Moving Head Ratgeber

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Ein Moving Head (oder auch „Wackeleimer“, „Movinglight“) ist ein frei beweglicher Scheinwerfer. Durch neue Entwicklungen in Sachen Technik gibt es den Moving Head inzwischen auch für kleinere Bühnen. In Sachen Haltbarkeit hat sich sehr viel getan, so dass man an seiner Anschaffung heute wesentlich länger Freude haben kann!

Moving Heads Ratgeber

Moving Heads bzw. Movinglights mit LEDs werden immer stärker nachgefragt und sind auf dem Markt inzwischen in vielen Ausführungen erhältlich.

Moving Heads sind die flexiblen „Rockstars“ unter den Bühnenscheinwerfern und mittlerweile auch für Amateur-Musiker bezahlbar. In dieser Übersicht erfährst Du, was Moving Lights können, welche Typen es gibt und wofür Du sie einsetzen kannst.

Der Moving Head ist bewegtes Licht

Der Live-Sound ist top, aber die Band ist auf der Bühne kaum zu erkennen. Mit Sicherheit warst Du auch schon auf Konzerten, die viel von ihrer Wirkung verloren haben, da sich niemand um eine gute Bühnenbeleuchtung und die Lichttechnik gekümmert hat. Stets steht der Sound im Vordergrund, an diesem wird bis ins letzte Detail gefeilt.

Dabei bedarf es keines allzu großen Aufwands, eine Bühne grundlegend einzuleuchten – mit ein paar Stufenlinsen- oder PAR-Scheinwerfern sowie Kenntnissen über die wichtigsten Lichtrichtungen (z.B. Vorderlicht, Oberlicht, Seitenlicht) bzw. Scheinwerferpositionen ist die komplette Band für alle sichtbar und gut ausgeleuchtet.

Nun gilt es, Akzente zu setzen und mit den Möglichkeiten von Licht zu spielen, um das Bühnengeschehen visuell zu unterstützen. Herkömmliche Scheinwerfer, wie die bereits erwähnten PAR-Kannen, fungieren als statische Lichtquellen. Moving Lights bringen Bewegung ins Licht und damit auf die Bühne.

Die Entwicklung hin zum Movinglight

Moving Heads sind heute die dominierenden Scheinwerfertypen auf Konzertbühnen – sowohl quantitativ als auch qualitativ. Den Wandel der Bühnenbeleuchtung kannst Du sehr gut nachvollziehen, indem Du dir nacheinander Konzertvideos aus den 1970ern, 1980er, 1990ern und den 2000er Jahren anschaust.

Du wirst bemerken, dass die Lightshows ab Mitte der 1990er Jahre aufwendiger, komplexer und bewegter werden, obwohl sich die Anzahl an Scheinwerfern dank der multifunktionalen, farbwechselnden Moving Heads reduziert hat.

Moderne Geräte für kleine Bühnen sind erschwinglich

Lange waren Moving Lights für Amateur-Musiker und -Lichttechniker kaum zu bezahlen. Auch heute kostet ein professioneller Moving Head mit extrem hohem Licht-Output für die großen Bühnen schnell mehrere tausend Euro.

Mittlerweile bieten jedoch zahlreiche Hersteller Movinglights an, die sich speziell auf kleinere Bands und Bühnengrößen konzentrieren und bereits ab etwa 300 Euro zu haben sind. Somit bleibt bewegtes Licht kein Privileg großer Live-Tourneen!

 

Funktionsweise eines Moving Head

Moving Heads bestehen aus drei Elementen: dem Sockel (Base), dem Arm bzw. Bügel (Yoke) und dem namensgebenden beweglichen Kopf (Head).

Im Sockel ist die steuernde Elektronik untergebracht, hier findest Du auch die DMX-Anschlüsse sowie das rudimentäre Bedienpanel, um u.a. den DMX-Kanal einzustellen.

Der Kopf beinhaltet das optische System des Moving Heads mit dem Leuchtmittel als Basis. Als Leuchtmittel kommen Glühlampen, Gasentladungslampen oder LED-Chips zum Einsatz. Gerade die LED bietet Dir durch ihre Flexibilität und Energieeffizienz viele praktische Vorteile und setzt sich bei Moving Heads mehr und mehr durch.

Der Yoke eines Moving Heads verbindet den Sockel mit dem Kopf und überträgt die horizontalen Bewegungen (PAN) des Kopfs um die eigene Achse (die vertikale TILT-Bewegung erfolgt direkt über den Kopf), so dass Du den Lichtstrahl eines Moving Lights über die DMX-Steuerung aus der Ferne in einem bestimmten Bewegungsradius verändern kannst.

Moving Head Ratgeber - Elektronik

Das Innenleben bei einem Moving Head

Neben der stufenlosen Bewegung verfügen Moving Heads auch über ein Farbwechslersystem, um verschiedenfarbiges Licht zu erzeugen. Gasentladungslampen verwenden ein subtraktives CMY-Farbmischsystem, LED-Movinglights basieren – je nach LED-Typ – entweder auf einer CMY- (subtraktiv) oder auf einer RGB-Farbmischung (additiv).

 

So entstehen die Farben in einem Moving Head

Moving Head Ratgeber - RGB - additiv

Additiv

Bei der additiven Farbmischung werden bestimmte Anteile der drei Grundfarben Rot, Grün und Blau (RGB-Farbraum) zusammengemischt. Wenn Du die drei Farben zu gleichen Anteilen zusammenfügst, entsteht die Farbe Weiß.

Moving Head Ratgeber - CMY - subtraktiv

Subtraktiv

Die subtraktive Farbmischung basiert auf den subtraktiven Grundfarben Cyan, Magenta und Gelb (CMY-Farbraum). Im Gegensatz zur additiven Methode werden hier bestimmte Wellenlängen aus dem Lichtspektrum entfernt, um weitere Farben zu erhalten.

 

Moving Head Funktionen

PAN/TILT

PAN beschreibt den maximalen horizontalen, TILT den maximalen vertikalen Drehwinkel eines Moving Head-Kopfs.

Abstrahlwinkel

In Analogie zu Lautsprechern beschreibt der Abstrahlwinkel eines Scheinwerfers den Winkel zur Mittelachse eines Lichtstrahls. Spots verfügen über einen schmalen, Washlights über einen breiten Abstrahlwinkel. Über einen Zoom lässt sich der Abstrahlwinkel variieren.

Gobo

Gobos sind austauschbare Glas- oder Metallplatten, die mit einem bestimmten Muster versehen sind (zum Beispiel geometrische oder abstrakte Formen) und vor dem Austritt in den Lichtstrahl des Scheinwerfers geschoben werden. Unterschieden wird zwischen statischen (feststehenden) und rotierenden (sich drehenden) Gobos, die jeweils auf Goborädern untergebracht sind. Über die Funktion „Gobo Shake“ kannst Du das Gobo „durchschütteln“, indem das Goborad schnell hin- und herbewegt wird.

Moving Head Ratgeber - Gobo

Goboräder mit verschiedenen Mustern

Shutter

Über die Shutter (Blendenschieber) kannst Du Teile des Lichtkegels begrenzen, um gezielt nur bestimmte Bereiche oder Formen auf der Bühne auszuleuchten. Durch schnelle Verschlusszeiten lassen sich auch Stroboskop-Effekte erzielen.

Prisma

Trifft ein Lichtstrahl auf ein Prisma, bricht sich dieser an den Prismenkanten und „zerfällt“ in einzelne Lichtstrahlen. So erzeugt beispielsweise ein 8-fach-Prisma in einem Moving Head acht einzelne Lichtstrahlen.

Master/Slave

Im Master/Slave-Modus steuert das erste Moving Head (als Master) weitere Moving Heads (die Slaves), wodurch Du ohne aufwendige Programmierung eine synchronisierte Lightshow erstellen kannst.

Sound to Light

Im Sound-to-Light-Modus wird das Moving Head durch Audiosignale gesteuert – entweder über ein integriertes Mikrofon, das sich in seiner Empfindlichkeit einstellen lässt oder über einen separaten Audio-Eingang.

Moving Head Typen

Vergleich Beam, Spot  und Wash (v.l.n.r. - Bilder: Chauvet DJ)

Vergleich Beam, Spot und Wash (v.l.n.r. – Bilder: Chauvet DJ)

Spot

Spots sind Profilscheinwerfer, die ein hart abgegrenztes Licht mit harten Schatten erzeugen. In Kombination mit Shuttern (Blendenschiebern) kannst Du Objekte auf der Bühne gezielt ausleuchten, zum Beispiel den Frontsänger Deiner Band. Zudem eignen sich Spots insbesondere für die Gobo-Projektion. Das harte Licht von Spots kannst Du entweder durch einen veränderten Fokus unscharf stellen oder durch den Einsatz eines Frost-Filters „aufweichen“, um fließendere Übergänge zwischen mehreren Lichtkegeln zu erhalten.

Moving Head Ratgeber - Spot - Varytec LED Easy Move Spot90

Varytec LED Easy Move Spot90

 

Wash

Ein Wash-Moving Head ist das genaue Gegenteil eines Spots und hilft Dir, große Flächen ohne scharfe Kanten und Schatten auszuleuchten. Aufgrund dieser Eigenschaften können Washlights jedoch keine Gobos projizieren und sind auch sonst weniger flexibel einsetzbar als beispielsweise ein Spotlight.

Moving Head Ratgeber - Wash - Eurolite TMH-40 LED

Eurolite TMH-40 LED

 

Beam

Das Beamlight platziert sich zwischen Spot und Wash und verfügt über in der Regel über einen engen Abstrahlwinkel, der einen intensiven Lichtstrahl erzeugt. Wie Spots, so können auch Beamlights Gobos verarbeiten. Im Gegensatz zu den Profilern sind diese bei Beams jedoch nicht immer vorhanden.

Moving Head Ratgeber - Beam - ADJ Inno Color Z7

ADJ Inno Color Z7

 

LED: Vorteile und Vorbehalte

Energieeffizient, langlebig, flexibel – Scheinwerfern auf LED (Light Emitting Diode)-Basis werden gleich mehrere entscheidende Vorteile zugesprochen. So benötigt ein vergleichbarer LED-Scheinwerfer lediglich einen geringen Teil der Watt-Leistung eines Scheinwerfers auf Basis von Entladungsleuchtmitteln, wie zum Beispiel Halogen. Zudem besitzen LEDs eine höhere Lebensdauer. Im Bereich der Eventtechnik sind 50.000+ Stunden keine Seltenheit.

Eine einzelne LED kann lediglich monochromatisches Licht erzeugen, d.h. sie kann nur eine bestimmte Wellenlänge und damit eine bestimmte Farbe ausstrahlen. Durch die Kombination von drei LED-Chips (rot, grün, blau) in einem RGB-LED-Modul können jedoch auch Mischfarben sowie dynamischen Farbwechsel umgesetzt werden.

Moving Head Ratgeber - LED

Doch gerade im professionellen Einsatz gibt es immer noch vereinzelt Vorbehalte gegen LED-Scheinwerfer. Lichtdesigner (vor allem im Theaterbereich) führen diese Vorbehalte in der Regel auf die vermeintlich bessere Weißlichtqualität konventioneller Glühlampen sowie auf die vergleichsweise niedrigere Helligkeit von LED-Scheinwerfern zurück.

Durch die permanente technische Weiterentwicklung der LED-Module verschwinden diese Vorbehalte jedoch immer mehr – besonders auf Konzertbühnen gehören LED-Moving Heads aufgrund ihrer vielen Vorteile mittlerweile zum Beleuchtungsstandard.


Von Alexander Cevolani