Problematische Vocalaufnahmen mit dem EQ bearbeiten
Selten gelingt im Homerecording-Bereich eine nahezu perfekte Vocalaufnahme. Oft genug muss man beim Mischen mit dem EQ nachhelfen, um den Klang etwas professioneller klingen zu lassen oder zu verbessern.
In diesem Tutorial geht es darum, wie man mit dem EQ nachträglich noch mehr aus den Vocals herausholen kann – auch ohne im Vorfeld massig Geld für ein vielfältiges Mikrofon- und Vorverstärkerarsenal ausgeben zu müssen, um eine perfekte Kombination von Sänger(in), Mikrofon und Preamp zu finden.
Vocals mit dem EQ verbessern
Ich werde dieses Tutorials nur einige grundsätzliche Tipps zur Vocal-Bearbeitung mit dem EQ geben und die häufigsten Probleme in Vocalaufnahmen ansprechen.
Mit einem EQ haben wir vielfältige Eingriffsmöglichkeiten in das Klanggeschehen, aber eines kann auch der beste EQ oder der beste Toningeneur auf der Welt nicht wirklich verbessern: die Performance vor dem Mikrofon. Das Endergebnis kann nur so gut sein, wie die Vocal-Performance. Deswegen achtet unbedingt darauf, die beste Aufnahme zu machen, die Euch mit Euren Mitteln möglich ist. Das soll heissen, dass die Vocals im besten Falle keine Probleme mit Pitch, Ausdruck oder Timing haben und dass die Aufnahme gut ausgesteuert und nicht verzerrt ist. Eine sinnvolle Mikrofonpositionierung ist ebenfalls nicht durch spätere Eingriffe zu ersetzen.
Versucht einfach bereits im Vorfeld das beste aus Euren Möglichkeiten zu machen.
Tipps zur Vocalbearbeitung mit dem EQ
Was mache ich, wenn…
…die Vocalaufnahme zu harsch und hart klingt?
Eine schmale Absenkung (hoher Q) im Bereich von 2,5-4kHZ kann hier Wunder bewirken. Sweept diesen Bereich mehrmals durch, um die genaue Problemfrequenz zu finden.
…ich die Vocalaufnahme etwas luftiger und offener haben möchte?
Am besten wäre es hier bereits bei der Aufnahme der Vocals darauf zu achten, dass man den Sänger etwas weiter entfernt vom Mikrofon aufstellt. Mit dem EQ kann man hier mit einem Hi-Shelf einen leichten Boost ab 6kHz herumexperimentieren. Jedoch muss man hier bedachtsam mit umgehen, damit die Vocals nicht am Ende zu anstrengend werden.
…zu viel Bass in der Aufnahme ist oder ich den Trittschall des Sängers höre?
Um den Trittschall annähernd unhörbar zu machen reicht es meist einen Hi-Pass- bzw. LowCut-Filter so ab 60Hz einzusetzen. Da viele Stimmen dann immer noch zu viel Bass mittragen, setze ich den Filter so bei etwa 80-100Hz ein. Damit integriert sich das Vocal auch gleichzeitig etwas mehr in den Gesamtmix.
…die Vocalaufnahme etwas weicher / smoother werden soll?
Im Bereich von 1-2kHz kann man mit einem hohen Q (schmalen Band) eine Absenkung um einige dB nutzen, um die Vocalaufnahme etwas weicher zu gestalten.
…die Vocals zu wenig Körper und Wärme haben?
Mit einem sanften Boost von etwa 200Hz bis in den unteren Mittenbereich bekommt man etwas mehr Bass und Wärme in die Aufnahme. Oftmals wird dieser Bereich als Körper wahrgenommen.
…die Stimme zu nasal klingt?
Diesem Problem ist am besten mit richtiger Mikrofonpositionierung beizukommen. Wenn das Kind allerdings bereits in den Brunnen gefallen ist, dann kann eine schmalbandige Absenkung um die 800Hz noch einiges geradebiegen.
Schlusswort
Ich hoffe, dass Euch mit den oben genannten Tipps zur Bearbeitung von Vocals geholfen ist…und wenn Ihr noch eine Frage oder Anregung habt, dann nutzt doch einfach unten die Kommentarfunktion.
Ich freue mich über jeden Feedback!
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15. Nov 2007 | 07:34 Uhr
Hallo Carlos……
Danke für Deine durchaus nützlichen Tips, ich werde sie alsbald ausprobieren .
Wer verrät schon einfach so seine Geheim-Studio-Tips ans gemeine Volk, potentiele Konkurrenten …hahha.
Samle schon länger Eure Tips-Wissen in einem
Büchlein zur direkten Anwendung. So kann man auch mit relativem einfachem Equipment viel erreichen!
Grüsse aus der Schweis St.
15. Nov 2007 | 11:38 Uhr
Freut mich, dass Dir die Tipss weiterhelfen. Ich bin der Meinung, dass Wissen nicht geheimgehalten werden sollte.
Und in Sachen potentielle Kunden: Ein Kunde, der sich selbst an einem Mix versucht hat und die Schwierigkeiten kennt, weiss umso mehr die Arbeit des Toningeneurs zu schätzen!
Aber die Diskussion von Home-Recording Aufschwung und dem Verschwinden von großen Tonstudios ist eigentlich ein Thema für sich…
15. Nov 2007 | 16:36 Uhr
Ich setze meinen Filter gegen Störgeräusche bei etwa 200Hz ein. Da klingt die Aufnahme am besten.
17. Nov 2007 | 19:44 Uhr
Ich möchte da für die schwierigen Fälle, oder wenn es um das aufpolieren alter Aufnahmen, geht den Voxformer von Voxengo in die Runde werfen. Es ist eine sehr gut klingende und gleichzeitig effektive “Waffe” für Vocals.
Bedauerlicher Weise leiden die Voxengo Plugins zu Unrecht unter ihrer etwas altbackenen Optik, obwohl sie klanglich wirklich toll sind!
http://www.voxengo.com/product.....dontfollow
17. Nov 2007 | 20:00 Uhr
Voxengo-Plugins haben meistens tatsächlich einen sehr guten Klang. Aber wie Du schon angedeutet hast…die Bedienoberfläche ist zumeist das Problem.
Wobei ich hier gar nicht die Optik meine, sondern oft einfach die unverständliche Bezeichnung für verschiedene Parameter.
25. Nov 2007 | 02:15 Uhr
Und was mache ich, wenn die Vocal-Aufnahmen verzerrt klignen?
25. Nov 2007 | 12:02 Uhr
Bei Verzerrungen hast du ein Problem, weil du die nicht mehr rausgekommst …
25. Nov 2007 | 12:33 Uhr
Du musst natürlich zuerst mal feststellen, warum Deine Vocals verzerren. Das Problem könnte beim Aufnehmen durch einen zu hohen Pegel entstehen, hier hilft den Vorverstärker etwas zurückzudrehen.
Vielleicht singst Du auch zu laut in das Mikrofon, dann könntest Du Dich einige Zentimeter weiter weg vor dem Mic aufbauen.
17. Jan 2008 | 12:59 Uhr
Durango, tritt die Flucht nach vorne an und verzerr noch mehr, wenn die Aufnahme schon verzerrt ist! z.B. mit Cyanide2.
10. Feb 2008 | 01:46 Uhr
Prinzipiell ist wie gesagt die Frage nach dem WARUM am wichtigsten. Wenn es sich um analoge Verzerrungen handelt, also durch die Übersteuerung des analogen Equipments bis einschließlich dem AD-Wandler, entstehen durch die Verzerrung Obertöne, mit deren Hilfe entsprechende Algorithmen das wieder korrigieren können. Für derartige Zwecke nutze ich Adobe Audition, da es meines Achtens über recht hochwertige Algorithmen gegen Störgeräusche wie dieses verfügt.
Liegt die Ursache der Verzerrung jedoch jedoch im digitalen Bereich, hilft auch das nichts, denn da gehen die Lautstärkeninfos einfach ersatzlos verloren…
Im Allgemeinen hilft es aber wie gesagt am meisten, ordentlich zu Pegeln, damit es gar nicht erst zu Verzerrungen kommt.
15. Dez 2008 | 13:34 Uhr
Moin.
Schöne Seite hier.
Wir hatten gestern Verzerrungen, die immer mal wieder aufgetreten sind.
Dann hab ich die Spur in Ableton Live von Mono auf Stereo umgeschaltet und zack waren die Verzerrungen weg.
Kann das was mit Symetrischen Signalen zu tun haben?
16. Dez 2008 | 19:59 Uhr
Ich könnte mir vorstellen, dass beide Stereokanäle auf einen Monokanal summiert werden und das Signal deswegen die 0dB überschritten hat.
06. Jan 2009 | 19:50 Uhr
Hey! Wundervolle Seite!
Gerade drauf gestoßen, als angehender Hobby-Produzent genau das richtige! Ich danke allen, die ihr Wissen teilen! Ich werde versuchen meine begrenzte Erfahrung mit euch zu teilen.
Ihr sprecht immerzu von ‘sinnvoller Mikrofonposition’. Wie positioniere ich denn das Gesangsmikrofon sinnvoll?
Vielen Dank im vorraus ;)
07. Jan 2009 | 00:51 Uhr
Danke für das Lob.
Die Frage nach der richtigen Mikrofonposition bei Gesangsaufnahmen ist keine leichte. Es gibt keine goldene, immergültige Regel.
Als Ansatz:
5 – 15cm Entfernung vom Sänger, etwa Mundhöhe in Richtung Mund. Klingt es zu nasal, dann mal leicht von oben in Richtung Brustkorb aufnehmen. Klingt es zu dumpf, zu bassig, dann leicht von untern Richtung Mund aufnehmen.
11. Feb 2009 | 23:37 Uhr
Super Seite.
Seit jahren lese ich in foren mit, aber so viel nützliches auf einmal konnte ich nicht finden.
Kann man die Tipps auch in Live Pa Beschallung einsetzen?
12. Feb 2009 | 10:12 Uhr
Danke für das Lob, Ömer!
Zwar kannst du viele dieser Tipps auch im Live-Einsatz anwenden, musst dort aber viel vorsichtiger mit umgehen, da die Gefahr von Feedbacks besteht.
Aber vielleicht hat ja ein Leser eine etwas fundiertere Meinung für den Live-Einsatz?
14. Jun 2009 | 02:38 Uhr
Ich habe erst seit kurzem ein anständiges Mikro und versuche natürlich auch Gesangsaufnahmen, obwohl mein Gesangskünste doch sehr bescheiden sind.
Mein Problem: So ein Großmembranmikro ist ja superempfindlich, da hört man Flöhe husten mit. Flöhe hab’ ich gottseidank nicht, aber man hört jedes Atemgeräusch und atmen muss ich nun mal.
Man kann das natürlich im Mix dann herausschneiden oder zumindest auf ein erträgliches Maß herunter regeln, aber ich glaube nicht, dass das der Königsweg ist. Auch Wegdrehen beim Atmen bringt nur minimale Besserung.
Gibt es irgendeinen Trick, wie man mit Atemgeräuschen umgeht?
Danke im Voraus und Gruß
D.Mon
10. Feb 2010 | 13:18 Uhr
Wenn die Atemgeräusche so extrem stören, bin ich für rausschneiden. Ist zwar sehr aufwendig, aber meines Erachtens die beste Lösung. Man sollte darauf achten, dass es nicht ohne die Atmer unnatürlcih klingt.
Eine andere Lösung ist ein Gate oder Expander zu benutzen. Bei dem Expander bekommt man Atmer schön leise und es klingt nicht unnatürlich.
26. Feb 2010 | 00:28 Uhr
Sind näsel-ähnliche Frequenzen dann doch nicht nur um 600Hz oder auch 1,2kHz zu finden, sondern auch bei 800? Dann weiß ich jetzt auch, warum manche Sängerinnen ein wenig nach Katze klingen. :)
Super Tutorials macht ihr da! Danke auch an die Tipps von den Vorpostern.
26. Feb 2010 | 10:54 Uhr
Jede Stimme, jedes Mikrofon, jede Aufnahmesituation ist anders. Wenn Du also mit Näseln Probleme hast, dann hör mal in die Region rein, ruhig auch etwas ausschweifender und manchmal benötigt es auch mehr als nur einen einzigen Cut.
10. Apr 2010 | 00:50 Uhr
Ich grüsse das Delamar Team, eure Tutorials sind einfach nur Spitze!
Ich wollte mal eine Anfrage zu Gesangskabnen starten und hoffe etwas Feedback zu erhalten, wusste leider nicht wirklich wo ich diese anfrage platzieren sollte.
Wir haben in unserem kleinen “Hobbystudio” eine Gesangskabine erbaut und haben Probleme mit dumpfen Aufnahmen. (is ja nicht selten wie ich höre)
Wir haben vier Wände welche nicht parallel zu einander stehen, zwei davon aus Holz mit Zwichenräumen (wie in der Saune einfach mit Spalten) dahinter klebt Steinwolle als Bassfänger. Eine Wand ist nur Steinwolle und Stoff und eine Wand aus reinem Noppenschaum. Die rohen Wände an sich sind zweifach isoliert im trockenbau also Gipswände, die Kabine ist also enorm dicht und hat eigentlich einen sehr trockenen Klang, aber nach der Spektralanalyse immernoch zu viel Anteil unter den 250 herz.
Mic – Neumann TLM102
Audio Interface – Focusrite saffire 56 (firewire)
ich wundere mich über die dumpfen aufnahmen da ich mir durch die 6 cm dicke Steinwolle erhofft habe mehr in den unteren Frequenzbereichen zu schlucken.
Ich wollte aber eigentlich fragen ob es sinnvoll ist vor der aufnahme bereits auf den miceingang einen Low Shelf mit EQ zu setzen, klingt aber gut und gerne etwas unnatürlich und mit fehlt die wärme in den vocals. eine anhebung bei den 200 herz führt leider nicht zum gewünschten ergebnis.
Um Tipps hierzu wäre ich euch sowas von unheimlich dankbar!
Vielen Dank im Voraus wenn ihr denn zeit dafür findet. auf jeden fall immer ne freude auf eurer Page stöbern zu dürfen!
Viele grüsse
Bashkim
PS: @ D.Mon, wenn dus nicht zu kompliziert haben willst, kann ich nur den “Debreath” von Waves empfehlen, die einstellungen erlauben ein sachtes atmen oder das komplette rausschneiden, sensationelles plugin.
[...] und manchmal sogar muss. Dazu gehören das Einbetten von Vocals in den Mix, das Korrigieren von problematischen Vocal-Aufnahmen oder schlicht das Anwenden eines bestimmten Effekts (wie z.B. die [...]
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