10 Dinge, die Du bei deinem letzten Vocal Recording übersehen hast

10 Dinge, die Du bei deinem letzten Vocal Recording übersehen hast

Das Schöne an der Entwicklung der Technologie im Bereich Homerecording und Musikproduktion ist, dass es die Demokratisierung der Möglichkeiten nach sich gezogen hat. Jeder kann heutzutage mehr als gut klingende Demo-CDs im Schlafzimmer produzieren, die ein Laie (entsprechend Talent auf der Macherseite vorausgesetzt) kaum noch von einem professionellen Recording unterscheiden kann.

10 Dinge, die Du bei deinem letzten Vocal Recording übersehen hast

10 Dinge, die Du bei deinem letzten Vocal Recording übersehen hast

Andererseits tauchen eine Menge Songs und Tracks auf MySpace und Konsorten auf, die immer wieder dieselben Fehler machen. Welche diese sind und was Du dagegen machen kannst, das erfährst Du in diesem Artikel.

Und welche Du tatsächlich bei deiner letzten Gesangsaufnahme übersehen hast, das schreib uns doch bitte mal in die Kommentare. Übrigens, ich kenne die Probleme auch nur deswegen, weil ich sie immer mal wieder selbst übersehe…

 

Welche hast Du bei deinem letzten Vocal Recording übersehen?

1. Der richtige Pegel

Eigentlich dauert das Einpegeln einer Aufnahme nur wenige Sekunden. Im schlimmsten Fall drei bis vier Minuten, damit der Sänger den kompletten Song durchsingen kann. Du kannst darauf achten, dass das Recording nie in den roten Bereich geht, selbst in den lautesten Passagen der Takes.

Wenn Du mit einer Auflösung von 24-bit oder 32-bit arbeitest, dann reicht ein Pegel von -6 dB bis – 10 dB vollkommen, um eine rauschfreie Gesangsaufnahme ohne Clippings zu gewährleisten.

 

2. Wenn es schief klingt, dann ist es schief

Ja, es gibt bekannte Sänger, die sich auch mal einen falschen Ton leisten können und die gerade deswegen so klingen wie sie klingen. Eigener Stil darf aber nicht als Ausrede für falsch eingesungene Parts genutzt werden. Die meisten Menschen sind sehr wohl in der Lage, zumindest unterbewusst, falsche Töne als solche zu erkennen.

Deswegen: Wenn ein Part mal nicht ganz gelungen sein sollte, einfach nochmals neu einsingen und nicht einfach ignorieren. Und sollte es tatsächlich mal nicht möglich sein, den Part neu aufzunehmen, dann vielleicht unauffällig beim Abmischen verstecken.

 

3. Mit Helferlein den richtigen Ton treffen

Wenn es zur Gesangsaufnahme kommt und der Sänger oder die Sängerin einfach nicht so recht den richtigen Ton treffen will, dann gibt es einige Tricks, auf die Du zurückgreifen kannst.

Je lauter die Musik in den Kopfhörern dröhnt, desto wahrscheinlicher wird der Sänger zu tief singen. Hier hilft, die Lautstärken in den Kopfhörern zu senken. Wenn der Sänger hingegen zu hoch singt, dann kannst Du die Lautstärke im Kopfhörer leicht anheben. Übrigens scheinen auch Sänger, die eine Nacht durchgezecht (nicht im Sinne von “saufen” zu verstehen) haben, zu tief zu singen.
Eine andere Möglichkeit, die Intonationsprobleme mit dem Sänger zu lösen, könnte die Verwendung verschiedener Kopfhörermodelle (offen, halboffen, geschlossen) sein. Einfach mal alle durchtesten und hören, welches Modell das beste Ergebnis bringt.

Auch das Erstellen einer MIDI-Spur mit der Melodie des Gesangs kann dabei helfen, die Töne besser zu treffen, wenn Du diese in das Playback mit hinein gibst und sich der Sänger daran orientieren kann.

 

4. Weniger Bass statt mehr Höhen

Viele aktuelle Mikrofone kommen mit einer mehr oder minder leichten Anhebung der Präsenz in den Höhen, um schon von Haus aus besonders “gut” zu klingen. Das ist natürlich nicht schlecht per se, aber führt in einigen Aufnahmen, die ich in letzter Zeit gehört habe, dazu, dass die Stimme nach einer Anhebung der Höhen mit einem Equalizer sehr dünn wird.

Ein etwas sanfterer Weg, mit dem dieser Effekt in vielen Fällen gemässigt werden kann, geht so: Anstatt die Höhen anzuheben, senkst Du einfach all die ungewollten Frequenzen mit einem Equalizer ab. Natürlich kannst Du auch auf diese Weise dafür sorgen, dass ein Vocal dünn klingt. Aber mit etwas Fingerspitzengefühl in den Ohren wirst Du gute Ergebnisse erreichen.

Ein weitere, durchaus gangbare Variante wäre, dir ein Mikrofon zu kaufen, das diese Präsenz-Anhebung nicht von Haus aus mitbringt. Allerdings erfordern diese Mikrofone meistens auch eine entsprechende Investition.

 

5. Poppschutz²

Wie ich selbst immer wieder bei der Aufnahme des delamar Podcasts feststellen muss, reicht ein einfacher Poppschutz manchmal nicht aus, um die ganzen ungewollten Poppgeräusche zu eliminieren. Hier helfen die teuren Varianten genausowenig wie die preiswerten – also der Kauf eines anderen Modells wird nicht die Lösung sein.

Hier ist, was Du machen kannst: Nutze einen LowCut-Filter ab 80 Hz. Bitte den Sänger bei plosiven Lauten den Kopf etwas zu drehen, damit der Luftstrom an der Membran vorbeigeht. Wenn es die Stimmung im Song zulässt, kannst Du auch den Sänger bitten, sich etwas vom Poppschutz zu entfernen.

Im Notfall kannst Du mit Automation die betreffenden Konsonanten in der Lautstärke herunterfahren oder die entsprechenden Passagen mit einem Punch-In verbessern.

 

Lesermeinungen (16)

zu '10 Dinge, die Du bei deinem letzten Vocal Recording übersehen hast'

  • Superwaldi
    08. Sep 2010 | 13:12 Uhr Antworten

    Hall und Delay:
    Ich finde es relativ schwierig hier richtungsweisende Tipps zu geben. Vielleicht sucht ja jemand genau nach dem Sound er 80er und da sind die gated Drumhallfahnen durchaus erwünscht…. Erlaubt ist, was gefällt!

    Viel wichtiger als die technischen Tipps, finde ich, dass der Sänger als Grundvoraussetzung ausgeschlafen und perfekt vorbereitet zur Aufnahme kommt. “Ach so… 3. Strofe… Moment schreibe ich eben..” ist sicherlich ein Extremfall, kommt aber leider doch häufiger vor, als man denkt.

    • Ben
      25. Dez 2010 | 01:20 Uhr Antworten

      Oh ja, dem möchte ich gern beipflichten…

      Sänger, die dann zur Aufnahme kommen und dann sagen: “naja heut geht es mir nicht so gut, ich war gestern noch beim Fußball und dann noch einen trinken… und jetzt rauch ich eine und trink ein bier und dann bin ich bereit für die aufnahme..” kenne ich leider zu gut…

      Sänger sollten sich eben nicht gleich Sänger schimpfen dürfen, sobald sie in einer Band etwas ins Mikrofon quaseln….

      Andererseits muss man auch damit klar kommen… Deswegen ist hier wohl Maßregelung angebracht…

      Bzw. sollte man dann klarstellen:” Wo Mist reinkommt, kommt auch nur Mist raus!”

      Wegen dem Hall und Delay:

      Hall nehme ich nur, um den Raum auf die Aufnahmen zu legen… Haben die Drums und die Gitarre Raumklang, sollten der Bass und die Stimme das auch haben, und dann am besten den gleichen.. Andernfalls klingt es nicht wie ein Song….

      Wenn gewünscht, kann man auch extremste Hallfahnen drauflegen, dass hängt ja auch von der Produktion ab…

      Ich verwende zum Beispiel sehr gern ein Stereo-Delay mit unterschiedlichen Feedback-Frequenzen je Kanal auf der Stimme… Das macht die Vocals schön breit und dennoch hört man nicht bewusst, dass ein Delay auf der Stimme ist. (Wet-Mix: 2-7%)

      Hinten dran, dann noch der Hall (z.B. Small Room, Wet-Mix 4-8%) und schon klingt die Stimme sehr natürlich und nicht zu trocken…

      Also immer dran denken: Alle Instrumente sollten den gleichen Raum haben, auch wenn vielleicht einige sagen werden: Raumklang auf dem Bass???? Naja probiert es mal aus, sag ich ;-)

      • Ben
        25. Dez 2010 | 01:37 Uhr

        Achja Hall:

        besorgt euch lieber günstig Hall-Hardware…

        gibt es bereits ab unter 100€, auch wenn teilweise ältere Geräte, aber die klingen 1000 Mal besser, als diese VST- oder DXi-Plugins, die es so gibt…

        Sollte über AES/EBU kein Problem sein, diese in eurern Host zu integrieren….

        Ich nutze zum Beispiel ein uralt Federhall-Gerät,
        Klingt ne Million Mal besser als Platinum-Reverb von Logic oder ähnliche…

        Mit besten Grüßen,

        Ben

  • Frank
    08. Sep 2010 | 13:41 Uhr Antworten

    Mal ne Frage zur Aufnahmelautstärke:

    Ich hab als Preamp den VTB1 und eine Terratec-ASIO-Karte.

    Den Eingangspegel der Karte lasse ich auf 0 DB richtig?

    Und was stell ich jetzt konkret beim Input/Output des Preamps ein?

    • Ben
      25. Dez 2010 | 01:09 Uhr Antworten

      Meine Erfahrung ist, dass man eher etwas leiser als zu laut aufnehmen sollte… Wenn ich denke, die Lautstärke ist nun ok, mache ich nochmals um 2 bis 3 dB leiser und regle dafür noch ein klein wenig mehr Gain hinein. So übersteuert nichts und man kann alles gut einfangen…

      Sobald du aber zuviel Grundrauschen hast, solltest du definitiv Gain rausnehmen und alles etwas niedriger einpegeln. Meine Spuren liegen dann in der Regel in der Spitze bei etwa -7 bis -5 dB… So hast du noch genug Luft nach oben…

      Meine Songs reichen auch immer erst im Mastering an -0,5 dB ran…
      Aber Mastering ist auch echt nochmal eine Sache für mich, gerade bei Songs, die ich abgemischt habe, lass ich lieber andere mastern, oder lass mir min. eine Woche Zeit dazwischen…

  • Manuel
    08. Sep 2010 | 14:56 Uhr Antworten

    Ein kleiner Tipp, der sich schon öfters bewährt hat, wenn ein Sänger partout “unter dem Ton” singt:

    Er soll sich den Ton einfach etwas “höher denken” und schon wird er den Ton auch ne Spur höher singen.

  • CoD
    08. Sep 2010 | 16:30 Uhr Antworten

    “Je lauter die Musik in den Kopfhörern dröhnt, desto wahrscheinlicher wird der Sänger zu tief singen. Hier hilt, die Lautstärken in den Kofhörern zu senken. Wenn der Sänger hingegen zu hoch singt, dann kannst Du die Lautstärke im Kopfhörer leicht anheben. Übrigens scheinen auch Sänger, die eine Nacht durchgezecht haben, zu tief zu singen.”

    Warum singen Sänger nach dem Saufen tiefer?

    • Carlos (delamar)
      08. Sep 2010 | 16:34 Uhr Antworten

      Ah, nicht nach dem “Saufen”, sondern nach großen Anstrengungen wie eben einer durchzechten Nacht.

  • $hotty Balle
    08. Sep 2010 | 16:55 Uhr Antworten

    Wenn man sich den Text genau aufmerksam durchliest, kann man die Rechtschreibfehler schnell erkennen. Es sind mir zu viele, um sie alle spezifisch aufzuzählen. CoD hat z.B. welche mitkopiert:
    hilt oder Kofhörern? Da fehlt doch was oder nicht? ;)

    • Carlos (delamar)
      08. Sep 2010 | 18:04 Uhr Antworten

      So, bin nochmals drübergegangen…Eile war noch nie ein guter Berater…

  • dennis
    09. Sep 2010 | 10:29 Uhr Antworten

    ich weis nich was ein low cut filter ab 80 hertz ist kann mir das bitte jemand erklären und per eamil schicken wäre sehr verbunden.

  • Manuel
    09. Sep 2010 | 10:55 Uhr Antworten

    Ein Low cut filter (zu deutsch Tiefensperre, aber seltenst benutzt) ist relativ einfach erklärt: Er schneidet (bzw. dämpft) alle Frequenzen unter der angegebenen Grenzfrequenz (in diesem Fall 80Hz) ab (-> cut).

    Ein anderes Wort für einen Low Cut Filter ist übrigens der High Pass Filter (zu deutsch Hochpass). Er lässt also alles über der Grenzfrequenz durch (-> pass).

    Ist nur ein anderer Betrachtungswinkel.

  • Jay
    10. Sep 2010 | 12:22 Uhr Antworten

    Der einfachste Tip, ist einfach den Song zu fühlen. Ich finde das macht einiges aus.
    Ich neige oft dazu, den Song einfach reinzuspitten, weil ich das Endprodukt gerne haben möchte aber man sollte sich beim Aufnehmen immer daran erinnern, was man singt oder rappt und darauf achten, dieses Gefühl auch zu übermitteln. Erst dann wird ein Song richtig gut. Ich merke den Unterschied bei mir auf jedenfall.

  • DJ CeeJay
    13. Sep 2010 | 07:47 Uhr Antworten

    One-Take-Songs

    Ich habe in letzer Zeit immer wieder bemerkt, das Künstler bei mir immer im “One-Take”-System aufnehmen wollen – also gleich alles in einem Durchlauf… nur leider leidet die Qualität des Songs erheblich drunter. Gerade Rapper müssen immer wieder neu ansetzen, von vorne beginnen wenn sie sich versprechen etc. – das ist scheisse! Seit meiner Bemerkung wird erstmal der Songtext zerpflückt, in einzelne Passagen aufgeteilt und die werden dann aufgenommen. So ist der Song auch nach dem 2.ten Chorus noch dynamisch und voller Energie!

  • Ben
    25. Dez 2010 | 00:48 Uhr Antworten

    Hi, also ich nutze ein Großmembran Mikrofon. Popschutz etwa 5 Zentimeter davor. Dann einen Röhrenpreamp, Volume in der Regel bei -6 bis -10 dB; Gain bei etwa 9 Uhr (Bei 6 Uhr gehts los, hab vergessen, wie die Werte waren) Dann habe ich ein Gate und einen Compressor zwischen, Compression zwischen 3:1 und 5:1, das Gate steht auf Expression, damit man nicht später hört, das gegatet wurde… allerdings glaube ich, dass hier ein Problem liegt, die Stimme klingt dann oft nicht mehr so schön, wenn man leise singt oder spricht, also nicht mehr so super klar…. Sollte ich vielleicht lieber erst in Logic Gaten bzw. unerwünschtes Material herausschneiden? Beispielsongs findet ihr unter myspace.com/m.o.f.a (Die Songs sind alle noch nicht wirklich optimal, werden aber noch alle mit neuem Recordingwissen neu eingespielt und abgemischt, sind also alles nur mehr oder minder Testaufnahmen)

  • Oversize
    29. Dez 2010 | 14:07 Uhr Antworten

    Hallo Delamarredakteure.
    Ersteinmal möchte ich euch loben – ich kenne eure Seite seit gestern und lese und lese und lese…
    Leider hilft mir vieles trotzdem nicht weiter:
    Ich hab vor ein zwei Jahren Rap als Hobby für mich entdeckt, wir haben ein kleinen Kellerraum in dem wir uns eine GEsangskabine gebaut haben, einen PC über den wir den Beat laufen lassen und aufgenommen haben. Das “Abmischen” beschränkte sich auf einen Vocal Kompressor, ein bisschen pannen und an den LAutstärke reglern drehen. Das war bisher ausreichend. Aber wie das bei Hobbys so ist will man irgendwann mehr.
    Ich benutze seit etwa drei Tagen Cubase 5.1 – und habe so meine Probleme damit. Ich weiß garnicht wie ich vorgehen soll, gibt es irgendein Basiv Tutorial zum Thema aufnehmen?
    Bisher habe ich meine Parts gedoppelt, also nochmal aufgenommen(ich weiß garnicht wer mich auf die Idee gebracht hat). Die Aufnahmen waren auf einer Stereospur, jetzt habe ich gelesen man soll Gesang Mono aufnehmen… Meine Stereoaufnahme waren ja eigentlich auch Mono, beide Kanäle waren ja identisch… Was ist richtig?

    Gibt es hier irgendein Tutorial in dem ich die einzelnen Schritte einer sinnvollen Aufnahme kennen lernen kann? Ein weiteres für die Basics des Abmischens?

    Ich wollte mich richtig austoben an Cubase, bald anfangen eigene Beats zu basteln (einen fertigen Beat und die Aufnahme an einander anzupassen ist vermutlich auch mehr als suboptimal)
    Ich hoffe ihr könnt mich auf irgendeinen Link verweisen, ich bin heiß =)

    Danke

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