Mikrofonierung & Mikrofone: Kanntest Du diese Tipps schon?

7 Tipps rund um Mikrofonierung & Mikrofone

Die meisten Musiker, die ihren Sound auch selbst aufnehmen wollen, müssen sich mit Mikrofonen und der Mikrofonierung allgemein auseinandersetzen. Es ist ein weites Feld und bedarf einiger Erfahrung, nicht umsonst gibt es den beruflichen Zweig eines Recording Engineer. Doch auch Einsteiger und Fortgeschrittene können mit ein paar Kniffen schon eine Menge mehr aus ihren Aufnahmen herauskitzeln. Wie viele der untenstehenden Tipps und Tricks rund um Mikrofone und Mikrofonierung kanntest Du bereits?

Mikrofonierung & Mikrofone

1. Nahbesprechungseffekt für fettere Drums

Bei vielen Sängern und Sprechern kann man beobachten, wie sie den Nahbesprechungseffekt bei Mikrofonen mit Nierencharakteristik ausnutzen, um »größer« zu klingen. Dieser Nahbesprechungseffekt bewirkt eine Steigerung des Basses in der Aufnahme und kann deswegen auch dazu genutzt werden, Kick Drums oder Bässe fetter klingen zu lassen. Allerdings musst Du bei anderen Instrumenten aufpassen, da tiefe Frequenzen schnell »breiig« werden.

2. Akustische Gitarre aufnehmen

Um eine schöne Aufnahme einer Akustikgitarre zu bekommen, kannst Du zwei Mikrofone verwenden (wobei in vielen Fällen auch ein einziges Mikrofon reicht, vor allem wenn die Gitarre in einem vollen Mix endet). Ein Großmembranmikrofon kannst Du – natürlich auf einem Mikrofonstativ – über die Schulter des Gitarristen in Richtung Gitarre hängen, das zweite Mikrofon, ein Kleinmembraner, so etwa 20-30 cm vor die Gitarre in Richtung des 12. Bundes.

Wie immer, wenn Du mehr als nur ein Mikro verwendest, solltest Du auf Phasenverschiebung achten. Eine einfache Regel, um eventuell entstehenden Phasensauslöschungen zu begegnen, ist die 3-zu-1-Regel. Wenn das erste Mikrofon eine Handbreit von der Box entfernt ist, sollte das zweite Mikrofon drei Handbreit entfernt sein.

3. Bändchen-Mikrofone für Overheads

Bändchenmikrofone können großen Lautstärken standhalten bzw. diese reibungslos aufnehmen. Daher eignen sie sich hervorragend, um die Overheads beim Schlagzeug aufzunehmen. Mit einem Mikrofon mit Acht-Richtcharakteristik kannst Du beide Becken mit der Acht aufnehmen und bekommst damit fantastisch klingende Drumsounds ohne übermächtige Becken.

4. Manchmal reicht ein dynamisches Mikrofon

Klar, ein gut sortiertes Tonstudio darf ruhig Mikrofone wie Kleinmembran- oder Großmembrankondensator, ein Bändchenmikrofon oder… sein eigen nennen. Nur: In vielen Fällen ist das dynamische Mikrofon nicht nur ausreichend, sondern sogar die erste Wahl. Dynamische Mikrofone sind nicht nur robust und können sehr große Lautstärken aushalten – die High-End-Varianten wie z.B. das Electro-Voice RE-20 bringen sogar einen Klang, der Bändchen- oder Kondensator-Mikros ähnelt.

5. Mikrofone mit mehreren Richtcharakteristika sind vielseitiger

Gute Mikrofone sind teuer und wenn das Mikrofon zudem noch mehr als eine Richtcharakteristik haben soll, dann wird es nicht gerade günstiger. Aber wenn Du Dir nur ein einziges Mikrofon leisten kannst, bist Du z.B. mit einem Rode NT2A oder einem Neumann U 87 AI bestens bedient. Damit hast Du die Optionen einen Raum mit Kugelcharakteristik, ein Vocal mit Niere oder wie hier beschrieben die Overheads mit der Acht aufzunehmen. Dreifache Einsatzmöglichkeiten für das Geld!

6. Kein Übersprechen mehr!

Dieser Tipp gilt insbesondere für die Aufnahme von Schlagzeug. Einer der Schlüssel für einen fantastischen Drumsound ist es, die einzelnen Drums voneinander zu isolieren. Natürlich geht es hier nich darum, eine perfekte Isolierung der einzelnen Drums zu erreichen, denn das würde wiederum steril klingen. Aber tendenziell gilt je besser die Trennung der Einzelspuren, desto mehr Punch und Klarheit in der Aufnahme.

Nutze für die Aufnahme des Schlagzeugs Mikrofone mit Nieren- und Hypernieren-Richtcharakteristik. Du kannst auch so genannte Gobo-Wände zur zusätzlichen akustischen Isolierung einzelner, wichtiger Mikrofone nutzen.

7. Kondensator live?

Bis vor kurzer Zeit bedeuteten Live Vocals ein dynamisches Mikrofon (das Shure SM58 dürfte ungebrochen das beliebteste sein). Aber mit den Entwicklungen in der Technologie kommen immer mehr Kondensatormikrofone auf den Markt, die auch in einer Live-Situation noch Studioqualität bringen und jede Nuance des Gesangs wiedergeben. Diese neue Generation von Live-Mikros bieten neben dem kristallklaren Klang auch die Robustheit und die geringe Anfälligkeit für Feedbacks der dynamischen Verwandten.

Welche weiteren Tipps kennst Du noch?

Lesermeinungen (3)

zu 'Mikrofonierung & Mikrofone: Kanntest Du diese Tipps schon?'

  • Osan
    05. Okt 2009 | 17:17 Uhr Antworten

    Hallo Zusammen,
    die oben genannten Tipps kannte ich bisher nicht und habe sie mir jetzt einfach mal durchgelesen. Wie Carlos vermutlich noch wissen müsste habe ich mein Interesse zum Musik “machen” erst vor knapp über einem Jahr entdeckt.

    Ich habe mir jetzt endlich ein Micro gekauft, ein Rode NT-1A habe gelesen dass es wohl für den Anfang nicht schlecht, und ein guter Allrounder sein soll. Dazu habe ich mir noch das Edirol UA-4fx Interface gekauft. Hierzu bräuchte ich ein wenig Hilfe beim Einstellen.

    Vielleicht möchte mir hier ja jemand helfen! Ich würde mich auf jeden Fall freuen.

    @Carlos: Das mit dem Forum hat sich wohl erledigt :D…

  • Peter
    05. Mai 2010 | 18:19 Uhr Antworten

    Die Tipps sind wirklich brauchbar. Ich bin gerade dabei meine Band auzunehmen, 2 Akustische Gitarren, Bass und Gesang. Ich habe die Gitarren mit 2 Mikrofonen aufgenommen 2 x Rhode Nt1a mit Focusrite Saffire Pro 40 als Interface. Ich habe den Eindruck, dass es mit 2 Mikros doch um einiges räumlicher wirkt.
    Vielen Dank für die immer tollen und lehrreichen Beiträge. Seit ich auf Eure Seite gestossen bin konnte ich bereits sehr viel in der Praxis nutzbringend anwenden.

  • Die Seelen
    29. Apr 2011 | 16:12 Uhr Antworten

    Zu “Kondensator Live?” kann ich nur sagen, dass ich seit gestern stolzer Besitzer des EV Blue Cardinal bin. Die ersten Proben verliefen einwandfrei. Ein klasse Sound für schmales Geld. Wie du schreibst: kristallklar!

    Das Mikrofon ist bei mir am Keyboardständer fest “verankert”. Wenn man gegen den Arm schlägt hört man das auf jeden Fall. Das ist bei Mics mit Gummihalterung nicht ganz so extrem. Sollte man also wissen, bevor man sich das Teil zulegt.

    Gruß
    Torben

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