Gitarre am Computer aufnehmen: DI-Box, Effektprozessor & Audio Interface

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Gitarre am PC aufnehmen

Du willst deine Gitarre am Computer aufnehmen? Erfahre hier, wie das geht ...

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Gitarre mit Multi-Effektgeräten aller Art aufnehmen

In diesem zweiten Teil des Tutorials wird es um den korrekten Anschluss der Gitarre an einem Eingang des Audio Interfaces, Computers oder Effektprozessors gehen. Der dritte Teil des Tutorials „Gitarre am Computer aufnehmen“ dreht sich um das richtige Einpegeln der Gitarre. Im darauffolgenden vierten Teil geht es um die Monitoring Einstellungen für Gitarre & Zubehör.

Gitarre am Computer aufnehmen – Alle Teile

Teil 1: Grundlagen
Teil 2: DI-Box, Effektprozessor & Soundkarte « Du bist hier
Teil 3: Richtig Einpegeln
Teil 4: Monitoring Einstellungen

Nachdem wir im ersten Teil des Tutorials dafür gesorgt haben, dass die Gitarre sich im best-möglichen Zustand für die Aufnahme befindet, gehen wir zu den verschiedenen Optionen bei der Verkabelung bzw. dem Anschluss der Gitarre ein. Ich gehe im Rahmen dieses Tutorials auch davon aus, dass einen Computer nebst Audio-Interface für die Gitarre und eine beliebige Sequencer-Software vorhanden sind.

Aufnahme der Gitarre über einen Instrumenteneingang

Der erste Schritt zur Aufnahme der Gitarre am Computer wird die Verkabelung der beiden Komponenten sein. Und bereits hier an dieser Stelle können schon die ersten Probleme auftreten (wer ab und an in Foren liest, weiß was ich meine).

Pocket Pod aufnehmen

Am Computer Gitarre aufnehmen: Mit Audio Interface, Effektprozessor oder DI-Box ist das kein Problem.

Der Ausgang von elektrischen Gitarren ist zumeist passiv ausgelegt und hat eine dementsprechend recht schwache Ausgangsleistung, die einen speziellen Eingang an Audio Interface bzw. Effektprozessor benötigt.

» Dieser Eingang wird von den meisten Herstellern von Audio Interfaces oder Effektprozessoren schlicht Instrumenteneingang oder Hi-Z Eingang genannt.

Gitarre Line-In aufnehmen

Zwar kann man seine (passive) Gitarre auch an einen gewöhnlichen Line-In anschliessen, aber das Ergebnis dürfte dann alles andere als zufriedenstellend sein. Die Auswirkungen dieser Verkabelung können von einem lautem Rauschen bzw. sehr leisem Nutzsignal über ein eingeschränktes Frequenzspektrum bis hin zu dem, was man als »fehlender Körper« oder »nicht vorhandene Tiefe« bezeichnet, reichen.

Wer also eine gute Gitarrenaufnahme möchte, muss für eine entsprechende Verstärkung des passiven Audiosignals sorgen. Und wer einen Instrumenteneingang an seiner Soundkarte sein eigen nennt, der braucht nicht mehr zu tun als die Gitarre mit diesem zu verbinden. Schon ist das System bereit für die Aufnahme der Gitarre in den Computer bzw. Sequencer.

Aufnahme der Gitarre über einen Effektprozessor

Externe Effektprozessoren sind nicht nur sehr nützlich, wenn wir live auftreten wollen, sondern können mit ihren integrierten Vorstufen und Preamps auch wunderbar für Recordingzwecke genutzt werden. Die im ersten Teil erwähnten Effektprozessoren für Gitarre bieten natürlich allesamt einen geeigneten Instrumenteneingang bzw. Vorverstärker für den Anschluss einer Gitarre.

Gitarre am Computer aufnehmen: DI-Box, Effektprozessor & Soundkarte - Zoom G3

Der Zoom G3 gehört zu den Effektprozessoren, die sich für das Aufnehmen deiner Gitarre eignen – sogar ohne zusätzliches Audio Interface, da hier ein Analog-Digital-Wandler und eine USB-Schnittstelle an Bord sind.

Die Gitarre wird mit einem handelsüblichen Gitarrenkabel an den Instrumenteneingang der externen Einheit angeschlossen und die Ausgänge des Gitarren-Prozessors mit einem oder zwei Line-Eingängen (je nachdem ob Mono oder Stereo) an der Soundkarte verbunden. Diese Lösung setzt keinen eigenen Instrumenteneingang am Audio Interface voraus, da die Ausgänge an den externen Effekten genau wie die Eingänge des Audio Interface für Line-Pegel ausgelegt sind.

Ein Nachteil dieser Lösung ist allerdings die dreifache Wandlung des Audiosignals bei digitalen Effektprozessoren (wie zum Beispiel Line6 Pod oder Behringer V-Amp). Beim Eintritt in das Effektgerät wird das analoge Audiosignal zunächst digitalisiert, anschliessend vom Effektgerät für die Ausgabe wieder von digital nach analog gewandelt, um dann schliesslich und letztlich zum dritten Male vom Audio Interface beim Eintritt wieder digitalisiert zu werden.

Amp Modeling Ratgeber: Die Königklasse »

Natürlich geht bei so viel Wandlung einiges an Qualität im Signalweg verloren, dennoch wage ich mal zu behaupten, dass die meisten Home-Recording Studios sich hierum keine Sorgen machen werden. Im Übrigen bieten einige dieser Effektprozessoren eine digitale Ausgabe des Signals zum Beispiel via SPDIF an. Diese ist – sofern das Audio Interface einen entsprechenden digitalen Eingang hat – klar zu präferieren.

Gitarre aufnehmen mit Effektgerät

Bei der Aufnahme mit einem Effektprozessor werden alle verwendeten Effekte mit aufgenommen.

Merke: Aufnahme mit einem Effektprozessor

Bei der Aufnahme der Gitarre über einen Gitarren-Effektprozessor gilt es zu beachten, dass das vom Effektprozessor ausgegebene Audiosignal genau so in der DAW-Software aufgenommen wird, wie Du es beim Spielen hören kannst. Alle auf dem Gitarrensound liegenden Effekte wie Verzerrung, Delay oder Chorus werden ebenfalls in der Aufnahme hörbar sein und lassen sich im Nachhinein nicht mehr verändern.

Wer ein unbearbeitetes, cleanes Gitarrensignal aufzunehmen möchte hat gleich mehrere Optionen zur Verfügung. Die naheliegendste wäre, die Effekte im Gerät einfach abzuschalten (Stichwort: Bypass) und das resultierende cleane Signal aufzunehmen.

Manche Effektprozessoren (zum Beispiel auch der preisgünstige Behringer V-Amp) bieten einen gesonderten Pre-DSP-Ausgang an, über den man parallel zum prozessierten Sound (mit Verzerrung, Delay etc.) auch das durchgeschleifte cleane Signal aufnehmen kann.

Eingänge am Audio Interface zum Gitarre aufnehmen

Wer genug physikalische Eingänge an seinem Audio Interface hat, ist gut beraten, sowohl das prozessierte als auch das cleane Gitarrensignal aufzunehmen. Zum einen kann man die inspirierende Kraft des kraftvollen Sounds aus dem Effektgerät zum Einspielen nutzen und zum anderen lässt man sich selbst immer noch die Möglichkeit offen, den Grundsound im Nachhinein grundlegend zu ändern.

Selbst dem kreativen Mischen von cleanen (oder in der DAW-Software weiterbearbeitetem) und prozessierten Gitarrensound (aus dem Effektgerät) für besseren Attack und Punch steht nichts im Wege.

Passend dazu: Workshop Reamping »

Aufnahme der Gitarre mit Hilfe einer DI-Box

Wenn uns weder Instrumenteneingang am Audio Interface noch ein externes Effektgerät zur Verfügung stehen, müssen wir uns mit einer so genannten DI-Box behelfen, die das leise Audiosignal der Gitarre auf Mikrofon- oder Line-Pegel anheben kann. Die Gitarre wird an die DI-Box und diese wiederum an unser Audio Interface angeschlossen. Im Sequencer kann das cleane Signal der Gitarre anschließend weiterverarbeitet werden.

Palmer PDI03 Testbericht

Deine Gitarre kannst du an einer DI-Box, wie dem PDI03 von Palmer aufnehmen.

Es gibt eine Vielzahl von DI-Boxen auf dem Markt. Viele davon kosten unter 50,- Euro und dürften damit günstiger als die Anschaffung eines externen Effektgeräts oder einer neuen Soundkarte sein.

Empfehlen möchte ich Einsteigern an dieser Stelle die Modelle Behringer Ultra-DI DI100 bzw. Behringer Ultra-DI DI20, die zwar klanglich vielleicht nicht ganz auf professionellem Standard sein mögen, dafür aber umso günstiger im Einkauf sind. Wer mehr Geld ausgeben möchte, kann sich mal beim Hersteller Palmer umschauen, der eher im Hochpreissegment angesiedelt ist und dessen Geräte ich wärmstens empfehlen kann.


Ausblick

Im dritten Teil des Tutorials »Gitarre am Computer aufnehmen« wird es um das korrekte Einstellen von Pegel, Latenzen und Monitoring sowie um abschliessende Arbeitsschritte beim Aufnehmen der Gitarre gehen.

Wenn Du Fragen, Feedback oder Anregungen zu diesem Tutorial hast, freuen wir uns über deinen Kommentar!

Gitarre am Computer aufnehmen – Alle Teile

Teil 1: Grundlagen
Teil 2: DI-Box, Effektprozessor & Soundkarte « Du bist hier
Teil 3: Richtig Einpegeln
Teil 4: Monitoring Einstellungen

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Lesermeinungen (15)

zu 'Gitarre am Computer aufnehmen: DI-Box, Effektprozessor & Audio Interface'

  • Joaquin   27. Dez 2007   11:23 UhrAntworten

    Man sollte nicht vergessen, dass einige Effektprozessoren die Möglichkeit bieten, direkt via USB auf einen Rechner aufzunehmen.

  • carlos (delamar)   27. Dez 2007   23:30 UhrAntworten

    Ah, welche denn genau? USB ist da natürlich den anderen digitalen Übertragungen gleichzusetzen.

  • Joaquin   28. Dez 2007   00:57 UhrAntworten

    Genau, habe da schon einige Aufnahmen mit dem POD XT Live gemacht, aber auch andere Geräte wie z.B. Zoom, verwenden USB.

  • awokenMIND   28. Dez 2007   01:26 UhrAntworten

    Ich glaube der PodXT liefert die Daten auch direkt per USB an den Rechner.

  • carlos (delamar)   28. Dez 2007   01:46 UhrAntworten

    Ist ein wichtiges Detail. Danke!

  • Adrian Jusepeitis   02. Jan 2009   22:38 UhrAntworten

    Hey,
    erstmal herzlichen glückwunsch zu dieser großartigen seite
    verdammt hilfreich für mich als "recording-einsteiger"

    ich hab da mal eine frage, die hier wohl am besten rein passt
    ich nehme meine gitarre wie folgt auf :

    gitarre->Line6 Spider ->POD Style out-> Edirol ua 25 ex-> Laptop

    funktioniert grundsätzlich auch großartig
    ich hab da nur manchmal so ein metallisches fiepsen, das lauter wird wenn der pc beschäftigt ist

    hab jetzt schon verschiedene gegenmaßnahmen getestet
    betreibe das interface jetzt über netzteil (bzw. usb-hub mit netzteil)
    und hab mal ein symmetrisches Kabel zwischen amp und interface getestet. Ich glaub das mit dem netzteil aht sogar was gebracht,
    aber mit nem symmetrischen kabel ist der klang auf ein mal total dünn
    (allerdings sind die störgeräusche weg).

    hat irgendjemand von euch noch ne idee die ich mal ausprobieren kann ?

    danke
    Adrian

  • Carlos (delamar)   03. Jan 2009   13:07 UhrAntworten

    Danke für das Lob und willkommen bei delamar.

    Das Fiepen wird eine Strahlung vom Computer sein. Du könntest mal folgende Punkte durchgehen und schauen, ob es besser wird:

    • Beim Aufnehmen die Gitarre nicht in Richtung Computer / Monitor schauen lassen. Dann nehmen die Pickups weniger Störgeräusche auf.
    • Symtrisches Kabel zwischen Gitarre und Pod bringt nichts, dafür aber mal ein symetrisches Kabel zwischen Audio Interface und Pod probieren.
    • Das Verbindungskabel zwischen externem Audio-Interface und Pod austauschen gegen ein besser geschirmtes Kabel.
    • Die Entfernung von Computer und Audio Interface vergrößern (längeres Kabel).
    • Nicht benötigte Elektrogeräte im Tonstudio abschalten.
  • Isma Gudjez   27. Jan 2009   14:09 UhrAntworten

    Tolles Tutorial, vielen Dank!
    Ich möchte auch gerne mit Homerecording anfangen, und möglichst wenig ausgeben, auf folgende Fragen hoffe ich noch auf eine Antwort:
    Kann ich meinen normalen Marshall als Vorverstärker nuzten? (Lautsprecher ist kaputt)
    Also Gitarre in den Amp, dann ein "Sackgassen"-Klinkenkabel in Kopfhörer Ausgang, damit der Lautsprecher still bleibt,
    und über Lineout in eine Soundkarte? (habe vor mir die M-Audio 2469 zu holen, ist bei Ebay für ca. 40 Euro zu bekommen/ die Karte hat keinen Preamp))
    oder brächte eine DI Box da sauberere Ergebnisse?

    Könnte ich auch mit der Gitarre in ein altmodisches Mischpult in den verstärkten Mikrofoneingang rein,(Der Preset- Regler lässt sich so regeln, dass die Gitarre bis 0 db pegelt) und dann Mischpult in den PC? oder geht das nicht wegen der Ohm-Stärke?

    Dass es generell geht, ist mir klar, die eigentliche Frage ist, ob eine Di Box oder ein anderes Audio-Interface bessere Ergebnisse bringt.
    Es ist zwar nicht viel Geld, aber ich würde mir gerne unnötige Anschaffungen sparen, um auf anderes Equipment(Mikrofon) zu sparen. Danke im voraus für jede Antwort!

  • Carlos (delamar)   27. Jan 2009   15:57 UhrAntworten

    Also ich kann mich da jetzt nur an meinen alten Marshall Valvestate erinnern, der auch einen Line-Out hatte...der klang wirklich wirklich fürchterlich. Es gibt im Bereich bis 100 EUR einige interessante Gitarrenprozessoren von den üblichen Verdächtigen, die Du mal antesten könntest:

    Behringer Guitar Link Audio Interface für Gitarre EUR 54,00,-

    Behringer V-Amp 2 Gitarreneffektgerät / Amp-Simulator für EUR 79,-

    Line6 Pocket Pod Effektgerät / Amp-Simulator für EUR 96,-

    Beim Audio Interface würdest Du natürlich noch eine Software für Amp-Simulation benötigen. Bei den Effektgeräten benötigst Du noch ein Audio Interface.

  • nevi   10. Mrz 2009   15:52 UhrAntworten

    Die Frage ist zwar schon was her aber hier
    mein Tipp: EDIROL UA-4FX

    sehr geile Effekte, sorgen bereits bei der Aufnahme für guten Pegel oder fetten Sound. Sehr Einfache Handhabung, viele Eingangsmöglichkeiten. Universalteil. Für die Preisklasse hervorrangende Wandler

    Hatte ich selbst zum Testen und war echt positiv überrascht.
    Das Gehäuse ist zwar nicht unbedingt "heavy metal" aber dafür wurde nicht am Sound gespart!

    Hier anschauen

    Straßenpreis 139,- € oder weniger

    lg Sascha aus OB

  • Ramon   10. Mrz 2009   15:03 UhrAntworten

    Ich hatte das Glück ein Line6 Tone Port nutzen zu können. die Ergebnisse sind sehr gut! es handelt sich um eine Kombination aus Preamp/Audiointerface und Amp-Simulator.
    Sehr zu empfehlen, sehr einfach!

  • Joachim Stephan   19. Aug 2013   23:28 UhrAntworten

    Vielen Dank zunächst für diese tolle Einsteigerhilfe!

    Ich habe meinen Bass (aktiv) direkt an den Line-In der (Onboard-)Soundkarte meines PC angeschlossen. Den Sound bekomme ich entweder über Kopfhörer oder über einen D/A-Wandler auf meiner Stereoanlage ausgegeben. Es gibt "nur" ein Problem: es gibt einen erhebliche Zeitversatz zwischen der Erzeugung des Eingangssignals und der Ausgabe. Woran könnte das liegen?

  • aRZi   06. Aug 2015   12:00 UhrAntworten

    Tausend Dank für den Tipp mit dem Weidezaun...Habe 2 Tage lang nach der Ursache für das Knacken gesucht ;-)

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