Der “Pro”-Sound – Teil 1

Der “Pro”-Sound – Wie deine Aufnahmen professionell klingen Teil 1

Die Einarbeitung in die Musikprogramme fällt den Meisten auch nicht besonders schwer und schnell sind die ersten Songs fertig aufgenommen und abgemischt. Im direkten Vergleich mit professionellen Produktionen aus dem Plattenladen möchten diese dann aber oftmals nur wenig lebendig und insgesamt einfach nicht ganz so glamorös wirken.

Und dann beginnt für Viele das große Rätselraten, wie man den oft zitierten “Pro”-Sound, die professionelle Produktion, erreichen kann.

Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die dazu führen, dass kommerzielle CDs so gut klingen, wie sie es im Regelfall tun. Im ersten Teil der “Pro”-Sound-Reihe möchte ich euch ein Gefühl dafür geben mit welchem Aufwand professionelle Produktionen erstellt werden – jene mit denen man seine heimischen Produktionen so vorschnell vergleicht.

Fangen wir mal ganz vorne bei der Kreation eines Popsongs für ein fiktives Popsternchen an: der Komposition. Nicht selten kommt es vor, dass professionelle Songwriter engagiert werden, um die Musik für das Popsternchen zu schreiben. Menschen, deren täglich Brot darin besteht, einen Song nach dem anderen zu schreiben und dies nicht zuletzt auch genau deswegen besonders gut können.

Welche Songs auf dem Album unseres Popsternchens landen entscheidet der zuständige A&R des Labels, bei dem das Sternchen gesignt ist. In den meisten Fällen sogar ein ganzer Stab von Angestellten des Labels, und je nach Bekanntheitsgrad auch der Künstler selbst. Bei der Auswahl der Songs achtet man neben Hit-Qualitäten auch darauf, dass Inhalt und Form sich mit dem Künstler vertragen.

Jetzt kommt der Arrangeur und / oder der Produzent ins Spiel. Alleine oder zusammen wird ein passendes Arrangement und eine abwechslungsreiche Songstruktur gefunden.

Die Studiomusiker spielen nach Anweisungen des Produzenten ihre Parts in mühevoller Kleinarbeit tagelang, manchmal sogar wochenlang ein. Jeder Part muss perfekt sitzen und den richtigen Sound haben. Hier suchen Produzent und Recording-Tontechniker nach der richtigen Kombination von Instrument, Mikrofon, Effekten, Verstärker, Aufnahmeposition etc. Schliesslich singt unser Popsternchen den Song ein.

Je nach Budgetgrösse und Bedarf kann es schonmal vorkommen, dass ein eigener Tontechniker angestellt wird, um aus den vielen einzelnen Takes eine perfekte Spur zusammenzuschneiden. Die fertigen Spuren werden anschliessend an einen Tontechniker weitergegeben, der diese zusammenmischt.

Der fertige Mix wird nach der Absegnung durch das Label bzw. durch den A&R in einem weiteren Bearbeitungsschritt an einen so genannten Mastering-Engineer gegeben. Im Masteringstudio wird der Song einersets ein letztes Mal poliert, andererseits auch für das Vervielfältigen (das eigentliche Mastering) vorbereitet: das Master erstellt.

Soweit das musikalische Entstehen unseres Songs für das fiktive Popsternchen. Bis dato waren in unserem Fall folgende Leute beteiligt: Songwriter, Studiomusiker, Popsternchen, Aufnahmetechniker, Tontechniker zum Schneiden, Arrangeur, Produzent, Mischer, Masteringingeneur und natürlich noch ein A&R und die anderen vom Label.

Vielleicht behaltet ihr das alles im Hinterkopf, wenn ihr das nächste Mal eure Songs mit denen auf kommerziellen CDs vergleicht auf der Suche nach dem “Pro”-Sound. Das soll alles nicht heissen, dass es nicht erstrebenswert oder gar erreichbar sei, eine tolle Produktion hinzuzaubern, die sich mit professionellen Maßstäben messen ließe. Nein! Es soll euch nur verdeutlichen, mit was bzw. welcher Menge an Feinschliff ihr eure eigenen Produktionen vergleicht.

Im nächsten Teil der Reihe wird es um Hardware und Performance vor dem Mikrofon gehen.

Lesermeinungen (13)

zu 'Der “Pro”-Sound – Teil 1'

  • Sascha
    02. Nov 2008 | 08:42 Uhr Antworten

    Der Wendler macht alles selbst!

  • Dirk Meyer
    03. Nov 2008 | 17:03 Uhr Antworten

    Zu diesen Thema darf ich sagen, dass ich auch alles selbst mache! Sprich: Komponieren, Songwriting und Produktion.
    Wen Deutschrock interessiert muss mich hören!!!…:-)))

    Auf meiner Homepage habt ihr die Gelegenheit kostenlos in meine Songs rein zu hören.

    Gruss
    Dirk

  • hptay
    03. Mrz 2009 | 14:54 Uhr Antworten

    Von wegen Wendler macht alles selbst…da lief im Fernsehen eine Doku über den Tontechniker der ihm die Sachen komponiert, seine Texte “vervollständigt”, harmonische Wendungen “vervollständigt”,
    ihn beim einsingen coacht, seinen Gesang korrigiert und schneidet,
    das ganze Arrangement macht.

    Das Team um systems-in-blue.de/ hat z.B den kompletten “Dieter Bohlen” Sound produziert, Bohlen war nur der antreibende wirtschafltliche Faktor.

    Zurück zum Thema, allein das Schneiden eines Vocal parts dauert bei Profis Stunden (pitch correction noch nicht eingerechnet), die Lautstärken werden in fitzelarbeit per Hand auf jede Silbe gelegt,
    Konsonanten abgeschwächt, Vokale betont, aus der 4. Aufnahme ein Anfangsbuchstabe rangeklebt,
    einzelne Silben um sekundenbruchteile verschoben,
    für den normalen Hörer nicht bewusst hörbar, aber im A-B Vergeich
    kommt es “entspannter” “optimistischer” rüber.
    Das ist nach meiner Meinung mit ein Geheimnis eines Hits.
    Dazu gehört viel Erfahrung und Musikalität. Vielleicht gibt es deswegen
    bis heute kein Buch darüber.

  • Dominik
    04. Mrz 2010 | 19:06 Uhr Antworten

    Da kann man sich bei manchen Musikern/Sängern den Mund fusselig reden, über die Wichtigkeit von Details, von Genauigkeit, Weiderholbarkeit etc. – und dann kriegt man so Sprüche wie “Wir wollen das gar nicht so perfekt haben” oder “Ich mach das eben auf meine Art”. Arrrgh!

    Aber das ist ein leidiges Thema. Entweder man ist sich einig, was für ein Ziel man hat, wie professionell man es gerne hätte oder man lässt es gleich bleiben.

  • Sascha
    23. Apr 2013 | 10:40 Uhr Antworten

    Hallo Leute

    Ich bin neu hier und ihr könnt dann später auf Mir rumhacken. :)

    Hab mir eine Doku von J.J. Cale angeschaut und mal wieder feststellen müssen, das es wirklich auf die Songs, das Arrangement, Erfahrung und den jeweiligen Zeitpunkt ankommt ( Verfassung, Stimmung des Musikers, oder auch Magie) wann der Song aufgenommen wird.
    Cale behauptet auf sämtliche Produktionsmätzchen zu verzichten die er früher gemacht hat. Jetzt mal davon abgesehen das er einen Toningenieur hat, legt er selbst immer noch Hand an beim Mix. Typisch ist ja seine gewollt hörbare Dopplung der Stimme die meist sehr am Ohr klingt.

    Ich finde es großartig das es diese delamar Seite hier gibt, und Musikern Mut gemacht wird ihre Ideen efeltiver aufzunehmen und ihre Sounds zu verbessern.

    Ich möchte hiermit sagen das gute Songs egal wie sie aufgenommen sind, die Zeiten überdauern da sie etwas zu erzählen haben ob melodisch oder lyrisch. Hast Du ne Story hört man Dir zu.

    Gute Beispiele sind die Küchenaufnahmen von John Lennon auf der Anthology Box, Robert Johnsons Dachboden Session, Nick Drakes Aufnahmen mit zwei Großmembranern, Feist’s “the Park” Außenaufnahme in den berüchtigten Lafrette Studios oder Neil Youngs letzter Song (old laughing lady) ohne Publikum auf der Heart of Gold DVD. Die Leute haben etwas zu erzählen.
    Da kannste auch einen Kassettenrecorder aufbauen und es klingt trotzdem einzigartig.

    Natürlich kann man auch alleine im Homestudio rumhocken und mit tausend Plugins und Sandwitch Aufnahmen gute Ergebnisse erziehlen. Wenn Mann eine Aussage hat und ein spitzen Timing und Arrangierprofi ist und viel Zeit mitbringt. (Nicht jeder ist Prince oder Steve Wonder) Schöner ist es aber doch wenn man Ohren und Ideen teilen kann und mit anderen Mitmusikern alles gemeinsam einspielt. Es klingt immer interessanter und gibt dem ganzen eine andere dynamische Färbung.

    Selbst die Beatles können ja mit heutigen Soundansprüchen nicht mehr mithalten, klingen aber um Welten besser (nicht wegen analoger vintage perepherie und tollen abbey road Hallräumen) allein wegen ihres Arrangements und ihrer Ideen. Das läuft wie ein Zahnrad und darf auch mal klappern, das macht es erstmal interessant.

    Um meinem polemischen daher-Geschwafel einen Abschluss zu geben möchte ich zwei Leute erwähnen:

    Jack Rubin meint das um so mehr man in die Geschichte zurück geht immer weniger und einfachere Technik verwendet wurde (logisch) und das aber vielleicht das Geheimnis ist.

    Brian Wilson meint das dass Geheimnis eines guten Songs immer in einer einfachen Kindermelodie steckt.

    Grüße aus Irland Sascha

  • Trapaholiker
    21. Aug 2014 | 13:25 Uhr Antworten

    Hallo
    Ich nehme meine Vocals seit einieger Zeit alleine in meinen vier Wänden auf
    die Vocals klingen auch gut Sie sind klar ohne rauschen oder sonst irgendwas
    nach dem aufnhemen setze ich einen High-Pass filter ein und hebe die höhen bisschen an für mehr Glanz
    gelegentlich nutze ich noch einen Kompressor(voxengo)
    aber bei aller Mühe die ich in den Mix stecke meine Vocals wollen einfach nicht schön und briliant klingen :(
    zu meinem Equiptment
    mein Audio Interface ist das UR22 von Steinberg
    mein Mikrofon ist das AKG C3000
    und die Software Cubase 7
    bitte Hilft mit !!!

    • Skellington
      21. Aug 2014 | 14:13 Uhr Antworten

      Es ist natürlich unmöglich, ohne Hörbeispiele etwas konkretes zu sagen, aber: wenn Vocals an sich vernünftig klingen, dann ist alles andere wie Mikro etc. eigentlich Nebensache. Da spricht man dann über die letzten 10 bis 20%, die es noch besser klingen könnte, wenn man statt eines günstigen Mikros ein teureres hätte.

      Also, wenn du das Gefühl hast, dass es “einfach nicht schön klingt”, ist es nicht unwahrscheinlich, dass das Signal an sich schon nicht so gut ist.

      Zum Thema “gelegentlich einen Komporessor” – ich habe im Lauf der Zeit rausgefunden, dass Vocals meist sogar ziemlich viel Kompressor vertragen, um sich im Mix gut zu behaupten.

      Und meiner Erfahrung nach macht das tatsächlich in Sachen “professioneller Sound” eine Menge aus (wiederum: mehr als das Mikro), wenn die einzelnen Signale halbwegs stabil und konstant sind. Das schließt sich natürlich nicht mit “von vornherein vernünftig singen oder spielen” aus – die gemeinsame Zielsetzung ist hier wie da hohe Gleichmäßigkeit, und bei einem guten Signal braucht man hinterher meist weniger Kompressor.

  • Trapaholiker
    22. Aug 2014 | 14:47 Uhr Antworten

    wow vielen dank für die schnelle antwort!!!
    mit dem signal meinst du wohl das was in mein mikro reingeht oder?
    ich sollte mich dann wohl mal mehr mit den abständen zum mikro beschäftigen und die erste aufnahme erst starten wenn es von vornherein schon gut klingt…
    oder wie kann ich signale verbessern??

    • Skellington
      22. Aug 2014 | 22:29 Uhr Antworten

      Ja genau, mit “Signal” meine ich hier das eigentliche Klangereignis, wobei es ja auch missverstanden werden könnte im Sinne von “elektrisches Signal”.

      Was ein Signal “gut” macht, ist natürlich sehr komplex. Wie gesagt, eine gewisse Gleichmäßigkeit ist sehr wichtig, aber auf so simple Regeln lässt es sich nicht reduzieren. Manche Signale passen einfach gut in den Mix, andere nicht so. Es ist wichtig, das richtig einschätzen zu können, ehe man lange aufnimmt und dann hinterher noch länger am EQ rumschraubt und es passt und klingt trotzdem einfach nicht.

      Eigentlich kann man fast sagen: wenn man zu viel EQ benutzen muss, ist schon das aufgenommene irgendwie nicht ganz in Ordnung. Tiefen absenken, um geringen Mikroabstand (Nahbesprechungseffekt) auszugleichen würde ich noch als relativ unkritisch durchgehen lassen – manchmal ist es aus raumakustischen Gründen einfach besser, näher ranzugehen.

      Aber wenn du dich gezwungen siehst, 1.000 oder 2.000 Hz um 10 dB abzusenken, weil es sonst scheppert oder wahnsinnig Höhen reinzudrehen, damit es nicht so dumpf klingt, stimmt wahrscheinlich schon etwas mit der Gitarre / Stimme / Performance nicht.

      Am besten findet man so etwas natürlich durch probieren raus => Erfahrungswerte.

      Dies ist ein Erfahrungswert von mir: ruhig hin und wieder mal in Betracht ziehen, dass man an früherer Stelle etwas ändern muss, anstatt zu viel Zeit mit “Problemlösungen” zu verbringen. Manchmal bedeutet das, schon im Arrangement etwas ganz grundlegend zu verändern, zB weil es einfach zu voll ist und das, was eigentlich für “Power” sorgen soll, nur alles total zumatscht.

      Oder eine bestimmte Gitarre oder was auch immer einfach komplett rauszuschmeißen – oder im Gegenteil sehr exponiert stehen zu lassen und lieber alles andere stark auszudünnen. Aufräumen und neu anordnen bringt oft viel mehr (gerade auch an “Luft” und Transparenz) als die raffiniertesten Verbiegungen, Automationen und Edits.

      Und manchmal muss man halt leider auch einfach sagen: so wie das gesungen oder gespielt ist, wird es nicht funktionieren oder zumindest nicht so klingen, wie man es sich eigentlich vorstellt.

  • Trapaholiker
    25. Aug 2014 | 19:51 Uhr Antworten

    mhm..
    ist halt mega schade alles da wir musikalisch mithalten können nur sound-technisch nicht^^

  • Trapaholiker
    10. Sep 2014 | 16:53 Uhr Antworten

    hi ich wieder :D
    warum erzählt mir niemand was von einem stereo imager?:D
    naja mein problem habe ich in griff bekommen :p

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