Latenz Probleme in der DAW in den Griff bekommen (Teil 1)

Musikproduktion: Wie man Latenz Probleme in der DAW in den Griff bekommt

Die Latenz kann in einer computergestützten Umgebung zur Musikproduktion zu einem echten Problem werden und den Workflow nachhaltig stören. Die Problematik ensteht unabhängig des verwendeten Betriebsystems, der gewählten Musiksoftware oder der Marke Deiner Soundkarte bzw. Audio Interface. Viele Einsteiger sind sich oft gar nicht bewusst, wo die Ursache für die Störung des Workflows herrührt.

Deswegen eine Empfehlung an dieser Stelle: Wenn Du nicht sicher bist, was Latenz genau ist und wie sich Latenz Probleme äussern, dann bist Du herzlich eingeladen, unseren Artikel “Latenz in der Musikproduktion” zu lesen. Das dort stehende Basiswissen zur Latenz wird Dir sicherlich helfen, die Problematik an sich sowie die Tipps und Tricks in diesem Artikel besser zu verstehen.

 

Latenz Probleme minimieren & optimieren: Der Computer / Das Betriebssystem

Wir beginnen ganz am Anfang mit der Hardware im Computer. Da dieser in den meisten modernen Tonstudios Dreh- und Angelpunkt allen Geschehens ist, kann man mit einem Eingriff an dieser Stelle eine Menge herausholen. In vielen Fällen ist der Computer sogar die Stelle, wo das komplette Audio hindurch muss. Es lohnt sich also, hier anzupacken – auch wenn nicht alle Tipps kostenlos umzusetzen sind und in manchen Fällen einiges an Aufwand erfordern.

 

1. Mehr Arbeitsspeicher / RAM

Unabhängig des verwendeten Betriebsystems (Mac OS X oder Windows) ist dies ein recht schnell zu optimierender Aspekt, wenn auch nicht kostenfrei. Wieviel RAM / Arbeitsspeicher braucht also ein Computer zum Musik machen? Generell gilt: Je mehr desto besser. Insbesondere wenn Du mit Projekten mit vielen Spuren arbeitest, oder virtuelle Instrumente mit großen Sample Libraries verwendest wird sich dies auszahlen.

Zahlen? Schwer zu sagen, aber mein Tipp wäre alles auszureizen, was der Computer noch irgendwie verwalten kann. Natürlich kann das eine recht kostspielige Angelegenheit werden. Die Alternative lautet so viel Arbeitsspeicher zu kaufen, wie Du dir leisten kannst. Und wenn Du doch noch eine Zahl hören willst: Zur Zeit sind 4GB sehr preiswert zu haben.

Bei der Installation der Riegel gibt es eigentlich nur zu beachten, dass moderne Computer die Option bieten, den Arbeitsspeicher im so genannten Dual-Channel Modus zu installieren. Das bietet ungeheure Vorteile in Sachen Geschwindigkeit und damit in der Performance Deiner DAW. Du findest die erforderlichen Informationen zur richtigen Installation im Handbuch zum Motherboard (manche nennen es auch Mainboard).

 

2. Festplatte defragmentieren

Im zweiten Schritt zur Beseitigung leidiger Latenz Probleme gilt es, die Festplatte zu defragmentieren. Je länger Du das System verwendest desto mehr fragmentieren die Daten auf der Festplatte. Das bedeutet, dass Dateien nicht mehr in einem zusammenhängenden Stück auf der Festplatte liegen. Um eine solch fragmentierte Datei zu lesen (also z.B. ein Sample abzuspielen) müssen die Leseköpfe der Festplatte mehrfach ansetzen, abheben, ansetzen…etc. Das verbraucht natürlich deutlich mehr Zeit als das einmalige Ansetzen und komplette Lesen einer Datei. Je mehr Dateien für ein Projekt geladen und von der Festplatte gelesen werden müssen, desto mehr Zeit verlierst Du hierbei.

Um Deine Festplatte auf effektive Art und Weise zu defragmentieren benötigst Du in der Regel so etwa 20% freien Plattenspeicherplatz. Wenn Du nicht mehr so viel Platz hast, ist es vielleicht Zeit, über den Zukauf weiterer Platten nachzudenken.

 

3. Betriebsystem und Musikprojekte trennen

Eine weitere, sehr hilfreiche Verbesserung ist das Isolieren des Betriebsystems auf einer eigenen Festplatte. Dazu benötigst Du eine eigene Platte. Und nein, eine zweite Partition hilft hierbei leider nicht. Wenn Du eine Partition für das OS und eine für die Musikprojekte erstellst, dann müssen die Leseköpfe die Zugriffe auf die Festplatte zwischen beiden Partitionen verteilen. Mit zweien verfügst Du über die doppelte Anzahl an Leseköpfen und verringerst damit die Zugriffszeit.

Geringere Zugriffszeit bedeutet größere Performance und damit bessere Voraussetzungen für geringe Latenzen und in vielen Fällen ist das auch die Lösung für Latenz Probleme.

 

4. Treiber und Firmware

Generell ist es eine gute Idee, regelmässige Updates der Treiber für alle Hardwarekomponenten durchzuführen. Das betrifft genau so die Teile, die nicht direkt mit dem Musik machen zu tun haben, wie z. B. das Audio Interface, MIDI Interface, usw.

Zusätzlich kannst Du auch regelmässig überprüfen, ob die Firmware der einzelnen Geräte auf dem neuesten Stand ist. Oftmals gehen viele Verbesserungen, Bug-Fixes und auch Performance-Optimierungen mit den Updates in Firmware und Treiber einher.

 

5. Hintergrundprozesse

Ich habe bei vielen Musikern und Tonstudios eine Menge im Arbeitsspeicher residenter Hintergrundprozesse auf dem Audio-Computer beobachten können. Diese werden in Windows zumeist im System Tray neben der Uhr mit einem Symbol und bei Max OS X oben in der Menüleiste angezeigt. Das müssen aber lange noch nicht alle sein. Einige Hintergrundprozesse sind z.B. erst auf den zweiten Blick im Taskmanager in Windows sichtbar.

Was ist aber das Problem mit Hintergrundprozessen? Jeder einzelne benötigt etwas Power des Computers. Sie fressen Arbeitsspeicher auf, nutzen unterschiedlich viele Rechenzyklen der CPU (das ist der Prozessor im Computer) und sind damit potenzielle Quelle leidiger Latenz Probleme.

Wer seine Latenz minimieren will, der ist gut beraten, möglichst viele dieser Hintergrundprozesse zu stoppen. Hierzu gehören Virenscanner, Programme zur Synchronisation eines Handys, iTunes, Winamp oder sonstige MP3-Player usw. Natürlich darfst Du nicht einfach alle Prozesse blind stoppen, sondern musst gut überlegen, welche Du für den alltäglichen Betrieb wirklich nicht benötigst.

Gerade beim Virenscanner kann es auf Windows-Betriebssystemen heikel werden. Lässt Du ihn drauf, kann er eine Menge Latenz Probleme erzeugen. Deinstallierst Du ihn, bist Du Viren hilflos ausgeliefert. Mein Tipp hierzu: Einfach einen dedizierten Audio-Computer verwenden, der nicht an das Internet angeschlossen wird und auch sonst keinerlei Installationen vorzuweisen hat. Wer sich keine zwei Computer leisten kann (oder möchte), kann sich immer noch ein so genanntes Dual-Boot-System installieren und einfach zwei Betriebssysteme nebeneinander nutzen. Das Erste dieser kann für das Surfen im Internet und die Email-Kommunikation herhalten und das zweite dient ausschliesslich zum Recording und der Musikproduktion.

 

Ist das die Lösung für Latenz Probleme?

Ein klares und deutliches “Vielleicht”! Viele Probleme lassen sich durch die oben stehenden Tipps dauerhaft lösen. Nicht jeder Schritt ist einfach oder preiswert umzusetzen. Aber eine Verbesserung im Workflow bei der kreativen Arbeit im Tonstudio ist nicht nur nervensparend und gut für die Effizienz, sondern wird Dich in deiner Kreativität unterstützen und tragen.

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Erzähl uns in den Kommentaren, wie Du deine Latenz Probleme in den Griff bekommen hast. Welche Tipps kennst Du noch?

Und wenn Du diesen Artikel hilfreich findest, warum ihn dann nicht den Bandkollegen, Freunden und Bekannten in deinem Lieblingsforum empfehlen?

In einigen Fällen, und vor allem wenn die Installation des Betriebsystems schon einige Jahre alt ist, werden die oben genannten Punkte nicht zur Lösung der Latenz Probleme beitragen. In solchen Fällen musst Du in den sauren Apfel beissen und das Betriebsystem einfach frisch installieren.

Soweit der erste Teil zum Thema Latenz Probleme und dessen Lösung. Im zweiten Teil werde ich dann gezielt auf die Möglichkeiten und Einstellungen in der Musiksoftware eingehen, mit denen man die Performance des Audio-Computers verbessern kann.

Lesermeinungen (11)

zu 'Latenz Probleme in der DAW in den Griff bekommen (Teil 1)'

  • Felix (delamar)
    02. Sep 2009 | 16:43 Uhr Antworten

    Übrigens, ein hervorragender Freeware-Defragmentierer ist MyDefrag – um Längen besser als die Windows-eigene Lösung. Eine GUI gibt es auch.

  • Justus M.
    03. Sep 2009 | 09:38 Uhr Antworten

    Ihr vergesst den 32bit / 64 bit Aspekt beim Arbeitsspeicher. Mehr als 4 GB nutzen zu wollen, hieße gleichzeitig, dass man ein 64 bit System mit entsprechender DAW (afaik Cubase 4 und 5, Ableton Live 8 und Sonar 8) braucht. Sich 8 GB in den Rechner bauen bei einem 32 bit System macht keinen Sinn.

  • Justus M.
    03. Sep 2009 | 09:43 Uhr Antworten

    Btw. bildet USB oftmals einen Flaschenhals, was Latenzen angeht, insbesondere wenn mehrere In und Outputs gleichzeitig beansprucht werden. Beim Kauf sollte man lieber zu Firewire oder PCI (Express) Interfaces greifen.

  • polyaural
    03. Sep 2009 | 18:29 Uhr Antworten

    Nur ein kleiner Hinweis: Es gibt keine Tools zum Defragmentieren unter Mac OS X weil dieser Job vom Betriebsystem automatisch durchgeführt wird.

    Außerdem habe ich die Beobachtung gemacht, dass ein aktiviertes WLAN auch dann Leistung kostet, wenn es nicht verwendet wird. Ich schalte Airport ab, wenn ich Cubase starte.

    Kann einer der Mitleser eine Empfehlung zum „Entkernen“ des Betriebssystems auf das notwendige Mindestmaß abgeben um die vom System notwendigen Resourcen zu minimieren? Für Mac OS X?

  • Carlos (delamar)
    05. Sep 2009 | 23:28 Uhr Antworten

    Wenn man es genau nimmt, kann ein Windows XP mit 32-bit sogar (standardmässig) nur mit 3GB Arbeitsspeicher umgehen.
    Aber genau deswegen ist es so wichtig, in die Bedienungsanleitung des Motherboards reinzuschauen und nachzulesen, was dort geht und was nicht.

  • kf
    05. Okt 2009 | 09:08 Uhr Antworten

    schau mal bei gearslutz.com vorbei. Grosse community mit vielen Mac nutzern.

  • polyaural
    12. Okt 2009 | 20:23 Uhr Antworten

    Danke!

  • Micha F.
    30. Okt 2010 | 02:55 Uhr Antworten

    CPU Übertakten ;o)

  • DJ Today
    09. Okt 2011 | 11:07 Uhr Antworten

    Warum habe bei Ableton eine deutlich höhere Latenz als bei Wavelab bzw. Adobe Audition? Hab schon im Menü die Latenz runtergenommen.

    (Hab mir erst einen neuen Rechner gekauft, an dem gibts wenig zu meckern^^)

  • Michel
    26. Okt 2011 | 10:13 Uhr Antworten

    Für das RAM-Problem bei Win7 32bit gibt es mittlerweile einen Patch, der wohl auch gut funktioniert. Damit kannst du mehr als 4GB (3 GB) nutzen.

    Grüße

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