Recording: Der richtige Pegel bei der Aufnahme

Den richtigen Pegel für die Recording Session finden

Ein Thema, das immer wieder in Gesprächen und den Hörerfragen auftaucht, ist das Finden des richtigen Pegels bei der Aufnahme. Wie laut muss es in das Audio Interface hineingehen, um das Grundrauschen zu minimieren?

Ist es besser nahe bei den 0 dB oder doch lieber bei -3 dB zu bleiben? Sind -6 dB noch laut genug, um eine professionelle Aufnahme zu kreieren?

Aus den Zeiten des analogen Recording haben viele Produzenten die Regel aufgenommen und verinnerlicht, dass es wichtig ist, möglichst laut ins Pult bzw. auf das Band zu gehen. Je lauter Du auf ein Band aufzeichnest, desto mehr kommt es zu einer Bandsättigung, die von vielen als wünschenswert empfunden wird. Dazu kommt, dass das Bandrauschen durch den grösseren Abstand zum Audiosignal in den Hintergrund tritt und die Aufnahme dadurch rauschärmer wird. Und schliesslich gilt ja auch, dass analoges Musik Equipment im Allgemeinen dazu tendiert, bei lauten Pegeln zu saturieren.

Nun, das war früher.

Heute leben wir in einer digitalen Welt, für die ganz neue Regeln gelten. Eine digitale Aufnahme klingt nicht besser, wenn Du sie lauter drehst. Sie wird lediglich lauter. Das heisst, dass Du zwischen zwei Audiosignalen, die mit -6 dB bzw. mit -10 dB in das Audio Interface gehen, keinen klanglichen Unterschied mehr feststellen wirst. Die eine Aufnahme klingt nur etwas lauter als die andere.

Recording: Der richtige Pegel

Recording: Der richtige Pegel

Auf der anderen Seite kannst Du dir durch besonders laute Pegel eine Menge Kopfschmerzen verursachen. Denn in der digitalen Welt von Bits und Bytes gibt es keine Möglichkeit, Audiosignale zu beschreiben, die über der 0 dB Grenze liegen. Digitale Signale werden mit Nullen und Einsen beschrieben, wobei eine Eins für “an”, eine Null für “aus” steht. Die 0 dB Grenze beschreibt das Signal, das nur aus “an” besteht. Alles, was lauter ist, kann nicht noch mehr “an” sein – ergo hörst Du ein hässliches digitales Clipping.

 

Und was ist mit dem Grundrauschen?

Das Grundrauschen (eng. noise floor) beschreibt den Pegel an Rauschen des verwendeten Musik Equipments, wenn kein Audiosignal anliegt. Mit der heutzutage verkauften Technologie kannst Du dich entspannt zurücklegen, denn das Grundrauschen ist vernachlässigbar (und schneidet im Vergleich mit analogem Band deutlich besser ab). Wenn Du es genau nehmen willst, dann ist das Grundrauschen eines guten digitalen Audio Interfaces praktisch nicht-existent.

Wenn Du jetzt noch mit mindestens 24-bit aufnimmst, stehen dir bis zu 144 dB Pegel an Auflösung zur Verfügung. Das heisst, dass der wahrgenommene Abstand zwischen leisestem und lautestem Teil bis zu 144 dB Unterschied im Pegel haben kann – mehr als genug.

Und für die Praxis beim Recording von Audio bedeutet das: Wenn Du ein Vocal mit maximal -10 dB aufzeichnest, bleiben dir noch immer 134 dB über, um das Audiosignal zu beschreiben. Und diese bieten dir noch genügend “Platz” über dem oben angesprochenen Grundrauschen.

Ein maximaler Pegel von -10 dB bedeutet für dich in der Praxis zugleich auch, dass der Sänger bei der eigentlichen Performance auch mal über die Stränge schlagen kann, ohne dass Du ins digitale Clipping kommst. Du kannst der Aufnahmesession also entspannt gegenüberstehen.

 

In Kürze:

Nutze die Power heutiger Hardware und nimm immer mit mindestens 24-bit auf. Sorge dann dafür, dass Du genügend Platz “nach oben” lässt, damit die Musiker auch mal lauter in der Performance sein können als beim Soundcheck. Damit holst Du das Maximum aus deinem Musik Equipment heraus und kannst deine nächste Recording-Session entspannt angehen.

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Lesermeinungen (13)

zu 'Recording: Der richtige Pegel bei der Aufnahme'

  • HU
    22. Mai 2011 | 13:01 Uhr Antworten

    Ist es nicht einfach logisch das man so einpegelt, das es kein Clipping gibt? (also unter 0dB). Ich würde aber nicht von anfang an bei -10 ansetzten, nachher muss man es dann sowieso lauter machen um überhaupt auf vernünftige ergebnisse zu kommen.

  • Czebo
    22. Mai 2011 | 14:27 Uhr Antworten

    “Nach der EBU Technical Recommendation R68-2000 der europäischen
    Rundfunk und Fernsehanstalten sollte der digitale Audiopegel maximal bei
    −9 dBFS (Vollaussteuerung) liegen. Man lässt die darüberliegenden 9 dB
    frei. Der Referenzpegel liegt bei −18 dBFS. 0 dBFS entsprechen
    +15 dBu. Merke: 0 dBFS ist der maximal zulässige digitale Pegel.”

    Referenzpegel laut EBU Empfehlung: -18dBFS. Einige Peaks dürfen bis -9dBFS reichen, der Bereich darüber sollte jedoch frei bleiben.

    Ist selbstverständlich kein Gesetz und nur eine Empfehlung, wird im professionellen Bereich, sowohl im Tonstudio, als auch im Sektor Rundfunk und TV so angewandt. Wer also mit Datenaustausch zu tun hat, Dateien erhält oder bereitstellt sollte von besagten Pegeln ausgehen bzw. diese anstreben.

    MfG, Czebo

  • Marcel
    22. Mai 2011 | 15:18 Uhr Antworten

    Bin jetzt immer nicht so bewandert mit dB, dBFS usw. magst du mal denen unter uns kurz die Unterschiede erklären, ich denke ich werde da bestimmt für einige sprechen.

    Aber erstmal auf jedenfall ein super Ansatz von den Werten.
    Mal davon ab ist es nicht vorallem auch deswegen empfehlenswert nicht zu laut aus zu steuern damit ich genügend Headroom (Puffer bis zur 0 dB Grenze also Clipping im Digitalen) habe und entsprechend auch noch meine Compressor und co mit dem Signal ansteuern kann. Denn wenn ich schon na an der 0 dB Grenze bin wird es doch schwierig mit dem Compressor entsprechend zu arbeiten. Dieser lässt ja im normalfall ja immer noch die Transienten (außer er ist eher wie ein Limiter eingestellt) durch wodurch ja auch der Punch und das leichte Pumpen entseht (besonders bei Rock Numern und co)…

  • Juergen Psychosonic Hösdorff
    22. Mai 2011 | 17:46 Uhr Antworten

    naja, davon ab gibt es echt immer noch daws die nicht die logaritmisch korrekt gemeinsame pegeländerung mehrerer kanäle gleichzeitig erlauben. ich musste oft genug mit subgruppen rumwurschteln nur um nen einzelnen track ohne viel arbeit in relation lauter zu bekommen. keine ahnung warum sich so viele, mich eingeschlossen so schwer damit tun so nen fader einfach mal auf halbmast zu lassen. zumindest bei den daws mit ihren dicken wortbreiten hat man immer mehr als genug dynamik und rauschabstand. …. aber apropos pegel… warum hab ich eigentlich keinen wein gekauft?

  • Patrick
    23. Mai 2011 | 13:08 Uhr Antworten

    Hier noch eine Ergänzung zu Deinem super wichtigen Artikel Carlos:

    Zunächst einmal sollte man im Studio festlegen wo die 0 DBVU liegen sollen. Zu Analogzeiten gab es noch keine DBFS (Full scale).
    Digital ist 0 dbfs das lauteste, mehr geht einfach nicht.
    Amerikanische Studio haben i.d.R. für Ihre 0 DBVU einen Wert von -20 DBFS festgelegt. In Europa tendieren die meisten zu -18 DBFS.
    D.h. wenn ich einen Testton aus der DAW mit -18 oder -20 DBFS an das Pult oder in eine Analoge Hardware schicke, dann sollte mein Wandler und auch meine Hardware so konfiguriert sein, dass die Nadel der Hardware bei 0 DBVU ausschlägt.

    Für Aufnahme ist das Gainstaging gerade bei analogem Equipment aber genauso bei digitalen Plugins extrem wichtig.

    Daher ist es ratsam in dem Bereich aufzunehmen, wo die Hardware oder die Plugins (z.B. bei Emulationen) am Besten klingen.

    Fazit: Aufnahme auf jeden Fall mit 24 bit und ein Signal was zwischen -20 und -12 dbfs liegt, je nachdem wie das Studio kalibriert wurde. Denn dann klingen auch die Plugins viel besser!

    Das Gleiche gilt übrigens auch für Samples: Hier ist es wichtig diese mit einem Trimplugin (FreeG o.ä.) oder auch mit dem Eingangstrim der DAW (z.b. Cubendo) auf dieses Level zu bringen.

    Dein Mix wird davon enorm profitieren.

    Viele Grüße aus Wiesbaden,
    Patrick

  • Manuel
    24. Mai 2011 | 10:39 Uhr Antworten

    guter Artikel!! Ich habe nur immer das Gefühl, dass wenn ich mit niedrigerem Pegel recorde und nachträglich die Aufnahme lauter ziehe, klingt es schlechter als wenn ich mit höherem Pegel aufnehme. Denn durch das nachträgliche lautermachen erhöhe ich doch auch das Grundrauschen oder?

    Gruß aus Wermelskirchen und großes Lob an Delamar!!!

    • Marcel
      02. Aug 2012 | 13:05 Uhr Antworten

      Also wie schon beschrieben reichen die -20/-12/-9 dbfs völlig aus, außerdem bekommt jedes Masteringstudio ein Trauma wenn die ein Mix Mastern sollen welches schon bei -2 dbfs ist, weil was sollen die dann noch Mastern?

      Wenn du Rauschen oder ähnliches mit ein mal in deinem Mix ziehst, dann kann das verschiedene Gründe haben:

      1) Dein Front End ist schlicht weg nicht das dollste. Ich selber habe Anfangs auch viel mit günstigen Nachbauten von Namhaften Mikros gearbeitet und nach und nach immer mehr fest gestellt, dass sie in vielen Dingen halt doch nur billige Nachbauten sind, wie z.B. auch das Eigenrauschen.

      2) Deine Kabelwege sind vielleicht zu lang oder haben irgendwelche Einstreuungen (bei unsmmetrischen)

      3) Du benutzt zwei unterschiedliche Stromkreise, welche dann auch zu Brummen in der Aufnahme führen. Diese wird dann auch erst vielleicht hörbar wenn du den Mix Lauter machst, mit z.B. einem Compressor

      4) Du hast leider etwas am Interface gespart. Einige Hersteller verbauen schlicht weg nicht die dolsten Wandler.

      Naja und es gibt bestimmt noch andere Gründe.

      Fakt ist Recording ist einfach ein teures “Hobby”, zumindest wenn man selber auch eine Gewisse Qualität erreichen möchte.

      Sollte man nicht so große Ansprüche haben, sollte man sich auch ernsthaft GEdanken machen ob nicht zum Teil schon das Mic vom Notebook reicht.
      Wie in einem interssanten Artikel gelesen hat Gotye dies zum Teil gemacht für die Produktion seines Albums :-). Also anders gesagt man bekommt auch entsprechend hörbare Sachen aus weniger guten Equitmentm, es Bedarf nur viel mehr Experimentierfreude, was ja auch sehr kreativ sein kann.

  • Evangelos Psaltis
    13. Jan 2012 | 21:06 Uhr Antworten

    Liebes delamar team, wollte euch einfach nur mitteilen wie GEIL ich eure seite finde, mit all den infos, tutorials, news usw. Ihr seid der HAMMER!!!!! weiter so und DANKE!!!
    lg
    vangee
    ffm

    • Felix Baarß (delamar)
      14. Jan 2012 | 18:44 Uhr Antworten

      Freut uns sehr, Evangelos! Danke für die netten Worte. :)

  • Milo
    02. Nov 2012 | 15:46 Uhr Antworten

    Da die Studiokosten für meine kleinen Produktionen zu teuer sind, finde ich meine Lehrmeister.
    Es klingt immer besser – dank den guten Tipps von Euch!
    Gruss Milo

  • André
    22. Dez 2013 | 10:03 Uhr Antworten

    Danke, war genau was ich wissen wollte.
    Schön wenn sich alles so leicht klären ließe.
    Grüße aus dem Kellerstudio.

  • GUFSZ
    02. Jan 2014 | 15:19 Uhr Antworten

    Ich wollte auf Grund einer Eigenheit der Digitalphotgraphie wissen, wie man Einpegeln soll.

    In der Digitalphotographie gibt es die Regel, wenn ich die Wahl zwischen Überbelichtung und Unterbelichtung habe, dann sollte ich überbelichten. Wenn man die Aufnahme in der Bildverarbeitung auf “Normalpegel” bringt, hat man mehr Details als würde man korrekt belichten. Hätte man unterbelichtet, würde man beim normalisieren Details verlieren. Also es gilt die Spanne zu einer Seite hin auszunutzen, um mehr Feinheiten aufzuzeichnen.

    Die Technik nennt sich “Exposure to the right”

    Gibt es so etwas in der Audiotechnik nicht? Beides Mal geht es um eine Analog-Digitalwandlung

    Dann wird hier das Rauschen erwähnt. Dies sei bei digitalem Equipment vernachlässigbar. Mich als klassischer Gitarrist beschäftigt momentan das Rauschen in meinen Aufnahmen. Ich habe jetzt professionelle Aufnahmen mit meinen verglichen. Das Rauschen ist dort in dB ähnlich kräftig wie bei mir. Das erreiche ich aber nur, wenn ich die Regler an meinem Interface ziemlich weit aufmache.

    Bleibe ich bei niedrigen Werten, ist der Abstand der Gitarre zum Rauschen geringer.

    Gilt die Vernachlässigbarkeit vielleicht erst ab einem bestimmten Pegel der Schallquelle? Klassische Gitarre ist sehr leise.

  • Patrick
    02. Jan 2014 | 17:05 Uhr Antworten

    Jedes analoge Equipment hat sein Eigenrauschen und je geringer das ausfällt, desto besser.
    Im digitalen Bereich kommt dann nichts mehr hinzu, somit ist es bei 24bit im Prinzip egal wie laut Du aufnimmst, wenn man jetzt einigermaßen in der Norm bleibt beim Recording.

    Bei den Preamps gibt es schon große Unterschiede, ebenso bei den Mikros, hier entsteht das eigentliche Rauschen.

    In der rein analogen Welt von früher hat man noch möglichst laut aufgenommen, um das Rauschen so gering wie möglich zu halten.

    In der digitalen Welt spielt dies keine Rolle mehr. Hier ist das Gainstaging viel wesentlicher.

    Analoge Geräte haben idR ein VU Meter mit 0 DBVU als Übergang zum roten Bereich.

    Digital 0 DB liegt jedoch viel höher, denn hier handelt es sich um ein ganz anderes DB.

    Digital: dBfs (full scale) = 0dbfs ist das lautest mögliche
    Analog: dbvu = hier entscheidet jeder selbst, wieviel dbfs dem Wert von 0 dbvu entsprechen sollen.

    In der Regel arbeiten die meisten Studio mit einem Wert von 0 dbvu = -20 bis -15 dbfs.

    Wenn man bei der Aufnahme darauf achtet, dass der Durchschnitt in diesem Bereich liegt und die Spitzen nicht über -12 bis -10 dbfs gehen ist alles im grünen Bereich.

    Am Besten immer mit mindestens 24 bit arbeiten und wenn möglich die Samplerate auf 96 kHz setzen.

    Damit erzielt man die Besten analogvergleichbaren Ergebnisse.

    Und wenn es dann immer noch rauscht, liegt es am minderwertigen analogen Equipment.

    Der Vergleich zu Fotographie spielt dann in diesem Bereich keine Rolle mehr, wäre aber identisch, wenn man Aufnahmen im Bereich von -60 dBfs mit Aufnahmen mit knapp unter 0 dbFS vergleichen würde … hier würde ich auch die lautere bevorzugen, da das Rauschen sonst im Vergleich zur Gitarre zu laut wäre.

    Ein weiterer Vorteil des og gainstagings ergibt sich für plugins:

    Wenn Du mit sehr laut aufnimmst, musst Du in der Regel den Fader der Spur absenken, um den Master nicht zu übersteuern, bei mehreren Spuren.

    Doch die Plugins auf der Spur bekommen weiterhin den vollen Pegel ab! Was passiert also, wenn Du nun der Gitarre ein wenig mehr Glaz geben willst mit einem shelvEQ bei zB 7 kHz ? Richtig der EQ übersteuert die Spur, ohne dass es rot leuchtet … daher lieber leiser mit hochwertigem Equipment aufnehmen, entspannt mischen und mit Fadern um den 0 Bereich arbeiten, wo sie eh besser reagieren als bei -
    20 db oder sonst wo …

    Hoffe das hilft ein wenig ; )) frohes Neues!

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