Audio Myth Buster: Das Ende aller Esoterik im Pro Audio Bereich
Wir alle kennen die Mythen legendärer Mikrofone, musikalischer Equalizer, bestklingender Musiksoftware und professioneller Hardware, die in vielen Audio Magazinen, einschägigen Foren und bisweilen auch bei uns gepflegt werden. Oftmals ist die Aussage, dass guter Klang nur durch teuerste Werkzeuge erreicht werden kann.
Aber wieviel Wahrheit steckt in diesen Aussagen?
Audio Myth Buster: Das Ende aller Esoterik im Pro Audio Bereich
Wie viel Klang geht durch ein Kabel verloren? Warum muss ein Audio Interface gleich vierstellig kosten? Welchen klanglichen Unterschied gibt es zwischen Aufnahmen in 16-bit, 24-bit und 32-bit? Kannst Du das Phase Shifting in deinem Equalizer hören? Wie wichtig ist die Verwendung von Dither für die professionelle Musikproduktion? Und wie gut klingen billige Soundkarten?
Jeder Musiker hat sicherlich eine eigene Antwort auf diese Fragen parat. Ich jedenfalls hatte meine – bis vorhin. Das untenstehende Video von Ethan Winer, Mann hinter RealTraps und einer der kompetentesten Mitglieder (wie ich finde) im gearlutz-Forum, räumt mit so manchem Mythos in Sachen Audio auf. In seinem einstündigen Video, das in drei Teile unterteilt ist, erklärt Ethan auf sehr anschauliche Art und Weise, warum das menschliche Gehör nicht dazu geeignet ist, realistische Entscheidungen zu treffen.
Der erste Teil des Videos ist eine Präsentation der letztjährigen AES (Audio Engineering Society) Show in New York City und zeigt eindrucksvoll die Beeinflussbarkeit der menschlichen Psyche. Im zweiten Teil (vielleicht der interessanteste überhaupt) erklärt Ethan, wie objektive Tests geartet sein müssen, um verlässliche Ergebnisse zu bringen.
Im dritten Teil des Videos werden schliesslich die Mythen aus dem Pro Audio Bereich auf die Waagschale gelegt und jeder Einzelne kann sich seine eigene Meinung dazu bilden. Unter anderem werden preiswerte und teure Audio Interfaces miteinander verglichen, das so genannte Phase Shifting auf den Prüfstand gehoben und Mikrofone verglichen.
Audio-Tests richtig durchführen
Ethan hat auf seiner Webseite zudem noch einige Dateien aus dem Video hinterlegt, die jeder herunterladen kann, um eigene Hörtests durchzuführen. Das unten angezeigte YouTube Video ist zwar schon in bester Qualität in diesem Artikel eingebettet (beachte das HD im YouTube Logo nach dem Starten des Videos), aber wer weiss, welche Artefakte durch den Upload auf die YouTube-Plattform sich noch eingeschlichen haben könnten.
Für die eigenen Tests hat Ethan Winer auch noch einige Tipps am Start, die Du auf jeden Fall beim Vergleichshören berücksichtigen solltest:
- Achte beim Vergleichshören immer nur auf eine einzige Sache
- Vergleiche immer dieselbe Performance (statt 2x dasselbe aufzunehmen)
- Zum Vergleichshören bietet nur ein Doppelblindtest verlässliche Ergebnisse (weder Tester noch Probant wissen, was gerade gehört wird)
- Um unterschiedliche Vorverstärker zu testen, solltest Du Re-Amping nutzen
- ABX-Tests über längere Perioden bieten ebenfalls verlässliche Ergebnisse (hier ist eine ABX-Software)
- Aufgrund des Fletcher-Munson-Effekts sollte die Lautstärke der Aufnahmen bis auf 0,1 dB gleich sein
Audio Mythen entkräftet
Bei delamar selbst hatten wir das Thema intern schon mehrfach angesprochen und auch im delamar Podcast wurde es immer mal wieder angerissen – sicherlich nicht zum letzten Male. Ich selbst werde auch nochmals das ein oder andere überdenken.
Wie denkst Du darüber? Hat Ethan mit diesem Video recht und werden wir einfach nur durch die geschickten Marketing-Versprechungen der Hersteller beeinflusst?


30. Jan 2010 | 16:32 Uhr
Ich glaube ganz ehrlich, daß diese ganzen super teuren Hardwaresachen, irgendwie nebensächlich sind, bis zu einem gewissen Grad. Wenn ich mal bedenke, daß viele Aufnahmen lediglich mit Poppschutz in einem Wohnzimmer getätigt wurden, die nachher an die Spitze der Charts gelangten usw. Es kommt oft auch einfach mehr auf die Musik an sich an, viele hören den Unterschied zu super gut klingenden Sachen oft kaum. Es ist alles so relativ.
30. Jan 2010 | 17:16 Uhr
Ich finde das Musikequipment ist nebensächlich, es kommt einzig auf die Musik an, da kann ich mich meinem Vorredner nur anschliessen.
Verstehe ich das richtig, dass der Typ sagt, dass die Behringer-Sachen genau so gut sind wie die von Apogee?
30. Jan 2010 | 18:57 Uhr
Aber das ist ja in sich nicht stimmig. Man hat ja im Vordergrund etwas teures nicht der veredlung des eigenen Ohrenschmalzes gekauft, sondern doch bis zu einem nicht unwichtigem Grad deswegen weil es etwas KANN das andere nicht beinhalten. Ob das nun ein besonders breiter Frequenzgang ist, den ich zwar nicht mehr akustisch wahrnehmen kann, aber wohl spüren (^^), oder ein anderes irgendwie geartetes Feature, ist Jacke wie Hose. Im Prinzip kauf ich teuer dem “KANN” wegen. Nicht dem KLANG wegen.
30. Jan 2010 | 19:14 Uhr
Das ist durchgängig sehr gut und richtig, aber es wird nichts nützen: es gibt ja bis heute die Schrate, die sagen, Schallplatten klängen besser als CDs…
Die sagen dann, sie hörten das, wobei sie das aber eigentlich nur (unbelehrbar) meinen!
30. Jan 2010 | 19:34 Uhr
Er sagt im Prinzip nichts anderes, als dass es nicht allein auf die Hardware ankommt, sondern auf die Typen, die davor sitzen!
Allerdings erzählt er auch nicht überall die ganze Wahrheit. Beispiel Dithering. Natürlich hört man bei entsprechendem Pegel, und die vorgestellten Beispiele haben allesamt genug davon, keinen Unterschied zwischen “dithered” und “undithered”. Einen Unterschied kann man wenn nur an wirklich leisen Stellen hören. Wen das näher interessiert, der kann ja mal bei Wikipedia nachsehen
=> Dithering_(Audiotechnik)
Ansonsten sind die Ausführungen von Ethan Winer und den Kollegen auf dem Podium schon klasse. Vor allem die Steine zur Verbesserung der Raumakustik sind super! Warum bin ich nicht auf die Idee gekommen, sowas zu verkaufen? Irgendwas mache ich falsch…
30. Jan 2010 | 20:17 Uhr
Bei mir hat es sehr lange gedauert, bis ich einen qualitativen Unterschied von einer 128er mp3-Datei und einer CD hören konnte. Dazwischen lag viel bewusstes Hören und arbeiten mit Sound. Deswegen denke ich, dass man das nicht überbewerten sollte, denn ich wette, 90% aller Musikkonsumenten hören auch keinen Unterschied. Noch wichtiger: er ist ihnen egal.
30. Jan 2010 | 21:27 Uhr
Ich bin wie meine Vorredner auch der Meinung, dass die AudioQUALITÄT mittlerweile so hoch ist, dass es in diesem Bereich zu 98% auf den Menschen ankommt, der die Technik bedient.
Wirklicher Fortschritt kann nur noch in der FUNKTIONALITÄT der Audioprodukte gemacht werden. Sei es durch ganz neue Funktionen (bspw. Melodyne DNA), eine einfache Bedienbarkeit komplexer Dinge (bspw. Ozone Mastering Plugin), oder einen Workflow, der einen auf neue Ideen bringt (bspw. Ableton).
31. Jan 2010 | 12:26 Uhr
High-end Hardware hin oder her…aber sorry wenn Ihr keinen Unterschied zwischen CD & Vinyl oder zwischen MP3 & Wave feststellen könnt dann liegt da wohl was im argen….nichts für ungut aber dann braucht man auch nicht über hardware, software, raumakkustik oder sonstwas sprechen…da fehlen dann wohl die Grundlagen..
Gruß roobster
31. Jan 2010 | 13:17 Uhr
Doch, WIR hier können bestimmt einen Unterschied hören. Die Frage aber ist doch, wie wichtig er ist.
Im Club mach ich mir oft so Gedanken wie: ich hätte der Snare weniger Attack gegeben oder: der Bass zerrt aber ganz schön oder: wieso dreht der blöde DJ die oberen Tiefen so hoch, das klingt doch furchtbar. Die anderen tanzen einfach.
Die wenigsten Menschen sind audiophil, behaupte ich. Aber alle lieben Musik.
31. Jan 2010 | 15:42 Uhr
Hi Sib,
deinen Kommentar find ich absolut zutreffend. Ich unterhalt mich auch oft über die verschiedenen Abmischungen mit meinen Kumpels und die können das oft überhaupt nicht raushören, was ich meine.
Denen geht es meist darum, ob der Song sie anspricht oder nicht. Gott sei Dank (die Musik steht im Vordergrund).
Allerdings hören auch diese denke ich, wenn auch unbewußt, einen guten Song der gut abgemischt ist lieber, als einen guten Song der weniger gut abgemischt ist.
Zu der Anmerkung mit den mp3s: Ich kann mir eine 128er mp3 nicht anhören – klingt furchtbar. Aber in meinem Bekanntenkreis hört die Unterschiede zur CD kaum einer (erst wenn man drauf hinweist).
Bei Schallplatten weiß ich nicht, ob es eher die Sache ist, ob man damit aufgewachsen ist. Ich habe schon mehrmals die digital remastered CDs reingezogen, die ich auch auf Platte habe und der Unterschied ist sehr wohl hörbar. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Platte für mich persönlich deshalb besser klingt, weil ich die Songs so kennengelernt habe.
31. Jan 2010 | 16:07 Uhr
@ Chris
Ja, ich denke auch, dass sich die Leute schon für den besser abgemischten Song entscheiden würden, aber halt nicht wissen, warum. Das Ding fetzt halt einfach irgendwie für sie. Warum, ist ihnen aber egal.
Wenn ich da an Kassette denke, wie schlimm die Lieder vom Sound her da teilweise waren, weil man sie mit irgendeinem Billigrekorder mit Radiosongs bespielt hatte, oder eine andere Kassette kopiert…furchtbar – und es ging trotzdem. :-)
31. Jan 2010 | 16:58 Uhr
Jepp, Kassetten sind doch ein klassisches Beispiel dafür, wie zweitrangig der Klang sein kann. Ich denke, die konsumierende Masse emotionalisiert Musik anhand der Melodie, der geneigte Hörer kann auch auf den Klang (auch nur eines bestimmten Elements) abgehen, was beim Konsumenten vielleicht weniger bewusst passieren mag…
Der Produzenten hat halt gelernt hinzuhören. Diese Detailliebe kann auch ein Fluch sein. Dazu lassen wir uns auch gern in unserem blog aus… Produktionsprozess ist das Stichwort :-)
31. Jan 2010 | 20:13 Uhr
schön gesagt @ Wirgefuehl! :-)
31. Jan 2010 | 23:30 Uhr
Ich finde viele Aspekte in den Kommentaren zutreffend. Ich für meinen Teil war lange Zeit Musikkonsument, bin aber im Laufe der letzten 10 Jahre in sehr engen Kontakt mit sehr guten Audio-Engineers gekommen und durfte bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.
Dabei habe ich festgestellt, wie sich mein Hörverhalten geändert hat. Man achtet auf einmal tatsächlich darauf, wo die Vocals platziert sind, ob der Bass genügend Druck hat, wie klar die Vocals aufgenommen sind und ob das Arrangement stimmt. Auch der Unterschied von zu Tode komprimierten MP3s zu einem WAV wird mir immer deutlicher.
Ebenso konnte ich mich davon überzeugen, dass immer der Mann hinterm Pult der entscheidende Faktor für eine gute Produktion ist. Richtige Könner legen dir die derbsten Bretter mit ner 100 Euro DAW, nem 8-Kanal-Mischer und nem SM58 hin, weil sie die Grundlagen von Akustik, Psycho-Akustik, Frequenz-Verhältnissen etc. aus dem FF beherrschen und vor 20 Jahren mit weit einfacherem Equipment gute Produktionen abliefern mussten.
Dennoch hat da so jeder Engineer seine Vorlieben, was Mikrofone, Mischpulte und DAWs betrifft, was aber meist keine Frage des Geldes, sondern persönlicher Überzeugungen ist. Und wenn einer auf ein Neumann, Brauner oder eben Behringer schwört, dann zählt am Ende auch hier nur das Ergebnis.
Und ich habe viele Produktionen gehört, die mit teuerstem Equipment im wahrsten Sinne des Wortes an die Wand gefahren wurden, weil der Typ hinterm Pult einfach Mist gebaut hat. Andererseits habe ich Produktionen gehört, die mit einem Tascam HD-System einer E-Gitarre und nem SM 57 aufgenommen und gemischt wurden, wobei Fachleute mindestens auf ein Mittelklasse-Studio geschworen haben, als sie diese hörten.
Fazit: je mehr man sich mit Musikproduktion beschäftigt und richtig Hinhören lernt, desto mehr Punkte tauchen auf, die einem vorher nicht bewusst waren. Und das tragische an diesem Umstand ist, dass man dadurch leicht vom Track an sich weggeleitet wird und sich gleich in der Audio-Analyse verliert, was einem den emotionalen Zugang zur Musik verhageln kann.
Ich durfte beispielsweise die neue Killerpilze-Single “3″ vorhören. Den Track an sich fand ich gut, nur die Abmischung fand ich sehr schlecht und deshalb fiel der Track in meiner Bewertung um einige Punkte. Ist das gerecht? Ich weiß nicht, mittlerweile will ich audio-technisch genauso abgeholt werden, wie künstlerisch, ein Umstand, der mir und uns allen evtl. einiges verderben kann, weil wir nicht mehr unbefangenen Ohres Musik hören.
Also öfter mal den Producer-Kopf ausschalten und das Musiker-Herz hören lassen. Ich weiß – es funktioniert leider nicht (immer) lol :-)
01. Feb 2010 | 00:36 Uhr
Ethan macht an vielen Stellen überhaupt keine Aussage zur richtig/falsch. Er stellt lediglich Dateien bereit, damit sich jeder seine eigenen Gedanken macht.
Mir ist vor einer Weile klar geworden, dass mit dem Musikequipment, das heute verkauft wird, bereits fantastische Produktionen gemacht werden können. Die klingen sogar richtig gut und viele (gestandene) Produzenten sind bei einem Doppelblindtest überhaupt nicht in der Lage, den Unterschied zu grossen Tonstudios herauszuhören.
So ist auch auf gearslutz oftmals bei solchen Tests herausgekommen, dass nicht unbedingt immer die teuren Sachen besser klingen.
Beim Recording, Mixing und Mastering gilt immer ein Spruch, dessen vulgäre Ausdrucksform mir verziehen sei:
“Shit in, shit out”
Den grössten Unterschied machen die Leute vor dem Mikrofon.
01. Feb 2010 | 16:35 Uhr
Ein möchte ich noch loswerden. Jemand hier meinte, Behringer Sachen würden wohl auch genausogut klingen. Das kann ich für mich zumindest, mit einem klaren Nein beatnworten. Einfach mal hinhören, testen, selber hören wie Behringer meistens klingt. Mein Mic-Preamp für 50€ von Behringer hat ein so lautes Grundrauschen, daß gute Aufnahmen damit eigentlich unmöglich sind. Auch sonst ist der Klang nicht sehr toll. Es gibt wiederrum auch Mikrofone, gerade Kondensatormics, für 150€, die besser klingen als manche für 1500€, kommt da aber natürlich auch immer auf den Anwendungsbereich an, wofür brauche ich welchen Klang etc.
Aber ich kann den allgemeinen Tenor für mich auch bestätigen. Viele hören den Unterschied von super-Klang und geht-so-Klang gar nicht, und wenn, ist es ihnen egal (den Laien, meistens).
12. Apr 2010 | 22:10 Uhr
Ich fand mal einen Kommentar von einem (Online-)Verkäufer schön, den ich fragte, ob er eine bessere Audio-Karte als meine Transit-USB von M-Audio wüsste.
Er meinte schon, allerdings wäre der Preis dann im hohen vierstelligen Bereich, und – ohne mir nahetreten zu wollen – diese müsste dann auch noch richtig genutzt werden. Er hätte mir auch eine aufschwätzen können und dabei noch was verdient.
Ich denke, im Hobby- bis zum sehr hohen Semiprofessionellen Bereich sind Produkte im unterem durchschnittlichen Bereich völlig ausreichend.
Erst wenn internationale Produktionen anstehen, dann muss man wahrscheinlich richtig Asche hinlegen für ein Studio – und sich zusätzlich damit dann noch auskennen . . .