Das kostenlose Desktop-Tonstudio – Teil 3: Die optionalen Effekte

Im letzten Teil der Artikelserie “Das kostenlose Desktop-Tonstudio” ging es darum geeignete Software für die Grundausstattung unseres virtuellen Tonstudios zu finden.

Wir haben die Treiber auf den neuesten Stand gebracht, ein Hostprogramm als Schaltzentrale bestimmt, sowie einen Equaliser (EQ), Hall, Kompressor, Limiter und einen Wave-Editor gesucht und gefunden.

In diesem dritten Teil werden wir noch einige zusätzlich Effekte für die VST-Plugin-Schnittstelle suchen.

Das kostenlose Desktop-Tonstudio – Teil 3: Die optionalen Effekte

Die Effekte, die wir suchen sind nicht dringend notwendig für das Funktionieren unseres virtuellen Tonstudios, aber sie können unserer Musik-Produktionsqualität erheblich verbessern.

Wir suchen also noch folgende Plugins:

  • Delay / Echo
  • DeEsser
  • Flanger, Chorus und Phaser
  • Gate
  • Overdrive / Distorsion

 

Delay / Echo

Für unsere Musik-Produktion suchen wir ein Delay, bei dem man den linken und rechten Kanal getrennt einstellen kann, denn das erleichtert uns den Spuren eine gewisse Eigendynamik mitzugeben.

Zusätzlich sollte die Delay-Zeit auf einfachste Weise zum Tempo unseres Songs synchronisiert werden können. Dies ist zwar nicht unbedingt notwendig, aber es erleichtert einem das Leben ungemein. Eine andere Möglichkeit wäre es natürlich, die Delayzeiten manuell mit einem Taschenrechner von bpm in Millisekunden (ms) umzurechnen.

Für dieses Tutorial empfehle ich zwei verschiedene Plugins. Das eine für die einfachen Tasks sollte sich leicht und schnell bedienen lassen und während das andere mit feineren Einstellungsmöglichkeiten für besonders wichtige Audiospuren, wie zum Beispiel Vocal-Aufnahmen oder Leadspuren, eingesetzt werden soll.

Delay 1

Das Voxengo Tempo Delay (aktuell in Version v1.8) erfüllt beide weiter oben genannten Kriterien. Alle wichtigen Einstellungen können getrennt für den linken und rechten Kanal eingestellt werden. Das Delay-Plugin bietet zudem noch einen Tremolo-Effekt und einen Filter, die sich beide als sehr nützlich erweisen können.

Die Delays können mit einem Balance-Regler frei im Stereopanorama gedreht werden und die Synchronisation zu einem bestimmten Tempo ist gegeben. Mit einem Multiplier können wir sogar Vielfache des eingestellten Tempos nutzen.

Die Oberfläche des Voxengo Tempo Delays ist leider etwas unübersichtlich, aber dafür ist es ja auch kostenlos im Internet erhältlich.

Delay 2

Das andere Delay-VST-Plugin. das ich ausgesucht habe, ist das MDSP Analog Delay von Smart Electronix. Es hat eine sehr übersichtliche Bedienoberfläche und bietet neben den üblichen Einstellungen für Delays noch einen Regler für Saturation, sowie einen Lowpass Filter.

Die Delayzeit kann mittels eines eigenen Drehreglers variabel zwischen zwei Werten gehalten werden, was den Charakter alter analoger Geräte emulieren soll. Die Delayzeit kann aber auch zum Songtempo synchronisiert werden.

Link zum Voxengo Tempo Delay
Link zum MDSP Analog Delay (etwas runterscrollen)

 

DeEsser

Wenn wir in unserer Musikproduktion Vocal-Aufnahmen verwenden wollen, dann bietet es sich an einen so genannten DeEsser parat zu haben.

DeEsser dienen dazu störende und harsche “S”- und Zischlaute unter Kontrolle zu halten. Ein DeEsser arbeitet ähnlich wie ein Kompressor, aber nur in einem bestimmten Frequenzbereich, in dem sich die Zischlaute befinden.

Manchmal kann ein DeEsser auch helfen besonders harsch klingende HiHats etwas weicher zu machen. Hier ist aber Vorsicht und sehr dezente Anwendung gefragt, meistens ist man mit einem EQ besser bedient.

Im Internet habe ich lediglich zwei kostenlos erhältliche DeEsser gefunden (von MDA und Digitalfishphones) und beide kommen gleich in einem Paket mit anderen Plugins. Der Übersichtlichkeit halber habe ich mich für den DeEsser Spitfish von Digitalfishphones entschieden.

Nicht nur, dass dieses Paket mit insgesamt drei Plugins wesentlich übersichtlicher gestaltet ist als der Konkurrent von MDA mit ca. 20 Plugins (wir benötigen die anderen Plugins für dieses Tutorial ja nicht), obendrauf kommt dieser DeEsser noch mit einer hübsch einfachen Bedienoberfläche daher, die uns das Arbeiten mit dem VST-Plugin erleichtern wird.

An Spitfish sind primär die Parameter “tune”, “sense” und “depth” über Drehregler einstellbar, die den Parametern “frequency”, “treshhold” und “reduction” bei anderen Geräten / Plugins entsprechen.

Der Bypass-Knopf wird uns während der Einstellung helfen den Effekt im A/B-Vergleich mit der Originalspur abzuwägen.

Link zu Digitalfishphones Spitfish

 

Phaser, Flanger und Chorus

Die drei Effekte Phaser, Flanger und Chorus sind eng miteinander verwandt und deswegen bespreche ich sie an dieser Stelle gemeinsam. Es handelt sich hierbei um Effekte, die mit einer zeitbasierten Modulation des Signals arbeiten.

Der Phaser ermöglicht es auf Basis von Phasenverschiebungen und -drehungen, einen Sound zum “Schweben” zu bringen. Der Flanger ist diesem Effekt nicht unähnlich, bewirkt jedoch, dass das Signal etwas härter klingt.

Der Chorus schließlich bewirkt einen Chor-ähnlichen Effekt (daher der Name), der mit einer zeitlich versetzten Dopplung des Signals arbeitet, was zu einem weichem Sound führt bzw. einen Pseudo-Stereo-Effekt liefern kann.

Bei den Effekten Phaser, Flanger und Chorus werden wir unsere Suche darauf konzentrieren, möglichst einfach bedienbare VST-Plugins zu finden, die uns schnelle und qualitativ gute Ergebnisse liefern können ohne zu sehr in die Materie einsteigen zu müssen.

Nach einigem Suchen bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass wir für dieses Tutorial am besten wieder auf die freien Effekte von Kjaerhus Audio zurückgreifen, da uns die Bedienoberfläche dieser Geräte noch gut vom letzten Teil dieser Artikelserie im Gedächtnis ist.

 

Phaser

Der Kjaerhus Audio Classic Phaser soll analoge Phaser aus den Siebzigern und Achtzigern emulieren, die einen tieferen und fetteren Phasing-Effekt erzeugen konnten, als ihre digitalen Brüder.

Alle wichtigen Einstellungen wie Rate, Depth, Feedback, Filter Stages und Stereospread sind in diesem Phaser-VST-Plugin als Drehregler vorhanden.

Der Effekt lässt sich mit dem Host synchronisieren, also unserem Songtempo anpassen, was uns – genau wie auch schon beim Delay – die Arbeit wesentlich erleichtern wird.

Link zum Download

 

Flanger

Der Classic Flanger von Kjaerhus Audio ist ähnlich wie auch der Classic Phaser aufgebaut. Wiederum finden sich alle wichtigen Einstellungen als Drehpotis auf der Oberfläche wieder.

Statt der Filter Stages finden wir hier aber den Poti Time, mit dem man Delaywerte zwischen 0,1ms und 10ms einstellen kann. Rate, Depth und Feedback funktionieren analog zum Classic Phaser.

Link zum Download

 

Chorus

Auch die Oberfläche des Kjaerhus Audio Classic Chorus dürfte niemanden mehr erschrecken. Als Drehregler angebracht sind die Einstellungen Range, Fine (Range), Rate und Depth.

Link zum Download

Allen oben genannten Modulations-Effekten von Kjaerhus Audio gemeinsam sind die beiden Potis Mix und Level, mit denen man den Wet/Dry-Anteil des Signals, respektive die Lautstärke der Ausgabe regeln kann.

 

Overdrive / Distorsion

Zu guter Letzt suchen wir einen Overdrive und Distorsion Effekt, um uns die Möglichkeit offen zu lassen, die ein oder andere Spur zu verzerren.

Das Angebot an VST-Plugins, die dies erledigen ist groß und die Wahl fällt schwer. Wir benötigen auf jeden Fall sowohl Overdrive als auch Distorsion, um den Verzerrungsgrad möglichst variabel einstellen zu können.

Besonders gut hat mir in diesem Bereich die Guitar Suite von SimulAnalog gefallen, über die ich bereits in diesem Beitrag ausführlich geschrieben hatte.

Die Qualität der Effekte ist gut und mit einzelnen VST-Plugin-Effekten für Overdrive, Super Overdrive, Distorsion und zwei unterschiedlichen Amplifier-Simulationen (Fender und Marshall) sind wir bestens für unsere Musik-Produktion gewappnet.

Zusätzlich befinden sich in der Guitar Suite noch zwei Plugins für Modulations-Effekte, die wir aber ersteinmal ignorieren werden.

Link zum Download

 

Schlusswort

Wir haben nun alle Programme und VST-Plugins für unser kostenloses, virtuelles Desktop-Tonstudio zusammengetragen. An der ein oder anderen Stelle hatten wir mehr Auswahl als genug und ich habe immer versucht Musik-Programme auszusuchen, die einfach in der Bedienung und dennoch umfangreich in den Features und Möglichkeiten sind.

Natürlich könnt ihr neben den oben zitierten VST-Plugins noch weitere eigens ausgesuchte Plugins suchen, downloaden und anschliessen in eurer Musik-Produktion verwenden.

In den nächsten Teilen dieser Artikelserie “Das kostenlose Desktop-Tonstudio” wird es um das richtige und sinnvolle Installieren der Musik-Software gehen, bevor wir dazu übergehen unsere erste Musikproduktion damit zu starten.

Teil 0 | Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 | Teil 6 | Teil 7

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Lesermeinungen (8)

zu 'Das kostenlose Desktop-Tonstudio – Teil 3: Die optionalen Effekte'

  • kani
    05. Sep 2006 | 15:44 Uhr Antworten

    Coole Anleitungen. Vielen Dank.
    Ich warte auf teil 4…
    Wann kommt die den raus ?

    Grüße

  • carlos (delamar)
    06. Sep 2006 | 10:41 Uhr Antworten

    Hallo Kani,

    freut mich, dass Dir die Anleitungen gefallen, Teil 4 wird es voraussichtlich am kommenden Sonntag, dem 10. September geben. Allerdings erst gegen Abend.

    Grüße
    Carlos

  • kani
    06. Sep 2006 | 16:05 Uhr Antworten

    Super.
    Hab ich zu mindest Frei “Wochenende”.
    Und kann es mir in ruhe durchlesen :)
    Danke nochmal.
    Grüße

  • kani
    12. Sep 2006 | 00:17 Uhr Antworten

    Schade das teil 4 noch nicht da ist. :) Ich warte immernoch.
    Grüße

  • carlos (delamar)
    12. Sep 2006 | 10:44 Uhr Antworten

    Teil 4 ist wie versprochen seit Sonntag online. Ich habe eben den Link dorthin auch in diesem Post gesetzt, anscheinend hatte ich das vergessen. Grüße

  • carlos (delamar)
    12. Sep 2006 | 11:19 Uhr Antworten

    hier ist übrigens der direkte link dorthin:

    http://www.delamar.de/das-kost.....-software/

  • Maxus
    21. Sep 2010 | 06:47 Uhr Antworten

    Hey, ich habe ein riesen großes Problem und zwar besitze ich zwar schon andere Sequenzer z.b. Adobe Audition und ähnliche.

    Jedoch will ich für einen Freund ein solchen virtuelles Desktopstudio realisieren.

    Problem ist nur: Kristal läuft einwandfrei.
    Audacity nachdem ich diese vst-bridge installiert habe nicht. Es öffnet sich dann nicht mehr und es kommt ein Fenster in dem steht: temporarytopwindow, und dann schließt sich die Anwendung automatisch.
    Danach kommt noch eine melde in der irgendetwas von FL Studio steht (welches ich auch installiert habe). Bin wirklich fast am verzweifeln.

  • Pingback: Free Mac Audio Plugins

    [...] hat einige der free VST Plugins der Programmierer von Smartelectronix, Big Tick, Betabugs und Sam auf den Mac [...]

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