Recording: Die 10 häufigsten Fehler beim Gitarre aufnehmen und abmischen

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Tipp: Amp Mikrofonierung/Gitarrenverstärker aufnehmen

Recording: Die 10 häufigsten Fehler beim Gitarre aufnehmen und abmischen

 

  1. Das richtige Mikrofon verwenden
    Zum einen kann ich oft beobachten, wie Produzenten im Homerecording ihre besten Kondensatormikrofone zum Aufnehmen der E-Gitarre verwenden. Dabei muss das nicht einmal eine gute Lösung sein, denn einige der teuren Mikrofone sind alles andere als geeignet. Es geht einzig darum, das Frequenzspektrum des Gitarrenverstärkers aufzunehmen und da reicht schon ein so preiswertes Mikrofon wie das Shure SM57.
    Zum anderen sind wir Menschen Gewohnheitstiere und neigen auch dazu, alte Gewohnheiten nicht mehr abzulegen. So habe ich mich selbst schon oft genug dabei erwischt, immer zum selben Mikrofon zu greifen, um die Gitarre aufzunehmen. Wirklich exzellente und spannende Lösungen erfordern aber mehr Einsatz, deswegen immer mal wieder alle Mikrofone durchtesten. Hin und wieder findet man eine neue Kombination, die super, neu und frisch klingt.

  2. Den falschen Speaker aufnehmen
    Viele Gitarrenverstärker haben mehr als eine Membran, die in der Regel alle baugleich sind. Das muss aber noch lange heissen, dass sie auch alle gleich klingen. Es ist nicht unüblich, dass die Speaker leicht unterschiedliche Lautstärken haben und nicht zuletzt der Raumakustik wegen auch unterschiedlich gut klingen.
    Bei sehr moderater Lautstärke einfach mal das Ohr in Richtugn der unterschiedlichen Lautsprecher halten und dann den aufnehmen, der etwas heller und besser als die anderen klingt. Die Ergebnisse rechtfertigen den Aufwand allemal.

  3. Immer nur auf die MItte ausrichten
    Wir bleiben bei der Mikrofonierung der Gitarrenverstärker und fokussieren uns auf die Ausrichtung des Mikrofons zur Lautsprechermembran. Viele Produzenten geben sich damit zufrieden, das Mikrofon in die Mitte des Speakers zu stellen, am besten auch noch auf der Achse (on-axis). Das Ergebnis ist ein scharfer Klang mit wenig Bass, der nichtmal akkurat das wiedergibt, was der Gitarrenverstärker ausgibt.
    Besser ist (zumeist) das Mikrofon etwas seitlich in Richtung Mitte zu neigen und prinzipiell einfach viel mit der Position zu experimentieren. Je näher man sich an der Mitte der Lautsprechermembran befindet, desto mehr Höhen und Mitten und vice versa je näher am Rand, desto mehr Bassanteil.

  4. Alte Saiten beim Recording verwenden
    Ausgelutschte Saiten klingen in einer Studioaufnahme wie ein lustloses Werbekind von Sanostol. Da hilft auch kein Equalizer und kein Kompressor mehr aus der Patsche. Neue Saiten sorgen für die nötige Frische in der Aufnahme, die Gitarre klingt heller, hat mehr Sustain und die Stimmung ist konsistenter. Deswegen lautet meine Empfehlung, die Saiten am Vorabend einer Recording-Session auszutauschen und etwas einspielen. Tauscht man die Saiten direkt vor der Gitarrenaufnahme aus, so wird man schnell Probleme mit der Stimmung bekommen.

  5. Oft nachstimmen
    Vor der Session die Gitarre zu stimmen ist sicherlich eine großartige Idee. Aber es darf nicht dabei bleiben. Es dauert lediglich 30 Sekunden, die Stimmung der Klampfe zu überprüfen – und das ist doch auch sicherlich deiner Meinung nach ein kleiner Preis dafür zu verhindern, dass es das Gitarrensolo des Jahrhunderts nicht in die fertige Produktion schafft, weil die Gitarre verstimmt war, oder?
    Besonders schlimm wirkt sich eine verstimmte Gitarre auf die Stimmung der Band aus – ich habe schon erlebt, dass der Flow und damit „die Magie“ wegen eines solchen Fehlers dahin war.

  6. Nebengeräusche vermeiden
    Pickups und insbesondere die offenen Varianten derselben (das sind die, bei denen man die runden Metallplättchen sehen kann) tendieren dazu, wesentlich mehr als nur das Schwingen der Gitarrensaiten aufzunehmen. Wer schon einmal eine Gitarre vor einem alten Computerbildschirm aufgenommen hat wird wissen, wovon ich spreche. Elektrische Störsignale können mitunter sehr laut werden und eine Aufnahme ruinieren.
    Die Lösung ist für dieses Problem ist sehr einfach, da die Pickups der Gitarren direktional aufnehmen. Das heisst nichts anderes als, wenn Du dich vom Bildschirm wegdrehst, wird das Störsignal leiser. In der Praxis hat sich im Übrigen bewährt, nicht nur die Ohren, sondern auch die Peak-Meter zur Analyse von Nebengeräuschen und Störsignalen heranzuziehen. Der Grund: Ein Störsignal bei -50dB mag vielleicht mit dem Ohr nicht oder kaum wahrnehmbar sein, nach der Bearbeitung mit Kompressor und Equalizer kann es aber zu einem echten Problem werden.

  7. Gitarre zu laut aufnehmen
    Musik und E-Gitarre machen besonders viel Spass, wenn sie so richtig laut sind, keine Frage. Dazu kommt, dass viele Gitarrenverstärker erst ab einer gewissen Lautstärke so richtig gut klingen. Darüber hinaus aber macht es keinen Sinn, die Lautstärke weiter aufzudrehen. Je lauter der Amp, desto wahrscheinlicher, dass das Mikrofon die Lautstärke nur noch mit Verzerrungen quittiert und die Aufnahme der Gitarre damit unbrauchbar macht.
    Dazu kommt noch, dass bei grossen Lautstärken der Raumanteil, der über die Mikrofone aufgenommen wird, überbetont wird und das eine suboptimale Raumakustik noch mehr zur Schau stellt. Und zu guter Letzt: Regale fangen an zu schwingen, Kaffeetassen klirren, usw. – alles Dinge, die man beim Gitarre aufnehmen am besten vermeidet.

  8. Direktes und mikrofoniertes Signal zusammenmischen
    Die rasante Entwicklung der Musiksoftware und der Gitarrenverstärker-Emulationen insbesondere haben dazu geführt, dass immer mehr Produzenten Gitarren sowohl direkt ins Mischpult (oder Audio Interface) sowie über Mikrofonierung vorhanderer Amps aufnehmen.
    Beim Zusammenmischen beider Spuren vergessen die meisten allerdings, die Latenz der Spuren auszugleichen. Schall, der durch die Luft übertragen wird, braucht länger, um im Mikrofon anzukommen als das Signal, das über das Kabel im Mischpult ankommt. Wenn Du die Latenz beider Spuren angleichst, bekommst Du einen volleren Gitarrensound mit mehr Punch.

  9. Monokompatibilität
    Stereoeffekte auf der Gitarre können live richtig gut und spannend klingen. Der Nachteil von breiten Gitarrensounds ist nur, dass diese oftmals durch eine Umdrehung der Phase um 180° auf einem der Kanäle erzeugt werden. Im Tonstudio kommt es dann bei der Aufnahme zu Phasenauslöschungen, die man erst beim Monocheck hören kann- Diese Phasenauslöschungen können (und werden) den Klang der Gitarre schmälern oder stellenweise sogar ganz auslöschen.

  10. Keine echten Dopplungen
    Viele Produzenten sparen enorm viel Zeit bei der Aufnahme ihrer Musik, indem sie die Gitarren nicht mehrfach aufnehmen (lassen). Stattdessen greifen sie auf vorgefertigte Effekte aus dem Effektprozessor, die das eingehende Gitarrensignal doppeln, etwas verzögern und anschliessend verstimmen, um es etwas natürlicher klingen zu lassen.
    Natürlich kannst Du hier eine Menge Zeit sparen. Aber nichts klingt so fett wie der Klang zweier unabhängig aufgenommener Gitarrenspuren, die rechts und links gepannt werden.

 

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Recording: Die 10 häufigsten Fehler beim Gitarre aufnehmen und abmischen

Nun, ich vermute Du hast, genau wie ich selbst, dich bei dem ein oder anderen Punkt wiedererkennen können. Die Verbesserung einiger dieser Punkte beim Gitarre aufnehmen erfordern aber mehr als nur das schiere Wissen um ihrer selbst. Da hilft nur ein gutes Mass an Experimentierfreude und Sitzfleisch bei der Aufnahme.
Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Umsetzung dieser Tipps für das Gitarre aufnehmen und würde mich über deinen Kommentar freuen, indem Du deine Tricks und Erfahrungen mit den anderen Lesern teilst.

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Lesermeinungen (11)

zu 'Recording: Die 10 häufigsten Fehler beim Gitarre aufnehmen und abmischen'

  • Dominik   04. Okt 2009   13:21 UhrAntworten

    Du bist nicht konsequent mit DOs & DONTs bei den Überschriften (mal ja, mal nein), aber die Tips sind allemal wertvoll. Danke.

  • Philipp Gerbig   04. Okt 2009   14:39 UhrAntworten

    Danke für die guten Tipps, auch wenn ich schon viel wusste.

    Aber das mit dem doppeln stimmt: Lieber mehrmals einspielen, es lohnt sich! Ein und dieselbe Aufnahme ein paar cents anzuheben und etwas mit dem EQ bearbeiten klingt lange nicht so gut (Ich spreche aus Erfahrung!)!

    Gutes Gelingen und viel Spaß,
    Philipp

  • jeffVienna   05. Okt 2009   10:19 UhrAntworten

    Auch von mir ein Dankeschön!

    Stichwort Latenz: wenn ich das Mikro 10cm vor dem Speaker hab, dann beträgt die Latenz 0,3 ms. Macht es wirklich viel Sinn, diese Minilatenz zum Direktsignal auszugleichen? Das ist doch nicht hörbar, oder?

    • Frans Stummer   16. Aug 2015   20:08 UhrAntworten

      Wenn du ein Direktsignal (+ evtl. AmpSimulation) und mikrofoniertem Speaker mischt ist das hörbar. Und etwa so, als ob du ein Auto mit Schwung gegen eine Wand fährst. Es gibt nur wenige Dinge, die einen Sound so schrotten, wie das.

      • Wolfgang   17. Aug 2015   15:09 Uhr

        Ein Glück aber, dass man bei fast allen DAWs die Audiospuren beinahe Samplegenau verschieben kann. Somit ist dieser Punkt am Ende wieder nichtig!

  • Lord Sticky von den Sticky Fingers   16. Sep 2012   14:35 UhrAntworten

    Nicht der richtige Abstand zum Speaker
    Die Ausrichtung vom Mikro zum Speaker (mehr zur Mitte oder mehr nach außen) ist auch im Verhltnis zum Abstand zwischen Mikro und Speaker auszuprobieren.

  • Buckel   09. Okt 2012   21:02 UhrAntworten

    Hi,

    alles sauber auf den Punkt gebracht. Mach seit 25 Jahren Gitarrenmusik und hab schon so einige der oben genannten Fehler begangen... Vielleicht noch ein tipp mehr: Weniger Zerre ist manchmal mehr! Damit wären es dann die wichtigsten 11 Fehler, die man vermeden sollte, hahaha! Weiter so! Respekt für das engagement!

  • Buckel   09. Okt 2012   21:08 UhrAntworten

    @jeffVienna:

    Pflichte Dir bei. Die natürliche 'Unterschiedlichkeit' von zwei natürlich eingespielten Spuren ist wesentlich größer.. Allerdings variiert diese mal früher mal später... aber 0,3 ms sind ein Witz, indeed. Gruß von Buckel

  • Tem   24. Feb 2013   01:55 UhrAntworten

    das mit den dopplungen mag ja stimmen. zweimal "echt" einspielen klingt immer besser als einfach die spur zu duplizieren. doch wie soll ich zweimal genau die gleiche spur einspielen wenn das musikstück "jam-charakter" mit komplexen gitarrenfills aufweist die immer improvisiert und somit nahezu unmöglich 2x exakt gleich einspielbar sind. irgendwelche tipps? danke für die guten 10 regeln die meiner meinung nach alle richtig sind ;-)

    • rob   16. Apr 2013   11:12 UhrAntworten

      @Tem:

      Solis werden nicht 2x eingespielt, sondern nur die Rythmus-Gitarren, die Riffs.

  • Wolfgang   18. Sep 2014   16:18 UhrAntworten

    Über dass ich mich heutzutage richtig ärgere, und es als die größte Eselei von damals ansehe ist, die Gitarren nicht auch als Amp-Out, oder/und DI-Out aufgenommen zu haben.
    Gerade wenn das Budget eher gering ist (was für die allermeisten Produktionen heutzutage wohl zutrifft) kann man so in aller Ruhe später in einem besseren Studio, oder einem anderen Raum, den geil gespielten Take nochmals ReAmpen, variieren und somit eben wieder ein paar Prozent am Soundoptimum rausholen. Dabei verschwendet man keine teure Studiozeit mehr mit dem frickeligen Gitarrenriff, und legt sich nicht schon im Vorfeld auf einen bestimmten Sound fest.

    Ebenso ärgerlich ist es, bereits während der Recordingphase, nur einen gesamtmix aus div. Mikrofonsignalen aufnehmen zu wollen. Speicherplatz in diesen Zeiten ist billig und die meisten werden eh komplett digital arbeiten
    Lediglich die Analogfraktion dürfte damit noch zu kämpfen haben. Doch behaupte ich,die Leute die noch mit 16 oder 24 Analogspuren arbeiten, wissen genau was sie und warum sie es so tun.

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