Recording Software: Musikprogramme zum Aufnehmen am Computer

Musikprogramm zum Aufnehmen am Computer? Recording Software

In der Realität wird praktisch keiner zu solch eindeutigen Aussage kommen, denn keine DAW erfüllt ausnahmslos jeden Anspruch. Für Einsteiger in die Musikproduktion oder Umsteiger bedeutet dies eine umfangreiche Recherche im Vorfeld eines DAW Kaufs. Und diese beginnt nicht etwa erst mit dem Vergleich der Features einzelner Programme, sondern mit einer Analyse der eigenen Arbeitsweise sowie der eigenen Ansprüche an eine DAW.

1) Anforderungen an eine DAW

Einige der Entscheidungen gestalten sich jedoch sehr einfach. Wer einen PC als Plattform nutzt, der braucht Logic, Digital Performer, Bias Peak und dergleichen gar nicht erst anschauen. Bist Du eher ein Mac-User, dann fallen Sonar, Acid, Wavelab bzw. andere Windows-Software unter den Tisch. Wer viele Projekte in einem Tonstudio mit Pro Tools macht, der sollte sich privat lieber auch Pro Tools kaufen.

Andere Entscheidungen sind leider nicht ganz so leicht zu fällen. Nutzt Du z.B. einen Windows PC, so hast Du unter anderem die Wahl zwischen Cakewalk Sonar und Steinberg Cubase – beides erstklassige Programme zur Musikproduktion. Natürlich unterscheiden sich beide deutlich voneinander und was dem einen gefällt ist des anderen Leid. Insofern stellt sich die Frage, wie man die vielen DAW und Musikprogramme miteinander vergleichen kann und wie man das auf die eigene Situation reflektieren kann.

2) Ausschlussverfahren

Im folgenden Schritt gilt es, alle Programme zur Musikproduktion zu eliminieren, die den unter Punkt 1 aufgeschlüsselten Anforderungen nicht gerecht werden.

Ein Beispiel: Wer viel mit Surround arbeiten wird, der kann alle DAW Programme ausschliessen, die kein Surround anbieten. Oder wer bisher mit Acid gearbeitet hat und daher eine große Sample Library mit WAV-Dateien im Acid-Format hat, der kann alle Musiksoftware aus seinen Überlegungen herausnehmen, die mit diesem Format nicht umgehen kann. Schliesslich will keiner seine Investition in die Samples überflüssig machen.

Ein anderes gutes Beispiel sind die Nutzer von Reason oder Ableton Live, die in Zukunft eine DAW mit ernsthaften Notations-Features benötigen. Diese können alle Programme eliminieren, die nicht mit ReWire umgehen können und die damit die sinnvolle Weiternutzung beider Sequencer unmöglich machen.

Die Liste könnte fast schon beliebig weitergeführt werden. Wichtig ist, die eigenen Anforderungen herauszufiltern und daraufhin das Eliminierungsverfahren anzuwenden. Typische Ausscheidungskriterien könnten auch Hardwareinkompatibilitäten sein oder fehlende Unterstützung von Hardwaremerkmalen im eigenen System (z.B. fehlender Multiprozessor-Support). Ganz weit oben für mich steht auch die Integration von externen MIDI Controllern bzw. das Fehlen solcher Optionen.

3) Spezielle Features

Der nächste Schritt wäre zu schauen, ob eine der übriggebliebenen DAWs ein spezielles, essentielles Feature bietet, das ich unbedingt haben muss. Sony Acid war für Musikproduzenten, die loopbasierte Musik machten, seinerzeit die einzige gute Wahl – und das, obwohl es keine Plugins unterstützte und keine MIDI-Funktionen hatte. Einige Producer kauften sich Logic, weil sie bestimmte Instrumente und Effekte unbedingt haben wollten, z.B. der fantastische virtuelle Sampler EXS24. Und als dann Steinberg mit der VST-Schnittstelle auf den Markt kam, sind viele Musikproduzenten umgestiegen, weil man praktisch alles innerhalb des Computers und Cubase machen konnte.

4) Wie wird sich Dein Tonstudio / Business entwickeln?

Wohin soll es gehen? Homerecording? Professionelle Musikproduktion? Post Production? Wenn es um die Kreation von Audio für Video geht oder um Nachvertonung in der Post Production, dann sollte die DAW besser ein Video Fenster bzw. eine Videospur mitbringen. Hier in diesem Bereich klaffen übrigens große Unterschiede zwischen den vielen Angeboten der Hersteller. Welche Formate können importiert werden? Lässt sich das Video zeitgleich mit dem Audio scrubben? Stürzt das Musikproduktionsprogramm öfter ab, wenn man die Videofunktionen nutzt? Baut der Bildschirm langsamer auf?

Testberichte und Artikel gehen zumeist kaum auf Videofunktionen in DAWs ein, da nur wenige Musiker und Musikproduzenten mit diesem Feature arbeiten. Hier bietet es sich an, etwaige Demo- und Testversionen herunterzuladen und ausführlich zu testen.

5) Usability und Design

Das Design und Aussehen der DAW ist sicherlich Geschmackssache. Da man normalerweise eine Menge Zeit mit dem Programm verbringen wird, sollte man sich mit der grafischen Oberfläche schon wohl fühlen oder zumindest arrangieren können.

Neben dem Design geht es aber natürlich auch um Usability und Funktionalität. Eine DAW sollte im besten Fall inspirierend sein, aber sie darf nie die Usability dabei auf der Strecke lassen. Ein Fader ist bedeutend einfacher zu bedienen als ein Feld mit Zahlen – geschweige denn von der schnellen Informationsverarbeitung im Gehirn des Menschen beim Anschauen mehrerer Kanäle im Mixer.

Ein für mich sehr wichtiger Punkt in Sachen Usability ist die Personalisierung der DAW. Kein Programm kann so perfekt auf meinen Workflow abgestimmt sein wie ein von mir persönlich angepasstes. Eine Musikproduktionsumgebung erster Klasse wird seine Nutzer nicht dazu zwingen, in einer bestimmten Art und Weise zu arbeiten, sondern verschiedene Optionen anbieten. Ein besserer Workflow bedeut hier entspannteres und schnelleres Arbeiten. Und Effizienz bzw. Zeit kann in Kosten umgerechnet werden.

6) Budget

Machen wir uns nichts vor, das Budget ist für viele das ausschlaggebende Kriterium. Natürlich lohnt sich hier ein Vergleich. Aber ganz wichtig ist es, Plugins und virtuelle Instrumente in die eigene Kalkulation mit einzubeziehen.

Was ist wohl für Dich besser? Eine DAW für 800 Euro, die alles mitbringt, oder eine DAW mit einem Preis von 300 Euro, bei der Du noch 600 Euro in Plugins und virtuelle Instrumente stecken musst? Und dann darfst Du auch nicht vergessen, dass Plugins, die Du nicht nutzen wirst, keinen Wert in dieser Kalkulation haben dürfen.

Recording: Wie finde ich das richtige Musikprogramm zum aufnehmen am Computer? Fazit

Nachdem Du aus der schier unendlichen Auswahl an Musiksoftware einige, wenige DAWs herausfiltern konntest, geht es an das Testen. Lade Dir die Testversionen herunter, frag gegebenenfalls nach einer Demoversion. Welcher der Sequencer macht den besten Eindruck? Mit welchem lässt sich effizient arbeiten? Eine Woche sollte man dem Test schon geben, denn manchmal braucht es Zeit, bis Du einige Features durchstiegen hast, die sich dann als besonders wertvoll erweisen.

Wenn es letztlich zur Kaufentscheidung kommt, wirst Du die für Dich wichtigsten Punkte bereits abgehakt haben. Alle modernen DAWs werden konstant weiterentwickelt und bieten regelmässige Updates mit neuen Features, was eine falsche Entscheidung schnell relativiert. Und gilt nicht auch zuletzt der weise Spruch: Man kann mit jeder DAW einen Hit komponieren?

Lesermeinungen (7)

zu 'Recording Software: Musikprogramme zum Aufnehmen am Computer'

  • Heiko
    31. Mai 2009 | 12:37 Uhr Antworten

    Niemals Dein Umfeld vergessen.
    Wenn Du einen Freund hast, den Du ohne schlechtes Gewissen mit Fragen löchern kannst, ist es vorteilhaft, die gleiche DAW zu nutzen.

    Auch die Frage der Kooperation halte ich für wichtig. Es gibt bei den DAWs kein (brauchbares) Austauschformat – kompatibel sind sie wenn überhaupt nur zu sich selbst und ihren eigenen Vorgängern. Wenn ich dann zuhause etwas mit der brandneuen Version X vorbereite und damit ins Studio marschiere kann’s schonmal ärgerlich sein, da das Studio noch mit der (u.U. stabileren) Version X-1 arbeitet und meine Daten nicht öffnen kann.

  • Lilian
    31. Mai 2009 | 12:40 Uhr Antworten

    Ich finde Deine Zusammenfassung interessant, da man auch nicht jeden MIDI-Controller mit jeder Software gleich nutzen kann. Stelle ich mir zumindest so bei AKAI MPD-Reihe vor. Ich benutze z. Zt. Sony Acid und irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mit einer AKAI MPD (MPC sind ja weitaus teurer dafür das es nur ein Hobby ist) ziemlich doof da stehen würde. Ableton wäre da wahrscheinlich passender.

  • Carlos (delamar)
    01. Jun 2009 | 12:46 Uhr Antworten

    @Heiko:
    Ganz genau, wenn ich austauschen muss, dann bietet es sich an, dasselbe Musikprogramm zu nutzen – ansonsten gehen zu viele Einstellungen verloren.

    @Lilian
    Letzten Endes geht es bei der Integration der MIDI-Controller darum, ob sich Hersteller von DAW und Hersteller der Controllers mal zusammen hingesetzt und einen Weg gefunden haben, alle Funktionen zu implementieren.
    Das ist nur leider selten der Fall, deswegen lohnt sich auch hier dringend der Test mit der Demoversion.

  • Checkoff
    04. Jun 2009 | 01:28 Uhr Antworten

    Zu Punkt 1) :

    Auf einem MAC kann man seit geraumer Zeit auch Windows installieren…würde die Frage (falls die Kohle vorhanden) ausschließen, denn beides zu haben ist ja gleich noch besser !

  • klangmaler
    03. Jul 2009 | 11:17 Uhr Antworten

    hallo, klasse portal! in sachen windows oder mac und verschiedene formate und fairer preis ist reaper eine gute alternative und einen blick wert. weitermachen!

  • Felix Baarß (delamar)
    08. Apr 2011 | 10:39 Uhr Antworten

    Finde ich auch.

  • Kuechi
    17. Okt 2012 | 08:38 Uhr Antworten

    Hallo,

    mir fällt auf, dass ihr Propellerhead Reason immer recht Stiefmütterlich behandelt. Ich höre euren Podcast ganz gerne, viele der Infos sind ja allgemein und können auf alle Da angewendet werden. Aber wenn ihr euch über Das unterhaltet, fällt der Name Reason so gut wie nie. Ich weiß, das Reason sehr speziell ist, i.b. weil es keine vst unterstützt, dennoch finde ich es eine super das zu einem unschlagbaren Preis. Nutzt das keiner von euch?

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