Studiodevices Reflections LE Testbericht: Kleiner Preis – großer Klang

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Studiodevices Reflections LE Testbericht

Faltungshall Studiodevices Reflections LE

Faltungshall Studiodevices Reflections LE

Die deutsche Firma Studiodevices aus Weiterstadt hat mit dem Faltungshall-Plugin Reflections LE ein fantastisches Angebot auf den Markt gebracht, das mit vielen Presets und gutem Sound ausgeliefert wird. Studiodevices Reflections LE basiert auf dem Prinzip eines Faltungshalls, das akustische Räume mit Hilfe von akustischen Impulses die Raumanteile ermittelt und samplet.
Im Plugin wird dann aus diesen Impulses der Hall für das zu bearbeitende Audiosignal berechnet.

Studiodevices Reflections LE geht hier im Gegensatz zu vielen anderen Mitbewerbern einen etwas anderen Weg. Es wurden nämlich nicht etwa real existierende Räume aufgenommen, sondern amtliche Hall-Effektgeräte der High-End Klasse.

Studiodevices Reflections LE: Presets

Die mitgelieferten Presets des Studiodevices Reflections LE bieten alles, was das Musikerherz begehren könnte. Von einfachen Ambience-Sounds und Räumen bis zum dichten und extensiven Hall einer Kathedrale kann so ziemlich alles für Audio- oder Musikproduktion wichige an Nachhall und Reverb gefunden werden.

Sehr gut gefallen hat mir die Aufteilung der umfangreichen Preset-Library in thematische Gruppen, da diese das schnelle Finden eines geeigneten Hall-Programms recht einfach gestalten. Es finden sich insgesamt 20 unterschiedliche Preset Gruppen, wobei lediglich drei hiervon für die Speicherung eigener Presets dienen.

Hier ein Überblick der Presets des Studiodevices Reflections LE:

Hall 1 + Hall 2 112 Presets
Kammer 1 + Kammer 2 77 Presets
Raum 1 + 2 92 Presets
Platte 1 + 2 107 Presets
Air 57 Presets
Reverb 55 Presets
Sacral 9 Presets
Drums 35 Presets
Gitarre 18 Presets
Studio 12 Presets
Vocals 53 Presets
Non Linear 16 Presets
SFX 39 Presets

Studiodevices Reflections LE: Parameter

Die einzelnen Hall-Programm bzw. Presets können über folgende Parameter durch den Nutzer eingestellt und editiert werden:

Pre-Delay:
Mit Hilfe des Parameters PreDelay kann der Einsatz der so genannten Early Reflections gesteuert werden. Erhöht man diesen Wert, so kann man den Hall etwas vom Audiosignal „abkoppeln“. Das Pre-Delay beim Studiodevices Reflections LE kann von 0 ms bis zu 250 ms eingestellt werden.

Hall für Einsteiger

Wenn Du wissen möchtest, was all diese komplexen Parameter machen, dann schau unser Hall-Tutorial für Einsteiger an:
Video Workshop Hall

Time:
Hier wird die maximale Länge des Halls, abhängig vom jeweiligem Preset und der zugrunde liegenden Impulsantwort, eingestellt. Wobei Studidevices sich hier nicht an den RT 60 Werten (der Wert bis der Nachhall eine Lautstärke von -60db erreicht hat) orientiert, sondern einen RT 144 Wert (bis – 144 dB) zugrunde legt.

Mono, Stereo, Wider, Widest:
Dieser Parameter wirkt sich auf das Stereoverhalten des Eingangssignals aus. In der Standardeinstellung arbeitet der Algorithmus in stereo, so dass linker und rechter Kanal getrennt berechnet werden. Nun kann das Eingangssignal in der Stereobreite verändert werden.
In der Einstellung ‚mono‘ arbeitet der Studiodevices Reflections LE als Mono-zu Stereo Hall, wie es von einigen Hardware Hall-Effektgeräten bekannt ist. Dabei wird ein Stereo-Eingangssignal zu einem Monosignal zusammengefasst und anschließend zu einem Stereo-Signal verhallt. Panpot-Positionen des Eingangssignal gingen im Hallsignal somit verloren.
Um die Panpot Positionen beizubehalten, sollte dieser Parameter auf ‚Stereo‘ eingestellt werden, so finden sich seitlich gelegene Instrumente auch im Hallsignal wieder in der korrekten Stereo-Position.
Um aber den Monoanteil des Direktsignals weniger zu verhallen als den Stereoanteil, kann der Parameter auf ‚Wider‘ oder ‚Widest‘ eingestellt werden. Somit erhalten wir ein weitaus breiteres Klangbild – aber Vorsicht, die Mono-Kompatibilität sollte hier unbedingt überprüft werden, da es sonst zu Phasenschweinereien (Auslöschungen im Fachjargon) kommen kann. Die Einstellung ‚widest‘ macht schliesslich den Raum tatsächlich breiter und offener, ein sehr interessanter Effekt.

Modulation:
Hier kann der Impulsantwort eine sich stetig verändernde Modulation hinzugefügt werden. Dadurch erscheint die Hallfahne etwas weicher, wärmer und voller.

Equalizer:
In der Equalizer-Sektion wartet der Studiodevices Reflections LE sowohl mit High-Pass als auch Low-Pass Filter auf. Der High-Cut Filter empfindet je nach verwendetem Impulse und Preset das Verhalten von Hardware Reverbs.

Stereo, Mono, Reverse:
Zugegebenermaßen verwirrt das doppelte Vorhandensein eines mit Stereo bezeichneten Regler ein wenig und bedarf das Nachschlagen im Manual. Bei dem an dieser Stelle gemeinten Regler bzw. Parameter kann das Hallsignal stufenlos zwischen stereo, mono oder invers-stereo (reverse) berechnet werden.

Dry On/Off:
Wer den Studiodevices Reflections LE als Send-Effekt nutzen möchte, hat mit diesem Parameter die Option, das Eingangssignal (DRY) komplett abzuschalten.

Dry:
Wer hingegen das Originalsignal hinzugemischt wissen möchte, kann mit dem Parameter Dry den Pegel des Eingangssignals einschalten.

Wet:
Hier wird der Pegelanteil des verhallten Signals eingestellt. Kurzer Tipp am Rande: Weniger ist mehr! Ein Mix kann schnell matschig klingen und die Transparenz an die Hallfahne verlieren.

Weitere Features beim Reflections LE

Ein nettes Feature ist die Möglichkeit Impulsantworten von Drittanbietern zu laden. Damit kann die sowieso umfangreiche Library noch erweitert und sinnvoll ergänzt werden.

Ein Wort zur Prozessor Auslastung: Ich habe das Studiodevices Reflections LE sowohl auf einem 1,3 GHz Notebook mit 512 MB Speicher als auch mit einem 3GHz Pentium IV Rechner getestet. Selbst mit dem inzwischen schwachbrüstigen Notebook gab es keinerlei gefühlte Probleme. Fairerweise muss ich aber auch erwähnen, dass ich keine weiteren Plugins geladen hatte. Mit dem Pentium IV mit 2GB Speicher rannte das Hall-Plugin auch im Kontext eines Projekts.

Hall für Einsteiger

Wenn Du wissen möchtest, was all diese komplexen Parameter machen, dann schau unser Hall-Tutorial für Einsteiger an:
Video Workshop Hall

Studiodevices Reflections LE: Fazit

Exzellente Klangeigenschaften zu einem fairen Preis. Für knapp 80,- Euro bekommt der Käufer ein sehr gutes und einfach zu bedienendes Reverb Plugin mit der zusätzlichen Option Impulsantworten von Drittanbietern zu nutzen. Eine umfangreiche Presetliste bietet den richtigen Hall für jede Situation. Nur Apple-Fans werden enttäuscht: Das Reflexion LE ist nur als VST-Plugin für Intel oder AMD SSE kompatible Prozessoren zu haben.

Und jetzt muss ich gerade mal ins Lexicon schauen, was Bricasti eigentlich bedeutet…

Guitar Dry

Guitar Wet Cathedral06

Gun Dry

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Lesermeinungen (2)

zu 'Studiodevices Reflections LE Testbericht: Kleiner Preis – großer Klang'

  • pong   22. Mai 2009   03:38 UhrAntworten

    Vielen Dank Andreas für die ausführliche Beschreibung/Test .
    Gruss St.

  • Michael   03. Jun 2009   09:21 UhrAntworten

    Hallo, ich habe das Plugin vor Jahren gekauft. Es klingt wirklich gut. Allerdings läuft es beim Einsatz von mehreren Instanzen nicht stabil (Cubase SX und 4, AMD Athlon X2 4400) und hat mir persönlich den letzten Nerv geraubt, so dass ich es inzwischen nicht mehr einsetze. Die Library kann aber auch von anderen Plugins verwendet werden.

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