Slate Digital – Virtuelle Kompressoren & Konsolen im Erfahrungsbericht

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Slate Digital – Virtuelle Kompressoren & Konsolen im Erfahrungsbericht

Diese virtuellen Effekte von Slate Digital nehmen wir ausführlich unter die Lupe - insgesamt fünf Kompressoren und eine Konsolenemulation mit etlichen Klangbeispielen

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Worum geht es?

Der Hersteller Slate Digital bietet zahlreiche Effekt-Plugins für Windows & Mac OS X – eng an den Originalen orientierte Nachbildungen von den Kanalzügen bzw. Effektsektionen legendärer analoger Mischpulte.

Hier habe ich mir fünf Kompressoren und die virtuelle Multi-Konsole geschnappt:

Konsolen – Virtual Console Collection

Du bekommst zwei Versionen des Plugins: einerseits für den Kanalzug, andererseits für den Mixbus. Dir bietet sich die Auswahl folgender Konsolen:

  • Neve 804
  • SSL E-Serie mit G-Upgrade
  • Trident 80D
  • API (?)
  • Röhrenkonsole für Radioproduktionen aus den 50ern (?)

Kompressoren – Virtual Mix Rack & Virtual Buss Compressors

Zwei der Kompressoren stecken im »Virtual Mix Rack« und drei im VBC Bundle (»Virtual Buss Compressors«). Nach dem Installieren kannst Du die Kompressoren separat oder in einem Plugin vereint nutzen.

VBC Bundle

  • FG-MU – Röhrenkompressor (Vari-Mu)
  • FG-Grey – Kompressor einer Konsole vom Typ SSL 4000
  • FG-Red – »Chris Lord-Alges Geheimwaffe«

Die Kompressoren aus dem Mix Rack

  • FG 116 – basiert auf einem UREI 1176
  • FG-401 – basiert auf nicht genannten Kompressoren und bietet zwei Klangmodi

Installation und Performance

Die Installation der Plugins erfolgt über die Software »Gobbler«, die dich auch über verfügbare Updates unterrichtet und diese nach Bestätigung automatisch installiert. Bei den einzeln erworbenen Plugins musst Du die Installation über die jeweils aktuelle Installer-Datei aus deinem Benutzerkonto bei Slate Digital installieren. Eine automatische Update-Funktion gibt es dann allerdings nicht. Die Lizenzierung findet über dein iLok-Konto und ein Dongle vom Typ iLok2 statt.

Ich war in der Lage, auf allen 32 Spuren eines Projekts jeweils mit Konsole und Mixrack zu bestücken und darin wiederum jeweils einen EQ und Kompressor zu verwenden. Dazu konnte ich auch noch meine Subgruppen und den Mixbus mit Plugins ausstatten, ohne dass mein leicht betagter Mac an Grenzen stieß.

Bedienung

Konsolen

Slate Digital – Virtuelle Kompressoren & Konsolen im Erfahrungsbericht

Virtual Console Collection

Ein Schalter ermöglicht die Auswahl der gewünschten Konsole. Das emulierte Grundrauschen lässt sich deaktivieren, zum Beispiel, wenn man abschließend noch Dithering verwenden will.

Auf Wunsch lassen sich die Ein- und Ausgangspegel gegenläufig koppeln. Wenn der Eingangspegel für mehr Sättigung erhöht wird, kommt eine entsprechende automatische Verringerung des Outputs sehr gelegen. Natürlich ist auch eine unabhängige Regelung des Ausgangspegels möglich, wodurch sich gut dosieren lässt, wie stark nachfolgende Plugins gespeist werden sollen.

Eine weitere Funktion von vielen Slate-Plugins ist die Gruppenverwaltung. Damit kannst Du in deiner Session zum Beispiel dein Schlagzeug auf einer SSL mischen und mit einem Mausklick auf die Neve oder die Trident wechseln. Auch alle Pegel lassen sich in der Gruppenverwaltung entsprechend der Gruppe anpassen.

Die Pegelanzeige ist ein VU-Meter, diese stilechten Elemente finde ich wesentlich besser als jede LED-Leiste.

Kompressoren

Alle Kompressoren besitzen die Schalter und Regler ihrer Vorbilder, doch sind auch einige Verbesserungen enthalten. Jeder Kompressor hat einen Mix-Regler, bei dem man das Verhältnis von originalem und komprimierten Signal stufenlos einstellen kann.

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Die Virtual Bus Compressors (»VBC«)

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FG-401

Bis auf den FG-116 haben alle Kompressoren Regler für Attack, Release, Ratio, Threshold und Makeup Gain. Oder deren anders benannte Äquivalente mit jeweils gleicher Funktionalität.

Der FG-116 hat keinen Threshold-, sondern einen Input-Regler – letztendlich lässt sich damit auch der Schwellenwert für die Kompression regeln, aber eben auch die Pegelstärke des Eingangssignals.

Slate Digital – Virtuelle Kompressoren & Konsolen im Erfahrungsbericht

FG-116

Ferner gibt es beim FG-116 keinen »All Buttons Mode« für die vier Ratio-Einstellungen (auch »British Mode« genannt) – ein paar Verrückte auf der Insel haben sich gefragt, was wohl passiert, wenn man mit Gewalt alle gleichzeitig drückt. Der Kompressor fängt an, seltsame Dinge zu machen: Attack und Release haben keine eindeutige Funktion mehr und der Kompressor geht je nach Eingangssignalstärke mehr oder weniger in Sättigung. Harmonische Verzerrung bei extrem dichter Kompression ist das Resultat. Sehr geiler Effekt für die Parallelkompression auf dem Drumbus. Ich habe Steven Slate mal ketzerisch die Frage gestellt, ob wir beim nächsten Update mit diesem Feature rechnen können, und habe nur ein Grinsen als Antwort erhalten.

Klang

Konsolen

Die typischen Effekte analoger Hardware stellen sich ein: Die nachgebildeten Eingangsstufen der Kanalzüge weisen ein gewisses Grundrauschen und eine Anreicherung von Obertönen durch Soft Clipping bei hohen Pegeln auf.

Die Mixbusversion der Konsolen weisen Crosstalk auf – es findet ein geringfügiges elektrisches Übersprechen vom rechten in den linken Kanal des Busses statt (Signalanteile »sickern durch«). Bei den Kanalzugversionen gibt es das nicht, was ich ein bisschen schade finde. Damit hätte man sich ganz entspannt ein Mischpult in der DAW nachbauen können.

Die Änderungen von Konsole zu Konsole sind sehr subtil und auf guten Lautsprechern oder Kopfhörern durchaus greifbar. Mit iPhone-Kopfhörern ist das freilich nicht der Fall.

Kompressoren

Der FG-Grey kommt immer als erstes auf den Drum-Bus, als Preset such ich mir »Aggressive« raus und stell den Mixlevel auf 25%. Dann kann man seine Drum-Spuren ganz entspannt in den Buskompressor mischen.

Der FG-MU geht da wesentlich subtiler vor und macht sich auf dem Vocal- und dem Mixbus sehr gut. Ich stelle ihn immer so ein, dass das Signal grade so die Nadel der Anzeige küsst, und spiele mit Attack, Release und dem Mixregler. Damit kommt man sehr schnell zu Super-Vocals oder zu einer sehr subtilen Mixbus-/Mastering-Kompression.

Der FG-Red ist der brachialste Kompressor. Bei Rock-Vocals, Gitarren und Bässen macht der sich richtig gut. Fetzt. Genau wie der FG-Grey färbt er den Klang sehr positiv bei neutralen Einstellungen. Der FG-MU färbt schon deutlicher.

Für den Mixbus gibt es jetzt noch die Kiste, bei der alle drei Kompressoren am Stück drin sind. Die Reihenfolge lässt sich variieren und jeder Kompressor lässt sich separat ein- und ausschalten.

Ich habe ein paar Experimente gemacht und mich am Mastering versucht, dafür muss ich mir aber definitiv andere Boxen besorgen, einen anderen Raum, etc. Dennoch habe ich beim Umgang mit den Kompressoren in einer Mastering-Situation sehr viel über Summenkompression gelernt.

Klangbeispiele

Full Mix

Full Mix – VCC – USA

Full Mix – VCC – USA +6 dB Input

Full Mix – VCC – RC Tube

Full Mix – VCC – RC Tube +6 dB Input

Full Mix – VCC – Brit 4K E

Full Mix – VCC – Brit 4K E +6 dB Input

Full Mix – VCC – Brit Rock

Full Mix – VCC – Brit Rock +6 dB Input

Full Mix – VCC – Brit N

Full Mix – VCC – Brit N +6 dB Input

Full Mix – VCC – Brit 4K G

Full Mix – VCC – Brit 4K G +6 dB Input

Full Mix – FG-Red im Masterkanal

Full Mix – FG-Mu im Masterkanal

Full Mix – FG-Grey im Masterkanal

Full Mix – FG-Red, FG-Mu & FG-Grey zu jeweils 100% auf dem Masterkanal

Full Mix – FG-Red, FG-Mu & FG-Grey zu jeweils 30% auf dem Masterkanal

Vocals – FG-Red – Bus Compression

Vocals – FG-Mu – Bus Compression

Vocals – FG-Grey – Bus Compression

Rhythm Group – ohne Parallel Compression

Rhythm Group – FG-Red – Bus Compression

Rhythm Group – FG-Mu – Bus Compression

Rhythm Group – FG-Grey – Bus Compression

Rhythm Group – FG-401 – Parallel Compression

Rhythm Group – FG-401 – Parallel Compression

Rhythm Group – FG-116 – Parallel Compression

Fazit

Bei aller Skepsis gegenüber der Digitaltechnik haben mich diese Plugins überzeugt. Sowohl von der messtechnischen Seite, als auch von der klanglichen Seite. Bei der Funktionalität des FG-116 habe ich zwar den »All Button Mode« vermisst, aber das ist Kritik auf hohem Niveau.

Die Konsolen liefern einen absolut authentischen Klang und Funktionalität. Das Gruppenfeature ist klasse. Damit kann man in Sekundenschnelle von einer auf die andere Konsole umschalten. Das analoge Grundrauschen lässt sich ausschalten, was bei den Originalen nicht funktioniert. Wie auch? Wenn man jetzt dieses Plugin auf allen Kanälen lädt, bekommt der Mix eine besondere Tiefe, die einem vorher zwar nicht unbedingt gefehlt hat, aber nicht mehr missen möchte.

Ich bin gespannt, wie sich das mit den Preamps, die kürzlich zu dem Miet-Bundle dazu gekommen sind, macht. Wer interessiert ist, das zu hören, schreibe mir bitte in den Kommentaren, dann werde ich schauen, was ich machen kann.

Die Kompressoren entsprechen in vielerlei Hinsicht ihren Hardwarevorbildern. Mein Kritikpunkt wird aber durch zusätzliche Funktionalität, nämlich dem Mix-Regler ausgeglichen.

Diese Plugins sind ja nun schon einige Zeit auf dem Markt und werden von namenhaften Größen genutzt. Zu Recht.

PRO

  • Analog-typische Signalbearbeitung in einer digitalen Umgebung
  • Authentische Nachbildungen mit toller Klangqualität
  • Konsolen jeweils in Versionen für den Mixbus und für Einzelspuren

CONTRA

  • Kein »All Button Mode« beim FG-116

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Lesermeinungen (1)

zu 'Slate Digital – Virtuelle Kompressoren & Konsolen im Erfahrungsbericht'

  • oboe   20. Jul 2016   14:11 UhrAntworten

    Hallo Henry,

    danke für den Bericht! Der verleitet glatt zum Kauf der Kompressoren. Vor längerer Zeit habe ich bereits von VCC zum Gesamt-Konsolen-Portfolio geupgraded. Ja, der Einfluss ist sehr subtil und es stellt sich zunächst die Frage: warum sollte man es trotzdem kaufen und benutzen? Insbesondere mag ich eigentlich keine PlugIns, deren Wirkungsweise ich nicht wirklich kenne, da ich PlugIns gezielt einsetzen möchte, was mit Blackboxen nur bedingt geht. Ich stelle aber fest, dass ich tatsächlich eine "Wärme" im Sound höre und insbesondere - für mich einer der wichtigsten Kaufgründe - ich die Konsole als "Kleber" nutzen kann. Damit werden die Einzelspuren zu einem Song. Natürlich nicht, wenn das Ausgangsmaterial bereits vergurkt ist. Zudem mag ich die subtilen Möglichkeiten, Drumkits einen Hauch mehr Punch zu geben. Der Effekt ist witzigerweise kaum hörbar, hörbar ist aber, wenn es fehlt. Was auch immer dieses PlugIn macht (vermutlich Crosstalk, Sättigung und ggf. ein bisschen Kompression und evtl. FFT-EQ): mit klingt einfach besser.

    Was die Bedienung angeht, ist Slate weit vorne: ich habe auch den Trigger - die DAW könnte auch MIDI-Trigger erstellen, mit der ich dann Independence o. ä. ansteuern könnte: mit Slate habe ich aber unkomplizert schnell ein sehr gutes Ergebnis.

    Leider sind die PlugIns nicht billig, ich kaufe deshalb immer nur in Aktionszeiträumen. Dafür mag ich Dongle-Lösungen: meine PlugIns auf jedem Rechner ist praktisch, dafür nehme ich auch gerne ein USB-Hub mit für iLok, CodeMeter, Aladdin, usw. :-)

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