Steinberg hat mit Cubase 4 (inzwischen gibt es auch Cubase 5) wohl einen der komplettesten Audio- und MIDI-Sequencer auf dem Markt und mit Erscheinen des von der Cubase-Community lang ersehnten und geforderten Patch 4.1 vor etwas mehr als einer Woche wurde es Zeit, das Programm im Rahmen eines Testberichts etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Testbericht: Cubase 4

Ganz so wie von Steinberg jeher gewohnt, steht auch Cubase 4 im Zeichen von zukunftsorientierten Ideen und Innovation. Ich sage das sehr bewusst und ich weiß sehr wohl, dass viele Cubase-Fans beim Erscheinen recht enttäuscht von der neuen Version von Cubase 4 waren. Doch das Programm hat einige grundlegende Veränderungen in Struktur, Handhabung und Workflow erfahren, die diese Version in meinen Augen zum umfangreichsten Update seit Einführung der SX-Reihe macht.

 

Installation von Cubase 4

In der Verpackung von Cubase 4 befinden sich neben der hybriden Installations-DVD und dem Steinberg-Key (der als Dongle fungiert) auch ein dickes Handbuch in Deutsch und ein Schlüsselband. Ich muss gestehen, dass mich das papierene Handbuch positiv überrascht hat, da die Beilage eines solchen durch Softwarehersteller heutzutage leider nicht mehr der Standard ist.

Die Installation von Cubase 4 selbst verlief genau so problemlos, wie man es von allen Steinberg-Produkten gewöhnt ist. Lediglich die lange Wartezeit beim “Kalkulieren des Speicherplatzes” konnte ich mir nicht so recht erklären. Grund dafür könnte die Menge der Partitionen in meinem System gewesen sein.

Die Updates ließen sich schnell von der Steinberg-Webseite herunterladen und problemlos nachinstallieren. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Installation von Cubase 4 parallel zu früheren Versionen erfolgen kann, so dass ein gradueller Umstieg auf die neue Version kein Problem darstellen sollte.

 

Erster Eindruck
Cubase 4 Project WindowBeim ersten Öffnen von Cubase 4 fällt sofort die veränderte Optik des User-Interface auf, das merklich dunkler und schlichter als das des Vorgängers gestaltet wurde. Der Kontrast von aktiven und inaktiven Elementen wurde deutlich verstärkt und viele 3D-Effekte aus Cubase SX3 weggelassen, so dass der Nutzer alle wichtigen Informationen schneller erfassen kann. Um die GUI etwas aufgeräumter wirken zu lassen, werden einige Bedienelemente, wie zum Beispiel das Icon zum Öffnen der Automations-Unterspuren, sogar erst dann eingeblendet, wenn man mit der Maus über bestimmte Zonen der Track-List fährt.

Ganz im Sinne eines verbesserten Workflows ist die Möglichkeit, sich die Ansichten von Inspector, Track-List und Channel Strip selbst zu konfigurieren. Alle Bedienelemente können hier ein- oder ausgeblendet und nach eigenem Belieben angeordnet werden. Jegliche Ansichten in können als Preset abgespeichert und mit wenigen Klicks wieder aufgerufen werden.

Cubase 4 MixerDer in der Vorgängerversion oft bemängelte Mixer wurde in Cubase 4 grafisch überarbeitet und wirkt nun trotz der Vielzahl an Bedienelementen recht übersichtlich. Alle Fader und Kanäle sind liebevoll gestaltet und bestimmte Gruppen lassen sich individuell ein- bzw. ausblenden. Die von vielen Cubase-Nutzern seit langem geforderte Drag & Drop Funktionalität für Insert-Effekte bzw. deren Slots wurde endlich implementiert und trägt meiner Ansicht nach nicht unerheblich zu einem besseren Workflow bei. Man kann jetzt nicht nur die Reihenfolge von Insert-Effekten in einem Kanal durch einfaches Ziehen mit der Maus verändern, sondern kann die Insert-Effekte auch durch gleichzeitiges Halten der ALT-Taste zwischen verschiedenen Kanälen hin-und herkopieren. Diese Drag & Drop Funktionalität steht im Übrigen auch im Inspector und in den Kanaleinstellungen zur Verfügung, sie wurde jedoch nicht für Channel-EQs oder Send-Effekte implementiert.

VST3: Neue Version der Schnittstelle
Die Neuerungen in Cubase 4 sind zahlreich und einige davon werden wahrscheinlich weit reichende Auswirkungen im Software-Musikmarkt nach sich ziehen. Eine dieser weit reichenden Neuerungen dürfte die Einführung einer neuen Version der Steinberg-Plugin-Schnittstelle VST3 sein.

Der neue Standard sieht vor, dass ein und dasselbe Plugin durch eine automatische Anpassung der Eingangs- und Ausgangskanäle sowohl auf Mono- und Stereo- als auch Surround-Spuren genutzt werden kann (was gleichzeitig weniger Einträge im Plugin-Popup bedeutet). Weiterhin sind nach der neuen Spezifikation virtuelle Instrumente nicht mehr an eine bestimmte Anzahl von Ausgängen im Mixer gebunden, so dass man die Zahl der Ausgänge noch nach Laden des Plugins manuell ändern kann.

Die von Steinberg in Cubase 4 neu eingeführte „Intelligente Plugin-Verarbeitung“ sorgt dafür, dass Plugins dann keine Prozessorzeit in Anspruch nehmen, wenn kein Signal im Kanal anliegt (zum Beispiel in Spielpausen für das Instrument). Dies ist ein Umstand, der sich in geringerer CPU-Last bemerkbar machen wird und zu einer besseren Ausnutzung der vorhandenen Resourcen führt.

Die für Cubase-Nutzer mit Abstand interessanteste Änderung aber dürfte die Eingliederung des VST3-Standards in das neue Preset-Management-System sein, auf das ich gleich noch zu sprechen komme. Diese Änderung zeigt ihre Auswirkungen auch in der Verwaltung der VST3-Plugins: sie werden nämlich automatisch von Cubase 4 anhand der ihnen im Rahmen des VST3-Standards mitgegebenen Tags bzw. Metadaten sortiert. In der aktuellen Version ist es (noch?) nicht möglich, diese Plugin-Kategorien zu editieren bzw. zu verfeinern.

Seit Version 4.1 entfällt auch der, in den früheren Versionen von Cubase 4 erscheinende, “Frühere VST-Plugins” Ordner, der alle nicht VST3-konformen Plugins mal eben eine Ebene tiefer verbannte.

Was Steinberg im Benutzerhandbuch und auf ihrer Webseite leider verschweigt ist der für einige Nutzer nicht so glückliche Umstand, dass das neue Cubase 4 keine Plugins im DirectX-Format mehr unterstützt. Dies wird einige Käufer des Programms sicher kalt erwischt haben, ein bisschen Aufklärung hätte an dieser Stelle sicherlich nicht geschadet.