Lautheit: Lautere Mixe klingen besser?

Lautheit: Lautere Mixe klingen besser?

Kurven gleicher Lautstärke

Audiohpile Menschen hören in der Regel im Gegensatz zu seinen nicht-audiohpilen Mitmenschen ihre Musik sehr leise ab. Wahrscheinlich ist das auch ein Grund dafür, warum wir unsere eigene Musik als “schlechter” wahrnehmen.

Wollen wir uns mal auf die Suche machen, warum laute Musik besser klingt. Und tut sie das überhaupt?

Zurückzuführen ist das Phänomen auf die “Kurven gleicher Lautstärke” von etwa Fletcher & Munson.

Lautheit: Hintergrundwissen

Man hat herausgefunden, dass wir Menschen Frequenzen, bei ein und derselben Pegelstärke (etwa dB SPL), über das gesamte Frequenzspektrum hinweg unterschiedlich laut wahrnehmen.

Es wurde dafür sogar eine Masseinheit eingeführt die sich “Phon” nennt. Sie beschreibt die tatsächlich emfpundene Lautstärke. (Unterster Kurvenpunkt bei 1 kHz an der Hörschwelle)

Laute Musik: Die Kurven gleicher Lautstärke

Die beiden Herren Fletcher und Munson haben nun in ihren “Kurven gleicher Lautstärke” mehrere dieser Phon-Kurven eingetragen und zwar immer bei verschiedenen Lautstärken (db SPL).

Sieht man sich die Graphen an, erkennt man, dass sich diese bei hoher Lautstärke linearisieren. Man könnte auch sagen, dass alle Frequenzen bei hoher Lautstärke gleich laut empfunden werden.

Übertragen auf Musik heisst das also folgendes, hat man ein Musiksignal, dass etwa besonders mittenlastig ist, wird es bei hoher Abhörlautstärke nicht mehr als ganz so mittig “empfunden” — die Mittenbetonung ist aber immer noch da.
“Nicht mehr so mittig” heisst gleichzeitig es klingt besser, da linearer.

Deswegen ist auf Konzerten und in Diskotheken immer so laut. Nicht um den Gesprächslärm der Besucher zu übertönen sondern, um etwa “schlecht” klingende Musik oder Lautsprecher besser hinzustellen als sie tatsächlich sind.

Laute Musik: …macht glücklich

Hinzu kommt aber noch ein Aspekt. Bei guter Musik empfinden wir Freude. Im Körper wird dazu erstmal das Glückshormon “Endorphin” ausgeschüttet.

Das merken wir uns und wollen dieses Glücksgefühl wieder haben beziehungsweise assoizieren wir irgendwann mal “Laute Musik = schön”. Die Erwartungshaltung ändert sich also an laute Musik.

Laute Musik: Fazit

Für die Musikproduktion rate ich dazu nur eine geringe Lautstärke zu fahren, um längerfristig das Gehör zu schonen. Das wird ja berufsbedingt noch eine Weile benötigt.

Jedoch sollte auch mal laut abgehört werden um zu checken wie sich eure Produktion im Club “verhält”. Welche Frequenzbereiche fallen dann besonders störend auf? Jedoch nicht besonders lange, da das Gehör bei hoher Lautstärke schneller ermüdet.

Im Club und beim Konzert dann bitte volle Lautstärke. Das hat sich (leider) so bewährt.

Und noch ein Hinweis, für all diejenigen, die sich mit den “Kurven” näher beschäftigen wollen — sie basieren auf Sinuskurven!

Links:

Lesermeinungen (15)

zu 'Lautheit: Lautere Mixe klingen besser?'

  • Matthias Klein
    25. Nov 2008 | 17:46 Uhr Antworten

    Erklärt mir einiges, danke sehr :D

  • Andreas Z. (delamar)
    25. Nov 2008 | 18:54 Uhr Antworten

    Das war ja auch Sinn der Uebung. :D

  • Matthias Klein
    25. Nov 2008 | 19:20 Uhr Antworten

    Gib mir mehr Wissen!

  • Justus
    25. Nov 2008 | 22:52 Uhr Antworten

    Ist es nicht sogar so, dass in Clubs beispielsweise noch oftmals Limiter und Kompressoren über das Signal geklatsch werden?

  • Andreas Z. (delamar)
    25. Nov 2008 | 23:12 Uhr Antworten

    @Justus: Das hat andere Gruende. Damit wird Club-Anlage vor Uebersteuerungen geschuetzt, die sie eventuell gefaehrden koennten.

  • Sib
    26. Nov 2008 | 02:55 Uhr Antworten

    Ein guter Mix klingt auch leise gut, und nicht nur, wenn er laut ist.

  • Andreas Z. (delamar)
    26. Nov 2008 | 08:33 Uhr Antworten

    Das ist doch eine der Konsequenzen aus dem Text oder versteh ich da jetzt was falsch?

  • carlos (delamar)
    26. Nov 2008 | 09:25 Uhr Antworten

    @Justus:
    Limiter werden auch gerne zur automatischen Lautstärkeanpassung zwischen zwei Songs eingesetzt und das nicht nur im Club, sondern auch im Radio. Da kommt am Ende auch der Lautheitskrieg her.

  • Richie
    05. Dez 2008 | 16:26 Uhr Antworten

    @ Sib

    Natürlich kann es nicht des Rätsels Lösung sein, schlechte Mixe abzuliefern, weil die vielleicht nur eh nur laut in Clubs etc. gespielt werden.
    Aber laut klingt meist einfach noch mal nen Ticken besser. Besonders im Bereich elektronischer Clubmusik.

  • Sib
    01. Jan 2009 | 12:04 Uhr Antworten

    @ Richie

    Ja, geb ich dir vollkommen recht. Ein Clubtrack mit der Dynamik eines frühen Stevie Wonder – Songs kommt ganz bestimmt nicht so geil. Das muss drücken im Gesicht! :)

  • Sib
    19. Feb 2009 | 14:30 Uhr Antworten

    Ein lauter Mix ist halt auch ein zweischneidiges Schwert. Klar ist Lautheit schon beeindruckend. Aber dazu muss man eben Dynamik opfern. Die aber macht die Musik interessant und lebendig. Die Kunst besteht nun darin, zwischen diesen beiden Dingen abzuwägen.

    Mir ist das letztens bei Jack Johnson aufgefallen; der Vergleich zwischen seinem ersten Album “On and on” und “Brushfire Fairytales”. Zweiteres ist lauter als das erste, mit weniger Dynamik, wohingegen “On and on” lebendiger und weniger gepresst klingt, weswegen es mir vom Sound auch besser gefällt – ich emfinde es als angenehmer anzuhören.
    Aber natürlich ist Dynamik auch eine Genrefrage.

  • Carlos (delamar)
    19. Feb 2009 | 19:48 Uhr Antworten

    Der Lautheitskrieg wird meines Erachtens am Ende von Leuten entschieden, die auf Rendite und Return of Invest aus sind – den Labels. Wenn mein Song nicht laut genug neben Shakira im Radio klingt, verkaufe ich weniger Schallplatten.
    In einigen Musikstilen, die bevorzugt von Audiophilen gehört werden, wird der Lautheitskrieg keinen Einzug halten…

  • Sib
    20. Feb 2009 | 19:34 Uhr Antworten

    Ja, was man so liest, sind die Mastering Engineers heute gezwungen, bei dem Lautheitskrieg mitzumachen, obwohl sie es eigentlich ablehnen, weil sie eben audiophile Menschen sind (sein sollten). Aber sie müssen halt auch leben und sich somit nach den Vorgaben des Labels richten. Und die wollen immer lauter. Ein schönes Beispiel dafür, wenn wirtschaftliche Interessen Kunst beeinträchtigen. Die Grenze wird hier wohl erst erreicht sein, wenn auch nicht audiophile Menschen anfangen, dermaßen dynamikreduzierte Musik als zu langweilig oder als unangenehm zu hören empfinden.

  • pad
    06. Mrz 2009 | 12:23 Uhr Antworten

    also wenns jemanden interessiert:
    bin via Friedemann Tischmeyer auf diese seite gestolpert

    :-)

  • Indoken
    02. Aug 2012 | 11:11 Uhr Antworten

    Sehr interessantes Thema und klasse beiträge!
    Schön das es delamar gibt ;D
    Mir ist schon vor längerer zeit aufgefallen wie
    ich schreib mal Song emotionen, unter dem lautheitswahn leiden!Klar stehe ich auch auf Laute Musik.Ich bewunder aber immer noch die Musik der 80´90ger
    z.b Im Hip Hop das berühmte Album
    ,,The Infamous” -Moob Deep!
    Wenn ich diese Platte bei mir aufdrehe ist nach oben viel Luft^^ Und es klingt immer noch fantastisch..Jedes Element klar zu hören.
    Und wenn ich mal was von heute laut höre werde ich im nu von den den Mc´s quasi angeschriehen und der rest dröhnt nur im Background…Ich habe oft das gefühl das in vielen liedern zu viele klänge rum hüpfen,und die damalige einfache aber sehr definierte struktur verloren gegangen ist.Naja ist nicht bei jedem aktuellen song so aber die masse leidet wohl unter einem aufmerksamkeits komplex!

    Indo

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