Der richtige Sound für House & Trance Hymnen

Der richtige Sound für House & Trance Hymnen

House- und Trancemusik sind seit Jahrzehnten aus der tanzenden Clubszene nicht mehr wegzudenken. Künstler wie Tiësto oder David Guetta feiern internationale Erfolge und kooperieren mit internationalen Topstars aus dem Bereich Pop wie Kelly Rowland oder Nelly Furtado. Natürlich verfügen beide oben genannten Produzenten über ein voll ausgestattetes Studio, das sicherlich auch eine Menge Geld gekostet haben wird. Aber auch Du kannst mit einem kleinen Budget, deiner DAW (Digital Audio Workstation) und einer harmonischen Auswahl von VST-Plugins epische Soundwelten erstellen, die dem Klang erfolgreicher Dancemusik sehr nahe kommen – wenn nicht sogar toppen.

Ich möchte dir in diesem Artikel einige VST-Plugins vorstellen, die für das Producing von House, Dance, Trance und eben elektronischer Musik geeignet sind. Die meisten Plugins sind dir vielleicht sogar schon bekannt, denn wir haben sie hier auf delamar fast alle schon vorgestellt. Wenn Du der neue Paul van Dyk werden möchtest, dann findest Du in diesem Artikel einen guten Ansatz und – den richtigen Sound.

Im Artikel wird es darum gehen, aus welchen Bestandteilen ein Trance Track besteht (das gilt auch ganz ähnlich für House und andere elektronische Musik) und welche Sounds Du hierfür benötigst. Später kannst Du dann noch unsere Artikel zu den Themen Mixing und Mastering lesen, um dem Song noch den nötigen Feinschliff zu verpassen.

 

Drums
Gefühlte 99,9% aller Tracks aus elektronischen Musikgenres nutzen die typischen Sounds der Roland TR-909 oder eine leicht abgewandelte Variante davon. Der analoge Drumsynthesizer erschien 1983. Drums und Snare wurden bei der TR-909 analog generiert, die Hihat war ein Sample in 6-bit (welche Zeiten). Der Drum Computer zeichnete sich durch eine extrem knackige Kick Drum aus, die z.B. sehr deutlich bei dem Song “Pump up the Jam” der Formation Technotronic im Jahre 1989 zu hören war.

Ebenfalls sehr typisch für die TR-909 sind die treibenden HiHat-Sounds, die ebenfalls bis heute in unzähligen Produktionen verwendet werden. Musste man in den 90er Jahren noch etwa 2.500,- DM (!) für den Kauf einer echte Roland TR-909 hinlegen, die nicht einmal MIDI-fähig war, so findest Du heutzutage zahlreiche kostenlose Sample-Pakete mit den Sounds des Drum Computers. Natürlich hat sich die Tanzmusik weiterentwickelt und die Klänge werden nun in allen möglichen Variation und Abweichungen verwendet.

Die HiHats im Trancebereich werden aber vor allem vom Vorgängermodell der TR-909 generiert: Der Roland TR-808. Diese war ein rein analoger Synthesizer und hatte sehr eben diesen interessanten Klang bei den HiHats. Auch die Kick Drum, die mit einem langen Delay ausgestattet werden kann (macht dann so booooom), ist sehr typisch für die TR-808 und wurde unter anderem auch sehr gerne im HipHop eingesetzt.

Hier ist ein kostenloses VST-Plugin, das dir einige Sounds der Roland TR-808 und TR-909 bietet: Drumatic VE
Wenn deine DAW ReWire unterstützt, dann solltest Du dir unbedingt noch Propellerhead ReBirth 338 anhören. Der Download wird allerdings erst nach einer Registrierung möglich.

 

Bass

Für den richtigen Sound bei den Drums sind wir nun gewappnet. Jetzt kommen wir zur nächsten Spur, die in den elektronischen Musikstilen wirklich wichtig ist: Der Bass. Natürlich bietet sich für den Bass analoger Synthesizer an oder wer etwas mehr Old-School arbeiten möchte, kann sich an den Sound der Roland TB-303 halten. Es gibt zahlreiche virtuell analoge Synthesizer für die VST-Schnittstelle, die heute einen Klang erzeugen können, den vielleicht niemand mehr vom Original unterscheiden wird können.

Neben kommerziellen Lösungen wie zum Beispiel G-Sonique’s Alien 303, bietet sich zum Beispiel auch der oben erwähnte Propellerhead ReBirth an. Diese Software, die sich über die ReWire Schnittstelle in deine DAW einbinden lässt, hat nicht nur eine komplette TR-808 und TR-909 an Bord. Hier finden sich gleich zwei TR-303 Emulationen, deren Sound wirklich hervorragend ist. Darüber hinaus kann ich dir noch den Orbiton Thee-O-Three empfehlen, der seine Arbeit ebenfalls sehr gut verrichtet.

 

Streicher und Pads
Der epische Klang typischer Tranceproduktionen aus unserem Nachbarland Holland stammt aber von den Streichern – diese sind praktisch unerlässlich. Teilweise klingen Songs von Armin v. Buuren oder Tiësto so, als wären die kompletten Wiener Philharmoniker mal eben ins Studio gekommen um ein wenig zu jammen. Auch wenn die Top-Dance-Acts sich das vermutlich sogar leisten könnten. Die meisten Streicher stammen aus dem Rechenknecht im Tonstudio und werden von Sample-Libraries oder mehr oder wenig komplexen Synthesizern generiert. Ein komplettes Symphonieorchester mit einem sehr schönen, warmen Klang findest Du beim Garritan Orchestra. Allerdings ist das VST nicht gerade das, was allgemeinhin als preiswert bezeichnet würde. Es gibt aber auch Alternativen.

Du kannst zum Beispiel den kostenlosen SFZ von RCG-Audio benutzen. Dies ist ein Softwaresampler für so genannte Soundfonts (SF2). Natürlich darfst Du nicht erwarten, dass diese Soundfonts gleich episch wie ein Garritan klingen. Aber begeisterte Mitmusiker stellen auf Webseiten wie sf2midi.com teilweise sehr hochwertige Soundfonts zum Download bereit. Für meine eigenen Produktionen greife ich immer mal wieder auf VST-Plugins von DSK zurück.

 

Lead-Sounds

Der Lead-Sound ist in den meisten Produktionen der Klang, der die Melodie, den Hook oder das trägt, was man im konventionellen Songwriting als Chorus (Refrain) bezeichnen würde. Oftmals werden für die Leads viele Layer aus einfachen Sägezahnsounds genutzt, die mit einem Reverb und/oder Delay angereichert werden. Die Leads wurden früher immer von analogen Synthesizern generiert, sehr typisch ist auch die extreme Breite bei der Platzierung im Stereopanorama.

Es sind diese Lead-Sounds, bzw. deren Melodie und Phrasierung, die den Track einzigartig machen. In modernen Tranceproduktionen werden für diese Sounds gerne der ReFX Vanguard oder auch der Tone2 Firebird genutzt. Auch der ReFX Nexus wird hin und wieder verwendet, wobei es sich bei diesem Instrument um einen so genannten Rompler handelt (die Sounds bestehen aus Samples im ROM-Speicher, die aber nicht wie bei einem Sampler ausgetauscht werden können).

Im Freewarebereich sind der Superwave P8 oder die Beta-Versionen des Audjoo Helix zu nennen. Die Sound aus diesen virtuellen Instrumenten können durchaus mit der nötigen Präsenz dienen und setzen sich gut gegen die Streicher/Strings durch.

 

Letzte Gedanken zum richtigen Sound für deine Trance-Hymne

Mit diesen Tipps sollte es dir möglich sein, den typischen Aufbau eines Trance Tracks nachzubauen: Einige Takte Beats im 4 to the Floor Style, dann ein harter Break, nach welchem Strings und Pads einsetzen. Die Drums setzen wieder ein und der Lead-Synthesizer spielt die Hauptmelodie (den Lead) mit einem knackigen Sound.

Du siehst, dass die Sounds auch mit geringem finanziellen Aufwand machbar sind. Natürlich sind kommerzielle Plugins oftmals klanglich hochwertiger und – was vielleicht noch viel wichtiger ist – sie können dir viel Arbeit durch die integrierten Effekte und Presets abnehmen. Freewarelösungen sind aber eben das, was sie sind: kostenlos und zumeist sehr spezialisiert.

Du findest noch etliche weitere kostenlose Instrumente und Effekte in diesen Artikeln, die auf delamar erschienen sind:

Free VST Plugins – Eine Menge handselektierter kostenloser Instrumente und Effekte
Topp VST Plugins – Drei umfangreiche Sammlungen mit kostenlosen Plugins
Kostenlose Audio Plugins für den Mac und kostenloses Reverb für den Mac

Lesermeinungen (7)

zu 'Der richtige Sound für House & Trance Hymnen'

  • dj Putin
    25. Nov 2009 | 18:57 Uhr Antworten

    also ich finds schön, dass man solch einen punkt mal angesprochen hat und probiert was daraus zu machen- und ich weiß, dass man in einem solch kurzen abschnitt natürlich nicht alles nieder schreiben kann, was man so zum besagten thema weiss.
    aber irgendwie fehlt mir der punkt, wo ich mir als electro/house- musiker sage “hey… das kannte ich noch nicht, das werd ich ausprobieren!”
    also entweder man stellt geile (u.U kostenlose) synthies vor oder man erklärt genretypische abläufe und zb einen aufbau, der für das jeweilige genre typisch ist.
    mir fehlt noch ein bisschen das fachwissen, was den WOW-effekt bringt, wodurch man sich selbst hinsetzen will und was probieren will, weil man vllt gelesen hat, was man so falsch macht oder was man besser machen könnte.
    aber dennoch danke für deinen input, das hilft einem immer weiter :)

    • Thomas “thommytulpe” Nimmesgern
      21. Mai 2011 | 14:18 Uhr Antworten

      Hallo!

      Nun, _ich_ fan den Artikel schon echt interessant. Zwar hab’ ich davon auch einiges gewusst + gekannt (zum Beispiel Rolands Drumcomputer oder Drumatic VE), aber als Übersicht find’ ich den Artikel gelungen – da wird immerhin übersichtlich vieles dargestellt, was man in dieser Musikrichtung brauchen kann.

      Mir fehlt eine genauere Beschreibung nicht unbedingt (is’ jedenfalls meine Meinung). Ich seh’ das so:
      — Wenn Du schon etwas länger in diesem Genre unterwegs bist, dann kennst (zumindest einigermaßen) die Songstrukturen oder den typischen Spannungsbogen innerhalb solcher Stücke – deswegen isses nicht schlimm, wenn das nicht erwähnt wird. Gerade wenn man sich schon etwas auskennt und das selber machen will, isses echt hilfreich, dass hier einige Plugins erwähnt werden, mit denen man arbeiten kann; nicht nur dass, auch einige grundlegende Klänge werden beschrieben (wie etwa die 909), die man nachbauen kann (909-ähnliche VSTis oder -Samples beispielsweise gibt’s an jeder Ecke).
      — Wenn Du mit dieser Musikrichtung erst anfangen willst, dann sind gerade die erwähnten Plugins und grundlegenden Klänge _sehr_ hilfreich, denn damit kannst Du zumindest mal einen 08/15-Song aufbauen. Wenn Du dann weiter in die Materie eintauchen willst, bleibt Dir eh nix anderes übrig, als Dir Lieder dieser Musikrichtung anzuhören und auf typische Ideen zu achten, bis Du Deinen eigenen Stil + Klang gefunden hast. So gesehen, find’ ich’s auch nicht so schlimm, dass man die “genretypischen Abläufe” nicht erklärt hat. (Außerdem kannst Du ja Deinen ganz eigenen Strukturen + Ideen entwickeln – das macht Dich dann zum richtigen Künstler.)

  • Wirgefuehl
    25. Nov 2009 | 19:18 Uhr Antworten

    Also die Idee, einen solchen Artikel zu schreiben, finde ich großartig! Insbesondere für Anfänger ist das eine riesen Hilfe. Hätte ich mir vor 2 Jahren gewünscht :-)
    Dankeschön

  • Marc Shake
    25. Nov 2009 | 20:39 Uhr Antworten

    @DJPutin: Wie du selbst ja schon schreibst ist es tatsächlich unmöglich, ein komplettes Tutorial zu verfassen, indem der gesamte Aufbau beschrieben wird. Die Intention hinter diesem Artikel war tatsächlich, den Leuten klar zu machen, dass es extrem viele Plugins gibt, die (semi-)professionelle Sounds ermöglichen. :)

    Es ist ja so, dass man gerade als Anfänger erstmal die geilen Sounds hört und sich fragt: “Wo kommt das her? Wie machen die das? Muss ich jetzt ins Studio?” – Bis vor 5 Jahren hätte man sich nen teuren Korg, ein noch teureres Mischpult und alle möglichen Effektgeräte kaufen müssen, um wenigstens ansatzweise nur den Hauch von so nem Sound zaubern zu können. Mittlerweile gibt’s soviele talentierte VST-Programmierer, die sehr geile Sounds einfach so auf den Markt ballern.

    Es war mir ein Bedürfnis, einfach mal nen groben Überblick zu verschaffen, dass sowas möglich ist :)

    Ich werde aber deinen Ansatz nochmal überdenken und tatsächlich mal den kompletten Aufbau schematisch durchgehen und aufdröseln, wie man selbst nen Knallersong basteln kann, versprochen :)

    @Wirgefuehl: Freut mich :)

  • Daniel
    13. Feb 2011 | 18:13 Uhr Antworten

    gibts denn den Artikel zu dem Aufbu eines Knallersongs schon ?? :)

  • Sogyra
    09. Apr 2011 | 19:36 Uhr Antworten

    Würd´ mich auch interessieren ;)

    • Marc Shake
      18. Mai 2011 | 16:50 Uhr Antworten

      Wenn ich nen Knallersong bauen könnte, hätte ich doch Personal zum Schreiben meiner Beiträge :)

Sag uns deine Meinung!