Homerecording: Der Wellness-Faktor bei der Aufnahme Teil 2

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Dies ist die Fortsetzung des Wellness-Faktor-Artikels. In diesem geht es um die weiteren wichtigen Dinge, die es bei der Aufnahme zu beachten gilt, möchte man eine gute Performance der Musiker beim Recording garantieren.

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Homerecording: Der Wellness-Faktor bei der Aufnahme

Homerecording

Gestern bereits gab es hier einen Beitrag zum Thema “Wellnessfaktor beim Recording”.
Jedoch war das Thema nicht zu Ende geredet, denn wir hatten lediglich die Vorbereitungen bis zum ersten Take durchgesprochen. Dabei hört das Recording, wie wir alle wissen, dort nicht auf sondern es fängt dort erst so richtig an.

Wie bereits erwähnt halte ich es für enorm wichtig gleich mal die Tagesform des Musikers abzuchecken. Hat man beispielsweise ein Vocal Recording und bemerkt vorher bereits, dass der Sänger wohl heiser ist oder irgendwie anders angeschlagen, kann man den Studiotag von vorn herein besser planen, als dass man die Stimme unnötig belastet (im Krankheitsfall). Der Sänger wird einfach an einem anderen Tag aufgenommen.
Die gewonnene Zeit kann genutzt werden um andere Instrumente aufzunehmen — die Greifbarkeit eines Musikers vorausgesetzt.

Aber nicht nur kränkelnde Musiker sind zu entlarven. Worauf man auch ein Auge haben muss, und das ist während einer stressigen Produktion manchmal schwer, dass sich ein Musiker nicht überspielt. Sänger zum Beispiel werden heiser. Manchmal hört man das durch das Mikro nicht mehr so genau.
Hier gilt es auf die Körpersprache zu achten. Natürlich ist ein, sich vor Schmerz windender, Gitarrist schnell entlarvt. Doch dann ist es bereits zu spät. Ein Musiker mit Verletzungen fällt dann oft tagelang flach. Und noch schlimmer. Der Grund warum derjenige ja gerade noch seinen Take spielt ist der, dass noch keine Aufnahme gut genug war. Also hat man am Ende nichts ausser einem angeschlagenen Musiker und einer nicht verwendbaren Aufnahme.

Deshalb ist die Kommunikation mit dem Musiker ganz wichtig.
“Wie geht es dir?”, “Hast du Durst?”, “Magst du eine Pause machen?”. Kleine Fragen zwischendurch helfen nicht nur dem Musiker zu zeigen, dass ihr da seid, sondern sie helfen auch Ermüdungserscheiungen vorzubeugen. Ausserdem hat es den Vorteil, dass sich der Musiker wahrgenommen fühlt.
Stellt euch die Situation vor. Allein in einem (Aufnahme-)Raum sitzend, nur mit einem Kopfhörer und dem eigenen Instrument. Das ist eine Situation an die man sich zwar irgendwann gewöhnt aber viel schöner ist es doch wenn man angesprochen wird.

Hat ein Musiker mal einen schlechten Tag, das passiert, muss man nicht verzagen. Entweder man entscheidet schlicht, dass jetzt jemand anderes aufgenommen wird oder man spielt für den Musiker den Entertainer und hält somit die Stimmung hoch.
Genau, Entertainer! Also Spassmacher. Und das ist ebenso wichtig wie die Kommunikation und die Deutung der Körpersprache.
Ist die Stimmung am Boden und der Musiker möchte eigentlich nicht mehr weiter spielen, “weil eh grade alles so doof ist und alle so gemein zu ihm sind und so”. ;) Muss man versuchen die Stimmung irgendwie zu heben.
Ich gebe zu, dass dies ebenfalls sehr schwierig ist. Viele der Tonstudiobetreiber kommen aus der technischen Ecke und kümmern sich seit Anfang um “gute Technik”, “gutes Equipment” damit bei der Aufnahme alles perfekt ist. Aber all diese Investitionen bringen nichts, spielt ein Musiker nicht wirklich “gerne” — das hört man! Also die Moral hochhalten, ein paar Witzchen reissen, “Lass uns doch später noch auf ein Bier gehen.”. Kurz lasst euch was einfallen!

Nun möchte ich zum Schluss des Wellness-Faktors kommen und letztendlich nur hören, was ihr schon alles im Studio erlebt habt mit Musikern und wie ihr “den Tag gerettet habt”?

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Lesermeinungen (8)

zu 'Homerecording: Der Wellness-Faktor bei der Aufnahme Teil 2'

  • Luma   05. Jun 2008   17:16 UhrAntworten

    Da ich nun schon einige Wochen in Tonstudios hinter dem Mischpult mit den Engineers verbracht habe, gibt es zum Wellness Faktor noch eines hinzu zu fügen:
    Gerade bei Bands gestaltet sich ein Recording mental für die einzelnen Musiker oft zum individuellen Druckfaktor. Die meisten Bands spielen zusammen im Proberaum, kleine Fehler und Unsicherheiten fallen bei einer derartigen Session nicht immer auf.
    Kommen aber die einzelnen Musiker in den Aufnahmeraum und alles konzentriert sich nur auf ihr Spiel, so habe ich schon erlebt, dass sie mit dem Druck nicht klarkommen. Wenn der Rest der Band, der Engineer und vielleicht der Produzent hinter der Scheibe sitzen und natürlich entsprechende Fehler raushören, Verbesserungsvorschläge machen, den Riff vielleicht eine Quint höher setzen, hier ne 16tel statt ner 8tel haben wollen, dann knicken einige Musiker ein.
    Denn im Studio ist der Musiker total exponiert und wenn es nicht läuft, dann verkrampfen einige oder blockieren sogar. Hier ist es dann ratsam, genau darauf zu achten, wie die anderen Bandmitglieder mit der Situation umgehen. Wenn sie Verständnis haben, sollte man die Band geschlossen ohne Producer, Engineer mal zum Kaffe trinken schicken gehen, damit sie ihr Sorgenkind aufbauen kann.
    Ist die Band aber angepisst und supportet den Musiker, der hier eben Probleme hat, nicht, dann schickt man besser die Band raus, und redet mit dem Musiker alleine und in Ruhe, bietet ihm Alternativen an, baut ihn auf, etc.

    Noch öfter sind es aber Producer und Engineer, die gerade bei jungen Bands die Kindergärtner oder Betreuer spielen müssen, damit das Lied auch aus einem Guss kommt. Ist das Gitarrensolo zu lange, dann muss das auch in angemessener und begründeter Art und Weise vermittelt werden.

    Aber all dies entscheidet sich schon bei der Auswahl des Tonstudios, zu dem es auf delamar ja bereits einen guten Podcast gibt

  • Manki   05. Jun 2008   17:25 UhrAntworten

    Guter Artikel, danke!

    Ich denke eh, dass die restliche Band lieber nicht den Aufnahmesessions beiwohnen sollte, sondern lieber einen Kaffee trinken geht.

  • Heiko   05. Jun 2008   18:37 UhrAntworten

    Der Vorteil beim Home-Recording ist eh, dass Zeit nichts kostet. Deswegen ist bei mir immer Schokolade und ein Nintendo in der Nähe - wenn's halt mal ein lahmer Tag ist, dann kann man so wenigstens die Stimmung retten.

    Wenn die Studiozeit tatsächlich Geld kostet, ist das allerdings ein Problem, an dem Bands zerbrechen können. Hier bin ich der Meinung: Bei der Aufnahme sollte maximal ein weiteres Bandmitglied dabei sein - alle anderen nur dann, wenn sie es schaffen, die Klappe zu halten.

  • carlos (delamar)   06. Jun 2008   15:24 UhrAntworten

    Aus Sicht des Musikers, der im Aufnahmeraum ist, wird die Präsenz von (fremden) Toningenieur und etwaigen Musikproduzenten eh schon gehörig auf das Adrenalin gehen.

    Die restliche Band nebenan - am besten noch ohne wirkliche Erfahrung im Bereich Recording oder Homerecording - kann sich fast nur noch negativ auswirken.

    Homerecording hat in Sachen Zeit ohne Zweifel die Nase vorn. Aber man kann leider auch viel falsch machen.

  • ken park   09. Jun 2008   14:49 UhrAntworten

    Mal abgesehen davon, dass eine (laute, gesprächige) Band im Regieraum auch dem Soundengineer mal gehörig auf die Latichte gehen kann.
    ;)

  • Czebo   27. Nov 2008   23:14 UhrAntworten

    Bei meiner letzten Aufnahme (eigene Band) haben wir nen Spiele eingeführt:

    Für einen Song hat man maximal 3 Takes - wenn mann das schafft bekommt man den Eintritt in unseren Stammladen beim nächsten mal von den anderen Bandmitgliedern ausgegeben. Sollte man mehr Takes brauchen - auch nicht weiter schlimm! Sollte man weniger brauchen - umso besser - denn jeder nicht verwendete Take wird dem nächsten Song gutgeschrieben und darf verballert werden ohne um seinen "umsonst" Partyausflug zu denken! ^^

    Wir fanden das lustig - unser Drummer hats geschafft - der Rest... Naja... ^^ Aber es hat Spaß gemacht. Man strengt sich an richtig gut zu spielen und ist sehr konzentriert aber dennoch gut drauf!

    MfG, Czebo

  • Danny   03. Dez 2008   10:43 UhrAntworten

    Habe schon div. Bands/ Künstler von Pop bis Rock, HipHop bis Funk in meinem Project Studio aufgenommen. Dabei ist mir aufgefallen dass gerade junge Bands die aus dem Proberaum ins Studio kommen teilweise total überfordert sind. Der Gittarist ist nicht in der Lage zum Click zu spielen, der Sänger denkt AutoTune wäre eine Wunderwaffe usw. Manchmal nützt auch der beste Wellnessfaktor nichts wenn die Band einfach noch nicht reif für eine Studioproduktion ist. Ein kleines Beispiel: Band mit 4 Mann wollte bei mir ne CD aufnehmen. Während den Aufnahmen stellte sich dann heraus dass die Songs bzw. das Arrangment noch nicht eindeutig fixiert waren bzw. dass jeder Band Member eine eigene Vorstellung der Songs hatte.Trotz alle dem wollte ich das Projekt doch noch retten. Hab mich dann mit der Band in einem Cafe getroffen und bin deren Songs Track für Track durchgegangen und gab der Band Verbesserungsvorschläge. Am Schluss hatten wir es dann geschafft. Alle waren sich einig. Aber von den 10 geplanten Tracks waren es am Schluss eben nur mehr 5. Aber wenigstens eine gute Demo CD ist daraus geworden. Ich denke dass der Wellnessfaktor sicher auch eine Rolel spielt aber noch wichtiger ist die Vorbereitung. Den um zu Chillen, Playstation zu zocken oder Kaffee zu schlürfen brauche ich kein Studio.

    Mfg Danny

  • kenpark   03. Dez 2008   10:50 UhrAntworten

    *unterschreib*

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