Mikrofonierung & Mikrofone: Kanntest Du diese Tipps schon?
Bis auf wenige Ausnahmen müssen sich fast alle Musiker mit Mikrofonen und Mikrofonierung auseinandersetzen. Wie wähle ich mein Mikrofon aus? Wo stelle ich es auf? Teste Dein Wissen und sieh, ob Du diese Tipps zur Mikrofonierung schon kanntest…
Mikrofonierung & Mikrofone: Kanntest Du diese Tipps schon?
Wieviel der untenstehenden Tipps und Tricks rund um Mikrofone und Mikrofonierung kanntest Du bereits? Welche weiteren Tipps kennst Du noch?
Nutze den Nahbesprechungseffekt für fettere Bass- und Kickdrum-Spuren
Bei vielen Sängern und Sprechern kann man beobachten, wie sie den Nahbesprechungseffekt bei Mikrofonen mit Nierencharakteristik ausnutzen, um größer zu klingen. Dieser Nahbesprechungseffekt bewirkt eine Steigerung des Basses in der Aufnahme und kann deswegen auch dazu genutzt werden, Kick Drums oder Bässe fetter klingen zu lassen.
Allerdings muss man bei anderen Instrumenten aufpassen, da die tiefen Frequenzen schnell breiartig werden können.
Akustische Gitarre aufnehmen
Um eine schöne Aufnahme einer Akustikgitarre zu bekommen, kannst Du zwei Mikrofone verwenden (wobei in vielen Fällen auch ein einziges Mikrofon reicht, vor allem wenn die Gitarre in einem vollen Mix endet). Ein Großmembranmikrofon kannst Du über die Schulter des Gitarristen in Richtung Gitarre hängen, das zweite Mikrofon, ein Kleinmembranmikrofon, so etwa 20-30 cm vor die Gitarre in Richtung des 12. Bundes. Wie immer, wenn Du mehr als nur ein Mikro verwendest, solltest Du auf Phasenauslöschungen achten.
Bändchen-Mikrofone eignen sich hervorragend für die Aufnahme von Overheads
Bändchenmikrofone können großen Lautstärken standhalten bzw. diese reibungslos aufnehmen. Daher eignen sie sich hervorragend, um die Overheads beim Schlagzeug aufzunehmen. Mit einem Mikrofon mit Acht-Richtcharakteristik kannst Du beide Becken mit der Acht aufnehmen und bekommst damit fantastisch klingende Drumsounds ohne übermächtige Becken.
Manchmal reicht ein dynamisches Mikrofon
Klar, ein gut sortiertes Tonstudio darf ruhig Mikrofone wie Kleinmembran- oder Großmembrankondensator, ein Bändchenmikrofon oder… sein eigen nennen. Nur: In vielen Fällen ist das dynamische Mikrofon nicht nur ausreichend, sondern sogar die erste Wahl. Dynamische Mikrofone sind nicht nur robust und können sehr große Lautstärken aushalten – die High-End Varianten wie z.B. das Electro-Voice RE-20 bringen sogar einen Klang, der Bändchen- oder Kondensator-Mikros ähnelt.
Fetter Gitarrensound vs. Phasenschweinereien
Natürlich kann man mit zwei Mikrofonen einen richtig fetten Gitarrensound aufnehmen (man denke da z.B. nur an die Kombination von Shure SM57 und einem Großmembranmikrofon). Wenn Du aber beim Aufstellen und Ausrichten der Mikros nicht sorgfältig arbeitest, kannst Du die Aufnahme mit Phasenauslöschungen komplett ruinieren.
Eine einfache Regel, um diesen Phasensauslöschungen zu begegnen, ist die 3 zu 1 Regel. Wenn das erste Mikrofon eine Handbreit von der Box entfernt ist, dann sollte das zweite Mikrofon drei Handbreit entfernt sein.
Mikrofone mit mehreren Richtcharakteristika sind vielseitiger
Gute Mikrofone sind teuer und wenn das Mikrofon zudem auch noch mehr als eine Richtcharakteristik haben soll, dann wird es nicht gerade günstiger. Aber wenn Du Dir nur ein einziges Mikrofon leisten kannst, so bist Du z.B. mit einem Rode NT2A oder einem Neumann U87AI bestens bedient.
Damit hast Du die Optionen einen Raum mit Kugelcharakteristik, ein Vocal mit Niere oder wie hier beschrieben die Overheads mit der Acht aufzunehmen. Dreifache Einsatzmöglichkeiten für das Geld!
Der Schalter auf der Rückseite kann Dich retten
Viele Mikrofone kommen mit einem Schalter, die eine so genannte Vordämpfung des Signals bewirken. Diese Dämpfung beträgt bei den meisten etwa -10 bis -15 dB, was genug ist, um laute Schallquellen soweit zu dämpfen, dass die Aufnahme nicht verzerrt wird und Du einen guten Klang bekommst.
Wenn Dein Mikrofon keinen solchen Schalter besitzt, dann kannst Du dir mit einem so genannten In-Line Pad Attenuator behelfen. Diese kleinen und nützlichen Werkzeuge bieten dieselbe Funktion an und können mit jedem Mikrofon genutzt werden.
USB Mikrofone werden erwachsen
Vor wenigen Jahren wurden diese Mikrofon-Exoten noch von den Profis belächelt und allenfalls als gut genug für das Podcasting gesehen. In der Zwischenzeit gibt es aber einige ernst zu nehmende Exemplare, die für die Produktion einer Demo-CD ausreichend scheinen.
Die direkte Verbindung zum Computer bietet enorme Portabilität bei guter Klangqualität und eignet sich daher natürlich auch immer noch für die Produktion eines Podcasts.
Kein Übersprechen mehr!
Dieser Tipp gilt insbesondere für die Aufnahme von Schlagzeug. Einer der Schlüssel für einen fantastischen Drumsound ist es, die einzelnen Drums voneinander zu isolieren. Natürlich geht es hier nich darum, eine perfekte Isolierung der einzelnen Drums zu erreichen, denn das würde wiederum steril klingen. Aber tendenziell gilt je besser die Trennung der Einzelspuren, desto mehr Punch und Klarheit in der Aufnahme.
Nutze für die Aufnahme des Schlagzeugs Mikrofone mit Nieren- und Hypernieren-Richtcharakteristik. Du kannst auch so genannte Gobo-Wände zur zusätzlichen akustischen Isolierung einzelner, wichtiger Mikrofone nutzen.
Test bestanden?
Wieviele der Tipps und Tricks kanntest Du schon vorher?
Hast Du noch mehr Tipps zu Mikrofonierung / Mikrofone? Wir sind gespannt von Dir in den Kommentaren zu hören!
Kondensator live?
Bis vor kurzer Zeit bedeuteten Live Vocals ein dynamisches Mikrofon (das Shure SM58 dürfte ungebrochen das beliebteste sein). Aber mit den Entwicklungen in der Technologie kommen immer mehr Kondensatormikrofone auf den Markt, die auch in einer Live-Situation noch Studioqualität bringen und jede Nuance des Gesangs wiedergeben.
Diese neue Generation von Live-Mikros bieten neben dem kristallklaren Klang auch die Robustheit und die geringe Anfälligkeit für Feedbacks der dynamischen Verwandten.


05. Okt 2009 | 17:17 Uhr
Hallo Zusammen,
die oben genannten Tipps kannte ich bisher nicht und habe sie mir jetzt einfach mal durchgelesen. Wie Carlos vermutlich noch wissen müsste habe ich mein Interesse zum Musik “machen” erst vor knapp über einem Jahr entdeckt.
Ich habe mir jetzt endlich ein Micro gekauft, ein Rode NT-1A habe gelesen dass es wohl für den Anfang nicht schlecht, und ein guter Allrounder sein soll. Dazu habe ich mir noch das Edirol UA-4fx Interface gekauft. Hierzu bräuchte ich ein wenig Hilfe beim Einstellen.
Vielleicht möchte mir hier ja jemand helfen! Ich würde mich auf jeden Fall freuen.
@Carlos: Das mit dem Forum hat sich wohl erledigt :D…
05. Mai 2010 | 18:19 Uhr
Die Tipps sind wirklich brauchbar. Ich bin gerade dabei meine Band auzunehmen, 2 Akustische Gitarren, Bass und Gesang. Ich habe die Gitarren mit 2 Mikrofonen aufgenommen 2 x Rhode Nt1a mit Focusrite Saffire Pro 40 als Interface. Ich habe den Eindruck, dass es mit 2 Mikros doch um einiges räumlicher wirkt.
Vielen Dank für die immer tollen und lehrreichen Beiträge. Seit ich auf Eure Seite gestossen bin konnte ich bereits sehr viel in der Praxis nutzbringend anwenden.
29. Apr 2011 | 16:12 Uhr
Zu “Kondensator Live?” kann ich nur sagen, dass ich seit gestern stolzer Besitzer des EV Blue Cardinal bin. Die ersten Proben verliefen einwandfrei. Ein klasse Sound für schmales Geld. Wie du schreibst: kristallklar!
Das Mikrofon ist bei mir am Keyboardständer fest “verankert”. Wenn man gegen den Arm schlägt hört man das auf jeden Fall. Das ist bei Mics mit Gummihalterung nicht ganz so extrem. Sollte man also wissen, bevor man sich das Teil zulegt.
Gruß
Torben