Latenz verbessern: Latenzprobleme in den Griff bekommen Teil 2

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Latenz verbessern: Latenzprobleme in den Griff bekommen

Der ein oder andere wird diesen Artikel vielleicht gar nicht weiter lesen brauchen, wenn er bereits mit den in Teil 1 beschriebenen Maßnahmen erfolgreich seine Latenzprobleme in den Griff bekommen konnte. Viele andere werden aber noch nicht am Ziel angekommen sein. Und wenn Du zu diesen gehörst, habe ich eine gute Nachricht für Dich: Es gibt noch einige weitere Tipps, die dir helfen werden.

 

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1. Den richtigen Treiber wählen

Der Treiber ist sozusagen die Schnittstelle zwischen deiner DAW (Digital Audio Workstation) und der Hardware, dem Audio Interface. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Gut programmierte Treiber ermöglichen so geringe Latenzen wie 2ms während andere nicht unter 50ms arbeiten.

Deswegen ist es wichtig, den besten dir zur Verfügung stehenden Treiber auszuwählen. Auf einem Standard-PC findest Du meist den ASIO DirectX Full Duplex Driver, den ASIO Multimedia Driver und den ASIO Treiber, den der Hersteller deines Audio Interfaces bereitstellt. Erstgenannter arbeitet auf meinem System mit einer Eingangslatenz von schnöden 324ms und der zweitgenannte immerhin noch mit 121ms – in anderen Worten: Das sind echte Latenzprobleme! Der ASIO-Treiber vom Hersteller meiner FireFace 800 kommt schon in der Standardeinstellung auf nur 7ms Eingangs- und 8ms Ausgangslatenz. Deutlich besser.

Natürlich sieht das hier oben gezeigte Dialogfenster in jedem Musikprogramm anders aus und ist an einer anderen Stelle in den Menüs zu finden. Schau aber einfach unter Einstellungen und Audiogeräte, Audio Device oder ähnlichen Einträgen nach. Hier in Cubase 5 findest Du den Dialog unter Geräte > Geräte konfigurieren > VST-Audiosystem.

Latenzprobleme lösen: Den richtigen Treiber wählen

Latenzprobleme lösen: Den richtigen Treiber wählen

2. Die Latenz einstellen mit Buffer Size

Nachdem wir im ersten Schritt den besten ASIO-Treiber ausgesucht haben, geht es ans Eingemachte. Der wichtigste Parameter, mit dem Du Latenzprobleme lösen kannst ist der mit dem Namen „Buffer Size“. Ein Buffer ist eine Art Puffer. Ein kleiner Bereich des Arbeitspeichers, in welchen deine DAW bzw. das Betriebssystem das Audio reinlädt bevor es abgespielt wird. Man spricht hier davon, dass die Daten (das Audio in diesem Fall) gepuffert werden. Die Latenz hängt direkt mit der Puffergröße (im Englischen: Buffer Size) zusammen. Eine Änderung des Puffers bewirkt eine Änderung der Latenz.

 

Latenz mit dem Buffer Size (Puffergröße) einstellen

Latenz mit dem Buffer Size (Puffergröße) einstellen

 

Kleine Werte für den Puffer ergeben geringe Latenzen, große Puffer bewirken lange Latenzzeiten. Wie wir in unserem Artikel „Was ist Latenz?“ bereits ausführten, sind geringe Latenzen sehr förderlich für das Spielen von virtuellen Instrumenten. Je mehr Latenz das System aufweist, desto größer die Zeitspanne zwischen dem Drücken einer Taste auf dem MIDI-Keyboard und der hörbaren Note.

Warum also überhaupt die Möglichkeit, hohe Werte für den Puffer einzustellen? Die Antwort ist, dass kleine Puffergrößen den Prozessor im Computer extrem stark beanspruchen. Wenn Du jetzt ein Projekt mit vielen Spuren, virtuellen Instrumenten und Effekten hast, dann wirst Du bei kleinem Puffer schnell Aussetzer und Fehler im Audiosignal wahrnehmen (oftmals als eine Art Klicken und Kratzen) und es wird zu CPU Überlastungen kommen.

An diesem Punkt bleiben dir im Prinzip nur folgenderMöglichkeiten: Entweder Du kaufst eine leistungsstärkere CPU oder Du erhöhst den Puffer – und damit auch den Lag, der das Musizieren so unangenehm macht – oder…

 

3. Bouncen für geringe Latenz

Ein weiterer Weg, um die Latenzprobleme in den Griff zu bekommen ist selbstredend, die Belastung des Prozessors im Computer zu verringern. Wie geht das? Am effektivsten ist, die CPU-hungrigsten Spuren mit virtuellen Instrumenten und Effekt-Plugins zu exportieren (oder englisch: bouncen). Hierzu exportierst Du einzelne Spuren als WAV oder AIFF, die anschliessend in eine Audiospur in den Sequencer geladen werden. Die alte Spur kann nun abgeschaltet (oder gelöscht) werden, womit die Last des Prozessors verringert wird. In einigen modernen Musikproduktionsumgebungen gibt es eine so genannte Freeze-Funktion, die genau diese Arbeitsschritte in einem Klick zusammenfasst.

Natürlich ist diese Lösung nicht ideal. Denn wenn Du eine Änderungen an den MIDI-Daten oder den exportierten Effekten durchführen willst (oder musst), geht kein Weg daran vorbei, das Bouncen wieder rückgängig zu machen.

 

Latenz verbessern durch Prozessor-Entlastung

Latenz verbessern durch Prozessor-Entlastung

 

Bei meinen eigenen Projekten achte ich darauf, dass ich während der Kompositions- und Recording-Phase geringe Puffergrößen habe, um das Einspielen sehr musikalisch zu haben. Je größer das Projekt wird, und je mehr dadurch der Prozessor belastet wird, desto höher stelle ich die Puffergröße ein. Wenn ich schliesslich in die Phase „Abmischen des Songs“ komme, exportiere ich alle Spuren und virtuellen Instrumente (ohne Effekte) und beginne ein neues Projekt. Auf diese Weise erhalte ich mir auch beim Abmischen die geringen Latenzzeiten.

 

4. Hardware-Monitoring / Zero-Latency-Monitoring

Viele moderne Audio Interfaces bieten heutzutage das Feature Hardware-Monitoring, auch Zero-Latency-Monitoring an. Wenn diese Option in der DAW (oder im Treiber) ausgewählt wurde, werden die Eingänge der Soundkarte direkt mit den Ausgängen derselben verbunden und damit das anliegende Audiosignal ohne spürbare Latenz an die Boxen weitergegeben. Dies geschieht entweder auf Basis der Hardware oder bei einigen Modellen auch durch die DSPs.

Diese Methode ist sehr nützlich, wenn es um die Aufnahme von externen Instrumenten geht. Leider können virtuelle Instrumente hiervon nicht profitieren, diese müssen immer noch vom Computer und damit vom Prozessor bearbeitet werden und bekommen dadurch die gewohnte Latenz.

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Erzähl uns in den Kommentaren, wie Du deine Latenz Probleme in den Griff bekommen hast. Welche Tipps kennst Du noch?

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Projekt Latenz verbessern abgeschlossen

Wenn Du alle 9 Schritte dieses zweiteiligen Artikels durchgegangen bist, dann sollest Du dein Ziel „Latenz verbessern“ erreicht haben.

Natürlich mag es Fälle geben, bei denen das Ergebnis noch immer unzufriedenstellend ist. Oftmals sind hier ein leistungsschwacher Computer, schlechte ASIO-Treiber oder ein mittelmässiges Audio Interface daran schuld. Hier hiflt nur noch der Griff in den Geldbeutel und eine Investition in neue Hardware.

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Lesermeinungen (11)

zu 'Latenz verbessern: Latenzprobleme in den Griff bekommen Teil 2'

  • David Martini   12. Sep 2009   12:00 UhrAntworten

    Hall Carlos

    ich habe irgendwo mal im Cubase Studio 4 Handbuch gelesen, das man mehrere Midi-Spuren auf einmal bouncen kann. Das bouncen dauert nämlich immer lange. Ist sehr nervig.

    Du schreibst in deinem Artikel ohne Effekte, du meinst dann eher ohne Insert-Effekte. Automationen von Synthesizern sollten ja schon vorher vorgenommen werden, denn nach dem bounce kann man keine Parameter mehr automatisieren.

    Aufnahme mit geringster Latenz. Reiner Abmischvorgang kann doch auch mit höherer Latenz durchgeführt werden oder ???

    Wie machst du das ???

    gruß

  • Juan Sanchez   12. Sep 2009   21:42 UhrAntworten

    Hi Carlos!

    Gutes Thema!
    Mich würde mal interessieren, ob es auch möglich ist, mehrere ASIO Interfaces diverser Hersteller parallel zu betreiben. Soweit ich weiß ist dies nur via ASIO4ALL möglich, was aber keine zufriedenstellend flüssige Aufnahme-Session aushalten würde - aufgrund vieler kleiner Aussetzer.
    Der ASIO Multimedia Driver hat zu hohe Latenzen...

    Habt ihr schon Erfahrungen in dem Gebiet?

  • IbanezPlayer321   12. Sep 2009   22:52 UhrAntworten

    Hey Carlos!

    Das sind sehr gute Tipps! Hab auch so meine Probleme mit Latenzen.
    Sind aber fast allle mittlerweile beseitigt.

    Habe einen Korg nanoKONTROL die extreme Latenzen (einige Sekunden) aufweist. Habe leider noch keine Lösung dafür gefunden. Er ist als generischer Controler in Cubase Studio 5 eingetragen, und auch korrekt eingestellt. M-Audio Keystation 49e und Korg nanoPAD funktionieren einwandfrei.

    Kennt jemand eine Lösung für das Problem?

  • Carlos (delamar)   14. Sep 2009   09:16 UhrAntworten

    @David Martini:
    Richtig erkannt! Ich meine damit tatsächlich das Bouncen der Insert-Effekte. Das Abmischen mache ich auch mit so geringer Latenz wie irgend möglich. Es ist sonst schwierig, Kompressor, EQ und andere Effekte zielgenau einzusetzen. Normalerweise komme ich erst am Ende der Mix-Session an eine Latenz von 10ms, die meiner Ansicht nach für das Abmischen gerade noch erträglich ist.

    @Juan Sanchez:
    Hola Juan, ich selbst habe keine Erfahrungen mit dem Betrieb mehrerer Audio Interfaces (und damit ASIO-Treiber) im Parallelbetrieb. Allerdings weiss ich, dass der MOTU Digital Performer 6 so etwas anbietet. Im Normfall würde ich eher dazu tendieren mein Audio Interface über die ADAT Schnittstelle zu erweitern.

    @Ibanezplayer321
    Leider wüsste ich jetzt dafür keine Erklärung ausser, dass die Hardware vielleicht einen Defekt hat. Versuch doch mal das nanoKontrol an einem anderen USB oder MIDI Anschluss zu betreiben und achte dabei darauf, ob die Latenz besser wird. Ansonsten versuch mal den Controller allein anzuschliessen und die Auswirkung zu beobachten. Sehr hilfreich kann auch sein, zu beobachten, ob die Latenzprobleme auch an anderen Computern bestehen.

  • Sabine   31. Jul 2010   10:39 UhrAntworten

    Wo bekommt man den Asio Fireface Treiber? Mein Yamaha Audiogram3 Cubase Version, bietet nur den ersten Treiber an, Asio Direct x Full Duplex, ich sage nur Echo Echo Echo ...

  • Tom   02. Sep 2010   09:57 UhrAntworten

    @Sabine

    Die ASIO-Treiber werden mit den Audio-Karten mitgeliefert. Direkt für normale Soundkarten runterladen bzw. verwenden kann man sie nicht.

    Der FireFace Treiber z.B. ist für die Karten von RME gedacht.

    Also nochmal zusammen gefasst. Die brauchst eine spezielle Audiokarte. Entweder über FireWire oder als Einbauvariante in den PC.

  • Jakob   07. Mrz 2011   14:23 UhrAntworten

    @Ibanezplayer321:
    Hast du das Problem mit den Latenzen inzwischen gelöst?

    Ich hab seit kurzer Zeit selber ein Nanokontrol, dass ich mit Cubase LE4 benutze, und habe in der Transportsektion eine Latenz von einigen Sekunden. Erstaunlich ist aber, dass die MIDI-Aktivitätsanzeige den Befehl sofort anzeigt, also kann es sich nicht um eine Hardwarelatenz handeln. Auch die Fader und Panner reagieren sofort. Ich habe die Taster als Mute- und Soloschalter definiert, das Muten funktioniert problemlos, das Schalten auf Solo hat aber auch noch ein Problem. Wenn ich einen Kanal "Solo" schalte Muten sich ja, wie gewohnt, die andern Kanäle. Bei dem Kanal leuchtet die Anzeige für Solo sofort, das Muten der anderen Kanäle geht allerdings mit einer Latenz von statten, die ähnlich lang wie die in der Transportsektion ist.
    Auf mich wirkt es irgendwie so, als wenn irgendwo in Cubase eine "versteckte" Zeit auf den MIDI-Befehl draufgerechnet wird, ich finde aber nichts...
    Weiß jemand Rat?
    Danke und liebe Grüße
    Jakob

  • Markus   29. Mai 2012   19:22 UhrAntworten

    Hallo,

    das Phonic phhb24U bereitet mir etwas Schwierigkeiten.
    Habe das interface via USB an mein laptop angeschlossen und kurz darauf feststellen muessen, dass wiedergegebener sound (egal aus welcher quelle) verzerrt ist. habe darauf hin die einstellungen der in und outs und die der software auf 24bit/48khz gestellt.

    desweiteren habe ich die buffergroesse erhoeht und die hintergrundaktivitaeten zurueckgeschraubt.

    jetzt ist der sound schon nicht mehr verzerrt. es knackt nur noch leicht.

    koennt ihr mir helfen wie ich endgueltig dieses letzte kleine knacken wegbekomme?

    vielen dank im vorraus

  • Robert   20. Mrz 2013   15:09 UhrAntworten

    Hallo, sehr guter Artikel, der betrifft mich auch.

    ich schalte für die aufnahmen in pro tools 10 den treiber immer von asio4all auf die mbox pro(3rd gen) mit der ich arbeite.

    sobald ich fertig bin mit den aufnahmen kopier ich mir das projekt, benenne es um und schalte dann in dieser sesison um auf den asio4all treiber.

    allerdings habe ich dort ab einer gewissen zahl von plugins schon dieses besagte knacken bzw die sound aussetzer.
    ich nutze zudem die uad2 solo dsp karte und arbeite fast nur mit den plugins dieser. wie kommts also das ich trotzdem aussetzer bekomme? habe im uad fenster alles so wie vom hersteller eingetellt damit pt am besten damit funktiert....aber...neee...läuft nicht...einer ne idee?

  • Tobi   24. Jul 2014   13:49 UhrAntworten

    Was ist wenn man die BufferSize schon auf das Maximal erhöht hat und es immer noch knackt und rauscht.
    Ich hatte es Anfangs auf ca. 256 dann habe ich es immer erhöht eine Zeitlang ging es auf 520 und jez mittlerweile habe ich es auf 2000 oder einfach das höchste eingestellt. Aber es knackst und rauscht immer noch!
    Bin am verzweifeln -.-'

  • Tom   22. Aug 2014   22:30 UhrAntworten

    Vielen Dank, Carlos!

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