Mixing und Mastering: Der Unterschied erklärt

Unterschied zwischen Mixing und Mastering

Um es gleich vorweg zu nehmen: Musikproduktion ist keine Atomphysik. Und es wird nicht länger als 10 Minuten deiner Zeit in Anspruch nehmen, um den Unterschied zwischen den Begriffen Abmischen/Mixing und Mastern/Mastering zu verstehen. Vielleicht fragst Du dich, warum ich ein so grundlegendes Thema jetzt noch auf delamar aufgreife. Doch wer am Anfang seines musikalischen Schaffens steht, der muss zunächst einmal mit Branchenlingo, also den vielen Begrifflichkeiten und ihrer Bedeutung klarkommen.

Mixing & Mastering

Mixing & Mastering

Zusätzlich verwirrend sind dann noch die in letzter Zeit gerne auf kommerziellen CDs angebrachten Aufkleber, die Musikalben aus den vergangenen Jahrzehnten (Oldies) mit den Begriffen “neu gemischt”, “remixed” oder auch “remastered” anpreisen. Da kann auch auch durchaus mal vorkommen, dass die Marketingabteilung schon einmal die Begriffe durcheinander bringt und die Verwirrung noch steigert.

Wie bereits weiter oben erwähnt, sind Mixing und Mastering beides Arbeitsschritte aus dem langen Prozess der Musikproduktion, sei es kommerzieller Natur oder die im heimischen Tonstudio.

 

Recording: Vorbereitung

Im ersten Schritt des Aufnahmeprozesses (Recording) werden einzelne Instrumente wie Drums, Gitarre, Bass oder Vocals auf so genannte “Spuren” parallel und unabhängig aufgenommen. Jedes Musikinstrument erhält bei diesem Prozess eine eigene Spur und ist somit vom Rest der Aufnahmen separiert. Die Anzahl der aufgenommenen Spuren hängt von der Musik, der Bandbesetzung und der für die Aufnahme verwendeten Mikrofone ab.

Natürlich gibt es hier noch weitere Faktoren, die einen Einfluss haben wie z.B. die Limitation durch das genutzte Aufnahmemedium, den Recorder oder die DAW (Digital Audio Workstation) – doch das soll nicht Teil dieses Artikels für heute sein.

 

Abmischen/Mixing

Beim Abmischen eines Songs gehts es im nächsten Schritt um das Zusammenfügen aller Einzelspuren zu einer Einheit. Am Ende des Prozesses steht dann der so genannte Mixdown, der schließlich und in der Regel nur noch aus zwei Spuren besteht: linker und rechter Kanal.

Ziel beim Mixing ist, einen natürlich klingenden und ausgewogenen Gesamtklang für den Song zu schaffen, in welchem sich die Message, die Band und deren Musik entfalten kann. In diesem Schritt werden die Lautstärken der einzelnen Spuren aufeinander abgestimmt und die Instrumente im Stereopanorama nach rechts und links aufgeteilt. Handelt es sich um eine Band- oder Orchester-Produktion, so achtet der Mixing-Engineer meistens darauf, die Musik so im Klang abzubilden, wie sie auf einem Konzert der Band klingen würde (z.B. Schlagzeug und Sänger in der Mitte, Bass knapp daneben und Gitarren auf den Seiten).

Beim Mixing werden auch einzelne Spuren mit Effekten wie Equalizer, Kompression, Delay oder andere angereichert. Diese können für eine ausgewogenere Balance aller Instrumente, dass der Song mehr zu einer Einheit zusammenschmilzt oder für die richtige Stimmung sorgen. Mit dem Equalizer wird beim Abmischen mehr Raum für die anderen Spuren geschaffen und der Charakter des Instruments herausgearbeitet. Andere Audioeffekte wie der Hall oder die Kompression sorgen dafür, das der Song als Ganzes eine Einheit bildet.

Am Ende des Mixing-Prozesses wird das Musikstück auf eine einzige Stereospur (mit jeweils einem Kanal links und einem rechts) heruntergerechnet – der Mixdown. Das Abmischen ist damit beendet und der Song kommt in die nächste Stufe der Musikproduktion: Das Audio Mastering.

 

Audio Mastering

Das Mastering-Tonstudio ist in der kommerziellen Musikproduktion in den meisten Fällen getrennt von der Location, in der die Musik aufgenommen und/oder gemischt wurde. Bei diesem Schritt arbeitet der Mastering-Engineer nur noch mit dem Mixdown, das im Gegensatz zu den vielen unterschiedlichen Spuren beim Mixen.

Das Ziel lautet, das Album in sich homogen zu gestalten, um den Käufer das bestmögliche Erlebnis beim Durchhören zu geben. Im Audio Mastering wird das gesamte Album eines Künstlers also als eine Einheit betrachtet, anstatt sich mit jedem Song im Einzelnen zu beschäftigen. In diesem Arbeitsschritt geht es darum, die Lautstärken (Lautheit) der einzelnen Musikstücke aneinander anzupassen und und dafür zu sorgen, dass sich die CD als Ganzes natürlich anhört und den Zuhörer nicht an irgendeiner Stelle unangenehm herausreisst.

Der für das Mastering zuständige Tontechniker achtet hierbei zudem auf ein ausgewogenes Frequenzspektrum, erhöht gegebenenfalls die Lautheit, setzt die Pausen zwischen den Songs und erstellt eventuell erwünschte Fade-Outs am Ende einzelner Tracks (so nennt man es, wenn ein Musikstück am Ende leise in der Lautstärke ausgeblendet wird).

Das Audio Mastering ist zusammenfassend gesagt der Prozess des Finalisierens einer Produktion.

 

Mixing und Mastering: Der Unterschied als Analogie

Am Beispiel des Entstehungsprozesses eines Diamanten lässt sich der Unterschied zwischen Mixing und Mastering sehr gut verdeutlichen. Ein Rohdiamant wird zunächst in seine grobe Form geschliffen und gebracht (Mixing), danach wird er feingeschliffen, poliert und auf Hochglanz gebracht (Mastering). Es sind zwei voneinander getrennte Arbeitsschritte, die aufeinander aufbauen und erst in Kombination den funkelnden Brillanten entstehen lassen, der beim Juwelier so teuer verkauft wird.

In vielen Homerecording- und Projektstudios vermengen sich die einzelnen Arbeitsschritte und gehen fließend ineinander über. Der Grund hierfür ist zumeist das fehlende Budget für ein Outsourcing und die Personalunion von Musiker und Produzent. Nichtsdestoweniger empfiehlt sich, beide Arbeitsschritte gedanklich voneinander zu trennen und in getrennten Projektdateien anzugehen.

Bei kommerziellen Produktionen werden die unterschiedlichen Stufen der Musikproduktion, insbesondere Mixing und Mastering in der Regel weiterhin zeitlich und räumlich getrennt, was als positiven Nebeneffekt eine eigene Qualitätssicherung mit sich bringt.

Lesermeinungen (13)

zu 'Mixing und Mastering: Der Unterschied erklärt'

  • Phunkateer
    17. Sep 2009 | 11:55 Uhr Antworten

    Kochen wäre auch eine gute Analogie: Suppe kochen ist das Mixen, Abschmecken das Mastern. Da gäbe es dann bspw. folgende Gemeinsamkeiten:

    – Wenn Du Deine Suppe zum Schluss von einem Profi abschmecken lässt, dann hau selber erstmal keine Gewürze rein, der Profi kann das besser.
    – Wenn Du schlechte Zutaten hast, kann das nur sehr bedingt durch Abschmecken gerettet werden.
    – Es gibt auch fertige Gewürzmischungen. Die sind sicher für den Anfänger hilfreich – er sollte nur nicht mit deren Einsatz übertreiben. Selber die einzelnen Gewürze dazugeben, ist besser – braucht aber Erfahrung.
    – Je länger Du abschmeckst, desto mehr hast Du Dich schon and die Gewürze gewöhnt – und überwürzt vielleicht. Immer genug Pause machen, Brot Essen und Wasser trinken.
    – Du kannst Dir zum Abschmecken zwar den teuren Trüffel kaufen, auf den alle Profiköche schwören. Aber wenn Du im Umgang mit Salz und Pfeffer noch nicht sicher bist, nutzt das nichts.
    – Suppe schmeckt am nächsten Tag immer ganz anders.
    – Suppe ist Geschmackssache.

    Wer hat weitere Analogien? :-)

  • Manuel
    17. Sep 2009 | 13:03 Uhr Antworten

    Das sind ja mal sehr coole Analogien :-)

  • Marek
    17. Sep 2009 | 13:46 Uhr Antworten

    Hi,

    es ist wie beim Autolackieren. Reinigt und entfettet man die Fläche die lackiert werden soll nicht, sieht man die Schmutzpartikel unter dem Lack und dieser wirft Blasen. Auch beim Mix und Master sollte das Audiomaterial genau Spur für Spur nach Fehlern, Atmern, ungewollten Übersprechungen durchgehört und diese mit Hilfe von einem EQ, Gate, De-Hummer, De-Esser, De-Clicker bereinigt werden. Beim Mixen wird quasi der Farblack in mehreren Schichten aufgetragen um nach dem Trocknen mit dem Klarlack lackiert zu werden. Beim Mastering kommt dann die Politur und die Poliermaschine zum Einsatz, die dem ganzen den Glanz und die Farbtiefe verleiht. Wer zu lang poliert läuft Gefahr den Lack zu stark abzutragen . So wie beim Abhören. Hört man einen Mix ohne Vergleiche und ohne Pausen ab ermüdet das Ohr gewöhnt sich an Frequenzen und führt uns in die Irre. Drückt man die Poliermaschine zu fest an kann es den Lack auch zu stark abtragen und matt werden lassen. Drückt oder hebt man die falschen Frequenzen mit dem EQ auf oder ab führt es zum Dröhn, Matsch, beißenden Höhen usw.

    Aber mal Spaß bei Seite. Ich finde diese Aufklärung sehr gut denn erfahrungsgemäß und in der Tat verwechseln viele Anfänger das Mixen und Mastern total und halten es für einen gemeinsamen in sich geschlossenen Ablauf was falsch ist. Hier wurde es sehr treffend und leicht verständlich beschrieben.

    Viele Grüße,

    Marek

  • Phunkateer
    17. Sep 2009 | 13:57 Uhr Antworten

    Ja das stimmt, vielen Neulingen ist der Unterschied nicht klar. Ich ifnde auch gut, dass das hier mal ausfrührlich erklärt wird.

    Ich war mal auf einem Ableton Workshop – da wurden z.B. Sachen besprochen wie SideChain-Compression. Mittendrin fragte ein Mädel: “Was muss ich eigentlich tun, um meinen Track zu mastern?”
    Wäre schön, wenn man da antworten könnte: Da musst Du den roten Master-Knopf drücken, dann ist alles fertig ;-)

    Aber der Typ von Ableton hat ihr dann doch ganz nett umrissen, was mastern bedeutet.

  • nevi
    17. Sep 2009 | 16:25 Uhr Antworten

    Wenn ein fertiger Mix – obwohl er nicht so optimal geworden ist – dennoch zum Mastern gehen soll, gibt es noch die Möglichkeit des Stem-Masterings. (btw selbstverständlich sollte der Mix immer schon so gut wie möglich sein!)
    Das ist eine Sonderform des Masterings und beinhaltet praktisch ausgedrückt eine Art Mixdown sog. Subgruppen.

    Es wäre beispielsweise möglich, dass eine Stereospur mit den Vocals und eine Instrumentalspur getrennt an das Masteringstudio übergeben werden, dort getrennt bearbeitet und erneut zusammengefügt werden. Anschließend wird nochmal das Gesamtsignal bearbeitet.

    Gerade bei semiprofessionellen Mixes, wo beim Mastering u.U. sehr viele Kompromisse eingegangen werden müssten (z.B. Snare vs. Vocals vs. E-Gitarren oder auch bei Drums vs. Bass), kann ein Stem-Mastering ein guter Weg sein, um ein wesentlich besseres Ergebnis zu erhalten als mit einem “normalen” Mastering und trotzdem kostengünstig zu bleiben.

  • Micro Mantis
    17. Sep 2009 | 20:27 Uhr Antworten

    Also mir persönlich hat eine Frequenztabelle sehr geholfen. Folgende hier ist die wohl beste die ich gefunden habe:

    www.independentrecording.net/irn/resources/freqchart/main_display.htm

    Sehr gut erklärt.

    Greetz

    Micro Mantis

  • Carlos (delamar)
    18. Sep 2009 | 07:16 Uhr Antworten

    Vielen Dank für Euer aller Feedback! Da sind fantastische Analogien und Tipps für die anderen delamar-Leser dabei.

    Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, wie viele gestandene (und teilweise professionelle) Musiker zwar ihr Instrument nahezu perfekt beherrschen und sogar schon CDs veröffentlicht haben, jedoch den Unterschied zwischen Mixing und Mastering nicht greifbar hatten.

  • Mr. Freeze
    18. Sep 2009 | 12:44 Uhr Antworten

    Was in letzter Zeit auch sehr gerne falsch verwendet wird, ist der Begriff DAW (Digital Audio Workstation):

    So ist ist Cubase z.B. keine DAW, sondern allenfalls Bestandteil einer DAW.

    Cubase ist ein Audio/MIDI-Sequenzer oder eine Music Production Software o.ä.

    Ein Mac zusammen mit einem Audio-Interface und Cubase bildet erst eine DAW.

    Oder Harddisk-Recorder ála Tascam 2488 sind DAWs.

    Jedoch niemals ein Stück Software für sich alleine genommen.

    Aber so ist das immer mit diesen tollen Begriffen, die haut man dann gerne mal raus, ohne richtig zu wissen, was dahinter steht. ;-)

    Euch allen ein kreatives Wochenende

    Gruß
    Mr. Freeze

  • nevi
    18. Sep 2009 | 16:00 Uhr Antworten

    @ Mr. Freeze
    vollkommen richtig, das wird oft genug falsch dargestellt.

  • Cyph
    19. Sep 2009 | 13:05 Uhr Antworten

    Wenn ich am Ende des Mixens mit nem Limiter über den Track gehe, ist das dann schon Mastern? ;)

  • Manuel
    19. Sep 2009 | 16:08 Uhr Antworten

    Im Grunde genommen: Ja

  • nevi
    20. Sep 2009 | 15:25 Uhr Antworten

    Wenn ich alle Spuren im Mixer hab und einfach die Volumes zusammenmische ist das schon ein Mixdown? ;-)

  • Ramon Smith
    29. Sep 2009 | 13:34 Uhr Antworten

    Im Grunde genommen: Ja

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