Fix it in the Mix – Oder warum deine Abmischungen nach Homerecording klingen
In der Vorbereitung für den nächsten delamar Podcast wurde ich mal wieder an einen Spruch erinnert, den ich früher selbst sehr gerne während verschiedenster Recording-Sessions rezitiert habe und den ich ein ums andere Mal wieder bereut habe: “We’ll fix it in the mix”. Kommt dir der Gedanke bekannt vor?
Fix it in the Mix – Oder warum deine Abmischungen nach Homerecording klingen
Wie kommt es dazu, eine Lösung erst später im Mix zu suchen und warum habe ich diesen Spruch immer wieder bereut? Nun, wenn Du während der Aufnahme zu einem Song immer und immer wieder ein und dieselbe Spur aufnimmst, liegt es nahe, irgendwann einmal auch weiterkommen zu wollen.
Dies ist mir am häufigsten wohl bei den Vocalaufnahmen passiert. Mal ist die Intonation nicht richtig, mal ist ein Wort nicht verständlich, mal wird eine Silbe verschluckt oder der Funke will nicht so richtig rüberspringen. Und wenn dann noch der Künstler immer weiter in seiner Performance nachlässt, weil er nicht mehr genug Kraft hat oder seine Lust an den Aufnahmen verliert, manifestiert sich der Gedanke in meinem Hirn, schnell noch die restlichen Spuren aufzunehmen und das Problem beim Abmischen zu lösen.
Uh! Das ist ein Fehler!
Klar, die Technologie und die Musiksoftware sind heute wirklich weit gekommen und manche Dinge erscheinen fast wie ein Wunder. Und dennoch kommt bis heute nichts an die Qualität einer echten Aufnahme heran. Denn wirkliche Wunder können auch heute noch nicht vollbracht werden. Wenn mal eine Note falsch gesungen wurde, dann kannst Du mit der entsprechenden Software die Notenhöhe ändern – das merkt man in den meisten Fällen kaum bis gar nicht. Und auch das Timing einer Gesangs- oder Rapaufnahme lässt sich relativ gut im Nachhinein noch verbessern.
Aber bei beiden Eingriffen gibt es Grenzen. Je drastischer die Änderung, desto auffälliger. Und dann kommt noch der Zeitfaktor hinzu: Bei einem talentierten Sänger oder Rapper hätte eine weitere Aufnahme mit besserem Ergebnis vielleicht nicht mehr als wenige Sekunden oder Minuten gedauert. Bei einem schwierigen Part oder einem vielleicht weniger talentiertem Musiker hätte der Zeitaufwand sich vielleicht auf eine weitere Viertelstunde belaufen.
Wenn beim Abmischen eines Songs aber schliesslich klar wird, dass der Fehler nicht mit wenigen Handgriffen und geringem Zeitaufwand bereinigt werden kann, wird es richtig aufwändig. Dann muss der Musiker nämlich wieder ins Tonstudio zum Recording geholt und die alten Einstellungen und Projekte wieder aufgerufen werden. Schlimmer noch: Das Projekt liegt brach und etwaige Fristen können nicht eingehalten werden.
Die Alternative dazu wäre, den Fehler im Mix zu belassen und damit aller Welt zu zeigen, dass der Song den Zeitaufwand nicht wert gewesen ist – keine gute Idee, wenn ich mehr als nur eine Idee schnell zu Papier bringen wollte.
Typische Fehler á la “Fix it in the Mix”
- Unverständliche Vocals, Nuscheln, falsche Tonhöhe
- träge Performance
- Falscher Einsatz, Timing, Notenlänge
- Dumpfer Klang schon bei der Aufnahme (“wird später mit dem EQ…”)
- Nahbesprechungseffekt beim Mikrofon
- Vestimmte Gitarre oder Bass
- Verzerrungen, Clipping, Einpegeln der Instrumente
- Equalizing oder Kompression bei der Aufnahme
- Schlechter oder gar keinen Raumklang
- Kein Ende für den Song komponiert
Die Liste ginge sicherlich noch weiter, bin gespannt auf deine Kommentare…
Warum deine Abmischungen nach Homerecording klingen…
Wann war das letzte Mal, dass Du eine kommerzielle Produktion im Radio mit eklatanten Fehlern gehört hast? Ich, für meinen Teil, kann mich nicht daran erinnern. Aber ich höre immer wieder Produktionen aus kleinsten Tonstudios und Homerecording-Projekten, bei denen ich mich frage, warum die Songs nicht einfach ein weiteres Mal eingespielt wurden und dann wird mir klar, dass die besten Produzenten ihre Musik immer bis ins kleinste Detail ausfeilen. Dabei ist es nicht wichtig, ob es eine kommerzielle Produktion ist, für die eine Menge Geld zur Verfügung stand oder eine geniale Produktion eines ambitionierten Musikers im Schlafzimmer desselben entstand.
Ich habe oft genug gedacht, einen Fehler beim Abmischen des Songs korrigieren zu können, und musste feststellen, dass es keine Lösung gab. Wenn ich dann Monate oder Jahre später den Mix mit dem schon lange vergessenen Fehler höre, ärgere ich mich ein ums andere Mal darüber. Wenn ich solche Dinge dann bei anderen Produktionen höre, frage ich mich sofort, warum ein so offensichtlicher Fehler nicht bereinigt wurde…
Und genau das fragt sich auch der A&R, der gerade dein Tape hört, der Barbesitzer, der dir einen Gig verschaffen soll, ein potenzieller Fan, der überlegt, dich mit dem Kauf deiner CD zu sponsorn…
Wie gehst Du mit solchen Situationen um? Nimmst Du die Parts gleich neu auf oder versuchst Du die Fehler später im Produktionsprozess zu lösen? Schreib mir deine Sicht in die Kommentare!
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06. Feb 2010 | 20:07 Uhr
Es kommt ja auch immer darauf an, wie amtlich die Beteiligten Musiker und Sänger theoretisch überhaupt spielen könn(t)en (wenn sie nicht gerade einen schlechten Tag haben, was vor allem bei Semiprofis oft als Argument gebracht wird).
Es wird glaube ich oft enorm unterschätzt, was es an Handwerk bedeutet, einen ganz simplen Part wirklich genau, homogen und mit der notwendigen Konstanz (und trotzdem lebendig und musikalisch!) durchzuspielen – so wie man es eben im Radio hört. Sind an einer Produktion Musiker beteiligt, die das wirklich drauf haben, handelt es sich schon meist gar nicht mehr um “Homerecording”.
Und mittelprächtige Musiker kriegen es auch in einer Stunde nach 100 Teil-Takes nicht unbedingt so hin, wie man es idealerweise gerne hätte.
Grundsätzlich hast Du natürlich recht: Wenn schon der gespielte/gesungene Ton nix ist, kann man sich hinterher auf den Kopf stellen. Es ist genau wie bei Fotos: Ist schon die Aufnahme schlecht belichtet, unscharf etc., kann auch der größte Photoshop-Künstler nicht das draus machen, was man in einer doppelseitigen Cartier-Anzeige gesehen hat.
Mit brillianten Takes, ob nun Musik oder Foto, braucht man hingegen oft gar nicht mehr viel zu machen.
06. Feb 2010 | 21:51 Uhr
Die Geschichte des “Fix It In The Mix” ist eine Geschichte voller Mißverständnisse!!!
Vor diesen Satz sollte man das alte “Shit in – Shit out!” setzen.
Ich denke, “we’ll fix it in the mix” wird gerade von Künstlern all zu oft missverstanden, er bedeutet nämlich nicht, schlecht aufgenommene Takes dort zu retten, sondern lediglich die Abstimmung und Mischungsverhältnisse anzupassen. Eben das Mixing an sich!
Ich hab jedenfalls noch keinen guten Audio-Engineer gesehen, der bei ner verkackten Aufnahme den Satz hat fallen lassen. Im Gegenteil, gute Engineers widersprechen den Künstlern gerade dann, wenn sie das “Fix it in the mix” fordern, wenn das nämlich nicht möglich ist.
07. Feb 2010 | 00:12 Uhr
Gerade die kleinen Unzulänglichkeiten sind es oft die der Musik den gewissen Charme verleihen. Nicht alles muss perfekt klingen und super ausproduziert sein. Was nutzt es wenn Britney Spears oder Rihana toll produziert ist? Meine Ohren tun trotzdem weh. In den 70er ist der Punk genau aus diesem Grund mit entstanden. Man hatte einfach die Schnauze voll von diesen “überproduzierten” Dino-Bands wie Genesis, Yes oder Supertramp. Viele aus meiner Generation halten z.B. Bands wie die Young Marble Giants oder die Feelies gerade für ihren reduzierten “lofi” Sound für genial. Viele halten das erste Album von Trio für das beste deutsche Platte der letzten 30 Jahre. Von einer sauberen Produktion konnte überhaupt nicht die rede sein. Und nein, der Plan war nicht absichtlich schlecht produziert zu klingen. Aber wahrscheinlich wisst ihr nicht mal wovon ich rede. Jedenfalls finde ich die hier genanten “Produktionshinweise” für zwiespältig weil sie mitunter auch viel zerstören können.
07. Feb 2010 | 02:12 Uhr
@thanassis: es ist ja verständlich, dass du diese Bands und Produktionen Klasse findest – sicherlich haben sie ihren Charme… aber auch nur, da die Persönlichkeiten in den Bands und das drum herum etwas besonderes sind, haben sie es soweit geschafft… NUR mit einer schlechten Aufnahme/Produktion kommt man leider nicht sehr weit!
Vor allem in der Heutigen Zeit in der alles nach einem festen Muster Produziert sein muss um überhaupt anklang bei Plattenfirmen zu finden.
Einen dreckigen Sound, der nach Punkrock oder Garagenband klingt zauber ich dir auch so – aber dennoch sind dort kein Clipping, krumme Töne, oder ein unausgewogener Mix zu erkennen. Diese Attitüde ist auch etwas, dass vom Musiker kommt – wie er sein Instrument oder seine Stimme einsetzt und und und… und das gilt es doch möglichst gut herauszustellen – und das schafft man nunmal nicht mit (ungewollten) Störsignalen.
07. Feb 2010 | 03:14 Uhr
Ich denke, es kommt immer darauf an, was mit einer Aufnahme oder gar Produktion bezweckt wird. Handelt es sich mehr um kompositorische oder improvisatorische Einspielungen, dann zählt der Augenblick meiner Ansicht nach viel mehr als eine ‘akribische’ Detailarbeit. Mir ist aufgefallen, das mitunter sogar die allererste Aufnahme das größte künstlerische Potential besitzt und jedes weitere ‘Herumbasteln’ daran zu diesem Zeitpunkt zumindest alles zerstören würde.
Ist der Song oder die Darbietung im eigentlichen Sinne ‘fertig’ und soll jetzt ein repräsentatives Produkt davon erstellt werden, dann macht das natürlich auch Sinn, die Aufnahmen so zu verfeinern, das die Realität der Aufnahmen nun auch den künstlerischen Fantasien (des Produzenten, Komponisten, etc.?) gerecht werden!
Da steckt aber offensichtlich auch ein Problem. Diese künstlerische Fantasie muß erstens vorhanden sein und sich zweitens dann auch noch durchsetzen können (mitunter in nur ein und derselben Person :-), wie Carlos glaube ich schon mit dem nur aus Bequemlichkeit missbrauchten ‘Fix it in the Mix’ in diesem Thema wohl richtig erkannt hat und uns mitteilen will!
07. Feb 2010 | 12:25 Uhr
@Czebo, es geht mir nicht darum was ich klasse finde. Ich wollte nur dokumentieren dass es auch anders geht. Bei den Young Marble Giants und Trio ist es durchaus bekannt dass sie mit einer naiven oder auch dilettantischen Heransgehensweise an die Produktion gegangen waren. Hätte sie die so genannten “Tipps” von Delamar gekannt hätte es diese Alben so nicht gegeben. Und “ungewollte Störsignale” können auch einen gewissen Charme haben. Handwerklich saubere Produktionen können auch “tot” klingen.
07. Feb 2010 | 12:27 Uhr
Was für eine endlose Diskussion. Da beziehe ich mich nur auf John Cages 4’44. Das Stück besteht aus ein paar Notizen, wie sich der Pianist hinzusetzen hat, danach passiert nichts mehr auf dem Notenpapier. Wenn das einer mit »Vom Homerecording zur Profimischung in 21 Tagen« auf einen Tonträger bannen will, dann hat es nichts mehr mit Kunst zu tun. Meine Aufnahmen klingen wie sie klingen, nicht weil ich es nicht besser kann, sondern weil ich es nicht anders will. Schade, dass man sich als 4-Sterne-Koch an Fertigsuppen messen lässt.
07. Feb 2010 | 13:00 Uhr
Bitte nicht verwechseln: Ich habe mitnichten gesagt, dass ein Album zu Tode produziert werden muss.
Die künstlerische Freiheit eine technische Unzulänglichkeit in das finale Produkt gezielt einfliessen zu lassen, ist kein Fall von “Fix it in the Mix”. Denn in diesen Fällen will ja keiner etwas korrigieren – es gehört dazu.
Hier geht es ausschliesslich um eine Arbeitseinstellung, die übersieht, dass der Aufnahmepart einer wichtigsten, wenn nicht der wichtigste schlechthin in der Musikproduktion ist.
07. Feb 2010 | 13:51 Uhr
Ich möchte wirklich nicht weiter den “advocatus diaboli” hier im Forum spielen. Aber ich verwechsle gar nichts. Und noch mal: Es geht mir nicht um die “künstlerische Freiheit” Unzulänglichkeiten in die Produktion einfließen zu lassen sondern “ungewolltes” oder “übersehendes” in die Produktion zu bringen. Durch “Fehler” und “Irrtümer” sind viele tolle Alben entstanden. Auch “neue” Wege in der Produktion. Mehr habe ich nicht gesagt. Mir ist aber bewusst dass Ihr ein “Recording-Magazin” seit und natürlich nicht jeden Aspekt aus der Avantgarde auch noch in eure Tipps einbeziehen könnt. Ich wollte dem eigentlich auch nicht widersprechen sondern etwas hinzufügen. Deshalb nichts für ungut:)
07. Feb 2010 | 14:22 Uhr
Die Musik “passiert” vor dem Mikro!
Wenn die Musiker tight spielen und es groovt und es kommt auf der Platte auch so rüber – was will man mehr? :-)
Schaut euch mal dieses Video an! Der Produzent Jack Joseph Puig erzählt wie man in der Anfangsphase des Aufnehmens, Mischens , sich mehr auf seinen Instinkt verlassen sollte statt, wie oft praktiziert wird, den “intellektuellen” Weg zu gehen, da man bei dieser Vorangehensweise oft die Gefahr läuft sich zu verzetteln.
Das Video:
http://www.youtube.com/watch?v.....r_embedded
Mit musikalischem Gruß,
aLf
07. Feb 2010 | 14:23 Uhr
Unterschiedliche Meinungen sind gut!
Ich will nur klarstellen, dass technische Aspekte nichts mit den künstlerischen zu tun haben müssen. Sie können, müssen nicht.
Für jede charmante Aufnahme mit Unzulänglichkeiten, die erfolgreich ist (z.B. Right Said Fred – I’m too sexy mit den schiefen Vocals) gibt es eine, die perfekt durchexerziert wurde:
Metallica – Black Album
Pink Floyd – Dark Side of the Moon
usw.
P.S.: Wir sind kein Forum :)
07. Feb 2010 | 14:37 Uhr
Ich finde man muss schonmal garnicht anfangen etwas aufzunehmen was man nicht min 99% beherscht. Klar passieren beim aufnehmen fehler, aber dann fängt man mit der Spur von vorne an, bis es 100% sitzt. Mit dem mischen mach ich das immer so, das ich zwischendurch mal nen rough-mix mache zum hören wie das klingt und ob wirklich alles zusammen passt oder man doch noch veränderungen machen will und daher eine Spur neu aufnimmt. Wenn ich dann mit dem Endergebniss mehr oder weniger zufrieden bin (Denn ich bin nie richtig zufrieden), dann wird das ganze abgemischt und die Songs werden aufeinander angepasst, was Lautstärke und Dynamik betrifft.
Danach wird die ganze Produktion anderen Künstlern, Musikfans und Mischern gezeigt, ob sie da noch irgendetwas verändern würden. ZB einen Gitarrenpart lauter oder leiser stellen, Drums anheben etc.
Ich muss sagen, die CD die ich zuhause aufgenommen habe kling um einiges besser als das letzte, was ich im Studio aufgenommen habe und ich habe auch sonst viel schlechtere Studio-Produktionen gehört.
Wenn man sich genug Zeit nimmt und sich mit abmischen und aufnehemn beschäfftigt, dann kann man doch ein sehr gutes Resultat erhalten.
Es brauch seine Zeit und man vernachlässigt das eigentliche Musik machen, aber es lohnt sich wirklich.
07. Feb 2010 | 17:06 Uhr
Noch mal: Es geht beim “Fix it in the mix” um die Aussage, dass man Fehler, die bei der Aufnahme entstanden sind UND DIE DIE KÜNSTLER UND AUDIO-ENGINEERS STÖREN, nicht im Nachhinein optimal behoben werden können.
Wenn eine Band, ein Produzent oder der Engineer meinen, dass der Sound so passt, wie er aus der DAW kommt, dann fällt der Satz “we’ll fix it in the mix” gar nicht!
Der Satz wird nur dann richtigerweise ausgesprochen, wenn es um die Abmsichungsverhältnisse geht NICHT um die AUFNAHME!
Und zum Thema “Punkrock” bzw, “Grunge”: Das Garage-Feeling wurde seit den Sex-Pistols schon ganz bewußt in den Mix eingebaut, dem Sounddesign des Punk wurden ganze Abhandlungen gewidmet und massenweise gerade im kommerziellen Bereich in Tonstudios umgesetzt.
Sicherlich gibt es immer wieder Aufnahmen, die durch eine neue Färbung in der Mischung auffallen. Und das ist auch alles wichtig und richtig.
ABER es geht bei diesem Thema um bewusst wahrgenommene Unzulänglichkeiten, die man nicht im nachhinein retten kann, wenn man das will.
08. Feb 2010 | 13:20 Uhr
Ich möchte mich der Meinung von thanassis anschliessen und hinzufügen, dass die Art und Weise wie Musik heut zu Tage wahrgenommen und vor allem beurteilt wird ungerecht ambivalent.
Es gibt nur wenige Leute, die Musik richtig hören. Sich Zeit dafür nehmen.
Die meiste Zeit läuft Sie irgendwo im Hintergrund, trällert aus dem Radio
oder wummert in der Disco.
Vor allem bei der kommerziellen Vermarktung von Musik geht es kaum um diese! Vielmehr steht die Show im Vordergrund.
Und trotz dem die Musik nicht mehr so einen vordergründigen Stellenwert hat, erwarten alle, dass Sie perfekt sein muss, 100% genau, in anderen Worten nicht so wie ein Mensch Sie in Wirklichkeit vorführen würde. Darum geht es auch gar nicht.
Die breite Masse will nicht wissen wie es wirklich ist, vielmehr will Sie etwas vorgespielt bekommen. Weil die Wahrheit einfach nicht “spektakulär” nicht “perfekt” genug ist.
08. Feb 2010 | 16:43 Uhr
@Ham
Sehr schön gesagt. Die “breite Masse”, also der “Durchschnittskonsument” hochkommerieller Musik will ja auch nicht wissen, wer er/sie selbst ist. Man strebt nach dem, was die Hiphop-Gansta-Millionäre bei MTV haben und zu sein scheinen. Will ich auch! Marmorpalast, mehrere Mädels, fette Karre. Werd ich halt Hiphop-Star oder notfalls Zuhälter.
Trotzdem, obwohl wir da die perversen Auswüchse einer gnadenlosen Kommerzialisierung und Verkünstlichung erleben, gibt es die fragwürdige Idee “Fix it in the Mix” schon länger als es Timbaland und Rihanna gibt.
Und auch abseits von Boom-boom-ca$h-Hiphop gibt es die Herausforderung, ein musikalisches Ereignis möglichst prägnant und aufgeräumt einzufangen. Die Grenze zwischen “natürlich” und “künstlich” ist dabei fließend. Ist es vielleicht “natürlich”, dass der Gesang mittels Mikro so laut gemacht wird, dass er mit Drums und E-Gitarren konkurrieren kann? Eigentlich nicht.
Noch ein Gedanke: Auch bei einer rein akustischen Aufnahme kann es entweder ordentlich oder nach “Homerecording” klingen. Sämtliche von Carlos im Artikel aufgeführten “typischen Fehler beim Aufnehmen” können (theoretisch) auch bei Max Raabe passieren und nicht nur bei sog. “Musik”, die in Wirklichkeit nur der totkomprimierte Soundtrack für eine “Tittytainment”-Verkaufsshow ist.
12. Feb 2010 | 15:39 Uhr
“Equalizing oder Kompression bei der Aufnahme”
Hmmm also jeder der schon bei der Aufnahme z. B. von Vocals komprimiert, macht einen Fehler? Wenn es gut klingt und der Kompressor richtig eingestellt ist, wäre es dann deiner Meinung nach trotzdem ein Fehler?
12. Feb 2010 | 17:59 Uhr
Hallo Hector…eigentlich gibst Du dir schon selbst die Antwort.
Wie kann etwas, das gut klingt, ein Fehler sein? Eben. Gemeint sind Einstellungen, die dem Instrument schaden. :)
13. Feb 2010 | 14:48 Uhr
Genau darauf wollte ich nur aufmerksam machen ;). Nicht das jemand aufgrund der Fehlerliste glaubt, dass Equalizing und Kompression schon bei der Aufnahmne generell ein Fehler ist. Falsches Equalizing und falsche Kompression natürlich schon.
Grüße
08. Mrz 2010 | 21:41 Uhr
Also Ich selbst nehme auch über mein Notebook auf, über die Qualität lässt sich aber streiten.
Jedoch bin Ich sehr kleinlich, und wenn sich ein Fehler einschleicht – egal ob bei der Gitarre oder dem Gesang – breche ich die Aufnahme sofort ab und beginne von vorne.
Ich finde das Feeling welches man später hören kann geht verloren wenn man immer nur einzelne Passagen aufnimmt.
Aber am schlimmsten finde ich es wenn man Fehler macht und dann nicht entfernt, denn das wirft zuviel schlechte Kritik auf, und mal ganz ehrlich: welcher kleine Musiker kann es so zu einer üppigen Auslastung an Auftritten schaffen?
12. Apr 2010 | 21:11 Uhr
Hmmm, mir passiert es manchmal, dass ich so manche Spur dann während der Aufnahme schon so perfekt hinbekommen will, dass ich das “Große Ganze” aus den Augen verliere.
Vielleicht ist es auch richtig, erst mal alles ins Grobe zu produzieren, und dann sich später nochmal vor dem Endmix dranzusetzen.
12. Apr 2010 | 21:14 Uhr
Jeder muss seinen eigenen Weg finden und seinen eigenen Ablauf, ganz klar. Das “Grosse Ganze” im Auge zu behalten ist überhaupt der beste Tipp, den man Musiker geben kann. Ich wünschte, ich würde mich auch öfters daran halten :)