8 typische Fehler von Bands im Tonstudio – Kennst Du sie?

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8 typische Fehler von Bands im Tonstudio – Kennst Du sie?

Bei den meisten nachstehend aufgelisteten Anklagepunkten muss ich mich auch selbst schuldig bekennen. In jungen Jahren sind die meisten Menschen ungestüm und ungeduldig. Dabei sind diese acht typischen Fehler von jungen Bands ganz einfach zu vermeiden. Man muss nur wissen, worum es geht.

 

1. Würdest Du 500,- Euro Eintritt für einen Club bezahlen?

Wahrscheinlich nicht, oder? Im Tonstudio benehmen sich einige Bands derart, als würde ihnen das viele investierte Geld gar nicht weh tun. Die Arbeitsmoral ist mies und die Leute sind kaum von der Playstation wegzulocken. Andere betrinken sich, machen frühzeitig Feierabend und haben irgendwie gar keine Lust, die eigenen Songs immer und immer wieder zu performen.

Die Lust oder deren Fehlen lässt sich am Ende einer Aufnahme hören, denn in der Musik schwingen Emotionen mit.

 

2. Sind die Songs gut genug?

Ins Tonstudio zu gehen, um die eigene Musik aufzunehmen ist ein bisschen wie ein Rockstar sein. Jedenfalls war das so bei mir, als ich seinerzeit mit meiner Band ins Studio ging, um ein Demo aufzunehmen. Wir konnten es kaum erwarten, unsere Musik auf Band zu hören und haben einen der typischsten Fehler überhaupt gemacht: Wir sind mit unseren ersten acht Songs ins Tonstudio gegangen. Dass das Ergebnis entsprechend mies war, brauche ich wohl kaum noch weiter auszuführen.

Besser wäre es gewesen, 15 Songs im Vorfeld zu schreiben und nur die besten acht aufzunehmen. Vielleicht ist auch dir schon einmal aufgefallen, dass oftmals das Debutalbum einer Band das mit Abstand beste ist. Nicht selten liegt das daran, dass die Band vor ihrem Plattenvertrag etliche Songs geschrieben hat und „nur“ zwölf davon auf dem Album landen konnten – die besten zwölf.

 

3. Kannst Du die Songs gut spielen?

Gerade in Anbetracht der Kosten, die das Recording in einem professionellen Tonstudio nach sich zieht, wundere ich mich oftmals über die lachse Handhabung der Bandproben im Vorfeld. Vor zwei Jahren war ich mit einer Band im Tonstudio, um ihren besten Song aufzunehmen, und musste mir allen Ernstes anhören, dass sie nur andere Songs in den Proben zuvor geübt hatten…genau so schlecht war dann auch die Performance.

Deswegen: Kannst Du deine Songparts in- und auswendig spielen? Kann der Drummer gut zum Click spielen? Habt ihr in der Probe auch mit Click-Track geübt? Sind alle wichtigen Entscheidungen zum Song gefallen? Steht das Arrangement? Sind die einzelnen Parts vielleicht zu schwer zu spielen? Zeit in der Bandprobe ist um einiges preiswerter als die Zeit in einem Tonstudio.

 

4. Für welchen Zweck nimmst Du die Songs auf?

Welche Ziele verfolgst Du mit den Songs? Willst Du nur ein gutes Demo, um dich nach mehr Auftritten für deine Band zu bewerben? In diesem Fall reicht es wahrscheinlich, die Songs live einzuspielen und damit eine Menge Zeit und Geld zu sparen. Oder willst Du die Songs auf CD oder im Web veröffentlichen? Oder dich vielleicht um einen Plattendeal bewerben?

Nur wenn Du im Vorfeld weisst, für welchen Zweck die Aufnahme gemacht werden soll, verhinderst Du böse Überraschungen zum Schluss. Möchtest Du zum Beispiel deine Musik im Radio hören, dann sollten deine Songs nicht gerade epische Länge aufweisen. Und wenn Du deine Songs nur für deine Fans veröffentlichst, brauchst Du dich nicht in das 3:30 Minuten Korsett zu zwingen.

 

5. Das richtige Tonstudio & die DIY-Falle

Das richtige Tonstudio finden ist eigentlich recht einfach, wenn Du einige einfache Punkte abklärst. Wie erfahren ist der Betreiber bzw. der Toningenieur? Welches Equipment steht dort bereit und wie sehen die Räumlichkeiten aus? Wie sieht es mit Referenzen aus? Wieviel kostet das Aufnehmen dort? Es lohnt, sich etwas herumzuschauen. Da es den meisten Tonstudios relativ schlecht geht, kann man häufig sehr gute Studios preiswert mieten.

Ein Tonstudio kostet dennoch viel Geld und das macht das Thema Homerecording für viele überaus interessant. Aber Vorsicht! Auch wenn Du dir für das Geld entsprechend gute Musiksoftware und Musikequipment zulegen kannst: Hast Du auch das Knowhow, um eine gute Aufnahme zu machen? Es braucht Zeit, sich mit der Materie auseinanderzusetzen und bisher ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

 

6. Budget und Zeit

Nicht jede Band hat einen Batzen Geld, um das nächste Album aufzunehmen. Und das macht auch nichts, denn es lassen sich auch mit wenig Geld grossartige Aufnahmen machen – dafür eben weniger Songs. Es ist besser nur einen oder zwei Songs aufzunehmen, die danach richtig gut klingen als zehn mittelmässige, die kein Publikum der Welt hinter dem Ofen hervorlocken könnten.

Für beste Ergebnisse ist es zum Zeitpunkt der Kalkulation des Budgets auch wichtig zu wissen, wie lange die Aufnahme eines Songs ungefähr dauern wird. Dazu sollten dann die Zeit und Kosten für Mixing und Mastering hinzugezählt werden – oftmals nicht im Budget vorgesehen.

 

7. Auf erfahrene Leute hören

In Punkt 4. haben wir einen erfahrenen Toningenieur gesucht (und hoffentlich auch gefunden). Dieser hat in seinem Leben wahrscheinlich schon so viele Bands und Musiker aufgenommen und produziert, dass es eine Schande wäre, nicht auf seinen Rat zu hören. Wenn er Vorschläge in Sachen Abmischen oder Mastering macht, dann hör auf ihn, denn er hat – genau wie deine Band – Interesse daran, eine gute Aufnahme zu produzieren.

Vor allem aber hat er eine ungetrübte Sicht auf deine Musik. Er hat keinen Part selbst eingespielt und muss seinem Ego nicht mit besonders lauter Gitarre oder überpräsentem Gesang schmeicheln – er ist nicht nur technisch versiert, sondern kann obejktive Entscheidungen im Sinne der Musik treffen.

 

8. Edits und Instrumentals

Okay, weitere Versionen, Edits und die Instrumentals bouncen zu lassen ist ein zusätzlicher Kostenfaktor. Andererseits wirst Du es nie wieder so preiswert wie jetzt bekommen, wenn alle Geräte noch angeschlossen und die Projekte offen sind. Songs mit zehn Minuten Länge sind in Ordnung, aber es spricht auch nichts dagegen, einen 3:30 Minuten Song für das Radio als Edit herauszuschneiden.

Und wenn wir schon bei den Edits sind, dann solltest Du den Toningenieur bitten, sicherheitshalber noch Mixe mit +2dB/-2dB bei Drums, Bass und Vocals zu machen. Schaden kann das nicht und oft genug habe ich damit schon eine Menge Zeit sparen können.

Es macht auch oftmals Sinn, sich die Instrumentals ohne Vocals rendern zu lassen – wer weiss, ob die nicht irgendwann mal für einen Auftritt im Fernsehen genutzt werden müssen. Bei HipHop-Künstlern sind die Instrumentals sogar noch wichtiger, da diese für fast alle Auftritte vorliegen müssen.

 

Und was sind deine Erfahrungen?

Nun, das sind acht Dinge, die nicht nur viele Bands in ihrer Studioarbeit falsch machen. Die meisten davon habe ich schon selbst gemacht. Was waren denn deine Erfahrungen beim Aufnahmen im Tonstudio? Welche Dinge würdest Du heute nicht mehr machen?

Hat dir dieser Artikel gefallen? Hast Du etwas lernen können? Kennst Du vielleicht einen Bandkollegen oder Freund, der diesen Artikel vielleicht interessant finden könnte? Dann verlinke uns auf deiner (Band-)Webseite oder in deinem Lieblingsforum! Empfiehl uns weiter auf Twitter, Myspace oder Facebook und garantiere damit, dass wir auch morgen noch weitere Tutorials dieser Art kostenlos für dich veröffentlichen können. Danke!

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Lesermeinungen (11)

zu '8 typische Fehler von Bands im Tonstudio – Kennst Du sie?'

  • Sascha   08. Jan 2010   08:30 UhrAntworten

    Meine Erfahrung ist, dass man vor dem ersten Studio-Besuch die zur Verfügung stehende Zeit (gerade bei kleinem Budget) falsch einschätzt und sie viel zu schnell Ende ist. Entweder geht man mit nicht fertigem Material nach Hause oder man sprengt sein Budget. Vorher mit dem Studio abklären was man will und ob das realistisch ist erspart Frust.

  • Sargeist   08. Jan 2010   11:09 UhrAntworten

    Also bezogen auf Metal Bands passt der Punkt mit dem Radioversionen einiger Song ja garnicht.
    Wir haben zum Beispiel nur den Fehler gemcht uns nicht Genug vorbereitet zu haben. Das kostete viel Zeit und vermeidet das man was bezgl Sound und Verstärker experimentieren könnte, stattdessen sind wir froh wenns mit dem vorhandenen Material so gut wie möglich klingt.

    Ein Fehler ist das aber nicht wenn man vor der playi sitzt und den tag verzockt.
    Das ist eher ne persönliche Schwäche. Wir bezahlen zwar nur wenig aber je verschwendeter Stunde steigt es langsam aber stetig an. Man sollte sich interessieren was getan wird bzgl drums gitarre etc. Meistens gibt es einen Perfektionisten in der Band der alles begutachtet, der spielt dann meistens gerade ein oder ist nur neugierig der Rest wartet und hatten keinen BEzug dazu. Solange die unbetroffenen ihre Zeit mit Ablenkung fristen ok. Das machen sie nämlich alle.

    Danke für Tipps/Erinnnerung.

  • Mütze   08. Jan 2010   11:53 UhrAntworten

    "der Rest wartet und hatten keinen BEzug dazu. Solange die unbetroffenen ihre Zeit mit Ablenkung fristen ok. Das machen sie nämlich alle."

    Das ist der Unterschied zwischen guten und schlechten Bands!!!

  • Domme   09. Jan 2010   01:26 UhrAntworten

    Ein großes Manko, was mir bisher als aktiver Musiker aufgefallen ist, ist der Fakt, dass im Vorfeld viel zu wenig Kommunikation zwischen Techniker und Musiker passiert.

    Dabei ist eine gute Vorproduktion schon die halbe Miete. Genau das versuche ich als Tontechniker umzusetzen :-)

  • Teemoe   17. Aug 2012   12:19 UhrAntworten

    Die DIY-Falle... dazu mal die persönliche Ernüchterung

    2006 - Bandgründung, Auftritte, Euphorie
    2006 - Naivität bezüglich Aufnahmen -> DIY-Record
    2007 - erste urgrottige Demo-CD aus (Ehr)geiz selbst
    aufgenommen
    2008 - Neuer Versuch, lernen der Materie, unzählige Aufnahmen
    hunderte Bounces, Frust, Frust, Frust... Ernüchterung...
    2012 - Der erste Song hat die angestrebte Qualität!!! Nach
    4 Jahren intensivem auseinandersetzen mit der Materie
    und Übung entstehen die ersten hörbaren Ergebnisse

    Liebe Homerecorder. Es ist nicht so einfach wie ihr denkt :D Wenn ihr die komplette Seite hier durchgelesen habt und das Ganze eingehend geübt habt, könnt ihr drüber nachdenken ;D

  • Freddy   26. Jun 2013   09:42 UhrAntworten

    Ich bin jetzt seit 12 Jahren dabei, hab erst ne Ausbildung im Studio gemacht, und dann meinen Toningenieur. Ich bin entsetzt über die Preisgestaltung der Tonstudios.Viele bieten einen Tag für 400 Euro. Das ist viel zuwenig. Den Tipp, dass die Studios am Boden sind und man deshalb billig ins Studio kommt finde ich absolut respektlos. Gute Arbeit kostet Geld. Tonträgerkrise hin oder her. Ich würde als Band niemandem vertrauen der nur 400 Euro All inkl. am Tag nimmt, plant lieber das doppelte ein. Die Technik kostet einen Haufen Geld und das Know How ist mühselig erarbeitet. Sich als Band selbst recorden erfordert eine Menge an Spezialwissen. Auch wenn es technisch Möglich ist, wenn ihr nicht wirklich wisst was ihr da tut, lasst es. Werdet lieber bessere Musiker als ambitionierte Amateur-Toningenieure. Dann müsst ihr euch keine Gedanken mehr über die Finanzierung machen und wir Toningenieure haben wieder mehr Arbeit.

    • Roman   21. Jul 2013   08:57 UhrAntworten

      Hallo Freddy,

      kannst Du ein sehr gutes Studio empfehlen, und was kostet es pro Tag?
      Welches Equipment hat es?
      Wieviel kostet das Pressen von CD's? (500, 1000, 2000)
      Vielleicht kannst Du ja verschiedene empfehlen im Raum Düsseldorf, Berlin oder München?
      Ich würde mich sehr freuen.

    • Raphael   24. Jul 2013   16:47 UhrAntworten

      Lieber Freddy,

      dass es keine Nachfrage gibt in diesem Bereich ist natürlich erst mal tragisch. Auf der anderen Seite gehen halt im Laufe der wirtschaftlichen Dynamik auch bestimmte Zweige unter (und v.a. auch dann, wenn sie ohnehin eher in der Peripherie angesiedelt sind). In der Musik liegt heute halt keine Kohle mehr, leider...
      In der sinkenden Nachfrage versucht natürlich jeder das beste aus der Situation zu machen und das heißt dann halt auch oft, dass man sich für unter'm Wert anbietet (wenn man das aus der moralischeren Perspektive betrachtet). Wenn man die reine Wirtschaftstheorie anwendet, dann ergibt sich der Preis aus Angebot und Nachfrage...

      In der Tat ist der Tipp sich ein Studio zu suchen, was an der Überlebensgrenze rumkrakselt und dort aus der Misere Profit zu schlagen ein wnig grenzwertig, aber was wäre die Alternative? Zumal man heute ja auch Musik mehr und mehr als Wegwerfgut betrachtet, das man sich möglichst für umme besorgt. Und nicht auch zu sprechen vom allgemein Qualitativen Verfall (YOUTUBE, Clipping,...) wo man sich ja dann auch die Frage stellt wozu den Neve Channel Strip?

  • Raphael   24. Jul 2013   16:42 UhrAntworten

    Sind die Songs gut genug???

    Nun ich denke nicht, dass dieses Problem besser wird, wenn man einen Haufen Songs schreibt und dann nur die besten 8 auswählt. Wenn man in Sachen Komposition keine Ahnung hat, dann wird es durch die Quantität nicht unbedingt besser.
    Viel besser wäre, dass man sich jemanden sucht von dem man der Auffassung ist, dass er was von der Materie versteht und ihn bittet sich die Sachen anzuhören. Ggf. kann man sich auch Bandcoaching als Dienstleistung in Anspruch nehmen. Danach heißt es feilen feilen feilen! Ein Song ist NIE fertig und jeder der alte Aufnahmen von sich in der Vitrine hat würde mit dem Abstand der Zeit dann einige Dinge anders gestalten...
    D.h. man muss die Balance aus konstruktivem und destruktivem Perfektionismus finden

    Die Bands verhalten sich wie die Säue im Studio und besaufen sich

    Das ist in meinen Augen eine Frage der Professionalität. Wenn es die Leute nicht raffen, dann Kohle kassieren und das war's! Beim nächsten mal die Band auch nicht wieder nhemen...

    Was ich auch ganz gerne mache ist, dass ich wenn ich eine Bandanfrage habe, das ich mir von denen mal einen Proberaummitschnitt schicken lasse.
    In der Regel weiß ich dann exakt wo die Messlatte liegt und kann denen nicht nur sagen wie hoch vermutlich die Kosten sind, sondern auch wo sie noch feien sollen und was und wie sie üben sollen...

  • Tom   30. Dez 2013   23:17 UhrAntworten

    Würde sagen das beste teuerste Studio nützt nichts wenn bisher dort Schlagerkram produziert wurde und nun eine
    Metalband dort aufnehmen will.Es zählt was hinten raus kommt.
    Man schaue und HÖRE sich immer die Referenzen der Studios
    an,überlege was man will.Ist nicht immer eine Preisfrage.Ein Schlagzeuger kann
    nicht plötzlich Gitarre spielen wenn er es nie gemacht hat-
    so kann ein angesehener Produzent auch Müll produzieren wenn
    er keine Ahnung von der zu bearbeitenden Musikrichtung hat.Da nützt dann auch kein Diplom der Tonkunst und ein Studio aus Ameisenvorhautleder mit entsprechenden Preisen.

  • Frans Stummer   16. Aug 2015   19:48 UhrAntworten

    Hört auf den Rat. #5: Ne Menge Bands die zu mir kommen, haben vorher nen Batzen Geld in die Legende versenkt, "man könne selbst aufnehmen." Klar, man könnte sich auch selbst den Blinddarm rausnehmen, praktikabel wäre es aber, das von Leuten mit Erfahrung schnell und schmerzfrei erledigen zu lassen. (Musikzeitungen erzählen solchen Mist aber gern, weil der Musiker ja viel Zeug kaufen soll) Des weiteren: Metal ist (ja!) ein Härtefall. Dort sitzen dir größten Wahrnehmehmungsschwierigkeiten. Bands: geht zum Spezialisten. Die Musiker selbst wollen "Sound Z", glauben das was aus ihren Instrumenten kommt ist "Sound Y". Leider ist ihr tatsächlicher Sound eher "A" und es liegt viel, viel Arbeit an um von A nach Z zu kommen. Arbeit, die jemand tun muß. Arbeit, die eingeplant werden sollte. IMHO (hab letztens Album Nr. 172 aufgenommen) braucht Metal 3-4 x so viel Zeit wie andere Stile.

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