Tone2 Gladiator 2 im Test

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Tone2 Gladiator 2 im Test

Tone2 Gladiator 2

Tone2 Gladiator 2

Der Tone2 Gladiator 2 ist schon ein ziemlicher Brummer. Syntheseneulinge könnten anfangs von der Vielzahl der Parameter erschlagen werden. Doch nicht verzagen, nach etwas Eingewöhnungszeit findet man sich schnell zurecht … was keineswegs bedeutet, man hätte die klanggestalterischen Möglichkeiten nach kurzer Zeit erschöpft, ganz im Gegenteil.

Wir möchten Euch im Folgenden die einzelnen Sektionen des zweiten Gladiatoren näherbringen.

Oszillatoren

Der Synthesizer verfügt über insgesamt fünf Oszillatoren. Bei den ersten vier hat man die Qual der Wahl aus je 163 Wellenformen, die Palette reicht von den üblichen Verdächtigen wie Sinus, Sägezahn, etc. über diverse Nachbildungen von Instrumenten bis hin zu einfachen Drumloops. Der fünfte Oszillator kann mit Samples gefüttert werden oder Rauschen generieren – ich war mir nicht bewußt, daß es auch davon so viele Arten gibt.

Nach der Wahl der Grundwellenform können die Signale durch diverse Modulationsstufen mit Wet-/Dry-Reglern gescheucht werden. Dazu kommen Phaseregler und separate Phasenmodulationsmöglichkeiten. Vocoder und Resynthese sind zusätzlich als geplante Erweiterungen in Arbeit. Die Auswahl der Modulationsarten und -nuancen ist hier einfach zu vielgestaltig, um die Möglichkeiten im Detail zu beschreiben.

Tone2 Gladiator 2 - HCM

Tone2 Gladiator 2 - HCM

Als Besonderheit kommt eine einzigartige Synthesetechnologie zum Einsatz, das Harmonic Content Morphing. Dieses Verfahren bietet, nach dem Vorbild natürlicher Klänge, die Möglichkeit, das harmonische Obertonspektrum der Oszillatoren im Zeitverlauf zu verändern um lebendige, bewegte Klanglandschaften zu schaffen. Neben dem Harmonic Content Morphing beherrscht auch die üblichen Syntheseverfahren FM, AM, PWM sowie additive und subtraktive Synthese.

Selbstverständlich gibt es Regler für Oktave, Halbtonschritt und die Feinjustierung dazwischen. Schließlich münden die Signale in einem eigenen Mix-Paneel, wo Lautstärke und Panning der einzelnen Oszillatoren justiert werden.

Filter

Umfangreich zeigt sich auch die Filtersektion. Verschiedenste Arten von Low Pass, High Pass, Band Pass, Band Reject, Vocal, Phaser und weiteren stehen zur Wahl. Die ADSR-Kurve lässt sich mit Attack, Decay, Sustain, Fade, Release und Envelope Shape flexibel gestalten. Zusätzlich zum obligatorischen Cutoff-Regler finden sich Knöpfe für Resonanz, Stereoverlagerung, Key Follow, Velocity und Send. Da sollte nichts zu wünschen übrig bleiben.

Effekte

Hier kann man wählen zwischen Reverb, Delay, Chorus, Flanger, Tube Amp, Bitcrush … um nur einige zu nennen; alle von sehr hoher Qualität (besonders das „Reverb quality“ macht einiges her), wenn auch nicht ganz so ausgefeilt wie bei spezialisierten Plugins. Insgesamt zwei Effekte lassen sich parallel oder seriell verschalten. Auch hier gibt es die Wet-/Dry-Regler. Zudem sind zwei weitere, separate Einheiten mit Distortion und einfach gehaltenem Delay zuschaltbar.

Sonstiges

Zwei LFOs mit einigen zum Teil exotischen Wellenformen, Phasereglern, Temposynchronisation, Retrigger-Schaltern schreien danach, in der zwölffächerigen Modulationsmatrix mit beliebigen anderen Parametern verknüpft zu werden. Nettes Detail: als Zielparameter sind auch beliebige Slots in der Matrix selbst ansteuerbar … was das Ganze quasi zu einer Metamatrix macht. Fein.

Eine Handvoll Unison-Modi (1 x mono bis 4 x stereo) werden geboten, ein potenter Stepsequencer ist ebenso an Bord. Der Arpeggiator (bis zu 16 steps) zaubert die quirligsten Melodeien und der Glide-Regler bietet die Wahl aus zahlreichen temposynchronisierten Stufen.

Weiterhin zu nennen sind der sehr einfach gehaltene Equalizer für Bässe, Mitten und Höhen sowie die Abteilung für die Lautstärkenhüllkurve, welche bei den relevanten Parametern analog zu der in der Filtersektion aufgebaut ist.

Am Ende der Signalverarbeitung steht ein Master-Wet-/Dry-Regler für die Gesamtheit der applizierten Effekte. Das Plugin offeriert vier Qualitätsstufen, wobei die höchste immer noch recht moderate Anforderungen an die CPU stellt. 1 bis 256 (!) Stimmen erklingen und es gibt Einstellungen für minimales Tuning der einzelnen Noten in Akkorden, was viele Sounds lebendiger klingen lässt. Ein immer wieder gern gesehenes Feature ist die Zufallsfunktion, die jetzt auch im Gladiator 2 Einzug gehalten hat.

Der Tone2 Gladiator 2 ist für Windows und Mac erhältlich.

Bedienoberfläche

Die Drehregler sind leider überaus winzig geraten. Auch eine Feinjustierung dieser Knöpfe ist nicht wirklich möglich, und wenn, dann nur mit Hilfe der Automationskurven in der DAW Eurer Wahl. Außerdem ist alles sehr dicht auf einer einzigen Oberfläche aneinander gedrängt, es gibt keine „Tabs“ oder Ähnliches, wie bei manchen anderen komplexen Plugins üblich. Andererseits hat man so alles sofort parat und es werden weniger Klicks benötigt, um Änderungen vorzunehmen. Die Beschriftung der Elemente ist knapp, aber ausreichend informativ und ganz gut lesbar.

Der Klang beim Gladiator 2

Der Gladiator 2 klingt ungeheuer transparent, klar definiert und druckvoll. Er fühlt sich in den meisten Genres zuhause. Einige Effekte sind richtige Hinhörer, doch am spannendsten ist die Arbeit mit dem Harmonic Content Morphing – da lassen sich wirklich bisher so nicht mögliche Ergebnisse erzielen. Die Presets verdeutlichen die Vielseitigkeit des Plugins sehr gut, allerdings sind sie stellenweise etwas überbordend mit Effekten zugekleistert.

 

 

Tone2 Gladiator 2: Fazit

Mit dem jüngsten Baby von Tone2 lassen sich vor allem erstaunlich komplexe, orchestrale Sequenzen fabrizieren, aber auch bratzige Acid-Sounds. Selbst als Drumsynthesizer ist er zu gebrauchen. Es können Wochen intensiven Studiums in’s Land gehen, ohne daß man die Möglichkeiten dieses Softwaresynthesizers ausgereizt hat. Die Beurteilung, ob das nun begrüßenswert oder verdrießlich ist, überlassen wir Euch.
Unser Review kratzt tatsächlich nur an der Oberfläche, wir legen Euch daher die Demo-Version wärmstens ans Herz. Bei dem für das Gebotene wirklich fairen Preis kann man beim Kauf des Gladiator 2 nichts falsch machen … wenn man bereit ist, viel Zeit zu investieren und nicht gerade einen typischen Brot-und-Butter-Synthesizer erwartet.

Preis & Verfügbarkeit

Der Tone2 Gladiator 2 ist für 149,- Euro über die Website des Herstellers erhältlich. Das Update kostet 69,- Euro.

Tone2 Website: Link

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Lesermeinungen (1)

zu 'Tone2 Gladiator 2 im Test'

  • Piet   18. Okt 2010   12:30 UhrAntworten

    Hi,

    ist zugegeben a bisserl spät aber im test hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Gladiator2 hat nicht 163 Wellenformen sondern Morphtables die ihrerseits aus 256 Snapshots bestehen. Jeder Snapshot kann als eigene Waveform angesehen werden sodaß Gladiator hier auf über 40.000 Wellenformen kommt. Ansonsten schöner Testbericht der sich sehr flüssig liest.

    Gruss

    Piet

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