Overhead-Mikrofonierung: Profitipps von Hans-Martin Buff & Sennheiser

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Sennheiser DrumMic'a!

Mikrofonierung von Drums mit Sennheiser & Neumann

In den Peppermint Park Studios in Hannover gab Tonprofi Hans-Martin Buff – (Prince, No Doubt, Scorpions, Chaka Khan, Zucchero, Chris Norman, Mousse T. und Roachford.) Tipps zur Overhead-Mikrofonierung von Drums, während Marco Bussi den Beat beisteuerte. Für das von uns vor ein par Wochen schon vorgestellte virtuelle Drum-Instrument DrumMic’a! sind Presets und MIDI-Grooves aus den Peppermint Park Studios verfügbar. Ein Video-Interview sowie Tipps zur Abnahme der Bassdrum runden das Angebot ab. Profitipps aus erster Hand!

A/B + X/Y

Um beim Overhead-Sound noch mehr Gestaltungsspielraum zu haben, setzt Hans-Martin Buff oft zwei bewährte Stereo-Mikrofonierungsverfahren ein, deren Signale parallel aufgezeichnet werden. Wenn möglich, baut er sowohl eine A/B- als auch eine X/Y-Mikrofonanordnung auf – welche Spuren letztlich in welchem Verhältnis zum Einsatz kommen, entscheidet Buff während der Mischung und abhängig vom Musikstil. »Allgemein tendiert er allerdings dazu, Kick und Snare und dann gleich auch die Overheads an den Fadern hochzuziehen. Gerade bei einer vorhandenen X/Y-Mikrofonierung mag Buff es, den natürlichen Sound als Ausgangsbasis zu nehmen und die einzelnen mikrofonierten Instrumente dann sukzessiv nach Bedarf hinzuzufügen.

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Die tontechnische Leitung für den DrumMic’a! übernahm Hans-Martin Buff

Bei der A/B-Mikrofonierung achtet Hans-Martin Buff penibel darauf, die Mikrofone derart zu positionieren, dass die individuelle Beckenbestückung vollständig in ihrer gesamten Breite abgebildet wird. Er versucht, ein wenig Abstand zur Hi-Hat zu halten, da er sie ohnehin separat abnimmt. Die A/B-Mikrofone positioniert er in gleicher Höhe, welche allerdings je nach Schlagzeuger unterschiedlich sein kann. Ein Heavy-Metal-Drummer holt beim Spielen großzügig aus, also befinden sich die Mikros viel weiter oben als bei einem Jazz-Schlagzeuger. Wichtig ist, dass der Drummer nicht versehentlich auf die Mikrofone haut oder sich durch sie in seinem Spiel behindert fühlt.

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Bei der Mikrofonierung achtet Hans-Martin Buff penibel auf die Positionierung der Mikrofone

Bei der X/Y-Mikrofonierung baut Hans-Martin Buff die Mikrofone meist in einem 90-Grad-Winkel zueinander auf und strebt tendenziell eine Position so nahe wie möglich über dem Kopf des Schlagzeugers an. Es gehe ja nicht darum, einen großen Raum abzubilden, sondern den Fokus auf das Grundgerüst des Schlagzeugs in Form von Kick und Snare zu setzen. Sollte sich die Snare im Stereobild zu weit rechts oder links befinden, kann es vorkommen, dass ich die X/Y-Signale später im Mix fast auf Mono stelle, wenn zusätzlich noch eine A/B-Aufstellung im Einsatz war.“

Geheimtipps für die Overhead-Mikrofonierung

Ein heißer Tipp für einen Overhead-Sound der etwas anderen Art sind Experimente mit dynamischen Mikrofonen statt der üblichen Kleinmembran-Kondensatormodelle. So stellt sich der Sound bei einer X/Y-Anordnung nicht übertrieben höhenlastig dar und das Verhältnis zwischen Trommeln und Blech wirkt trotz ausgeprägtem Punch sehr natürlich.

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Zwei Modelle des Sennheiser MD 421 in der X/Y-Anordnung

Im Lauf der Jahre hat Hans-Martin Buff unterschiedliche dynamische Mikrofone für X/Y-Aufbauten am Schlagzeug ausprobiert. Aus dem Portfolio von Sennheiser erwähnt er lobend die dynamischen Modelle vom Typ Sennheiser MD 421 und beschreibt sie als »warm, mittig und erdig«. Auch über die neueren Modelle des deutschen Traditionsunternehmens weiß er Gutes zu berichten. So schlage sich das MK 4 in einem eigentlich unfairen Vergleich mit exorbitant teureren Luxusmikrofonen klanglich erstaunlich gut. In seinen Ohren rangiert es gleich hinter etablierten Lösungen, für die deutlich höhere Beträge aufgerufen werden. An den Toms lieferte es gute Ergebnisse, auch als X/Y-Setup gab das MK 4 in seinem Setup schon eine großartige Figur ab, so Buff.

Drumsounds

Bei der Produktion des Software-Instruments DrumMic’a! spielte Marco Bussi ein Drumkit aus Acrylglas, während der versierte Drummer auch sonst mit einem transparenten Set der deutschen Schlagzeugmanufaktur WAHAN unterwegs ist. Dank des synthetischen Werkstoffs liefere das Acrylglas-Set stets gleichbleibende Klangeigenschaften. Bei Rock- und Pop-Produktionen bevorzugt er gerade in Live-Situationen seine Acrylglaskessel und ihren Attack-reichen Sound mit kräftigem Grundton.

Es verwundert nicht, dass Marco Bussi das MD 421 aus unterschiedlichen Studio-Einsätzen geläufig ist. Dem Klassiker für die Abnahme von Toms bescheinigt Marco Bussi »das nötige Low End«, welches die Trommeln »unten herum stark klingen lässt« und alles in allem »einen runden Tom-Sound« liefere. Für Live-Einsätze schätzt Bussi das Sennheiser e 904, wobei er an den Toms wie an der Snare Drum bereits sehr guten Ergebnisse erzielt hätte. »Man darf in diesem Fall sicher von einer Art Allzweckwaffe sprechen«, so Bussi.

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Bei der Produktion von DrumMic’a! spielte Marco Bussi ein Drumkit aus Acrylglas

Auch die Clip-Halterungen schätzt er sehr – »man kann sich die elende Stativschlepperei sparen, wenn man selber Mikros zum Gig mitnimmt«. Nicht zuletzt werde die Aufbauzeit dank der Clips extrem verringert.

Marco Bussi differenziert: Im Live-Segment hätte sich die A/B-Anordnung durchgesetzt, weil es in der Regel darum geht, Breite zu erzeugen und die Becken besonders herauszustellen. Beim Recordings soll dagegen der Höhenbereich des Sets als Einheit abgebildet werden, wobei es im Studio sinnvoll sein kann, eine X/Y- und eine A/B-Anordnung parallel aufzubauen.

Wenn er mit In-Ear-Hörern spielt, empfindet Bussi eine X/Y-Anordnung als wesentlich angenehmer – aus ihr resultiert viel mehr Präsenz, weil beide Kapseln zu jeder Schallquelle stets den gleichen Abstand haben. Daraus ergebe sich wesentlich mehr Druck – Kick und Snare hätten bei der X/Y-Variante richtig »Bums«, während die A/B-Aufstellung meist für weicher wirkende Ergebnisse sorge. Dafür sei das Stereofeld dann allerdings breiter.

DrumMic’a!

Die Aufnahmen für DrumMic’a! wurden unter tontechnischer Leitung von Hans-Martin Buff in den hannoverschen Peppermint Park Studios realisiert. Zur Vorverstärkung der Mikrofone kam die hauseigene SSL-Konsole zum Einsatz, deren Ausgangssignale in einer DSP-basierten DAW aufgezeichnet wurden.

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Die SSL-Konsole in den hannoverschen Peppermint Park Studios

Um die bestmögliche Klangqualität sicherzustellen, wurden sämtliche Signale mit einer Wortbreite von 24 Bit digitalisiert, sodass der vollständige Dynamikumfang der Schlaginstrumente abgebildet wird. In der Software lassen sich nicht nur einzelne Mikrofone der Traditionshersteller Sennheiser und Neumann miteinander vergleichen, sondern bei der Overhead-Mikrofonierung werden auch die Unterschiede zwischen den Stereo-Verfahren A/B und X/Y erlebbar.

Du willst dir einen Eindruck verschaffen, welche Auswirkungen die Mikrofonierung und unterschiedliche Mikros auf den Sound haben? Dann lade dir das virtuelle Schlagzeug mit seiner umfangreichen Mixer-Sektion kostenlos herunter und lass es krachen!

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Lesermeinungen (7)

zu 'Overhead-Mikrofonierung: Profitipps von Hans-Martin Buff & Sennheiser'

  • m4d3raIn   19. Sep 2013   12:08 UhrAntworten

    Aha. Kardinalsfehler.

    Und dann das XY falsch aufbauen.... ouh man...!
    XY 90 ° funktioniert ohnehin schon nicht am Drumset aufgrund mangelnder Abbildungsbreite bzw. zu großem Aufnahmebereich... über 130 ° könnte man ja noch sprechen...

    ein höherer Öffnungswinkel ist auch viel sinnvoller aufgrund der frequenzrichtigen Abbildung des Drumkits… Je nach Richtcharakteristik des Mikrofons ist dieser Anzupassen.

    “Sollte sich die Snare im Stereobild zu weit rechts oder links befinden, kann es vorkommen, dass ich die X/Y-Signale später im Mix fast auf Mono stelle”

    Warum nicht gleich auf einer Achse von Snare und Bassdrum mikrofonieren?
    …oder Abstände bei der AB Mikrofonierung messen…

  • Drummerboy   19. Sep 2013   13:50 UhrAntworten

    Puh, das ist schon hart über XY zu sprechen und die Mikros dann so aufzubauen. Es ist einfach kein XY...es mag zwar klingen aber es ist einfach nicht das wovon er redet. Schade seine Ansichten und die Art und Weise gefallen mir gut...

  • Raphael   20. Sep 2013   12:19 UhrAntworten

    @ Drummerboy & Co:
    Wenn man's sehr genau nimmt, dann hat der hier keine ganz genaue XY. Bei XY müssen die Kapseln übereinander liegen so dass sich keine Laufzeitdifferenzen ergeben und das Stereobild durch die Pegeldifferenzen ergeben. Soweit die Theorie. Aber...AB oder Laufzeitmikrofonie würde ich es auch noch nicht nennen, weil der Abstand der Mics hier doch relativ gering ist. Es hat was von beidem und dürfte daher eher der Idee der ORTF Anordnung näher kommen...
    Ich finde es aber jetzt auch nicht grundsätzlich falsch von XY zu sprechen...

    Dennoch...interessanter Aspekt auch mal anderes Zeugs zu probieren!
    Wer hat auch schon mal rumexperimentiert???

    MD 421 find ich z.B. in der Kick ganz gut. Bei meiner Kick (Starclassic Maple 20") nehme ich in diesem Fall bei 200 Hz noch ein bissel was raus und dann passt der Sound schon relativ gut!

    Beta 57 find ich noch ganz gut an der Snare :-)

    Ich habe bei den letzten Produktionen auch angefangen die Overheads nicht als Overheads im eigentlichen Sinne einzusetzten, sondern habe diese Vor das Drum Set in AB Anordnung in ca. 1,8 m Höhe aufgebaut und nach vorne gerichtet. Die Idee: Tiefenstaffelung, bzw. die Abbildung des Sets so wie ich es auch hören würde, wenn ich davor stünde...

  • Marsi   07. Okt 2013   09:58 UhrAntworten

    Grad das alte graue MD421 ist einfach eine Allroundwaffe im Studio. Ein Overheadfan bin ich schon lange nicht mehr, wenn dann Recorderman oder Glyn Johns und die sowieso mit MD421. Je nachdem was Soundtechnisch gebraucht und gewünscht wird.
    Sehr interessant ist auch eine Abnahme des ganzen Sets von ziemlich weit unten. Z.B. mit MD421 oder SM57 in etwa 30cm Höhe, links und rechts neben der Kick in Höhe des Resananzfells, etwa im 45° Winkel nach oben gerichtetund jeweils leicht nach aussen gedreht. In Kombination mit einem Mikro VOR der BassDrum und einem etwas wärmeren Snaremikro, (z.B. Beyer M201) hat man einen interessanten Drumsound der sehr homogen klingt.
    Overheads in Kombination mit einzlnen Mikros an Toms, Hat, Snare, Ride, Room,.... finde ich machen immer Probleme und matschen alles zu. Es gilt immer die Devise: Weniger ist (meist) mehr. Und wer meint mit viel viel erreichen zu können, braucht das eher als Ersatzbefriedigung ;-)

    • Raphael   07. Okt 2013   16:47 UhrAntworten

      Interessanter Ansatz!
      Anstatt der Overheads die "Gesamtabnahme" an einer anderen Position vorzunehmen. Das muss ich bei Gelegenheit mal ausprobieren :-)

      Was den Konflikt mit den Overheads angeht:
      Ich glaube man muss da schlicht und einfach differenzieren wischen einem real oder realer klingenden Set und einem konstruierten Set (ich habe da jetzt einfach mal diese Begriffe erfunden). Mit Sicherheit gibt es Situationen, wo man mit 1-2 Mikros und wenig viel viel mehr erreichen kann. Z.B. ist es ja häufig auch bei Jazzsachen so üblich, dass man auf Close Micing verzichtet und mit 2-4 Mikros arbeitet, die dann intelligent platziert werden.

      Das Problem bei Overheads (je nach Genre) ist, dass man in der Tendenz dazu tendiert ein Ereignis zu konstruieren. Ob das jetzt ein Problem ist sei da hingestellt, aber dadurch, dass alles nah abgenommen ist, kann man sich alles so hindrehen wie man es braucht (deshalb ballert bei vielen Metalproduktionen auch die Kick und Snare oft so raus, während die Becken je nachdem sehr weit unten sind)...
      Man muss halt abwägen...

      Man kann uch gezielt bei Overheadstechniken die Nahmikrofonierung als Stütze einsetzen, so dass man zunächst versucht den Grundsound mit den Overheads (oder in diesem Fall dann Besser einem Päärchen davor, so dass auch die Kick gut abgebildet ist) und die einzelnen Mikros dann nur im Bedarfsfall benutzt...

      hm...

      • Marsi   08. Okt 2013   11:21 Uhr

        Es ist immer eine Frage des Zieles, aber gerade darin unterscheiden sich ja die entsprechenden Produzenten, Tonmenschen und Musiker.
        Im Laufe der Zeit habe ich mich dazu entwickelt, in einer Produktion gleich welcher Art und Genre, das Schlagzeug als ein Instrument zu sehen. Das setzt allerdings voraus, dass der Drummer sein Set stimmen kann, das Set gut klingt und die Aufnahmegegebenheiten entsprechend sind.
        Entgegen der landfäufigen Meinung das große Räume für Drumrecording gut sind, mag ich es lieber klein und gedämpft. Ich stelle grad bei der Drumabnahme von unten lieber die Mikros auf oder an eine Glas- oder Holzplatte. Der Effekt ist viel deutlicher wahrzunehmen und matscht lange nicht so. Wenn das ganze dann mit evtl. einem Kickmikro zur Stütze und einem Snaremikro von oben her funktioniert und das ganze rund klingt, passt es auch in den Mix. Dann kann mit Kompressor und evtl. Raum- und Hallanteilen noch die Positionierung vorgenommen werden. aber das Set ist als Einheit abgebildet.
        Bei vielen 'konstruierten' Recordings wirkt es für mich total unglaubwürdig. Die Snare steht im Kölner Dom, die Kick runtergepitcht auf der Freien Wiese, die Toms klingen wie im Badezimmer und das ganze Set ist breiter aufgestellt als ein komplettes Symphonieorchester. Sorry, aber meine Meinung da ist setzen, Thema verfelht, sechs!!

  • Raphael   09. Okt 2013   22:21 UhrAntworten

    @ Marsi:
    Da muss ich DIr zustimmen!
    Ich persönlich mag es auch das Drum Set als ein Instrument zu sehen. D.h. ich verzichte zumeist vollkommen auf den Einsatz von Gates und arbeite mehr mit dem EQ. Übersprechungen gehören halt einfach dazu beim Drum...

    In der Tat ist es immer toll, wenn Schlagzeuger in der Lage sind ihr Set zu stimmen! Aber gut...man erlebt da hier und da immer mal wieder Überraschungen.

    Große Räume halte ich auch für kein Muss bei Drum Recording. Ich persönlich mag kleinere und sehr trockene Räume. ABER...natürlich kann man in kleinen Räumen (ob real oder virtuell) halt nicht so viel mit Tiefenstaffelung machen. Aber auch das ist finde ich Geschmacksache...

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