Patch 4.1
Der Patch von Cubase 4 auf die Version 4.1 wurde von der Cubase-Community, nicht zuletzt wegen der neuen von Steinberg versprochenen Features, lang herbeigesehnt. Ende Oktober war es dann soweit und ich war nicht der einzige, der vom Umfang des Patches und der neuen Features in Erstaunen versetzt wurde.

Eine der wichtigsten Neuerungen von Version 4.1 dürfte das flexible Routing aller Spuren in Cubase 4 sein, das bisher bestehende Limitierungen endlich aufhebt. Noch in Cubase SX3 war es nicht möglich eine neu erstellte Gruppenspur auf eine bereits bestehende zu routen oder einem FX-Kanal einen Send zuzuweisen. Mit dem Update auf die neue Version entfallen diese Limitierungen und komplexe Routings werden ermöglicht.

Cubase 4 Side ChainEin anderes lang ersehntes Feature, das Steinberg in Cubase 4 eingebaut hat, ist die Möglichkeit von externen Side Chains, um zum Beispiel Ducking-Effekte zu erzeugen. Der Side Chain Input kann dazu (nur in den dafür vorgesehenen) VST3-Plugins aktiviert werden. Frühere Versionen von VST-Plugins können leider nicht auf die Side Chain Funktionalität zurückgreifen.

Weitere Neuerungen umfassen das Hinzufügen der aus Nuendo 4 bereits bekannten Track Quick Controls sowie der neue Inspector für den Sample Editor, der alle relevanten Audio Editing Features an einer einzigen Stelle zusammenfasst.

Besonderes Augenmerk hat Steinberg auf die Abwärtskompatibilität mit seinem Einsteiger-Programm Sequel gelegt. Durch das Hinzufügen der neuen Spurart Transpose-Track sowie Import-Optionen für Sequel-Content und –Projekte, werden letztere wie eigene Cubase-Projekte behandelt und können nahtlos und ohne Konvertierung in Cubase 4 geladen werden.

Der bereits bekannte (MIDI-)Logical Editor wurde auf Projekt-Ebene als Project Logical Editor implementiert und erlaubt projektbezogene Makros auszuführen. Die restlichen Neuerungen umfassen einige neue bzw. Updates von bestehenden VST3-Plugins, der Import und Export des MusicXML-Dateiformats, volle Unterstützung für Windows Vista 32bit und 64bit (auch nativ mit VST-Bridge für die Integration von 32bit Plugins), ein neues Datei-Format MIDI-Loop sowie diverse andere Verbesserungen und Features auf die an anderer Stelle in diesem Artikel verwiesen wird.

 

Neue Plugins
Mit der Weiterentwicklung des VST-Standards werden mit dem Cubase 4 Paket natürlich auch neue Plugins und Instrumente ausgeliefert, deren Qualität für potenzielle Käufer von größtem Interesse sein dürfte. Mitgeliefert werden insgesamt 33 Plugins im VST3-Format und mit Erscheinen des Patches 4.1 kamen noch vier weitere hinzu. Vorneweg kann ich schon verraten, dass sich die Qualität der mitgelieferten Plugins gegenüber früheren Versionen von Cubase deutlich verbessert hat und sie nun allesamt amtlich klingen.

Cubase 4 VST-PluginsBesonders hervorheben möchte ich den Studio EQ, der mit zwei parametrischen und zwei zwischen Filter, Shelving oder Peak umschaltbaren Bändern daherkommt. Der EQ überzeugt klanglich durch seinen smoothen Klang.

Ein weiteres Plugin, das mich überzeugen konnte, ist die Mod Machine. Ein Delay-Plugin, das ein breites Spektrum von gefilterten Echos abdeckt und bisweilen sehr analog klingen kann. In Sachen Delay bietet Cubase 4 mit den drei weiteren Mono, Stereo und Ping-Pong Delays noch genug Möglichkeiten zur Variation.

Der Studio-Chorus ist mit seiner organisch klingenden Modulation ebenfalls eine gesonderte Erwähnung wert. Der mit der Version 4.1 neu hinzugekommene Chorus nutzt zwar weniger CPU-Resourcen als sein großer Bruder, klingt dafür aber auch nicht ganz so gut.

In Sachen Dynamik-Bearbeitung gibt es in Cubase 4 nun neben dem altbekannten VST-Dynamics auch einen Kompressor, Limiter und ein Gate als separate Plugins. Der Vintage Compressor sorgt hingegen für die notwendige Wärme im Sound. Neu hinzugekommen sind ein Plugin zur Bearbeitung von Transienten und ein Loudness Maximizer.

Die Filtersektion in Cubase 4 hat sich für meinen Geschmack ebenfalls deutlich verbessert. Der in Version 4.1 neu hinzugekommene Dual-Filter klingt ausgewogen und ist mit seinen zwei Potis sehr einfach zu bedienen.

Weil ich bereits mehrfach auf den Amp Simulator angesprochen wurde, will ich hier wenigstens einen Satz über diesen loswerden: Das Plugin besticht durch seine Einfachheit in der Bedienung, kann aber nicht mit den Amp-Simulatoren von Drittherstellern mithalten. Was für Gitarristen und Bassisten interessant sein dürfte, ist das mitgelieferte Tuner-Plugin, das besser als so manch anderes aus besagten Simulatoren von Drittherstellern funktioniert.

 

Neue Instrumente
Mit vier neuen Synthesizern (HalionOne, Spector, Mystic, Prologue) scheint Steinberg gegen die Synth-Übermacht von Logic Pro angehen zu wollen. Zwei weitere Synthesizer aus dem SX3-Paket, der Monologue und der Embracer, sind ebenfalls im Cubase 4 Paket enthalten.

Cubase 4 HalionOneUnter den vier neuen, virtuellen Synthesizern hat mir der HalionOne mit Abstand am besten gefallen. Bei diesem handelt es sich um einen Rompler (Sample-Player), der von Steinbergs Sampler Halion abgeleitet und mit Sounds aus den Motif-Synthesizern von Yamaha bestückt wurde. Die Soundauswahl entspricht dem, was man sich von einer Workstation wünscht und deckt auch den kompletten GM-Standard ab, was ihn meiner Ansicht nach zu einem go-to-Synthesizer für schnelles Komponieren prädestiniert.

Einige der Sounds klangen sogar so überzeugend, dass sie es in den fertigen Mix schaffen könnten. Dagegen spricht nur der nicht unerhebliche Verbrauch von CPU-Resourcen.

Die Editier-Möglichkeiten sind auf acht vordefinierte Parameter begrenzt, die oftmals nur unbefriedigenden Eingriff in die Sounds ermöglichen, so dass man am Ende doch noch gezwungen wird, sich einen anderen Synthesizer als Workstation zuzulegen. Eine Erweiterung der Library ist durch das von Steinberg verwendete propietäre Format der Samples leider auch nicht möglich, aber alles in allem ist der HalionOne eine echte Bereicherung für das Cubase 4 Paket.

Cubase 4 PrologueBeim Prologue handelt es sich um einen virtuell analogen Synthesizer, der mit subtraktiver Synthese arbeitet und einer Vielzahl von Presets daherkommt. Es stehen drei Oszillatoren und einige Spezialwellenformen zur Verfügung, die mit Hilfe von FM- und Ringmodulation, Noise, vier Hüllkurven und zwei LFO’s in Szene gesetzt werden. Unter den Presets befinden sich einige sehr warm klingende Pads und Leads, die sich sehr gut in Projekten einsetzen lassen. Richtige Highlights sind hier allerdings nicht darunter.

Den beiden verbleibenden Synths Mystic und Spector konnte ich trotz guter Klangqualität und abwechslungsreichen Presets nicht viel abgewinnen – da spielt aber mein persönlicher Geschmack sicherlich die größte Rolle. Mystic macht seinem Namen alle Ehre und liefert einige interessante Sounds und Flächen für die Chillout- oder Ambient-Freunde. Der Spector nutzt einen Spektralfilter zur Klangsynthese, der oftmals etwas Metallisches in die Sounds zaubert. Insgesamt empfand ich diese beiden Instrumente als etwas zu unterkühlt und zu statisch.

Alle in Cubase 4 mitgelieferten Instrumente sind nach einer kurzen Eingewöhnungsphase leicht zu verstehen, schnell editierbar und steigern den Wert des Programms deutlich.