Reverb nutzen: 5 Tricks für einen Hall Effekt, den Du so nicht kennst

5 Tricks für Reverb

Um den »trockenen« Klang von Instrumenten, Vocals und rein synthetischen Klängen um eine räumliche Dimension zu erweitern, wird ein Hall Effekt genutzt; im deutschsprachigen Raum wird oft der englische Begriff »Reverb« verwendet, wenn es um die Musikproduktion geht. Auf den folgenden Zeilen haben wir für dich einige Tricks versammelt, mit denen Du den Hall besser in deinen Mix einpassen kannst oder die einen ungewöhnlichen Effekt zaubern. Fünf Anregungen, mit denen Du mehr aus deinem Reverb machen kannst.

Reverb Hall Effekt

1. Reverse Reverb

Ein einfacher aber effektiver Trick, bei dem ich zwei klassische Anwendungsbeispiele herausstellen möchte. Einerseits bei Vocals – schau dir den Trick zum Reverse Reverb an, um zu lernen, wie Du einen umgekehrten Hall für einen aufsehenerregenden Effekt nutzt. Andererseits passt das Reverse Reverb auch gut, um die Lücken zwischen den Kick-Schlägen auszufüllen – offbeat oder in einer anderen rhythmischen Variation des Grooves.

2. Wet Reverb

Für Tracks mit wenigen Spuren kannst Du einen Send mit einem 100% Wet Reverb (volle Effektstärke ohne Mischanteil des trockenen Signals) programmieren, den Du mit Verzerrung, Kompression und/oder Chorus modulierst und ganz leise hinzumischst. Es können die interessantesten Klangteppiche daraus entstehen, Ausprobieren lohnt sich.

3. Mono Reverb

Wenn Dein Hall-Effekt die Panorama-Position der Spur vernebelt, kannst Du zu einem Hall in Mono greifen. Dieser wird an genau derselben Stelle wie die Originalspur zu hören sein und dem Track durch seine »Un-Natürlichkeit« mehr Charakter verleihen.

4. Digital Reverb

Natürlich klingende Hall-Effekte oder ein Faltungshall sind ohne Zweifel grandios. Ein einfacher, digitaler Hall hat aber oftmals wesentlich mehr Charakter – teste ihn mal auf einem Vocal.

5. Panorama Reverb

Ein interessanter Reverb kann erzeugt werden, indem Du unterschiedliche Presets oder dasselbe Preset mit einigen Änderungen für die linke und rechte Stereo-Seite auswählst. Dieser Trick funktioniert im Übrigen auch sehr gut mit Delay.

Welche Tricks und ungewöhnlichen Anwendungen für einen Hall Effekt hast Du schon in Deinen Produktionen genutzt?

Lesermeinungen (18)

zu 'Reverb nutzen: 5 Tricks für einen Hall Effekt, den Du so nicht kennst'

  • Jan
    02. Okt 2008 | 13:20 Uhr Antworten

    Hi,

    erstmal: Die Seite ist sehr praxisorientiert und für mich sehr cool! Danke!
    Ich habe folgendes in einem Song vor, vielleicht könnt ihr mir ein paar Tipps geben, wie ich das anstelle:

    Ich möchte in einer RnB-Angetouchten Ballade den Männergesang mit Hall belegen. ich möchte aber gleichzeitig ein sehr nahes und trockenes Signal im hauptgesang haben. So, und jetzt kommts!

    Es soll ein leichter Plate-Hall zum Zuge kommen, der nur einsetzt, wenn der Sänger über eine bestimmte Pegelgrenze singt. könnte ich das mit einem Gate und dahinter den Hall machen? Was habt ihr da für erfahrungen?

    Ich würde auch gern testen, den hall einzusetzen, wenn er sing, am ende der einzelnen phrasen möchte ich aber kein nachhall – muss ich dann den hall automatisieren, oder gibts eine einfachere methode?

    So, ich freu mich auf die Ideen :)
    LG Jan

  • Richie
    06. Okt 2008 | 10:42 Uhr Antworten

    Hallo erstmal,

    zum einen weiß ich nicht, was du genau meinst:

    Zitat Jan: “Es soll ein leichter Plate-Hall zum Zuge kommen, der nur einsetzt, wenn der Sänger über eine bestimmte Pegelgrenze singt.”

    Was soll das für einen Effekt bewirken – na ja egal – am besten eine Automation. Also natürlich klingt das dann im Extremfall nicht, wenn du bei Pegelspitzen der Vocals den Hall kurz reindrehst.

    Für den hier unerwünschten Nachhall setzt du hinter den Hall ein gate: richtig!

    Für die Einstellung des Halls würde ich natürlich hohe Predelay-Werte nehmen, um die Vocals vom Hall zu entkoppeln.

    Da fällt mir vielleicht noch was ein, bin mir aber nicht sicher ob das so möglich ist:

    Und zwar ein Sidechain-Gate vor den Hall zu setzen, welches durch die Vocals gesteuert wird bzw. sich das Gate nur öffnet, wenn die Vocals einen bestimmten Pegel erreichen. Vorrausgesetzt man kann das gate so detailiert einstellen.

    PS. Entschuldige meine Unwissenheit im Bereich Sidechain-Gate, aber ich brauch das Teil normalerweise nicht.

  • Carlos
    06. Okt 2008 | 14:53 Uhr Antworten

    Du könntest den Gesang über einen Send an ein Gate senden, das nur öffnet, wenn ein bestimmter Pegel überschritten wird. Hier könntest Du dann tatsächlich ein Plate nutzen.

    Hall abschneiden kannst Du mit einem Gate. Das kann aber sehr schnell unnatürlich und nach 80s klingen.

  • Trump @ SAE MUNICH
    31. Dez 2008 | 13:42 Uhr Antworten

    Was beim Hall auch sehr interessant ist:

    1. Durch die Pre-Delay Zeit kann man auch etwas an der Tiefenstaffelung ändern. Je kürzer die Pre-Delay, desto weiter entfernt die Schallquelle.

    2. Hall findet nur bis maximal 5-6 kHz statt. Manche Hall-Effekte erzeugen jedoch auch Reflexionen überhalb dieser Frequenzen. Man dies zum einen mit dem Hi-Damp ein wenig korrigieren, zum anderen kann man mit einem EQ einen Hi-Cut mit 6dB Abfall pro Oktave setzen, um die Frequenzen oberhalb von 5 kHz abzuschneiden.

    3. Den Hall modulieren war eine gute Idee, was auch interessant ist: Den Hall durch einen Verzerrungseffekt schicken. Z.B. Ein Gitarrenamp. Wenn man da ein wenig rumspielt, kann man sich schnell ein wenig künstlichen Dreck in den Mix holen.

    4. Schon mal ein Delay mit einem Hall versehen? Probier’s aus!

    5. Oft klingen insbesondere Drums zu matt. Manche fahren dann mit einem Hall auf, um dem Drumset mehr Räumlichkeit zu geben. Oft reicht dabei schon ein wenig “Ambience”.

    6. Wenn man seine Send-Regler gut im Griff hat, dann kann man auch virtuelle Overheads erstellen. Dazu nimmt man 2 Reverbs, eines für Links und eines für Rechts. Jetzt versucht man den Panorama Positionen enstprechend die einzelnen Drumspuren so auf die hart gepannten Sends zu schicken, dass die Panoramas in den Sends sowie im Original halbwegs bereinstimmen.
    Wenn man sich dabei geschickt anstellt und das richtige Hall-Preset nutzt, kann man dadurch den gesampleten Drums mehr Lebendigkeit verleihen. Sie klingen echter.

    Viel Spaß!

  • Carlos (delamar)
    03. Jan 2009 | 18:52 Uhr Antworten

    Vielen Dank für Euren Input!

  • Sascha
    31. Jan 2009 | 01:45 Uhr Antworten

    …sehr interessant, Dank und Gruß! Sascha

  • Lex
    24. Feb 2009 | 13:12 Uhr Antworten

    Ich benutze Hall gerne um meine Tiefen Staffelung zu verbessern.
    Dazu nehme ich drei Hallplugins (in meinem Fall das von sonox)
    Eins für Earlys (Vorne)
    Eins für Earlys (Hinten)
    Eins für die Nachhallfahne

    Mit den beiden Earlys kann ich anhand von 2 Sendreglern die Position in der Raumtiefe bestimmen [Für hinten Early(hinten) Für vorne Early(vorne) Für dazwischen eine Mischung aus beiden Early, je nachdem wie weit vorne oder hinten ich das Signal wünsche].

    Die Hallfahne benutze ich nur auf den Signalen die eine Hallfahne gebrauchen können z.B. Vocals, singende Sologitarren oder wat mir halt jerade so eifällt. Wa?

    Alles Liebe
    Lex

  • Lex
    24. Feb 2009 | 13:26 Uhr Antworten

    Ach ja sehr geil kommts wenn man den Hall auf den Beat programiert (das geht sogar schon mit dem Logic 5 Reverb recht gut)

    Zum Beispiel wenn das Predelay eine Achtel lang sein soll bei einem Beat mit 120bpm

    Rechnung: 60:120=0,5
    0,5:8 oder 0,8×1/8=0,0625
    0,0625×1000=62,5

    Das predelay setz ihr also auf einen wer von 62,5ms (wenn es sich so fein einstellen lässt sonst versuchts mit 62 ode 63)
    Alles Liebe
    Lex

  • Carlos (delamar)
    25. Feb 2009 | 07:52 Uhr Antworten

    Sehr gute Tipps, vielen Dank!

  • Dennis
    25. Jul 2010 | 17:00 Uhr Antworten

    Hi! Produziere hauptsächlich House-Musik, autopan auf dem rvb von kurzen synth shots klingt genial :-) Vielen dank für die Tutorials hier, klasse!!
    LG
    Dennis

  • Peter Schwinn
    30. Mrz 2011 | 09:27 Uhr Antworten

    Hallo Freunde ich habe grad was entdeckt – ich weiß nicht ob es dafür ein Plug in oder Ähnliches gibt.
    Thema Drum-Hall, was mich immer schon genervt hat war die Entscheidung ob ich einen Drum-Replacer verwenden soll, der eigentlich das ganze “Feinfeeling” zunichte macht – da habe ich kurzerhand mein Drumset vor meine Videobluescreen (ich habe mir eine gebogene Wand aus Sperrholz gebastelt die ich blau angemalt habe) gestellt und zusätzlich zu den normalen “Overheads” extra 2 Mikros die im 45-Grad Winkel direkt auf die Holzflächen gerichtet um die early Reflections aufzuzeichen. Jetzt zu meiner Entdeckung: Interessanterweise werden bei so naher Positionierung an den Reflektionswänden auch die Raumpositionen einzelner Trommeln derart akurat aufgezeichnet daß ich immer noch staune. Kurzerhand mische ich also dieses Stereosignal leicht komprimiert sonst aber unbearbeitet zu den Drums hinzu und seither habe ich auf natürliche Weise völlig realistische Positonsinformationen (die Trommeln reflektieren ja auch untereinander so daß Early-Reflections-Infos aus Plug-ins gar nicht mitkommen)…ich verfolge das Thema jetzt weiter…

  • Johannes
    22. Mai 2012 | 20:39 Uhr Antworten

    Hallo zusammen,

    die Beiträge helfen mir sehr weiter…vielen Dank dafür. Noch eine Frage zu den Earlys und der Hallfahne: Macht man die Earlys mit dem gleichen Hall-Plugin wie die Nachhallfahne nur das man eben das Decay auf Null setzt und nur an der predelay zeit schraubt?

    Man kann die Earlys doch auch mit zwei ganz normalen delays machen oder? Ich habe gelesen, dass der Raum vorne durch ein delay, was zusammen mit der predelay zeit des halls 40-80ms gibt, machen kann. Die hintere Ebene müsste dann in der Summe 100ms ergeben.

    Aber: wenn ich z.B. perkussive Sounds in die hintere Ebene packen will habe ich doch viel zu viel Verzögerung und Reflektionen.

    Hat noch einer einen praktischen Tip?

    P.S. ich mache house musik

    Viele Grüße
    Johannes

  • delamarfan
    11. Mrz 2013 | 11:07 Uhr Antworten

    Wo hier grad “Delay mit Hall versehen” genannt wurde: Es gibt endlich ein brandneues Delay-Plugin mit integriertem Hall von FXpansion. – Leider haben diese Wahnsinnigen vergessen das Plugin Windows XP-tauglich zu machen, was daher fast schon kriminell ist ;-/

    Danke für die Tipps
    LG

  • matt zasta
    11. Mrz 2013 | 12:41 Uhr Antworten

    @ johannes:
    predelay und early reflections sind 2 unterschiedliche sachen.

    early r.: es kommt keine nachhallfahne, nur die ersten reflektionen (einzeln und gut definiert)machen einen räumlichen, aber nicht “verwaschenen” sound.

    predelay: zeitdifferenz zw. original signal und early reflections bzw. hallfahne. ist eine zeit und raum information; zeigt, wie weit die wände weg sind, also raumgrösse ohne hallfahne.

    im prinzip richtig, decay auf null = nur erly r. kommt aber schwer aufs plugin an, gute haben noch extra die early r. auf nem regler. damit kann man gut tiefen staffeln, ohne verwaschenen “80s-sound”.
    hängt auch stark davon ab, wie wet/dry ein hall ist. zu wet wird schnell nervig, die rauminformation bekommt man schon mit wenig hall mit. am besten so, daß man ihn nicht (bewusst) hört.
    mit ner kurzen und ner langen early r. 2 ebenen zu machen ist aber richtig.

  • matt zasta
    11. Mrz 2013 | 12:48 Uhr Antworten

    meine natürlich: mit einer frühen und einer späten early reflection ebenen machen. kurz/lang gibts bei den early r. nicht wirklich, je später desto groß. bei der hallfahne je länger desto groß.

  • matt zasta
    11. Mrz 2013 | 12:55 Uhr Antworten

    @lex: das mit dem beat timing funktioniert auch gut mit kompressoren (release time, attack time) und delays (natürlich :)

  • Patrick
    12. Mrz 2013 | 11:15 Uhr Antworten

    Ein Tipp noch: wenn Ihr mehrere Hall-Räume miteinander kombiniert, dann nehmt einen Haupthall, der sowohl Early Refections als auch ein Tail (Hallfahne) hat und lasst bei den Zusatzhallräumen, zB für Vocals oder Snare die Earlys weg. Dadurch bleibt der Hauptraum erhalten und die Zusatzhallräume lassen sich einfacher integrieren ;-)

  • Damian
    16. Mrz 2013 | 14:32 Uhr Antworten

    Idee:
    Beim equalizen des Halls, wenn er als Send/Return der Originalspur hinzugefügt wird, kann man beispielsweise die frequenz der Grundtonart mit einem hohen Q-Wert um ein par dB erhöhen. Oder eben eine Tonhöhe die in allen Akkorden vertreten ist. So kommt es rein durch den equalisierten Hall zu einer enharmonischen verwechslung.. vllt ein netter Nebeneffekt, wenn man es denn geschickt anstellt.
    Hat der Mix nur einen einzigen – nicht wechselnden – Akkord, kann man auch mit drei spitzen Peaks versuchen, im EQ diesen dann dem Hall hinzuzufügen. Wirklich ausprobiert hab ich das noch nicht, da mir eine ordentliche Abhörmöglichkeit fehlt..

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