorial: Gitarre am Computer aufnehmen (Teil 2)

Ein Nachteil dieser Lösung ist allerdings die dreifache Wandlung des Audiosignals bei digitalen Effektprozessoren (wie zum Beispiel Line6 Pod oder Behringer V-Amp). Beim Eintritt in das Effektgerät wird das analoge Audiosignal zunächst digitalisiert, anschliessend vom Effektgerät für die Ausgabe wieder von digital nach analog gewandelt, um dann schliesslich und letztlich zum dritten Male vom Audio Interface beim Eintritt wieder digitalisiert zu werden. Natürlich geht bei so viel Wandlung einiges an Qualität im Signalweg verloren, dennoch wage ich mal zu behaupten, dass die meisten Home-Recording Studios sich hierum keine Sorgen machen werden. Im Übrigen bieten einige dieser Effektprozessoren eine digitale Ausgabe des Signals zum Beispiel via SPDIF an. Diese ist – sofern das Audio Interface einen entsprechenden digitalen Eingang hat – klar zu präferieren.

Bei der Aufnahme der Gitarre über einen Gitarren-Effektprozessor gilt es zu beachten, dass das vom Effektprozessor ausgegebene Audiosignal genau so im Sequencer aufgenommen wird, wie Ihr es beim Spielen hören könnt. Alle auf dem Gitarrensound liegenden Effekte wie Verzerrung, Delay oder Chorus werden ebenfalls in der Aufnahme hörbar sein und lassen sich im Nachhinein nicht mehr verändern.

Wer ein unbearbeitetes, cleanes Gitarrensignal aufzunehmen möchte hat gleich mehrere Optionen zur Verfügung. Die naheliegendste wäre, die Effekte im Gerät einfach abzuschalten (Stichwort: Bypass) und das resultierende cleane Signal aufzunehmen. Manche Effektprozessoren (zum Beispiel auch der preisgünstige Behringer V-Amp) bieten einen gesonderten Pre-DSP Ausgang an, über den man parallel zum prozessierten Sound (mit Verzerrung, Delay etc.) auch das durchgeschleifte cleane Signal aufnehmen kann.

Tutorial: Gitarre am Computer aufnehmenWer genug physikalische Eingänge an seinem Audio Interface hat, ist gut beraten sowohl prozessiertes als auch cleanes Gitarrensignal aufzunehmen. Zum einen kann man die inspirierende Kraft des kraftvollen Sounds aus dem Effektgerät zum Einspielen nutzen und zum anderen lässt man sich selbst immer noch die Möglichkeit offen, den Grundsound im Nachhinein grundlegend zu ändern. Selbst einem kreativen Mischen von cleanen (oder im Sequencer weiterbearbeitetem) und prozessierten Gitarrensound (aus dem Effektgerät) für besseren Attack und Punch steht nichts im Wege.

Aufnahme der Gitarre mit Hilfe einer DI-Box

Wenn uns weder Instrumenteneingang am Audio Interface noch ein externes Effektgerät zur Verfügung stehen, müssen wir uns mit einer so genannten DI-Box behelfen, die das leise Audiosignal der Gitarre auf Mikrofon- oder Line-Pegel anheben kann. Die Gitarre wird an die DI-Box und diese wiederum an unser Audio Interface angeschlossen. Im Sequencer kann das cleane Signal der Gitarre anschliessend weiterverarbeitet werden.

Tutorial: Gitarre am Computer aufnehmenEs gibt eine Vielzahl von DI-Boxen auf dem Markt. Viele davon kosten unter EUR 50,- und dürften damit günstiger als die Anschaffung eines externen Effektgeräts oder einer neuen Soundkarte sein. Empfehlen möchte ich Einsteigern an dieser Stelle die Modelle Behringer Ultra-DI DI100 bzw. Behringer Ultra-DI DI20, die zwar klanglich vielleicht nicht ganz auf professionellem Standard sein mögen, dafür aber umso günstiger im Einkauf sind. Wer mehr Geld ausgeben möchte, kann sich mal beim Hersteller Palmer umschauen, der eher im Hochpreissegment angesiedelt ist und dessen Geräte ich wärmstens empfehlen kann.

Ausblick
Im dritten und letzten Teil des Tutorials Gitarre am Computer aufnehmen wird es um das korrekte Einstellen von Pegel, Latenzen und Monitoring sowie um abschliessende Arbeitsschritte beim Aufnehmen der Gitarre gehen. Der nächste Teil wird voraussichtlich übermorgen an dieser Stelle veröffentlicht.

Tutorial: Gitarre am Computer aufnehmenWenn Ihr Fragen oder Anregungen zu diesem Tutorial habt, dann scheut Euch nicht, diese mit Hilfe der Kommentarfunktion oder via Email [Email-Adresse: info(at)delamar.de] zu äussern!

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Lesermeinungen (13)

zu 'Tutorial: Gitarre am Computer aufnehmen (Teil 2)'

  • Joaquin
    27. Dez 2007 | 11:23 Uhr Antworten

    Man sollte nicht vergessen, dass einige Effektprozessoren die Möglichkeit bieten, direkt via USB auf einen Rechner aufzunehmen.

  • carlos (delamar)
    27. Dez 2007 | 23:30 Uhr Antworten

    Ah, welche denn genau? USB ist da natürlich den anderen digitalen Übertragungen gleichzusetzen.

  • Joaquin
    28. Dez 2007 | 00:57 Uhr Antworten

    Genau, habe da schon einige Aufnahmen mit dem POD XT Live gemacht, aber auch andere Geräte wie z.B. Zoom, verwenden USB.

  • awokenMIND
    28. Dez 2007 | 01:26 Uhr Antworten

    Ich glaube der PodXT liefert die Daten auch direkt per USB an den Rechner.

  • carlos (delamar)
    28. Dez 2007 | 01:46 Uhr Antworten

    Ist ein wichtiges Detail. Danke!

  • Adrian Jusepeitis
    02. Jan 2009 | 22:38 Uhr Antworten

    Hey,
    erstmal herzlichen glückwunsch zu dieser großartigen seite
    verdammt hilfreich für mich als “recording-einsteiger”

    ich hab da mal eine frage, die hier wohl am besten rein passt
    ich nehme meine gitarre wie folgt auf :

    gitarre->Line6 Spider ->POD Style out-> Edirol ua 25 ex-> Laptop

    funktioniert grundsätzlich auch großartig
    ich hab da nur manchmal so ein metallisches fiepsen, das lauter wird wenn der pc beschäftigt ist

    hab jetzt schon verschiedene gegenmaßnahmen getestet
    betreibe das interface jetzt über netzteil (bzw. usb-hub mit netzteil)
    und hab mal ein symmetrisches Kabel zwischen amp und interface getestet. Ich glaub das mit dem netzteil aht sogar was gebracht,
    aber mit nem symmetrischen kabel ist der klang auf ein mal total dünn
    (allerdings sind die störgeräusche weg).

    hat irgendjemand von euch noch ne idee die ich mal ausprobieren kann ?

    danke
    Adrian

  • Carlos (delamar)
    03. Jan 2009 | 13:07 Uhr Antworten

    Danke für das Lob und willkommen bei delamar.

    Das Fiepen wird eine Strahlung vom Computer sein. Du könntest mal folgende Punkte durchgehen und schauen, ob es besser wird:

    • Beim Aufnehmen die Gitarre nicht in Richtung Computer / Monitor schauen lassen. Dann nehmen die Pickups weniger Störgeräusche auf.
    • Symtrisches Kabel zwischen Gitarre und Pod bringt nichts, dafür aber mal ein symetrisches Kabel zwischen Audio Interface und Pod probieren.
    • Das Verbindungskabel zwischen externem Audio-Interface und Pod austauschen gegen ein besser geschirmtes Kabel.
    • Die Entfernung von Computer und Audio Interface vergrößern (längeres Kabel).
    • Nicht benötigte Elektrogeräte im Tonstudio abschalten.
  • Isma Gudjez
    27. Jan 2009 | 14:09 Uhr Antworten

    Tolles Tutorial, vielen Dank!
    Ich möchte auch gerne mit Homerecording anfangen, und möglichst wenig ausgeben, auf folgende Fragen hoffe ich noch auf eine Antwort:
    Kann ich meinen normalen Marshall als Vorverstärker nuzten? (Lautsprecher ist kaputt)
    Also Gitarre in den Amp, dann ein “Sackgassen”-Klinkenkabel in Kopfhörer Ausgang, damit der Lautsprecher still bleibt,
    und über Lineout in eine Soundkarte? (habe vor mir die M-Audio 2469 zu holen, ist bei Ebay für ca. 40 Euro zu bekommen/ die Karte hat keinen Preamp))
    oder brächte eine DI Box da sauberere Ergebnisse?

    Könnte ich auch mit der Gitarre in ein altmodisches Mischpult in den verstärkten Mikrofoneingang rein,(Der Preset- Regler lässt sich so regeln, dass die Gitarre bis 0 db pegelt) und dann Mischpult in den PC? oder geht das nicht wegen der Ohm-Stärke?

    Dass es generell geht, ist mir klar, die eigentliche Frage ist, ob eine Di Box oder ein anderes Audio-Interface bessere Ergebnisse bringt.
    Es ist zwar nicht viel Geld, aber ich würde mir gerne unnötige Anschaffungen sparen, um auf anderes Equipment(Mikrofon) zu sparen. Danke im voraus für jede Antwort!

  • Carlos (delamar)
    27. Jan 2009 | 15:57 Uhr Antworten

    Also ich kann mich da jetzt nur an meinen alten Marshall Valvestate erinnern, der auch einen Line-Out hatte…der klang wirklich wirklich fürchterlich. Es gibt im Bereich bis 100 EUR einige interessante Gitarrenprozessoren von den üblichen Verdächtigen, die Du mal antesten könntest:

    Behringer Guitar Link Audio Interface für Gitarre EUR 54,00,-

    Behringer V-Amp 2 Gitarreneffektgerät / Amp-Simulator für EUR 79,-

    Line6 Pocket Pod Effektgerät / Amp-Simulator für EUR 96,-

    Beim Audio Interface würdest Du natürlich noch eine Software für Amp-Simulation benötigen. Bei den Effektgeräten benötigst Du noch ein Audio Interface.

  • Ramon
    10. Mrz 2009 | 15:03 Uhr Antworten

    Ich hatte das Glück ein Line6 Tone Port nutzen zu können. die Ergebnisse sind sehr gut! es handelt sich um eine Kombination aus Preamp/Audiointerface und Amp-Simulator.
    Sehr zu empfehlen, sehr einfach!

  • nevi
    10. Mrz 2009 | 15:52 Uhr Antworten

    Die Frage ist zwar schon was her aber hier
    mein Tipp: EDIROL UA-4FX

    sehr geile Effekte, sorgen bereits bei der Aufnahme für guten Pegel oder fetten Sound. Sehr Einfache Handhabung, viele Eingangsmöglichkeiten. Universalteil. Für die Preisklasse hervorrangende Wandler

    Hatte ich selbst zum Testen und war echt positiv überrascht.
    Das Gehäuse ist zwar nicht unbedingt “heavy metal” aber dafür wurde nicht am Sound gespart!

    Hier anschauen

    Straßenpreis 139,- € oder weniger

    lg Sascha aus OB

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