Nutzt die Stereobasis: Tiefenstaffelung

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Inhaltsverzeichnis

  1. Nutzt die Stereobasis: Panorama
  2. Nutzt die Stereobasis: Tiefenstaffelung
  3. Nutzt die Stereobasis: Höhenverteilung

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Nutzt die Stereobasis: Tiefenstaffelung

Bei der Arbeit an einem guten Mix schraubt man oftmals schonmal ein paar Stunden. Oft werden dabei aber die einfachsten Dinge vergessen und vernachlässigt.

Einige der wichtigsten Parameter für einen guten, durchsetzungsfähigen Mix ist, ist die Verteilung der Signale auf der sogenannten Stereobasis.

Nutzt die Stereobasis: Was ist das?

Stereo nutzt zur Darstellung von Schallereignissen ein Phänomen, dass man als “Phantomschallquelle” bezeichnet. Diese bilden sich dann, wenn wir Menschen uns zwischen zwei Lautsprecher setzen/stellen und jeweils ein Lautsprecher auf ein Ohr zeigt.

Hört man sich in dieser Position ein Musikstück an, bilden sich zwischen den Boxen sogenannten Phantomschallquellen der Instrumente.

Nutzt die Stereobasis: Tiefenstaffelung

Für uns als Musikschaffende ist es nun wichtig wie man diese Phantomschallquellen richtig positioniert. Denn richtig durchsetzungsfähig wird ein Mix nur dann, wenn jedes Instrument seinen eigenen Platz in einem Mix zugewiesen bekommt.

Mit der richtigen Tiefenstaffelung etwa lassen sich Instrumente räumlich sehr gut voneinander abtrennen.

Doch wie staffelt man nun Instrumente in die Tiefe? Eigentlich ganz einfach. Der Lautstärkeregler eines Mixers bestimmt die Position eines Signals im Raum und zwar in der Tiefenachse.

Setzt man sich in den sogenannten “Sweet Spot” seiner Stereoabhöre, also genau zwischen die Boxen, hört man ein Signal mit hoher Lautstärke sehr weit vorne. Wohingegen ein Signal mit geringer Lautstärke nach hinten zu wandern scheint.

Nutzt die Stereobasis: Anwendung

Nun gilt es dieses Wissen um die Tiefe auch noch anzuwenden.

Man muss für jeden Song neu entscheiden, welche Signale wichtig sind und welche weniger wichtig. Je nachdem wie die Entscheidung ausgefallen ist, stellt man dann die Lautstärkeregler der einzelnen Spuren.

Klingt einfach? Ist es auch. Sehr oft hört man schon bei einem lieblos hingeschubsten “Rough Mix” bereits deutliche Klangunterschiede.
Bestimmte, wichtige, Instrumente werden “gefeatured” treten also nach vorne. Andere “nervige” Spuren in den Hintergrund.

Doch braucht man keine Angst um die leisen Signale haben, denn letztendlich kommt es ja auch die Mischung an. Wenn der Song keine ultralaute Hihat benötigt, warum sollte man diese dann so laut einstellen, wenn der Sänger dadurch viel besser zur Geltung kommt?

Nutzt die Stereobasis: Grundregel

Bei der Tiefenstaffelung gibt es eigentlich nur eine kurze Grundregel.

Es gibt, in der Regel, 3 wichtige Signale: Bassdrum, Snare, Gesang!

Das sind die 3 Signale die eure Hörer, und ihr selbst auch, hören “wollt”. Achtet mal bei den Mixen anderer darauf, welche Signale laut abgemischt sind und welche leiser.
Die genannten Signale/Instrumente sind fast immer (ausser in manchen Genres wie Jazz und Blues) am lautesten.

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Lesermeinungen (8)

zu 'Nutzt die Stereobasis: Tiefenstaffelung'

  • St. Pauli   17. Dez 2008   09:09 UhrAntworten

    Moinmoin!

    Hmm, irgendwie bin ich jetzt ein wenig verwirrt... Stereobasis und Tiefenstaffelung sind doch zwei Paar Schuhe?! Oder wenigstens der linke und der rechte Schuh desselben Paars, um mal bei diesem Bild zu bleiben.

    Die Stereobasis meint die "Verteilung der Signale im Panorama von Links nach Rechts" (oder andersrum - völlig egal...), Tiefenstaffelung bezieht sich dagegen auf die "scheinbare Entfernung einer Schallquelle vom Hörer".

    Die Position einer Schallquelle auf der Stereobasis kann ich mithilfe des Panorama-Reglers einstellen. Das funktioniert bei Mono-Signalen in der Regel übrigens besser, als bei Stereo-Signalen. Dort hat der Panorama-Regler die Funktion eines Balance-Reglers, wie man ihn von den meisten HiFi-Anlagen kennt. Um ein schon in Stereo vorliegendes Signal (z.B. das oberhammergeile Synthie-Preset) vernünftig in den Mix zu kriegen, hilft es manchmal, dessen Stereobreite vorher zu verringern (z.B. mit einem Plug-In wie dem MonoMaker von dfx).

    Die Tiefenstaffelung erreiche ich am Besten über das Hinzufügen einer Raum-Information. Auf gut Deutsch: mit einem Hall-Effekt. Hierfür ein paar einfache Regeln:

    - befindet sich die Schallquelle nah am Hörer (also vorne), erreicht der direktschall das Ohr sehr viel früher, als die frühen Reflexionen (Early Reflections/ER-Parameter), da diese erst bis zur (virtuellen) Wand und dann zum Ohr laufen müssen, während der Direktschall sofort am Ohr ankommt.

    - befindet sich die Schallquelle weiter hinten im Raum, erreichen Direktschall und frühe Reflexionen das Ohr nahezu gleichzeitig.

    Man kann also alleine durch das Einstellen der Zeit zwischen Direktschall und Early Reflections schon eine ganz passable Tiefenstaffelung hinbekommen. Um den Effekt weiter zu verdeutlichen, vertragen Signale, die weiter hinten stehen sollen, ruhig auch noch einen höheren gesamt-Hall-Anteil, als Signale, die weiter vorn stehen sollen.

    Um den Mix nicht zu kompliziert werden zu lassen, könnte man sich über drei Hall-Effekt-Busse drei Tiefenebenen erstellen: vorne, Mitte, hinten, und die entsprechenden Spuren des Mixes auf diese Ebenen verteilen. Beim Schlagzeug sollte man allerdings, wie es im Beitrag schon erwähnt wurde, darauf achten, dass Bassdrum und Snare möglichst weit vorne liegen, auch wenn das Schlagzeug auf der Bühne meist eher im hinteren Bereich zu finden ist. Noch ein kleiner Tipp: Man muss nicht immer mit extremen Hall-Algorithmen arbeiten. Gelegentlich reicht auch mal ein "Ambience"-Programm, um ein Signal nicht völlig trocken klingen zu lassen. Dafür kann es dann mithilfe eines Delays für Abwechslung im Mix sorgen.

    Um Platz für einzelne Instrumente im Mix zu machen, hilft die Stereobasis (Panorama...) allerdings sehr gut weiter. Hier sollte man auch ruhig mal bei der ein oder anderen Spur sehr beherzt zugreifen und die ganze Stereobreite ausnutzen. Wozu lassen sich die Regler sonst bis 100 % nach links oder rechts drehen? Gerade am Anfang neigt man doch eher dazu, alles um einen recht kleinen Bereich in der Stereomitte anzuordnen, mit allen daraus folgenden Problemen.
    Ein matschiger/mulmiger Mix lässt sich in vielen Fällen schon durch die bloße Ausnutzung der gesamten Stereobreite entzerren, ohne auch nur einen einzigen EQ bemühen zu müssen. Das sollte immer erst im zweiten Schritt erfolgen, denn nur zu oft zeigt sich, je mehr man am Klang mit einem EQ rumschraubt, desto schlechter wird der Gesamtsound. Um durch Anheben einer Nutzfrequenz einem Signal mehr Durchsetzungskraft zu verleihen oder durch Absenken einer Störfrequenz den Mix homogener zu machen, sind EQs unverzichtbar, aber irgendwann stoßen auch die besten und teuersten an ihre Grenzen.

  • carlos (delamar)   17. Dez 2008   09:49 UhrAntworten

    Panorama und Tiefenstaffelung in nur einem Artikel zusammzufassen ist sicherlich schon sehr fortgeschritten.

    Einen Mix sollte man sich am besten wie die Abbildung eines rechteckigen Raumes vorstellen, der sich in drei Dimensionen erstreckt: Panorama (Breite), Frequenzspektrum (Höhe) und Entfernung zum Hörer (Tiefe).

    Innerhalb dieser drei Parameter können alle Spuren und Instrumente im Mix angeordnet werden, wobei eine sinnvolle Verwendung aller drei Parameter zu einem aufgeräumten Mix führt, der klar strukturiert gehört wird.

    Ich schätze, dass Andreas darauf hinweisen wollte, dass man neben der Ausnutzung der vollen Stereobreite, des Panoramas mit der Tiefenstaffelung einen ähnlichen Parameter hat, der im 90° Winkel dazu angeordnet ist.

  • Fink   18. Dez 2008   11:27 UhrAntworten

    schon bemerkenswert, wenn die kommentare aufschlussreicher sind als der eigentliche artikel...

  • Andreas Z. (delamar)   18. Dez 2008   11:39 UhrAntworten

    Hi St. Pauli.

    Stereobasis ist das worauf dein Mix beruht. Die Basis also. Das Stereodreieck hat 3 Dimensionen.
    Tiefe, Breite und Hoehe.

    Tiefenstaffelung erreichst du nicht mit einem Hall, damit bekommst du nur Raeumlichkeit. Mit der Tiefenstaffelung meint man die raeumliche Abbildung von Phantomschallquellen in der Tiefe. Steht ja oben schon im Artikel.
    Raeumlichkeit bedeutet, dass man trockende Signale raeumlich irgendwo hinstellt. Etwa ein Wohnzimmer fuer die Stimme, eine Plate fuer Bassdrum und Snare, einen anderen Wohnzimmer Hall fuer das restliche Schlagzeug, die Gitarren steckt man nochmal in einen anderen Reverb usw.
    Letztendlich benutzt man einen Reverb nur dazu den Mix noch dichter zu machen und die einzelnen Signale "aneinander zu kleben". Dichter heisst uebrigens auch, dass die Kompressionsrate automatisch steigt und der Mix noch ein wenig lauter wird. Das liegt einfach an der Arbeit wie ein Reverb arbeitet. Dadurch das die Reflexionen eines Raums in diesem irgendwann mal so eine hohe Dichte erreichen, dass die ersten Reflexionen nicht mehr vom Direktschall zu unterscheiden sind geben sie dem Signal einfach mehr "Dichte".

    Ich glaube du hast das mit Stereobasis einfach nur auf eine Dimension beschraenken wollen (Panorama). Damit erreicht man auch eine gewisse Trennung jedoch ist das eben nur eine Dimension bezogen auf die gesamte Stereobasis.

  • Christian   18. Dez 2008   12:08 UhrAntworten

    Hmm. Also die Überlegung "leiser = weiter weg" ist mir auch neu. Wie St. Pauli kenn ich die Aufteilung so, dass man Signale auf den Ebenen links/rechts (Stereobild) sowie vorne/hinten (Tiefe) verschieben kann. Beim Thema Links/Rechts waren wir uns glaube ich alle einig.

    Was die Tiefe angeht, dafür würde ich wie St. Pauli auch eher Hall + Delays nehmen. Natürlich kann man mit Hall + Delays auch andere Sachen machen - aber man kann dadurch auch einen Eindruck von Tiefe erzeugen. Nach der Theorie des Artikels wäre es ja quasi unmöglich, ein leiseres Instrument weiter vorne zu haben als ein lauteres. Die Lautstärke hat natürlich auch einen gewissen Einfluss, deshalb geht das nur in gewissen Grenzen.

  • carlos (delamar)   18. Dez 2008   12:37 UhrAntworten

    "Tiefenstaffelung erreichst du nicht mit einem Hall"

    Sorry, Andreas, hier muss ich heftig widersprechen. Gerade das Timing von Erstreflexionen und Nachhall sind hervorragend dazu geeignet, Spuren und Instrumente in der Tiefe anzuordnen.

    Hall bzw. die Reflexionen sind ja in der Natur genau das Phänomen, das uns bei der Ortung von Schallquellen hilft.

  • Uwe   03. Okt 2013   22:32 UhrAntworten

    Ici finde den Tipp mit den 3 Halleffekten gut mache es nämlich genauso und es funktioniert. Zuerst mache ich die Aufteilung in der Breite dann die Tiefe mit dem Verhältniss frühe zu späte Reflektion und Dämpfung der Höen bei entfernten Signalen.

  • fatman   06. Nov 2015   19:21 UhrAntworten

    Bisher habe ich es wie meine Vorredner gemacht. Hall, Delay und Lautstärke entsprechen eingesetzt um "Räume" im Mix zu erzeugen. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit einem Roland Intergra-7 und einer 5.1 Lautsprecher-anordnung in meinem Homestudio. Dies nicht um Ping-Pong Effekt zu generieren, sondern um die Instrumente räumlich anzuordnen. Schon bei trockenen Signalen entsteht eine Räumlichkeit, die mit einer Stereo - anordnung einfach nicht zu erreichen ist. Mir fehlen die physikalischen Kenntnisse, um den Effekt erklären zu können.
    Vielleicht kann ein anderer Delamari mir da neue Erkenntnisse vermitteln!

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