Ableton Live 8 pimpen: Mit Max for Live noch mehr Musik & Individualität für deine Produktion

Ableton Live 8 pimpen: Mehr Musik mit Max for Live

Vor einigen Jahren hatte das Unternehmen Ableton eine geniale Idee. Die hauseigene DAW-Software Ableton Live sollte Musikern und Produzenten noch mehr Möglichkeiten an die Hand geben, ihre Musik zu verwirklichen. Und wie geht man das an? Nun, Ableton ist hier eine Kooperation mit dem Unternehmen Cycling74 eingegangen, mit der in kürzester Zeit eine auf 20 Jahren Knowhow basierende API (Application Programming Interface) in den Sequenzer einfügt werden konnte.

Mit dem Sprung der eigenen Musiksoftware auf Version 8.1 wurde “Max for Live” eingeführt. Diese Erweiterung fügt die Welt von Max/MSP nahtlos in Ableton Live 8 ein. Und das Ergebnis spricht für sich. Fehlen dir einige Knöpfe an der alten 909? Kein Problem mit Max for Live.

Der Entwicklungsumgebung Max/MSP des Unternehmens Cycling74 erlaubt dir prinzipiell jeden Synthesizer, Controller oder Sampler dieser Erde nach deinen eigenen Vorstellungen nachzubauen – virtuell versteht sich. Max for Live integriert die grafische Entwicklungsumgebung nahtlos in die DAW-Software. Und das klingt vielleicht komplizierter als es in der Praxis ist.

 

Was ist Max for Live?

Max/MSP ist eine relativ leicht erlernbare “Programmiersprache” oder Entwicklungsumgebung. Hartgesottene Programmierer würden Max for Live dabei aber wohl kaum als echte Programmiersprache ansehen. Im Gegensatz zu anderen Programmiersprachen nutzt Du in Max for Live “Kästchen”, welche mit virtuellen Kabeln miteinander verbunden werden können.

Klingt nicht mehr ganz so abschreckend, nicht wahr?

Max for Live - Kästchenprogrammierung in Ableton Live 8

Max for Live - Kästchenprogrammierung in Ableton Live 8

Das Ganze Kästchen-Herumschieben ist objektbasiert und alle Einstellungen passieren in Echtzeit. Wichtig ist vor allem aber zu wissen: Max for Live ist auch für Nicht-Programmierer leicht zu erlernen – alles wird visuell und auf einfache Weise dargestellt. Das ist auch mehr als sinnvoll, denn schliesslich wollen wir alle Musik machen und nicht das Programmieren erlernen.

Doch selbst Hardcore-Nerds (wie ich) kommen auf ihre Kosten. Der Grund hiefür sind Objekte, die der Nutzer in JavaScript, Java oder sogar der Programmiersprache C anlegen kann. Es gibt sogar noch weitere Brücken zu anderen Sprachen wie Ruby oder Python.

Was Ableton mit Max for Live eingeführt hat, macht Ableton Live meiner Ansicht nach zum vielseitigsten und technologisch fortschrittlichsten Sequencer dieser Welt. Aus technischer Sicht kommt da keiner ran. Nichtmal annähernd, dazu unterstützt Max for Live einfach zuviele Technologien.

 

Was kann Max for Live?

Das klingt jetzt alles vielleicht, als wäre es etwas dick aufgetragen, ja. Doch wenn wir uns nur einige der Technologien von Max/MSP anschauen, dann wird schnell klar, was ich damit meine:

  • OSC (Open Sound Control)
    OSC ist die Erweiterung von MIDI, auf die alle gewartet haben. OSC ist schneller, bietet eine höhere Auflösung und (das vielleicht als beste Eigenschaft) funktioniert über ein gewöhnliches Computer-Netzwerk. Kurz gesagt: Mit dem Open Sound Control Protocol kann praktisch alles gesteuert werden. Von Fernbedienungen über Wiimotes und iPhones bis Droids oder schlicht ganze Computer.
    Alles, was sich in irgendeiner Weise in ein Netzwerk einwählt, kann als Controller benutzt werden. Fein.
  • Live API
    Diese Schnittstelle erlaubt es jedem Nutzer, das gesamte Musikprogramm Ableton Live von Max for Live aus fernzusteuern. Ein Beispiel: Du kannst mit einem LFO jeden beliebigen Regler eines Synths oder Effekts oder… durch die Lautstärke eines beliebigen Kanals modulieren lassen. Ausserdem kannst Du auch sämtliche Transport- und Mixerfunktionen kontrollieren.
  • Und weiter…
    Sollte irgendwann der Fall eintreten, dass dir die Möglichkeiten von Max for Live nicht mehr reichen, dann kannst Du deine eigenen Externals schreiben. Mit diesen erweiterst Du das Live/Max-Universum noch weiter, denn diese erlauben dir, deine ganz eigenen Funktionen und Ideen umzusetzen.

 

Warum ich nicht auf Max for Live verzichten möchte

Den grössten Vorteil von Max for Live sehe ich für mein musikalisches Wirken in der Live API. Sie ermöglicht mit das Steuern von Ableton Live via Max/MSP in meinen Live-Performances – schier unendliche kreative Möglichkeiten.

Ein weiterer Punkt ist die Lösung einer Sache, die Nutzer von Max/MSP in der Vergangenheit Probleme bereitete: Timing. Viele Abläufe sollten zwar zeitgesteuert ablaufen, jedoch fehlte eine ernsthafte Master-Clock, an die der Nutzer die einzelnen Objekte hätte hängen können. Mit Ableton Live wurde nun eine geeignete, und musikalische, Master-Clock gefunden. Was einem früher in Max/MSP den Nerv bei der Synchronisierung den Nerv raubte, geht nun sehr einfach vonstatten.

 

Für wen eignet sich Max for Live?

Der typische Nutzer von Max for Live dürfte ein Soundfrickler sein, ein echter Bastler, der die Grenzen ausloten und sich von den anderen Musikern und Produzenten absetzen möchte. Er dürfte von den unzähligen Arten der Beeinflussung von Audiomaterial und den vielfältigen Möglichkeiten zur Tonerzeugung fasziniert sein. Der vielleicht eher “normalere” Nutzer von Ableton Live mag vielleicht von den vielen Optionen erschlagen sein.

Die Lernkurve für den Ableton Nutzer kann steil sein, da sich mit Max for Live plötzlich unzählige Optionen auftun, die erst noch erlernt werden müssen. Wer fasziniert von der FFT-Analyse ist oder sich schon immer durch Ableton Live eingeschränlt gefühlt haben mag, dem sei diese Erweiterung ans Herz gelegt. Das Lernplateau zu erklimmen lohnt sich, allein um sich von den anderen Musikern abzuheben, die nur auf die “gewöhnlichen” Mittel zurückgreifen.

Ableton Live 8 mit Max for Live pimpen

Ableton Live 8 mit Max for Live pimpen

Wie viel Zeit sollte ich zum Erlernen einplanen?

Oft wird die Lernkurve von Max for Live als Nachteil oder Problem zitiert. Warum? Der Aufwand ist, gemessen an den möglichen Ergebnissen, absolut angemessen. Es ist eben nicht einfach ein kleines Plugin mit drei Reglern, sondern eine voll augewachsene Entwicklungsumgebung. Jedes neue Programm muss erlernt werden und so ist es eben auch bei Max for Live. Komprimieren und Equalizing macht man ja auch nicht “einfach mal so”.

Vielleicht kannst Du dir auch in etwa so den Einstieg in Max for Live vorstellen. Am Anfang geht es zunächst etwas zögerlich zu, dann schneller – aber Du brauchst dich nicht gleich mit einem Buch zu bewaffnen. Für den Einstieg empfehle ich kleine, einfache Projekte umzusetzen. Der eigene Sampler, der nur Standards erledigt oder vielleicht ein subtraktiver Synthesizer. Die Lust auf mehr kommt dann ganz automatisch.

 

Schlussgedanken

Max for Live ist ein Monstrum an neuen Möglichkeiten für Ableton Live, das auf den ersten Blick vielleicht ein wenig einschüchternd wirkt. Aber der Blick auf die Projekte anderer, kann die eigene Inspiration beflügeln.

Mein Tipp an dich: Schau dich mal auf MaxForLive.com oder der Max Objects Database um. Und ganz zum Schluss mal drei spannende Projekte:

  • fingerpinger erlaubt bis zu 10 Multitouch Punkten zur Soundmanipulation zu nutzen.
  • Mit elastic~ gibt es ein External, dass hochqualitatives Pitch-Shifting nach Max bringt.
  • aka.wiiremote dient als Empfänger der Signale einer Wiimote. Wii Guitar? Kein Problem.

Max for Live Preis: 249,- Euro für Ableton Live Nutzer und 79,- für alle, die schon Max besitzen.

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