Mixing: Wie man einen fetten Bass auf kleine Lautsprecher zaubert

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Mixing: Wie man einen fetten Bass auf kleine Lautsprecher zaubert

Manche Musikstile hängen mehr vom Bass ab als andere, aber in allen Aufnahmen und Produktionen tragen tiefe Frequenzen die meiste Energie. Was auf großen Beschallungsanlagen (PAs) oder Studiomonitoren zu einem warmen, wohligen Gefühl in der Magengegend beiträgt, kann von vielen kleinen Lautsprechern nicht wiedergegeben werden und führt dazu, dass vorher fett klingende Produktionen plötzlich kraftlos und dünn klingen.

 

Gleichverteilung

Wir können das gesamte Frequenzspektrum als einen Container für unsere Musik betrachten. Wenn wir einen klaren, transparenten Mix kreieren wollen, dann müssen wir den gesamten verfügbaren Platz im Container ausnutzen. Wie oben erwähnt, brauchen tiefe Frequenzen viel Energie, nehmen also bildlich gesprochen viel Raum im Container für sich ein. Je mehr Platz wir dem Bass zugestehen, desto weniger bleibt uns für den Rest der Spuren.

Ein tiefes A bei 55 Hz klingt hervorragend füllend auf einer guten Abhöre im Tonstudio, wird vom Küchenradio aber schlicht nicht wiedergegeben. De facto fangen viele der Brühwürfel erst ab 180 bis 200 Hz überhaupt was Sinnvolles wiederzugeben.

 

Obertöne im Bass

Natürlich ist das Thema Bass auf kleinen Lautsprechern noch nicht zu Ende. Jeder Ton bringt neben der Grundfrequenz noch eine Reihe von Obertönen mit sich, die auf Vielfachen der Grundfrequenz zu hören sind. Für unser tiefes A mit 55 Hz können wir Obertöne bei 110 Hz, 220 Hz, 440 Hz und so weiter hören. Auf dem Küchenradio mögen die Frequenzen unterhalb von 200 Hz nicht mehr hörbar sein, nicht aber so die Obertöne darüber.

Und genau hier liegt unsere Chance, fette Bässe auf kleine Lautsprecher zu zaubern. Bei der Abmischung eines Songs müssen wir nur darauf achten, dass der Bass-Sound genug Obertöne hat, bzw. dafür sorgen, dass er genug Obertöne bekommt. Normalerweise bringen die Instrumente genug Obertöne mit – allerdings variiert die Lautstärke derselben sehr stark von Fall zu Fall.

 

Den Bass hörbarer machen

Gerade bei sehr reinen Sounds aus Synthesizern wird es schwer, da sie oftmals nur wenige Obertöne mitbringen (bei Sinus = 0), daher muss man beim Abmischen eines Songs etwas nachhelfen. Es gibt eine Reihe von Plugins, die Sounds mit Obertönen anreichern können. Mein persönlicher Favorit hierfür war immer der DSPFX Harmonizer, mit dem sich gerade und ungerade Obertöne getrennt bearbeiten liessen – das Plugin wurde aber irgendwann nicht mehr weiterentwickelt. Natürlich gibt es da noch den BBE Sonic Maximiser, den Waves MaxxBass oder das kostenlose Baxxpander.

Die genannten Plugins erzeugen allesamt hörbare Obertöne und können zudem den Grundton reduzieren ohne, dass dies dem Hörer auffallen würde. Letzteres wird durch psychoakustisches Modeling bewerkstelligt und bringt uns zwei Vorteile:

  1. der Bass-Sound wird sich dank der Obertöne besser auf kleinen Lautsprechern durchsetzen
  2. mehr Platz für die anderen Spuren und höhere Frequenzen im Mix (erinnere die Analogie mit dem Mix als Container).

 

Weitere Tricks für das Abmischen von Bass

Natürlich hat nicht jeder einen solchen Exciter zur Hand und deswegen hier noch einige Tricks für das Abmischen von Bass. Das Verwenden von Verzerrung auf eine Spur hat einen ganz ähnlichen Effekt auf den Sound. Auch hier werden Obertöne erzeugt. Das geht zwar auf Kosten einer gewissen Klangfärbung, die kann aber natürlich auch gewünscht sein kann. Übertreibt man es mit der Verzerrung des Sounds, so geht das zu Lasten der Transparenz, hier ist also eine vorsichtige Dosierung für beste Ergebnisse angesagt. Nichtsdestotrotz kann der Bass mithilfe dieses Tricks besser auf kleinen Boxen gehört werden.

Nicht nur für das Abmischen von Bass gilt: Das Abhören auf unterschiedlichen Stereoanlagen und Boxen ist Pflicht. Wer wissen möchte, wie sein Mix über ein billiges Küchenradio klingt, sollte das am besten direkt in der Küche ausprobieren. Wer keines zur Hand hat, kann sich mit folgendem Trick behelfen.

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Die Stereosumme des Songs wird durch einen Equalizer geschickt, mit einem steilen HighPass-Filter bei 200 Hz und einem ebenso steilen LowPass-Filter bei etwa 2 kHz. Wenn alle wichtigen Elemente Deines Mixes immer noch gut zu hören sind und gut sitzen, dann sollte die Aufnahme auf den meisten Abhören gut klingen.

Als gutes Beispiel für einen top-abgemischten Bass möchte ich Dir den Song „Billie Jean“ von Michael Jackson (aus dem Album Thriller) ans Herz legen.

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Lesermeinungen (13)

zu 'Mixing: Wie man einen fetten Bass auf kleine Lautsprecher zaubert'

  • DrNI   08. Jul 2009   11:55 UhrAntworten

    Mir fehlt hier der Begriff "Residualton" im Artikel, dessen Erklärung würde nämlich erklären, warum das so ist, das mit dem fetten Bass durch Obertöne. Es ist übrigens auch eine gute Idee, denn Bass im Panorama auf die Mitte zu legen, denn da hat man bei Stereoanlagen die Energie von zwei Boxen zur Verfügung... nicht nur von einer wie bei manchen Beatles-Stücken. :-)

  • absynth   08. Jul 2009   15:15 UhrAntworten

    denn bass als mono spur zu nehmen sollte auch noch erwähnt werden

    den sonic maximizer kann ich auch sehr empfehlen

    zu empfehlen ist auch das d16 Devastor Plugin

    und noch als zusatz, bevor man endlos herumdoktort an einem bass lieber auswechseln durch einen der sich besser durchsetzt vom grundklang

  • Carlos (delamar)   08. Jul 2009   21:17 UhrAntworten

    Ja! Danke für Euren Input. Je weiter man im Entstehungsprozess zurück kann, desto einfacher das Abmischen von Bass.

    Die Sache mit dem Residualton können wir ja mal gesondert erklären, wieder Stoff für einen neuen Artikel. :)

  • Robert Agthe   08. Jul 2009   21:31 UhrAntworten

    Grad eben über Twitter reingestolpert. Von Plugins würd ich abraten. Würde ich jedenfalls nur einsetzen, wenn es denn ÜBERHAUPT keine andere Möglichkeit gibt. Lieber Layern oder Ausgangssound austauschen. EQs wenn möglich auch aufs extremste beschränken. Meist macht man mehr Kaputt als die Sache wert ist.

    Und gerade bei Bässen aus Synths hat man doch alle Regler in der Hand? Da kommandiert man einen Oszi für Obertöne und einen für den Sub ab. Ohne Plugins klingen die Bässe dann meist sogar noch fetter und direkter. So Teile wie "MaxxBass" machen nix weiter als künstlich Töne hinzuzufügen und das kann unser Synth mit Hilfe unserer Kontrolle dann doch besser, finde ich.

    Dann noch was zur Überschrift: Auf so kleinen Brühwürfeln wird ein Bass niemals FETT klingen. Man kann ihn echt nur hörbar machen, aber das wars dann auch. Aber wenn man Tracks für den Club produziert, kann man das auch vernachlässigen.

    Der Artikel is insgesamt bissl theoretisch und klingt nach Lehrbuch. Im Grunde kann man ihn auf "Obertöne, Obertöne, Obertöne" ballmermässig zusammenquetschen.

  • Paul   09. Jul 2009   08:46 UhrAntworten

    Den besten Tipp übersehen hier anscheinend einige:

    "Die Stereosumme des Songs wird durch einen Equalizer geschickt, mit einem steilen HighPass-Filter bei 200 Hz und einem ebenso steilen LowPass-Filter bei etwa 2 kHz. Wenn alle wichtigen Elemente Deines Mixes immer noch gut zu hören sind und gut sitzen, dann sollte die Aufnahme auf den meisten Abhören gut klingen."

    Solche Erfahrungswerte helfen Zeit und viel Geld sparen.

  • Phuunkateer   09. Jul 2009   10:51 UhrAntworten

    Guter Artikel!
    Ich persönlich bin ein großer Freund des leichten Verzerrens.

    Ich mach das so:
    Send effekt-> Verzerrer -> Hochpassfilter -> Tiefpassfilter.

    - Der Verzerrer darf ruhig stark zerren.
    - Mit dem Hochpassfilter nimmt man den Original-TiefenWumms wieder raus, der soll ja schließlich weiter vom Orignal kommen.
    - Mit dem Tiefpassfilter dämmt man dann die evtl. zu harschen Obertöne wieder ein.

    Funktioniert auch gut bei synthetischen Bassdrums (808 Boom). So hört man die Dinger auch auf mittelmäßigen Anlagen (für's Küchenradio reichts wohl nicht). Gutes Beispiel für einen dezenten Einsatz dieses Effekts: Ying Yang Twins - "Wait (The Whisper Song)"

  • Kurt   09. Jul 2009   12:05 UhrAntworten

    klasse artikel! Ich würde auch unbedingt den einsatz eines lowcuts ab 35-40Hz empfehlen auf die bassspur. das macht auch mehr platz

  • Simenon   11. Jul 2009   17:45 UhrAntworten

    sehr schönes Thema, Carlos

    hzl. Dank! weiter so ..

  • Markus   05. Aug 2009   14:21 UhrAntworten

    Vielleicht noch einen Tipp aus meiner Trickkiste: In einen Send-Return einen Kompressor mit extrem starker Kompressionseinstellung einklinken. Da darf ruhig totkomprimiert werden und nach Gusto danach noch ein Zerr-Plugin rein.
    Diese Send-Weg wird dem Originalsignal zugemischt, wobei die eigentliche Bassspur nur normal bis leicht komprimiert wird. So kommen die Transienten der Originalspur gut durch und der Send sorgt für das Fundament. Das macht unheimlich fett und sitzt gut im Mix.
    Im Prinzip nichts anderes als es Parallelkompression für Drums ist. Funktioniert auch bei vielen anderen Instrumenten und sogar bei Background-Vocals.

  • masterbass   06. Aug 2009   06:01 UhrAntworten

    Danke dafür. Wieder etwas gutes gelernt.

    Greets
    masterbasss

  • andremoda   21. Mrz 2011   15:25 UhrAntworten

    Was bin ich froh hier gelandet zu sein. Tolle Artikel und sehr gut vermitteltes Wissen. Ich Danke Dir.

  • Mr. Electronicvein   07. Sep 2012   18:07 UhrAntworten

    hey eure tuorials sind echt der hammer, sie haben mir sehr sehr stark geholfen ich hatte oft punkte wo ich am verzweifeln war was das abmischen angeht und irgendwann mal bin ich auf eure webseite gestossen und seid dem geht es nur noch berg auf. meine musik klingt tausend mal klarer als vorher und ich kriege mittlerweile schon recht oft gesagt das meine tracks sauber abgemischt klingen und ein gutes klangbild haben. ich empfehle euch schon überall weiter :D so das wollte ich mal los werden und macht weiter so ihr seid COOL gruss

  • Captain   12. Dez 2014   23:18 UhrAntworten

    So langsam kann ich erahnen was für ein mächtiges Instrument ein guter oder besser mehrere gute Equalizer sind und wie man Kompressoren und Limiter richtig einsetzt. Sehr interesant zu lesen.
    Auch die meisten Komentare sind sogar gut und interesant. Das ist nicht selbsversändlich.
    In jedem Falle werden dank euch meine Mixes immer besser und mehr und mehr so wie ich sie haben will.
    Da kann man erahnen was ein Tontechniker so alles drauf haben muss. Für mich sind solche Beiträge wahre Goldgruben. Danke!

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