Monitorboxen richtig aufstellen
Einer der Schlüsselpunkte zum Produzieren von guter Musik ist es, eine sehr gute Abhörsituation im Regieraum zu haben. Da die meisten Producer im Homerecording-Bereich kein eigens für die Abhöre bzw. Musik gebauten Raum besitzen, muss versucht werden das Beste aus den bestehenden Rahmenbedingungen herauszuholen.
Schon bei der Aufstellung und Ausrichtung der Monitorboxen kann man in der Regel viel falsch machen oder verbessern. In diesem Artikel gibt es nun einige einfache Tipps zum richtigen Aufstellen der Monitorboxen, um die eigene Abhörsituation möglichst optimal einzurichten.
Aufstellen der Monitorboxen
- Entfernung zwischen den Lautsprechern
Der Abstand zwischen den beiden Boxen nimmt Einfluss auf das zu hörende Stereopanorama, das die beiden Boxen wiedergeben können. Normalerweise gibt der Hersteller der Lautsprecher, Monitore oder Nahfeldmonitoren einen Mindestabstand an. Bei Nahfeldmonitoren sind das in der Regel mindestens 1-2m, bei anderen Lautsprechern mehr.
Je größer ich diesen Abstand wähle, desto mehr Raum habe ich im Stereopanorama. Allerdings darf man die Boxen auch nicht zu weit voneinander entfernen, da sich der Klang ansonsten zu sehr verliert.
Bei der Aufstellung der Boxen ist es wichtig, dass man sie leicht angewinkelt in Richtung Hörer aufstellt, so dass der Hörer im Schnittpunkt der Abstrahlwinkel der Lautsprecher liegt. - Entfernung zum Hörer
Der Abstand zum Hörer sollte mindestens genau so gross wie der Abstand zwischen den beiden Boxen gewählt werden. Dadurch entsteht ein gleichseitiges Dreieck mit den Lautsprechern und dem Hörer als Eckpunkten.
Als noch besser gilt, wenn der Abstand zwischen den Lautsprechern das 1,2fache des Abstandes zum Hörer hat. Das hierdurch entstehende Dreieck besitzt zwei 75° Winkel von der Box zum Hörer hin. - Abstand zu den Wänden
Der Abstand von den Lautsprechern zu den Wänden sollte möglichst groß gewählt werden. Der Grund dafür ist die Zeit zwischen Eintreffen des Direktschalls und den von den Wänden zurückgeworfenen Erstreflexionen beim Hörer. Je größer der Abstand zu den Wändern, desto größer der Zeitunterschied.
Mit dieser Massnahme erleichtern wir dem Hörer den Direktschall von den Erstreflexionen zu unterscheiden und somit verbessern wir die Ortung der Schallquelle.
In der Regel ergeben sich keine Verbesserungen mehr, wenn der Abstand mehr als 0,7-1,5m von den Wänden beträgt. Da die meisten in eher kleinen Räumlichkeiten arbeiten, wird ein so großer Abstand nicht immer möglich sein. Hier gilt aber, dass man bereits mit 0,5m Abstand eine wesentliche Verbesserung erreichen kann.
Eine einfache Methode, um die Wirkung der Erstreflexionen zu testen ist es den Bassbereich zu beobachten wenn man den Lautsprecher näher an die Wand stellt: der Bass wird lauter je näher man der Wand kommt. - Abstand zur Rückwand
Der Abstand zur Rückwand beeinflusst genau wie der Abstand zu den Seitenwänden massgeblich die Ortung des Schalls, insbesondere im Falle der Rückwand aber die Tiefenstaffelung des Mixes. Auch hier gilt, dass der Abstand möglichst gross gewählt werden sollte und bereits kleine Entfernungen grossen Einfluss auf das Klangerlebnis haben.
Durch das richtige Aufstellen der Lautsprecher verliert man zwar Nutzraum, aber man verbessert die Abhörsituations immens. Und gerade eine gute Abhöre hilft ungemein dazu, besser zu hören, was in meinen Mixen, meiner Musik passiert und welchen Einfluss die EQs, Kompressoren etc. auf das Klangmaterial haben.
Bevor man also tief in die Tasche greift, um neue Monitorboxen zu kaufen, sollte man zunächst an der korrekten Aufstellung der alten Monitore arbeiten.






14. Mai 2007 | 01:12 Uhr
Hi, noch ein guter Tipp:
Herauszufinden, wo die Lautsprecher (Ls) im Raum den saubersten Bass haben kann unter Umständen sehr mühsam und zeitaufwändig sein. Außerdem braucht man meißt jemanden dazu.
Leichter gehts, wenn man das Spiel umdreht. D.h. Ls auf die Hörposition und der Hörer bewegt sich in dem Bereich, wo man den Ls aufstellen kann. Dann braucht man nur noch hinhören, wo der Bass am saubersten ertönt und genau dorthin gehört die Box.
aber nicht vergessen: es ist wichtiger eine saubere Ortung in den Mitten und Höhen zu haben als sauberen Bass, weil man den Bass am Ende einer Session einfach mal mit einem guten Kopfhörer kontrollieren kann.
14. Mai 2007 | 10:21 Uhr
Das ist ein interessanter Tipp, den ich das nächste Mal antesten werde. Danke!
05. Dez 2007 | 10:59 Uhr
was viele vergessen ist die korrekte Stereo-Mono breite –
Zu weit aufgestellte Boxen reduzieren die Energie in der Mono Mitte -
Die folge alles was Mono ist (z.b. Bass/Gesang) wird zu “Laut” oder respektive zu “Leise” gemischt.
05. Dez 2007 | 20:59 Uhr
Wohl wahr. Ich denke die meisten Musikschaffenden da draussen verwenden eh zu viel Zeit darin, neues Equipment zu kaufen anstatt sich mal mit einigen grundlegenden Dingen, wie dem Aufstellen von Monitorboxen oder Verbessern der Raumakustik auseinanderzusetzen.
20. Jan 2009 | 09:03 Uhr
Ich bin begeistert und dankbar, was ich hier lese.aber ich würde mich schon freuen wenn da auch einige Lautsprecher (Monitore) beim Namen genannt werden … !
Danke !
20. Jan 2009 | 09:21 Uhr
Ich finde das ist ein hilfreicher Beitrag! Allerdings steht unter 2. die Formulierung:
“Als noch besser gilt, wenn der Abstand zwischen den Lautsprechern das 1,2fache des Abstandes zum Hörer hat.”
Ist es nicht eher umgekehrt? Also dass der Abstand zum Hörer zu den Lautsprechern das 1,2fache des Abstands beträgt?
Hab auch mal irgendwo gelesen, dass sich die “gedachten Linien” des Dreiecks VOR dem Hörer kreuzen sollen.
“Der Abstand zum Hörer sollte mindestens genau so gross wie der Abstand zwischen den beiden Boxen gewählt werden” wäre demnach korrekt!?
BTW der Tipp von JMH gefällt mir sehr gut!! Sollte in der Praxis sogar funktionieren :) Habe auch schon mal was von 1/5- und 2/5-Aufstellungen gelesen, also die Boxen oder Subwoofer abhängig von der Raumlänge/-breite positionieren (wobei ich leider nicht den Platz hab, um das auszuprobieren).
05. Sep 2009 | 19:36 Uhr
ich hab zu wenig platz in meiner wohnung, so dass meine monitore nur ca. 5 cm von der wand stehen.
ist es dann in diesem fall ratsam, schaumstoff an die wand zu machen?
und wenn ja, welchen?
danke!
mec
05. Sep 2009 | 23:50 Uhr
@Sascha
Im englischen nennt man die Hörposition auch “sweet spot”. Du wirst dich ja nie perfekt an derselben Stelle aufhalten, und wenn Du mal genau darauf achtest, dann gibt es einen kleinen Bereich (sweet spot), in dem die Abhörsituation exzellent ist.
@mec
Mit Schaumstoff kannst Du das grösste Problem bei zu naher Wand nicht beheben: den Bass. Dazu brauchst Du dann schon grössere Maßnahmen wie z.B. Bass-Fallen. Aber die 5cm Abstand müssen kein Beinbruch sein, denn Du wirst dich im Laufe der Zeit an deine Situation gewöhnen und wissen, wie Du sie in den Griff bekommst.