Der Weg zu professionellen Vocalaufnahmen

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Der Weg zu professionellen Vocalaufnahmen

Wenn Du hervorragende Vocals auf kommerziellen CDs hörst, dann ist es nur wahrscheinlich, dass in jeder einzelnen Stufe des Recording-Prozesses höchste Sorgfalt an den Tag gelegt wurde und dass sehr erfahrene Toningenieure und Musik-Produzenten durchweg am Werk waren. Die Fragen nach den richtigen Effekten oder dem korrekten Einsatz eines EQs sind zwar durchaus gerechtfertigt, beleuchten aber nur einen kleinen Teil der Schritte auf dem Weg zu professionellen Vocalaufnahmen.

Zunächst gilt es, mögliche Problemzonen in unserem Recording-Prozess durch die Analyse der hierfür erforderlichen Schritte zu finden. Erst danach können wir neue Strategien und Tricks für das Recording von Vocals entwickeln.

Bessere Vocalaufnahmen Schritt 1: Die Quelle

Der Klang einer Stimme, also die Technik und der Tone, sind entscheidend für die Vocalaufnahmen. Man darf nicht vergessen: Singen ist eine Kunst und einige, wenige Stunden Stimmbildung können zwar ungemein helfen, werden aus Dir aber sicher keine zweite Whitney Houston machen. Ein Sänger (oder Rapper) sollte immer das Beste im Studio geben und sich dazu vor den eigentlichen Vocalaufnahmen aufwärmen. Das Aufwärmen der Stimme hilft gleichzeitig auch, konsistente Vocals aufzunehmen.

Die Entfernung des Sängers zum Mikrofon ist natürlich ebenfalls sehr wichtig und sollte passend zur Stimmung des Songs und zur Stimme der Sängerin gewählt werden.

Bessere Vocalaufnahmen Schritt 2: Das Mikrofon

Die Toningenieure der best-klingenden CDs nutzen wahrscheinlich alte Vintage Mikrofone wie das Neumann U47, AKG C12, Telefunken oder auch andere exotische Mikrofone, die für die meisten nicht bezahlbar sind – sofern es sie überhaupt noch zu kaufen gibt. In seltenen Fällen kommt es auch schonmal vor, dass profanere Mikrofone genutzt werden, Artikel hierzu finden sich immer wieder in einschlägigen Magazinen.

Der entscheidende Faktor bei der Wahl des Mikrofons ist Dein Budget. Wenn Du ein Künstler auf der Suche nach einem Plattenvertrag bist, dann ist das Mikrofon bestenfalls noch zweitrangig. Wichtiger ist hier Deine Vocal-Performance. Wenn Du aber ein Musik-Produzent bist, ist ein gutes Mikrofon (und damit auch der Klang der Vocals) essentiell. Als Besitzer eines Tonstudios dürfte die Zahlungsbereitschaft Deiner Klientel entscheidend für die Wahl eines Mikrofons sein.

Bessere Vocalaufnahmen Schritt 3: Preamp, EQ & Kompressor

Auch hier gilt, dass in kommerziellen Top-Produktionen sicher nur die créme de la créme an Equipment genutzt wurde: Neve, UREI, Teletronix, DBX 160A und natürlich auch neuere Röhreneinheiten wie Millennia, Prism, Avalon, GT, API oder Manley. Die Auswahl des geeigneten Equipments ist von denselben Kriterien wie auch die Wahl des Mikrofons abhängig.

In Sachen Kompression nutzen viele Toningenieure die neuen Möglichkeiten zur Automation (früher wurde dies manuell gemacht) und verzichten gänzlich auf den Einsatz von Kompressoren. Durch diese Technik wird die Dynamik der Vocal-Performance erhalten.

Bessere Vocalaufnahmen Schritt 4: Die Abhöre

Erstaunt? Die Abhöre ist essentiell. Die besten EQs und Kompressoren bringen nichts, wenn man nicht hören kann, was man mit ihnen einstellt. Zur Abhöre zähle ich jetzt hier ausnahmsweise mal nur die Studiomonitore an sich und verzichte auf eine verlängerte Erörterung des Einflusses eines Regieraums auf die Abhörsituation, genau wie ich auch den Aufnahmeraum oben außer Acht gelassen habe.

Gute Studiomonitore sind zwar nicht billig, aber sparen würde ich eher an anderer Stelle.

Hier geht es weiter mit dem Artikel Der Weg zu professionellen Vocalaufnahmen

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Lesermeinungen (10)

zu 'Der Weg zu professionellen Vocalaufnahmen'

  • klaus denker   18. Feb 2008   18:12 UhrAntworten

    Hi

    Ganz wichtig: auf Zischies (SSS - Zischlaute) achten bzw. nicht
    entstehen lassen. Kopf seitlich wegdrehen oder Kaugummi benutzen.
    So ganz bekommt man diese Fieslinge wohl nie raus.

    Vllt. hat da noch jemand Tipps.

    Gruss, Klaus

    • Julian   05. Feb 2015   10:18 UhrAntworten

      Da kannst du in der DAW einfach einen de-esser draufknallen ... der filtert die hohen Frequenzen von den besagten "Zischlauten" heraus: http://www.delamar.de/freeware/sleepy-time-dsp-lisp-20114/

      Wenn die Möglichkeit besteht, wäre sicher besser schon beim analogen Signal die Zischer wegzulassen, aber es gibt Sänger, die das einfach nicht verstehen wollen oder es nicht hinkriegen. Dann muss man halt in der digitalen Ebene was tun.

  • carlos (delamar)   18. Feb 2008   21:03 UhrAntworten

    Dieses Spielen mit dem Mikrofon habe ich mal großzügig unter Vocal Performance geführt.

    Aber wenn Du Tipps zum De-Essing suchst, dann lies vielleicht mal das hier: De-Essing

  • al bass   27. Mai 2008   14:35 UhrAntworten

    ...vielleicht sollte man schon sagen das auch grade der raum ne rolle spielt...also
    ich meine jetzt nicht einen ausgemessenen raum der optimiert ist.....das kostet ja grad am anfang zuviel für die meisten....aber man sollte schon drauf achten das es relativ ruhig is....ich habe es oft erlebt das jungs zu mir kommen (vor allem die hiphop-fraktion;)) und mir vokalaufnahmen geben wo ich schon hören kann wieviele leute mit im raum waren....schönstes erlebnis war das jemand vor der kabine telefoniert hat und man das auf der aufnahme noch hörte....geht halt garnicht....ich find auch die leute witzig bei denen man die aussengeräusche gut hören kann....z.b. die beats aus der abhöre....achtet drauf das auch wirklich nur die stimme drauf is...und nicht die des nachbarn;)

    ps: auch geschlossene kopfhörer leisten einen tollen beitrag;)

  • XitriX   31. Jan 2010   17:44 UhrAntworten

    naja. in professionellen studios werden eigentlich immer halbgeschlossene headphones benutzt. ist ja letztendlich auch egal, wenn da ein minimales signal der kopfhörer ins mic einstreut. vermischt sich dann ja eh mit der musik.

    sehr wichtig ist aber auf jeden fall ein popschutz. ich habe es schon erlebt, dass ein teuer ausgeliehenes neumann mic nicht zu benutzen war, weil ich keinen popschutz hatte.
    das war ärgerlich, aber wie jeder weiß tuts da eine normale nylon strumpfhose über einen abgeschnittenen plastikblumentopf o.ä.

  • Lukas   01. Mrz 2010   16:20 UhrAntworten

    erklärung und beispiele sind hier top genannt muss ich erlich sagen ich mache seit einem jahr sprechgesang (rap hip hop) aber habe trotzdem große probleme meine vocals so hinzubekommen das es sich in meinen ohre gute anhört! liegt meines erachtens nicht an meinem Rap da ich bald mene zweiten auftritt haben werde. ich habe en euqipment das im internet eher lobens wert ist aber trotzdem höre ich vocals von anderen usern mit schlechterem equipment das sich aber besser anhört wie ich fände es wäre toll wenn hier einem individuell geholfen werden könnte ich würde mich sehr freuen!

  • ingo   01. Mrz 2010   16:33 UhrAntworten

    was hast du denn für ein mic? und wie nimmst du im allgemeinen auf? benutzt du die richtigen kompressoreinstellungen, EQ usw. ???

  • Jay   22. Jul 2011   16:35 UhrAntworten

    'ich mache seit einem jahr sprechgesang (rap hip hop)...liegt meines erachtens nicht an meinem Rap da ich bald mene zweiten auftritt haben werde.'

    grandios! :-D

  • pascal   04. Sep 2014   21:00 UhrAntworten

    hoi carlos

    kann mich nicht zwischen neumann u87 und tlm 103 entscheiden, hast du einen tipp dazu?

    zudem müsste ich noch ein komerzielltaugliches interface haben (budget bis ca. 1000.-) kannst du mir was empfelen?

    • Felix Baarß (delamar)   04. Sep 2014   22:06 UhrAntworten

      Hallo Pascal,

      ich erlaube mir mal, für Carlos zu antworten (er ist noch im Urlaub). In Sachen Audio Interface können wir nun nach intensiver Erfahrung aus unserem Redaktionsstudio das RME Fireface UCX wärmstens empfehlen. Wenn dir die Anzahl der Inputs/Outputs und die sonstige Ausstattung reicht, wirst Du für den aktuellen Straßenpreis von 969,- Euro (inkl. MwSt.) aktuell wenig/nichts besseres finden. Das Ding hat uns noch nie im Stich gelassen.

      » http://www.delamar.de/test/rme-fireface-ucx-testbericht/

      Gruß,
      Felix

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