Recording: Vier einfache Tipps für bessere Vocalaufnahmen

Recording: Vier einfache Tipps für bessere Vocalaufnahmen

Die hier von mir angesprochenen Tipps für bessere Mikrofonaufnahmen sind im Prinzip sowohl für die Aufnahme von Sprache (zum Beispiel Podcasting oder Radio) als auch für Gesangsaufnahmen anwendbar. Wenn Du schon häufiger Sprachaufnahmen gemacht hast, sind Dir diese Tipps vielleicht sogar schon bekannt.

 

1. Kaufe Dir ein gutes Mikrofon

Hand aufs Herz: Der Preis für ein Mikrofon ist in den meisten Fällen direkt proportional zu dessen Klangqualität. Das soll nicht heissen, dass ein billiges Mikrofon nicht auch funktionieren oder in manchen Fällen sogar sehr gute Aufnahmen produzieren könnte. Auch ich habe in der Vergangenheit einige respektable Vocalaufnahmen mit einem billigen Mikrofon gemacht (siehe auch Tipps weiter unten).

Aber wenn Du ganz genau hinhörst, wirst Du einen bemerkbaren Unterschied zwischen Sprachaufnahmen mit einem billigen bzw. einem guten Mikrofon feststellen können. Ein gutes Mikrofon muss deswegen aber nicht zwingend teuer sein. Dynamische Mikrofone bekommst Du um die 100 Euro. Das allseits beliebte und fast unkaputtbare Shure SM58 gibt es um die 120 Euro oder das Beyerdynamic TG-X58, das einen ganz ähnlichen Aufbau und Klang hat ist sogar für etwa 90 Euro im Handel erhältlich. Die in der Regel detailreicheren Kondensatormikrofone (Großmembrankondensatoren für Gesang) bringen ab einem Preis von etwa 200 Euro bereits respektable Ergebnisse.

Bei der Auswahl des richtigen Mikrofons solltest Du darauf achten, dass Du ein unidirektionales Mikrofon wählst. Unidirektional bedeutet, dass das Mikrofon Geräusche aus nur einer Richtung (meistens frontal eingehende) aufnimmt. Gerade für die Aufnahme von Sprache bzw. Gesangsaufnahmen ist dies ein großer Vorteil, da allein durch die Charakteristik viele Neben- und Störgeräusche aus dem Raum eliminiert werden. Wenn Du mehr über Mikrofone erfahren willst, dann lies doch unsere Artikelreihe Homerecording & Studiomikrofone.

 

2. Gleichbleibendes Setup

Am besten wäre sicherlich ein eigens für Vocalaufnahmen spezialisiertes Tonstudio zu nutzen. Aber das ist ja in den seltensten Fällen möglich bzw. bezahlbar und Du wirst ja auch nicht immer durch die halbe Stadt fahren wollen, um neue Vocals für eine Songidee aufzunehmen. Wir müssen daher mit dem arbeiten, was da ist und manchmal eben auch kreativ werden (etwas, das für Musiker ja kein Problem darstellen sollte).

Wenn Du ein gleichbleibendes Setup hast – also eine immer gleiche Umgebung, gleicher Aufbau des Mikrofons, etc. – dann wirst Du konsistentere Aufnahmen produzieren. Damit wird es zum Kinderspiel, Recording-Sessions über mehrere Tage hinweg zu machen oder einige Teile zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufzunehmen. Die damit verbundene Routine und bessere Kontrolle der Umgebungsbedingungen im Homestudio werden sich ebenfalls sehr positiv auf die Klangqualität Deiner Vocalaufnahmen auswirken.

Soviel zur grauen Theorie, aber was meine ich damit?

  • Nutze immer denselben Raum für die Sprachaufnahmen
  • Stelle das Mikrofon immer auf dieselbe Stelle (merken, Foto machen, abmessen…)
  • Nutze dieselben Einstellungen an Deinem Preamp und/oder Computer
  • Nutze immer einen Poppschutz (für etwa 20 Euro im Fachhandel erhältlich oder Poppschutz selbst bauen)
  • Stelle Dich immer gleich weit vom Poppschutz / Mikrofon auf

 

3. Eliminiere die Umgebungsgeräusche

Je weniger Umgebungs- und Störgeräusche ihren Weg auf die Sprachaufnahme finden, desto besser wird deren Klangqualität werden. Es gibt praktisch keine Umgebung, in der es komplett still ist. Wieviel Störgeräusche in Deiner eigenen Recording-Umgebung bzw. in Deinem Homerecording-Tonstudio existieren, kannst Du ganz leicht testen: Stelle das Mikrofon wie in Punkt 2 beschrieben auf. Drück den Aufnahmeknopf und verhalte Dich ruhig. Das, was auf Deiner Aufnahme jetzt noch zu hören ist, ist das Grundrauschen – die Stör- und Umgebungsgeräusche.

Meistens lassen sich diese ungewollten Geräusche noch relativ weit eindämmen, wenn Du…

  • …alle unnötigen Elektrogeräte ausschaltest (spart zudem Strom).
  • …alle Lüfter und Ventilatoren stoppst.
  • …das Mikrofon möglichst weit weg vom Computer aufstellst.
  • …alle in Deiner Umgebung bittest, sich leise zu verhalten.

 

4. Raumakustik verbessern

Wer häufig Vocalaufnahmen macht, sollte darüber nachdenken, seine Raumakustik zu verbessern. Das ist allerding ein Thema, mit dem man ganze Bücher füllen könnte (was so manch Autor auch bereits getan hat). An dieser Stelle will ich Dir nur einige grundlegende Informationen und Denkanregungen mitgeben.

In einem professionellen Tonstudio wird die Beschaffenheit der Wände so gewählt, dass diese den Schall (zumindest teilweise) absorbieren. Mit einigen einfachen Tricks ist es möglich, für wenig Geld, bessere Vocalaufnahmen zu kreieren.

Du kannst zum Beispiel die Türen zu Deinem Kleiderschrank öffnen, damit der Schall von der Kleidung absorbiert werden kann (die Türen wirken eher reflektierend). Wer nicht im Schlafzimmer aufnimmt, kann sich auch mit dem Aufhängen von schweren, zusammengerafften Decken und Vorhängen behelfen. Handelsüblicher Schaumstoff kann ab 25 Euro pro m2 eingekauft werden, aber Vorsicht: Der günstige Schaumstoff ist zumeist leicht entflammbar und absorbiert nicht so gut wie die professionellen Materialien renommierter Hersteller.

Einige Hersteller bieten auch portable Mini-Boxen an, die um das Mikrofon herum aufgebaut werden oder Absorber, die sich direkt hinter dem Mikrofon befinden. Ich persönlich halte da recht wenig von, aber kenne auch Leute aus dem Bereich Homerecording, die von der Leistung dieser Maßnahmen überzeugt sind.

 

Hast Du uns schon kostenlos abonniert?

Wenn nicht, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um das nachzuholen. Du bekommst alle Artikel zu Dir auf Deinen Feedreader oder an Deine Emailadresse geschickt.
Damit bist Du immer auf dem Laufenden und verpasst keinen interessanten Artikel mehr.

Mehr als vier Tipps für bessere Vocalaufnahmen

Jetzt sind am Ende doch noch deutlich mehr als nur vier Tipps für bessere Vocalaufnahmen zustande gekommen. Wenn auch Du einen guten Tipp hast, mit dem bessere Vocalaufnahmen möglich sind, dann schreib uns darüber in den Kommentaren!

Lesermeinungen (4)

zu 'Recording: Vier einfache Tipps für bessere Vocalaufnahmen'

  • Simon
    15. Nov 2009 | 14:15 Uhr Antworten

    Cool
    Danke für die Tipps werde sie mal ausprobieren ;)
    MfG

  • Niels
    11. Feb 2010 | 13:01 Uhr Antworten

    Was ich gerne mache ist mich nicht im rechten Winken in den Raum bzw zum Computer zu positionieren. Immer schräg zur Wand.

    Zu den Mini-Boxen hinter den Mikrofon bin ich unsicher. Habe mir auch welche zugelegt. Folgende verständnisprobleme habe ich dennoch. Nimmt man mit der Nierencharaterristik auf, ist es hinter dem Mikrofon sowieso nicht so empfindlich. Ich habe deshalb zusätzlich hinter dem Künstler eine Teppichwand aufgestellt.

    Letztens habe ich im Internet sogar einen Artikel gelesen, das diese Bauteile eher Nachteile als Vorteile bringen. Die early Reflections werden Zeitlich nach vorne geholt, weil es eben doch etwas Reflektiert.

    Gruß

    Niels

  • Salome
    25. Mrz 2013 | 19:38 Uhr Antworten

    Hallo delamar!

    danke für die Tipps! Einige davon befolge ich bereits, jedoch hab ich noch ein paar Probleme mit dem Aufnehmen…
    Ich arbeite mit dem Programm PreSonus und habe ein gutes Mikrofon mit Pop-Schutz. Meistens versuche ich, die Stimme mit dem Tricomp-Effekt voller wirken zu lassen, und/oder mit Hall. Ausserdem, um Verzerrungen zu vermeiden, benutze ich einen Limiter, den ich einfach auf die Vocal-Spur schiebe (Clean-Up). Ich singe nur mit Gitarre / Klavier.

    Jedoch klingt es nachher, wenn ich die Aufnahme nicht mit guten Kopfhörer sondern an meinem Laptop oder Radio höre, nicht gut. Es klingt ein wenig dumpf und nasal, obwohl ich nicht unbedingt eine nasale Stimme habe. Ausserdem hört man jeden kleinsten Fehler, was die Tonhöhe betrifft.

    Irgendwelche Tipps! Danke im Voraus.
    Salome

  • manuel
    07. Mai 2014 | 15:39 Uhr Antworten

    Hallo Salome,
    es kommt auch darauf an gute Studioboxen zu verwenden.
    Wie bspw. von KRK u.o. yamaha. Diese bieten im mittleren Preisegment respektable Qualität. D.h wenn Du deine Gesangsaufnahmen abmischst und sie klingen über Studiomonitore gut ( was garnicht so einfach ist ) dann klingt die Aufnahme auch überall gut. Das liegt daran dass Studiomonitore gnadenlos ehrlich klingen.DArum braucht es zeit einen guten klang hinzubekommen.
    Kleiner Tip zum Schluß, generell ist unser Gehör eher auf die mittleren Tonfrequenzen fixiert. Das hat einen Entwicklungsgeschichtlichen Hintergrund. Viele Grüße, manuel

Sag uns deine Meinung!