Homerecording: Warum klingen meine Produktionen nicht „pro“?

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Homerecording: Warum klingen meine Produktionen nicht „pro“?

Das wichtigste Geheimnis im Homerecording vorneweg: das Equipment ist in den seltensten Fällen schuld. Ja, ich weiss, dass wir alle gerne ein Neve- oder SSL-Mischpult im Studio hätten, in das wir unsere viele tausende Euro wertvollen Mikrofone speisen würden und dann… Ja, und dann?

Stell Dir einfach mal folgende Situation vor: Du darfst eine Woche in ein professionelles Studio Deiner Wahl, in dem all die teuren Spielsachen und esoterischen Geräte aus Deinen Träumen stehen. Würde Deine Produktion deswegen plötzlich „pro“ klingen? Nein, denn Du würdest tagelang ersteinmal lernen müssen, mit dem neuen Equipment umzugehen und Dein Song, also der Kern der Produktion, wäre noch immer gleich gut.

Wenn ich mir Produktionen aus dem Bereich Homerecording anhöre, muss ich feststellen, dass die meisten Fehler im Arrangement gemacht werden. Zu den häufigsten Fehlern gehören:

 

Bei Bands: Musiker überspielen ihr Instrument,
um ihr ganzes Können unter Beweis zu stellen, wo ein einfacher Part dem Song zuträglicher gewesen wäre.

 

Kein Spannungsbogen.
Ein guter Chorus oder ein gutes Intro reicht eben nicht aus, um einen Zuhörer 3 Minuten oder länger zu fesseln.

 

Preset-Sounds
Viele Produzenten arbeiten nicht an den Sounds und nutzen Presets aus ihren Instrumenten, die genau so langweilig wie austauschbar klingen und verpassen damit die Möglichkeit, einen eigenen Stil zu entwickeln.

 

Musikalische Pausen
Groove entsteht durch die Noten, die man nicht spielt. Denk mal darüber nach.

 

Stille
Im Prinzip dasselbe Problem wie bei den Pausen, nur eben in der Musikproduktion. Kontrast ist das beste Mittel, um Neugier zu wecken und Spannung zu erzeugen. Etwas Stille in der Produktion lässt das folgende forte lauter klingen.

 

Do-It-Yourself Mentalität
Viele Produzenten wollen auf Teufel-komm-raus wirklich alles selbst machen. Dabei kann Hilfe von außen nicht nur dazu führen, dass gewisse Aufgaben besser gelöst werden. Weitere Produzenten bedeuten auch mehr Ideen, Einflüsse und Erfahrungen.

 

Fehlende Erfahrung
Jeder fängt klein an und das ist auch ok. m Anfang klingt es eben noch nicht so toll. Hauptsache Du hast Spass und zermürbst Dir nicht den Kopf deswegen.

 

Soundauswahl
Es dauert eine ganze Weile bis man erlernt hat, welche Sounds am besten zur Stimmung, der Emotion oder dem Inhalt eines Parts bzw. eines Songs passen. Es kann Jahre dauern, in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln und gut zu werden.

 

Harte Übergänge
In vielen Homerecording Produktionen wollen die einzelnen Strukturen (Intro, Verse, Chorus, etc.) nicht so recht zusammengehen und bilden ungewollte harte Übergänge.

 

Hinhören
Viele Produzenten im Homerecording arbeiten an ihren Tracks und Songs und haben nie gelernt, hinzuhören. Hinhören, analysieren, wieder hinhören und dann erst eingreifen ist vielleicht der beste Tipp in dieser Aufstellung.

Homerecording: Weitere Infos

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber hilft Dir hoffentlich, bessere Aufnahmen und Tracks zu machen. Wer weitere Informationen zum Thema Homerecording: Warum klingen meine Produktionen nicht „pro“? möchte kann sich ja auch mal diesen Artikel durchlesen.

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Lesermeinungen (13)

zu 'Homerecording: Warum klingen meine Produktionen nicht „pro“?'

  • Nabuk   28. Apr 2008   18:19 UhrAntworten

    Dem kann ich allem unumwunden zustimmen. Noch ein Zusatz: Ich habe auch mit professionellen Toningenieuren gearbeitet, denen einfach das Talent fehlt, einen guten Sound zu kreiiern.
    Allerdings beherrschen die meisten die absolut notwendigen und essentiellen Grundregeln, die im Homerecording oft nicht beachtet werden.

  • Loco   28. Apr 2008   21:32 UhrAntworten

    Korrigiert mich, wenn ich falsch liege. Man kann also auch den pro-sound mit amateur-equipment bekommen? :)

    Hat dort jmd Erfahrung ?

    PS: Gibt es zu den einzelnen Punkten noch Tutorials wie man das verbessern kann?

  • Chris   28. Apr 2008   22:03 UhrAntworten

    Hi,

    prinzipiell finde ich die Auflistung und Erklärung vom Herangehen ans Arrangement usw. ganz gut.
    Aber so manchen Sound und Qualität erreicht man leider nun mal nur mit qualitativ hochwertigem Equipment.
    Z. B. klingen Vocals über ein 100,- Mic nunmal schlechter als über ein 10mal so teures Neumann.
    Ein Bass, der beschissene Tonabnehmer hat, kann nicht so schön klingen als einer mit hochwertigen.
    Ein 20Watt Transitor-Marshal-Amp klingt häßlicher als ein 100Watt-Vollröhrenteil...

    Will damit nur sagen, dass man mit gutem Equipment schlechte Alben machen kann, aber dass guter Sound mit besserem Equipment aufgenommen einfach auch mehr nach "PRO" klingt.

  • carlos (delamar)   28. Apr 2008   22:21 UhrAntworten

    Das Equipment, das man heutzutage für wenig Geld im Bereich Homerecording kaufen kann, dürfte so für etwa 80% des Sounds ausreichen (Talent im Recording und Mixing vorausgesetzt). Natürlich wollen das weder die teuren Tonstudios noch die Hersteller hören, denn die setzen sich ja eben mit ihrer teuren Boutique-Hardware ab.

    Die restlichen 20% werden dann eben so richtig teuer.

    Um das Beispiel Mikrofon zu nehmen: ein Neumann U87 kostet neu um die 2.500,- Euro und klingt sehr gut. Ein Rode NT2 kostet etwa 400 Euro und kann ebenfalls hervorragende Ergebnisse liefern. Ein Shure SM58 kostet um die 100 Euro und ist schon auf der ein oder anderen kommerziellen Schallplatte zu hören gewesen...

    Der Sänger, der Raum, der Recording-Engineer sowie das perfekte Abstimmen von Stimme + Mikrofon können mehr Unterschied im Sound machen als ein Neumann.

    Und: ein 20W Transistor kann vielleich genau DEN Sound machen, der den Song trägt...

    :)

  • carlos (delamar)   28. Apr 2008   22:23 UhrAntworten

    Ach ja, gute Instrumente benötigt man natürlich schon. Aber auch hier gilt: ein guter Gitarrist auf einer schlechten Klampfe klingt besser als ein schlechter Gitarrist auf einer genialen Axt...

  • Pong the Strong   29. Apr 2008   02:12 UhrAntworten

    BRAVISSIMO !! Auf den Punkt gebracht.......und danke für all die Schreibarbeit die Du /ihr hier leistet ..!

  • carlos (delamar)   29. Apr 2008   20:06 UhrAntworten

    Danke für den Kommentar und das Lob!

  • Sascha   31. Jan 2009   01:33 UhrAntworten

    kurze Ergänzung:
    ...vernünftige Boxen!!!

  • Andy S.   11. Feb 2010   11:53 UhrAntworten

    Hi!

    Ich habe meine Diplomarbeit über Mikrofone geschrieben. es wurde ein Hörversuch durchgeführt, ob Hörer einen Unterschied ausmachen können (in der Qualität) zwischen U87 (2500€) und Nachbauten aus China (Unter 300€). Es wurde noch aufgeteilt in Laien, Musiker und Toninginieur.
    Das Ergebnis: Die U87 sind gnadenlos überteuert!
    Es ist zwar ein meiner Lieblingsmics, aber für viel von uns nicht erschwinglich. Also, greift zu Mikrofonen, die Euch gefallen und arbeitet damit und ganz wichtig: HINHÖREN!!!

    Gruß andy

  • Sogyra   04. Mrz 2011   11:01 UhrAntworten

    Ein Song klingt dann "Pro", wenn man nichts dem Zufall überläßt, und auf jedes noch so kleine Detail achtet.

  • IrgendeinThomas   31. Mrz 2012   00:02 UhrAntworten

    Gute Liste ich denke die könnte man noch ziemlich lange fortführen wie zB das viele unerfahrene Anfänger beim EQing eher zum anheben, kaum zum absenken tendieren, das oftmals zu stark überkomprimiert wird,...aber so wie ich delamar kenne steht das sicher auch noch irgendwo extra.:-)
    Übrigens finde ich wohlgemerkt gute Presets die zum Stil des Songs passen nicht schlimm, besser als schlechte selbst kreierte Sounds die wie aufgeklebt im Gesamtkontext klingen. Ich war und bin nach wie vor erstaunt wie oft ich bei vielen kommerziellen Produktionen Presets aber noch viel deutlicher herauserkennbar Sample-Loops identifizieren kann.
    zB der Groove aus Rihannas Umbrella ein Standard-Preset von Garage Band, Vangelis hat am Alexander-Soundtrack Minutenlang auf einem Loop aus der "Hearts Of Africa"-Sample-Lybrarie runtergeleiert nur um mal 2 sehr deutliche Beispiele zu nennen. Am Ende ist es ja auch vorwiegend für reine Konsumenten, nicht Musik für Unsereins die dann alles gleich heraushören - ich für mich möchte zwar wenn ich schon was vorgefertigtes verwende so bearbeiten, layern und dergleichen das es zum. nicht mehr so deutlich erkennbar ist aber wenn man ab und zu mal so etwas einbaut finde ichs nicht verwerflich solange man sich nicht nur darauf stützt und viel wichtiger...die kreative musikalische Idee im Gesamten stimmt. Einzigartigkeit im Stil kann ja in vielerlei Hinsicht erreicht werden. Ansonsten kann ich den anderen Tips vollumfänglich zustimmen.

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