Sollten Deutsche englisch singen dürfen?

Wir Deutschen sprechen leider ziemlich “hart”. Das macht sich in der Musik oft negativ bemerkbar. Also schauen Bands nach Alternativen. Aber nach welchen Gesichtspunkten sollte man den Frontgesang wählen?

Sollten Deutsche englisch singen dürfen?

In manchen Bands ist das schon ein Thema. “Singen wir auf deutsch oder englisch?” “Singen wir nur Teile auf englisch oder gleich das ganze Stück?”

Und in Deutschland ist das auch sicherlich ein Thema für sich. Natürlich haben international gesehen englische Titel die Nase vorne, weil man sie einem globaleren Publikum zugänglich machen kann.
Andererseits sticht man natürlich mit einer deutschen Single aus den Pop-Charts weiter heraus als wenn man englisch singt.

Trotzdem gibt es da noch andere Dinge die es zu beachten gilt, wenn man vor der Entscheidung steht “englisch oder deutsch?”

Wir Deutschen haben leider eine relativ harte Sprache. Und das fällt uns selbst gar nicht so auf, wenn wir uns mit anderen unterhalten. Beim singen wird’s da schon schwieriger.

Die harten Laute die unserer Sprache eigen sind fallen beim Recording natürlich auf. Richtig schöne Liebesballaden sind mit solch einer Sprache oft schwierig.

Gut denkt man sich. “Probieren wir’s halt dann auf englisch!” Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Denn wenn man nicht in der Muttersprache spricht neigt man dazu einen Akzent zu entwickeln. Man kann sich vielleicht noch an die frühen Tage eines Arnold Schwarzenegger’s erinnern der von “Aktschn Füjmen” gesprochen hat.

Meistens ist es das Beste, wenn man als FrontsängerIn einen Muttersprachler mit in der Band hat. Dieser kann dann in fremden Zungen sprechen und das alles auch noch völlig akzentfrei. Das Recording und die Produktionen sind gerettet.

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Lesermeinungen (15)

zu 'Sollten Deutsche englisch singen dürfen?'

  • AndreasM
    29. Jul 2008 | 22:57 Uhr Antworten

    mit den akzente fällt meiner Meinung nach nur auf wenn es jemand hört der diese Sprache als Muttersprache hat. Zum Beispiel ein Deutscher singt spanisch .. fürden Deutschen Zuhoerer hoert es sich ganz normal Spanisch an und der Spanische Zuhoerer denkt sich was singt der denn fuer einen Kaese…

  • Andreas Z. (delamar)
    29. Jul 2008 | 23:02 Uhr Antworten

    Da muss ich dir leider wiedersprechen. Ich habe gerade eine Produktion zweier Deutscher die auch mal Englisch singen. Und das hoert man scho ziemlich.

  • Don Schnulze
    03. Aug 2008 | 21:01 Uhr Antworten

    Also ich glaube, es gibt ja wohl genug Beispiele, wo Sänger aus der ganzen Welt das mit dem englischen ordentlich hinbekommen haben. Wie wär’s zB mit Roxette?

    Es gehört natürlich dazu, dass man als Sänger auch an der Aussprache arbeitet und das immer wieder anhand von Aufnahmen selbst überprüft. So wie das Instrumentalisten mit ihrem Spiel auch tun.

    Faszinierend finde ich das Gegenbeispiel (im Rap): Deutschsprachige Texte, die so artikuliert sind, dass man meint, es sei englisch und super hinhören muss, um überhaupt was zu verstehen. Das ist m.E. zwar eigentlich Quatsch, ist aber schon eine Leistung an sich, den Tonfall einer anderen Sprache so komplett auf die eigene zu bügeln, dass diese fast nicht zu erkennen ist. Und wenn das mit dem deutschen so funktioniert, dann wird das ja wohl mit dem englischen auch gehen :)

    Ansonsten finde ich, um die Frage zu beantworten: Ja, sogar Deutsche dürfen auch englisch singen. ABBA “durften” das ja auch :)

  • H2G
    04. Aug 2008 | 12:24 Uhr Antworten

    Warum soll ein Deutscher nicht mit Akzent englisch singen? Hat Phil Collins es nicht auch andersrum gemacht? Ich denke es genügt schon die schlimmsten Fehler so gut es geht, z.B. “th” auszubügeln. Über den ein oder anderen sprschlichen Fehler wird man eh stolpern. :-)

  • Don Schnulze
    04. Aug 2008 | 12:42 Uhr Antworten

    Klar kann man das kultivieren. Hat ja Klaus Nomi auch irgendwie gemacht ;)

  • Christobal
    04. Aug 2008 | 14:09 Uhr Antworten

    Ich glaube, es gibt in der gesamten Musikwelt genügend Beispiele deutschsprachiger Künstler, die erfolgreich in Englisch singen. Manche sind/waren sogar international äußerst erfolgreich (Skorpions, Yello, Guano Apes, US5 (ja da ist 1 Deutscher dabei))

    Ich finde die Frage an sich ist derart arrogant. Wenn hier schon anglophil-phonetische Ansprüche erhoben werden, dann muss man diese Frage auch so manch muttersprachlichen Künstlern stellen. Oder glaubt hier ernsthaft jemand, dass das speicheldurchflutete Gezische von Ol Dirty Bastard adäquat ausgesprochenes Englisch ist? Rammsteins “Stripped”-Version von Depeche Mode hat sich zum Beispiel deshalb in den Staaten so gut verkauft, weil Till Lindemann gerade diesen typisch deutschen Akzent hatte.
    Und sind wir doch einmal ehrlich, wenn ich hier zehn unbekannte Künstler mit ihren Tracks abspielen würde, würden wir alle komplett daneben liegen, mit unseren Vermutungen, ob sie Deutsch als Muttersprache haben oder Englisch. Ich kenne deutschsprachige Bands, die so verdammt britisch klingen, dass es schon wieder erschreckend ist. Da wird ganz bewusst darauf geachtet, typische Manchester-Idiome in den Duktus einzubauen, dass jeder Stein und Bein darauf schwört, der Sänger kommt von der Insel.
    Und ausserdem, wieviele aktuelle deutschsprachige Künstler könnt ihr aus dem Hemdsärmel schütteln, von denen man eindeutig sagen kann, sie beherrschen das “TH” nicht und singen absolutes Denglisch? Wenn es fünf sind, ist das schon viel!
    Wir leben nicht mehr in den 60ern, als Englisch nach dem Oxford-Dictionary gelehrt wurde und der Höhepunkt des Sprachlernens in einer Ferienreise nach Bourmouth lag.
    Geht mal auf die Strasse und fordert 10 Teenager auf “Wassup, bloody motherfucker” zu sagen. Da denkt ihr, die kommen direkt aus der Southside.
    Vielmehr ist die Frage interessant, wer kann überhaupt noch korrektes Oxford-Englisch? Habt ihr schonmal nen Briten von der Isle of Man gehört? Da gibt es kein “TH”, das ist eher ein “SZ”.

    Und noch eines: Bitte werft nicht die Interviews – mit zugegeben eindeutig deutschem Akzent -, die irgendwelche deutschen Politiker, Fussballer oder Wissenschaftler im TV geben, mit dem Sprachduktus durchproduzierter Lieder in einen Topf, das kann sich nämlich (ausser Blue System, lol) heute kein Produzent mehr leisten, einen englischsprachigen Track zu produzieren, der die Grundvoraussetzungen wie “TH” und korrekte Vokal-Aussprachen nicht erfüllt.
    Die Frage kommt wirklich 20 Jahre zu spät und wenn sie überhaupt jemand stellen sollte, dann die Macher der Oxford Dictionary. Und wenn die den Maßstab angeben, dann fallen 99% aller englisch singeden Künstler durch!

  • H2G
    04. Aug 2008 | 15:35 Uhr Antworten

    Das “th” bezog sich darauf das es gern mal kritisiert wird, ein befreundeter Sänger hat das seit Jahren. Persönlich denke ich eh das nicht alles perfekt sein muß und es wurde ja z.B. Rammstein angesprochen, so gewisse Ecken und Kanten machen gewisse Acts oder Songs auch aus. Als Sänger sollte man doch versuchen nur drauf zu achten das sich durch Denglisch nicht andere Worte ergeben als wie sie mal geplant waren. Alles andere ist doch “künstlerische Freiheit” ;-)

  • ken park
    08. Aug 2008 | 20:34 Uhr Antworten

    Seit wann singt Rammstein eigentlich auf Englisch? Haben die ne extra USA – Version gemacht? Wie Tokio Hotel?

  • Kira
    10. Dez 2009 | 17:31 Uhr Antworten

    Genau, singt Englisch für Deutschland!…sehr gut, sehr schlau, versteht ja auch jeder, vor allen Dingen wenn’s gesungen wird. Gibt ja auch sehr viele Beipspiele, dass man nicht auf Deutsch singen kann.. uhm.. Die grausamen zisch Laute und das harte T gibt es ja im Englischen gar nicht.
    Achso, ja schöne Stimmen haben Sänger, bestimmt wegen Englisch, hat man ja sonst nicht. Wer Englisch nicht so gut beherrscht, so dass er ein Lied problemlos folgen könnte, mag sich an Melodie und am Klang erfreuen und nicht am nicht verstandenen Text. Achso das tun alle bereits unbewusst? Gut, jedermanns Geschmack und Verständnis von einem Lied. Hätte doch mal einer Goethe und Genossen gesagt, dass die deutsche Sprache nicht gut klingt, sie würden sofort auf Englisch weitergeschrieben haben, ganz bestimmt!

  • Manuel
    11. Dez 2009 | 09:46 Uhr Antworten

    Ich finde schon, dass man als Deutscher auch englisch singen darf. Es ist alles auch eine Frage, an wen sich die Musik richten soll. Gerade in Zeiten des Internets erreicht man ein internationales Publikum. Und wir müssen uns nichts vormachen: Englisch ist nun mal die Weltsprache geworden. Für viele ist es sogar mehr eine Zweitsprache geworden, als eine Fremdsprache.

    Ich denke, dass in der heutigen Zeit auch ein deutscher (oder jeder andere) Akzent seinen Charme hat. Man darf auch ruhig englisch singen, so dass man noch raushören kann, dass man Deutscher ist. Warum auch nicht? Man kommt ja auch schließlich aus Deutschland. Und wer das als Muttersprachler nicht toll findet, kann ja bei seiner Musik von der Insel bleiben (wird irgendwann sehr Abwechslungsreich).

    Ich nenne an dieser Stelle mal ein Beispiel aus meinem Musikgenre:
    Im Heavy-Metal findet man sehr viele erfolgreiche deutsche Bands (und das international). Sie haben alle auf Englisch gesungen und niemand hat sich je beschwert.
    Meine persönliche Lieblingsband kommt aus Finnland. Ich fände es aber doof, wenn sie nur auf Finnisch singen würden. Das verstehe ich leider nicht (außer “Guten Tag” und “Danke”, aber macht damit mal nen Song). Ob die jetzt einen finnischen Akzent haben, is mir eigentlich auch egal. Hauptsache die Musik stimmt und das ist ja wohl das Wichtigste.

    Man kann natürlich aber auch schöne Musik in deutscher Sprache machen. Ich mag persönlich Rammstein überhaupt nicht, aber die Apocalyptica-Version mit Nina Hagen von “Seemann” finde ich sehr toll. Sogar besser als das Original. Ein wunderschönes Beispiel, wie man auch mit der “harten” deutschen Sprache ein schönes sanftes Lied machen kann.

    Ich muss an dieser Stelle auch mal die Qualitäten der deutschen Lyrik herausheben: Man hat einen viel größeren Wortschatz als im englischen und kann sich demnach einer größeren Auswahl bedienen und viel besser mit den Worten spielen.

    Aber allgemein würde ich sagen: Jeder nach seinem Geschmack.
    Ich hatte mal eine Produktion einer rein deutschen Band, die auf japanisch gesungen haben. Da hört man sicherlich auch einen deutschen Akzent raus, obwohl die Aussprache für einen Nicht-Japaner sehr gut war. Und damit hat die Band sich schon einen beachtlichen Erfolg erspielt, obwohl das Genre immer eine Randnische bleiben wird.

    Sie haben sich für japanisch entschieden, sind zufrieden damit und die Fans sind es auch. Was will man mehr? Über den Sinn und Unsinn zu streiten ist schwachsinnig. Es ist deren Sache…

  • Carlos (delamar)
    11. Dez 2009 | 20:04 Uhr Antworten

    Jeder für sich, so wie er selbst will. Ich persönlich bin um jede Band froh, die sich der deutschen Sprache bedient beim Singen. Warum auch nicht? Wir leben schliesslich hier in Deutschland.

    Wenn eine Band auf englisch singt, dann ist das auch gut – aber schlechter für das Verständnis. Bei einigen Bands und Acts könnte das sogar intentioniert sein.

  • Thomas N.
    08. Jan 2011 | 01:44 Uhr Antworten

    Hallo!

    Ich möchte Kira (10. Dez 2009, 17:31 Uhr) rechtgeben.

    Ich lese aus ihrem Beitrag heraus, dass sie die deutsche Sprache nicht als Hinderungsgrund sieht … was ja im ursprünglichen Beitrag ja angesprochen wird, da heißt es ja unter anderem: “Wir Deutschen sprechen leider ziemlich ‘hart’. Wir Deutschen haben leider eine relativ harte Sprache. Und das fällt uns selbst gar nicht so auf, wenn wir uns mit anderen unterhalten. Beim singen wird’s da schon schwieriger. [...] Die harten Laute die unserer Sprache eigen sind fallen beim Recording natürlich auf. Richtig schöne Liebesballaden sind mit solch einer Sprache oft schwierig.”

    Ehrlich gesagt, halte ich dsa für Unsinn. Wie schon Kira erwähnte, gab’s ja schon Größen wie Goethe, die mit der ach so schlimme deutschen Sprache Beeindruckendes geschaffen haben – mit derlei Kreativität mussten sie nicht auf Englisch umsteigen. :-)
    Das kann meiner Meinung nach durchaus als Vorbild für die heute Zeit dienen: Wenn du was Gutes zu sagen hast, dann geht das auch auf Deutsch – denn die Qualität macht sich (glaube ich) am Inhalt fest, nicht so sehr am Klang.

    Ganz übel finde ich den folgenden Satz: “Richtig schöne Liebesballaden sind mit solch einer Sprache oft schwierig.”
    “Der Weg” von Herbert Grönemeyer möge als mein persönliches Gegenbeispiel dienen … wenn ich dieses Lied höre, kommen mir recht oft die Tränen, und das liegt _nicht_ am Klang der Sprache (und auch nicht an Herberts Gesang *g*). Vielmehr finde ich die Aussage so ergreifend … da finde ich den Klang der Sprache weiß Gott _nicht_ abschreckend.
    Anderes Beispiel: “Ohne Dich” von Selig. Da sört mich der Klang der Sprache ebenso wenig, und auch dieses Lied finde ich herausragend gut.

    Es gibt auf der anderen Seite auch einige englischsprachige Sänger, die -für meine Ohren- einen ganz furchtbaren Klang in ihrer Sprache haben … da nutzt es nach meinem persönlichen Empfinden nicht, dass sie Muttersprachler sind: Solche Sänger klingen auch in ihrer englischemn Muttersprache unangenehm (is’ wohl auch eine Geschmacksfrage).

    Ich möcht’ noch eine grundsätzliche Anmerkung anbringen:
    Wenn ich den ursprünglichen Beitrag richtig verstehe, scheint es (bei delamar) sowas wie eine Idealvorstellung zu geben, wie die Sprache in aktueller Musik zu klingen hat – nicht hart, und mehr oder weniger so wie im Englischen.
    Ich finde, dass es zur Demokratisierung der Musik gehört, dass Sprachen der Sänger ebenbürtig sind, ebenso der unterschiedliche Klang der verschiedenen Sprachen. Die Vormachtstellung einer einzigen Sprache passt nicht dazu.
    Die Realität sieht anders aus, ich weiß – delamar beweist das ja auch mit dem obigen Beitrag … das muss aber nicht in alle Ewigkeiten so bleiben.

    • Carlos (delamar)
      08. Jan 2011 | 11:21 Uhr Antworten

      Hallo Thomas,

      vielen Dank für dein Feedback. Damit wir uns auf jeden Fall richtig verstehen: Ich wäre der erste, der dafür plädiert, dass deutsche Bands in deutscher Sprache singen – damit alle anderen es auch verstehen können.

      In der Außensicht (also beispielsweise im Gehör eines Amerikaners) würde ich Andreas aber recht geben wollen. Die deutsche Sprache klingt sehr hart, weil sie deutlich mehr Konsonanten als Sprachen mit lateinischen Wurzeln nutzt. Das könnte auch ein Grund sein, warum Grönemeyer ein Star in Deutschland ist, aber nicht weltweit. Oder der Grund weswegen Rammstein sich international durchgesetzt hat, denn ihre Musik wird durch die deutschen Worte und deren Aussprache bestärkt. Und es könnte nicht zuletzt auch der Grund sein, weswegen eine weitere weltweit bekannte deutsche Band wie Tokio Hotel international auf englisch singt.

      Eine Idealvorstellung von Musik kann und darf es nicht geben – denn das würde dazu führen, dass wir nur noch eine Art von Musik hörten. Wie langweilig wäre das denn?

      Herzliche Grüße
      Carlos

  • lenni
    18. Dez 2011 | 16:25 Uhr Antworten

    Gegenfrage: Warum sollen Deutsche das nicht “dürfen”?

  • Martin
    03. Feb 2012 | 19:46 Uhr Antworten

    Hallo,

    stellt euch doch mal vor die englischen Hits der letzten 10Jahre wären auf deutsch. Aber eigentlich denke ich, dass es immer einer Sache der Prägung ist. Bei mir werden fast ausschließlich englische Texte angefragt. Das liegt einfach daran, dass meine Kunden so ab 30 Plus sind. Die Generation ist mit Bands wie DepecheMode, obengenannten GuanoApes, Roxette, BonJovi und GreenDay aufgewachsen. Die Sprachmelodie des Englischen sitzt richtig tief und triggert schnell entsprechend gewünschte Gefühle an. Soll doch jeder machen wie er denkt- hauptsache das Lied an sich ist stimmig und macht Stimmung. Eine Quote für Bands aus Deuschland wäre super- aber sonst….

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