Kompressor oder EQ: Was kommt zuerst?

Kompressor oder EQ: Was kommt zuerst?

Die Reihenfolge von Kompressor und EQ hat einen wesentlichen Einfluss auf den resultierenden Effekt und gerade am Anfang braucht man als Anfänger im Homerecording Unterstützung in diesen Dingen. Huhn oder Ei – Kompressor oder EQ: Eigentlich ist die Antwort salomonisch einfach.

Es kommt, wie immer, auf die jeweilige Situation an.

Aber in welcher Reihenfolge schalte ich denn nun EQ und Kompressor am besten beim Mixdown oder Recording? Mal ganz abgesehen davon, dass in Sachen Routing von Insert-Effekten jeder Produzent und Toningenieur seine persönliche Philosophie vertritt, gibt es doch einige Gründe die in beiden Arbeitschritten für *genau* die eine Verschaltung sprechen.

 

Kompressor und EQ beim Recording

Bei der Aufnahme ist es ratsam zunächst den Kompressor, dann den EQ zu schalten. Der Grund sind die Pegelschwankungen der eingehenden Signale. Bei perkussiven Signalen, wie zum Beispiel einem Schlagzeug, kann man diese besonders schön beobachten.

Boostet man ein Signal mit einem EQ um +3dB bei etwa 200 Hz und bekommt ein Signal mit, sagen wir mal, -10dB herein, dann wird das Resultat einen Pegel von -7dB aufweisen. Wird jetzt beim nächsten Schlag auf die Snare ein Spitzenpegel von -1dB in der Aufnahme erreicht, so wird das durch den EQ bearbeitete Signal bei +2dB übersteuern.

Ein Kompressor gleicht extreme Pegelschwankungen im Recording aus und kann – vor dem EQ eingesetzt – ein Übersteuern durch den Boost verhindern.

 

Kompressor und EQ beim Mixdown

homerecording.jpg
Beim Mixdown verhält es sich dann mit der Reihenfolge von Kompressor und EQ genau anders herum. Hier hat man nämlich in der Regel schon ausgeglichere Pegel, die vom Recording Ingenieur auch schon alle “schön” EQ’ed sind. Es fehlt meist nur noch am Feinschliff.

In dieser Situation macht es dann eher Sinn, den EQ vor den Kompressor zu schalten.

Sieht man sich die Übertragungsfunktion vieler Instrumente an, wird man leicht feststellen können, dass die Bässe mehr Energie tragen und die Pegel zu den Höhen hin abnehmen.

Bearbeitet man ein solches Signal nun mit Hilfe eines Kompressors, dann werden natürlich die lautesten Anteile der Aufnahme komprimiert – das gesamte Signal wird also, bildlich gesprochen, zunächst leiser. Erst danach wird der Pegel des bearbeiteten Signals angepasst.

Im schlimmsten Fall kommt ein Signal dabei heraus, das bei 8kHz abgeschnitten ist, da man es durch die Bearbeitung mit dem Kompressor schon ins Grundrauschen verfrachtet hat.

Abhilfe schafft hier ein Routing mit einem EQ vor dem Kompressor, der die Höhen der Aufnahme leicht anhebt, damit diese relativ unbeschadet aus der Bearbeitung mit dem Kompressor herauskommen.

 

Kompressor und EQ: Was machst Du?

Wie eingangs erwähnt ist die richtige Reihenfolge von Kompressor und EQ bei der Aufnahme oder beim Abmischen eines Songs ein fortwährendes Diskussionsthema, das nicht mit ein paar Sätzen und Ideen abgetan sein kann.

Deswegen: Wie denkst Du darüber? Und wie setzt Du Kompressor und EQ in Deinen Musikproduktionen ein?

Lesermeinungen (16)

zu 'Kompressor oder EQ: Was kommt zuerst?'

  • Stephano
    23. Jun 2008 | 18:41 Uhr Antworten

    Sehr gut auf den Punkt gebracht . Ich machs in der Regel , nach ca. sechs Jahren Homerecording,nicht viel anders .

    Herzlichen Dank für diesen schönen Bericht und eine gute Woche wünsch ich Dir. ST.

  • Andreas Z. (delamar)
    23. Jun 2008 | 18:45 Uhr Antworten

    Dankeschoen, dankeschoen. Dir auch noch eine schoene Woche.
    Freut mich das dir der Beitrag gefaellt. Das tut gut. ^^

  • Sib
    06. Jan 2009 | 21:32 Uhr Antworten

    Schöner Beitrag!

    Beim Mixen leg ich den EQ auch vor den Comp. Zuerst stelle ich den Comp ein, bis mir der Klang gefällt. Dann dreh ich am EQ rum, bis auch das passt. Und dann, als ganz wichtiger und letzter Schritt, regel ich die Lautstärke rauf oder runter, mit dem das Signal aus dem EQ und in den Comp reingeht.

    Peace. :)

  • Carlos (delamar)
    07. Jan 2009 | 01:02 Uhr Antworten

    Also wenn ich den EQ vor den Kompressor lege, dann regel ich zuerst den Equalizer, dann den Kompressor.

    Da die Einstellung des EQs ja auch eine Wirkung auf den Kompressor hat, müsste ich sonst den Kompressor oft nachregeln…

  • Sib
    08. Jan 2009 | 00:04 Uhr Antworten

    Ja, ich regel den Comp dann auch oft noch nach. Aber irgendwie hat sich das bei mir so eingeschliffen, es in dieser Reihenfolge zu machen. Muss ich unbedingt mal anders probieren. :)

  • Lex
    23. Feb 2009 | 15:23 Uhr Antworten

    Ich entscheide beim Mixdown je nach Fall
    wo ich den EQ in die Signalkette einschleife (gerade bei kreativen und klangformenden Eq-Einsätzen),
    da mir der Kompressor(COMP) durchaus einiges von dem was ich EQed wieder zunichte machen, indem er meine müsam erstellen Einstellungen wieder platt bügelt (vorallem bei höheren Ratios oder bei Comps ohne Attack & Release wie dem LA2A oder LA3A), ich andererseits auch das Regelverhalten des Comp gezielt beeinflussen kann.
    Natürlich ist auch eine Verknüpfung beider Methoden sinnig.
    (Also ein “CompregelEQ” und ein “KreativEQ”).

    Im Allgemeinen möchte ich übrigens zu sparsamem und dezentem EQ-Gebrauch raten, wenn man nicht gerade an seinen eigenen Werken arbeitet, da dieser immer einen Eingriff in dem vom Künstler eingestellten Sound darstellt.
    Gut gemachtes Arrangement kommt meiner Meinung nach ohne EQ aus (abgesehen von ausgleichen von Raum- und Mikrofonresonanzen was aber eigentlich schon bei der Aufnahme geschehen sollte, wenn man die nötige Erfahrung oder Zeit dazu hat.)

  • Carlos (delamar)
    24. Feb 2009 | 10:27 Uhr Antworten

    Ganz ohne EQ wird es schwierig, selbst bei sehr guten Aufnahmen. Aber je besser der Recording Tontechniker gearbeitet hat, desto weniger EQ braucht man in der Mischung, das stimmt.

  • Lex
    24. Feb 2009 | 12:53 Uhr Antworten

    Klar, ich gebe dir recht ganz ohne EQ gehts kaum, war auch eher auf den absoluten Idealfall gemünzt.
    Wobei ich damals (ich glaube es war 2002) mal einen Rec-Und-Mix-Workshop mit Bruce Sweden mitmachen durfte, der Mann beim Recording hat nicht einen EQ angefasst (außer der Lowcutschalter in der Neveconsole) sondern nur seine (verdammt teuren und hochklassiken unter anderm allein 6xU47) Mikros so aufgestellt, dass er nur die Fader alle auf Unity stellen musste und ein verdammt geiler Roughmix stand.
    (Zu diesem Zeitpunkt klangen meine fertigen Sachen nicht ansatzweise so geil)

    Alles Liebe
    Lex

  • rockntyp
    12. Jul 2009 | 12:08 Uhr Antworten

    hallo,

    also ich mache seit jahren homerecording und habe bislang immer equalizer und dann den kompressor im master genutzt. das hat sich geändert.

    ich bin der meinung erst der kompressor sachete eingestellt, denn er soll ja nur den mix zusammen “kleben”…verdichten. dann wenn ich gebügend headroom gelassen habe bei – 3dbfs. kann ich den eq, wenn ich das für nötig erachte um 2-2,5 db anheben OHNE in schwulitäten zu kommen!
    es ist aber immer ein balanceact. ich höre mittlerweile lieber den equalizer HINETR dem kompressor, denn da höre ich was ich mache sehr genau und das endmaterial wird meines erachtens tranparent.

    als vorletztes plugin nutze ich meistens einen consolen eq. so das man hört das das signal durch eine “angesagte amtliche console” gelaufen ist. der wird aber weder angehoben noch abgesenkt! der bleibt linear eingestellt, er soll nur die grundfärbung an den mix weitergeben sonst nichts!! da werden NUR die BÄNDER eingestellt!!sollte der eq in den höhen angehoben werden, wird der mix immer dünner im sound! das sollte nicht sein!

    zum mastern nutze ich als letzten eq einen 31 band eq z.b. den karma.
    dort sind 6, 12 + 24 db boost vorhanden.

    meine kette:

    saturation
    multi compressor
    apx compressor/antress
    fairlight 670/antress / gerne auch TG1 limiter/comp von antress
    limiter – brickwall/antress
    exciter/antress
    consolen eq/ggf. api oder ssl ggf. neve-antress
    31-band eq- karma

    dither

  • Dirk
    03. Nov 2009 | 18:49 Uhr Antworten

    Auch wenn im Podcast zu meiner Frage noch einiges offen blieb, bin ich jetzt sehr viel schlauer.Vielen Dank fürs Aufgreifen dieses Themas.

    LG aus Gronau

  • Marcel
    25. Mai 2010 | 17:01 Uhr Antworten

    Hi ich bin jetzt doch ein wenig verwirrt??????

    Es heißt immer man soll am besten bei der Aufnahme weder EQ noch Comp. benutzen höchstens ein Limiter um bei der Aufnahme im schlimsten Fall Clipping zu vermeiden.
    Da wir im Zeitalter von 24 bit leben ist das Grundrauschen ja eh sehr gering (Je nach Equitment).

    Also wenn ich jetzt (und da habe ich den Podcast XY von delamar verfolgt) die Bass Drumm erst EQ und den Bass reindrehe dann reagiert mein Comp doch zu sehr auf den Bass bzw. der Bass Anteil des Signals nimmt dem Comp doch die ganze Energie wenn man das mal so sagen kann oder????

    Also müsste ich:

    Tieffrequente Signale bzw. Signale mit (informativen!!!) Tiefrequenzen (ca50-vllt 120 Hz) doch erst Komprimieren und dann erst EQn oder wie jetzt????

    Naja erstmal sehr großes Lob an alle Redakteure und Helfer bei Delamar. Weiter so macht Spaß die Tuts und alles zu lesen und die Videos zu sehen und die Podcast (während der Arbeit) zu hören.

    Auf unsrer Myspace Seite kann man mein ersten Recording/Mix Versuch mit meiner neuen Band hören. Sagt mal eure Meinung (zum Mix, denn Musik ist ja bekanntlich geschmack sache)

  • Ertul Celik
    23. Jan 2013 | 14:04 Uhr Antworten

    Hallo,

    ich gehe beim Mixen immer so vor, dass ich erstmal das Signal mit einem Eq vor dem Comp. säubere, das heisst: Lowcut, unerwünschte Frequenzen rausfiltern, sozusagen einen technischen Eingriff.
    Danach schicke ich dieses sauberes Signal für eine Dynamikbearbeitung durch den Compressor.
    Nach dieser Bearbeitung nehme ich dann einen EQ für die Soundbearbeitung. Ich spreche von einer Musikalischen Bearbeitung. Mit dieser Methode hat man den Vorteil, dass der Compressor immer mit dem unverändertem Signal arbeitet.
    Denn jede EQ Änderung vor dem Comp. beinflusst den Compressor beim Arbeiten und somit auch den Sound. Ich persönlich bevorzuge diese Methode und arbeite seit Jahren genau so.
    Kurzgefasst: Erst technischer EQ dann Compressor dann Musikalischer EQ.

    MfG
    R-Tool

  • Ziener Oliver ( KayDee)
    02. Apr 2013 | 14:59 Uhr Antworten

    Wir gehen so vor wie oben beschriben.

    Unsere Meinung ist die, es wird nichts am Klangbild selbst geregelt, wenn nichts am Klang comprimiert und limitiert wurde. Wenn mit einem analogen EQ dan meist nur mit Hight und Lowcut und vieleicht mit etwas LOW- und Hightshelf und etwas Enhancer was natürlich stark, je nach Klangquelle und Abnahmeverfahren abhängig ist.

    Delamar bringts auf den PUNKT

    Lg.

    MVT

  • fatman
    13. Sep 2014 | 16:53 Uhr Antworten

    Ich denke, das ein Aspekt vor allen Überlegungen stehen sollte: Habe ich Material vorliegen, das von Musikern auf Instrumenten gespielt wurde?. Und wenn, waren es analoge, wie Schlagzeug, Klavier, Geige etc. Oder elektronische, wie Keyboards. Da die Dynamik hier unterschiedlich ausfällt, muss ich auch mit EQ & Komp tendenziell anders arbeiten. Dabei sind die Dynamiksprünge bei Bandaufnahmen überraschender als bei Aufnahmen aus einem Arrangerkeyboard. Bei einer Endmischung nutze ich EQs nur manchmal und Komps garnicht. Wenn ich damit arbeiten muß, ist vorher schon etwas falsch gemacht worden und sollte lieber an der Quelle (Einzelspur) korrigiert werden. Ich benutzte daher nur Limiter (manchmal) und vorsichtig ein Verb, wenn es dienlich ist.
    Gruss, fatman

  • Ben
    24. Sep 2014 | 15:14 Uhr Antworten

    Bei mir kommts immer darauf an, welchen Effekt der Compressor erzielen soll.. in einzelnen Spuren setze ich ihn auch gerne hinter den EQ, um den Pegel des bearbeiteten Materials im Nachhinein anzupassen.

    Beim Mastern kommt der EQ bei mir auch oft nach dem Compressor – dadurch hört man wie ich finde, den Effekt, den man durchs EQing erhält, wesentlich drastischer. Schließe mich da also auch rockntyp an :)

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