3+1 Wege um Sidechain Kompression anzuwenden

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Sidechain Kompression

Wie kann man Sidechain Kompression anwenden? Wir haben vier Möglichkeiten für dich parat!

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Die Anwendungen der Sichechain Kompression

Das Sidechaining und Pumpen bei Kick & Bass in House Music ist ungebrochen beliebt. Für Sidechaining bzw. Sidechain-Kompression gibt es aber noch weitere Einsatzfelder. Hier findest Du die wichtigsten Anwendungen für einen Sidechain-Kompressor in der Musikproduktion.

Übrigens nutzt man für die Komprimierung anhand eines externen Steuersignals auch oft den englischen Begriff »ducking« (bildhaft übersetzt: das Signal »taucht unter«, wenn die Anweisung dazu vom Sidechain-Kompressor kommt). So nutzen Produzenten und Toningenieure im deutschen Sprachraum zuweilen das halb eingedeutschte Verb »ducken« (ausgesprochen: »dacken«).

1. De-Essing mit Sidechain Kompression

Wer keinen De-Esser zur Hand hat, kann sich des folgenden Tricks bedienen: Man kopiert die Vocalaufnahme, die De-Essed werden soll auf eine neue Spur, die nirgendwo hörbar geroutet wird.

Diese Spur wird dann genutzt, um den Kompressor, der auf der eigentlichen Vocalspur liegt, über Sidechain zu steuern. Der Kompressor wird so eingestellt, dass er das Audiosignal der Vocalspur etwas komprimiert und damit die Lautstärke absenkt.

Sidechain Kompression - auch zum De-Essing von Vocals geeignet

Zischlaute aus den Vocals lassen sich mit der Sidechain Kompression entfernen.

Nun müssen wir dafür sorgen, dass nicht die ganze Vocalspur komprimiert wird (dann hätten wir auch einen normalen Kompressor auf der eigentlichen Vocalaufnahme plazieren können), sondern nur die S-Laute abgesenkt werden. Dazu nehmen wir einen EQ auf der nicht hörbaren Vocalspur und heben relativ schmalbandig die Frequenzen um 7-8kHz (je nach Sänger) solange an, bis das DeEssing auf der hörbaren Vocalaufnahme zufridenstellend bewerkstelligt wird.

Mehr Informationen zum Zischlaute entfernen (De-Essing) »

2. Lead- und Backingvocals voneinander abheben

Ganz ähnlich funktioniert auch das Abheben von Lead- und Vocalspuren voneinander, nur dass man hier nicht einzelne Frequenzen nutzt, sondern gleich die ganze Lead-Vocalspur. Immer wenn die Hauptstimme lossingt, werden die Chöre sowohl leiser gemacht, als auch mehr komprimiert.

Lies mehr über das Abheben von Lead- und Backingvocals »

3. Bass ducken

In elektronischer Musik wie HipHop oder Techno hört man oft Bass-Sounds, die einem aus dem Mix oder den Boxen entgegenspringen und damit sehr dynamisch wirken. Diesen Effekt kann man ebenfalls durch Sidechaining erzielen, indem man den Bass von der Kickdrum steuern (ducking) lässt.

Am besten dupliziert man auch hier die Kickdrum auf eine nicht hörbare Spur und nutzt den EQ, um die Stärke des Effektes einzustellen. Mit dem zusätzlichem Einsatz von Hall kann der Zeitpunkt des Herausspringens herausgezögert werden.

Zum Ducking/Sidechain Tutorial für bessere Bass Sounds »

4. Ducking Delay

Update: Dieser Tipp stammt von unserem Leser Trump (wahrscheinlich nicht Donald), siehe Kommentarbereich unten. Die Ausgangslage ist hier Folgende: Wenn Du ein Delay auf eine Vocal-Spur legst, klingt der Mix oft viel zu »voll«, verliert seine Prägnanz und ist zu schwer handhaben.

Sidechain Kompression - auch für ein Ducking Delay praktisch

Mit Sidechain Kompression lässt sich ein »Ducking Delay« am Ende einer Lead-Vocal-Strophe erzeugen – lies weiter …

Auch hier kann die Sidechain Kompression helfen: Du kannst es so gestalten, dass die Echos des Delay-Effekts nur ab dem Moment (deutlich) zum Vorschein kommen, wenn das Lead-Vocal zwischenzeitlich innehält. Dazu nutzt Du die Sidechain Kompression in der Signalkette direkt nach dem Delay. Als Steuersignal führst Du ihm das »trockene« (also das nicht vom Delay beeinflusste) Lead-Vocal zu.

  • Threshold: maximal in den Minusbereich
  • Ratio: maximal
  • Attack: sehr kurz
  • Release: Geschmackssache und abhängig vom Tempo des Stücks

Bleiben wir bei diesem Beispiel: Endet die Strophe, wird die »Delay-Fahne« je nach Release-Wert mehr oder minder langsam zum Vorschein und ebbt dann je nach Feedback-Einstellung in den Delay-Parametern mehr oder minder schnell ab. Ein interessanter Effekt, der dynamisch erzeugt wird, anstatt dass Du erst eine maßgeschneiderte Automation basteln musst.

Schlussgedanken zur Sidechain bei Kompressor & Co.

Aus unseren 3 Tipps geht schon sehr gut hervor, was die Sidechain Kompression macht. Aber wie es mit anderen Dingen auch ist: Learning By Doing! Hab keine Scheu, Dinge einfach auszuprobieren. Und wenn dir unser Artikel gefallen hat, teile ihn doch mit deinen Freunden!

Einen kostenlosen, Sidechain-fähigen Kompressor für deine DAW findest Du im Übrigen, wenn Du dem Link folgst.

Übrigens: Wenn Du einen Blick in die Kommentare wirfst, findest Du noch weitere Anwendungen der Sidechain Kompression!

Tipp: Sidechain EQing

Weißt Du eigentlich schon, dass das Sidechaining als grundsätzliche Technik auch zur Steuerung eines Equalizers anstatt eines Kompressors genutzt werden kann? Hier erfährst Du, wann das für deine Musik nützlich sein kann und wie es funktioniert:

Alles zum Sidechain EQing »

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Lesermeinungen (5)

zu '3+1 Wege um Sidechain Kompression anzuwenden'

  • Trump   03. Nov 2009   02:21 UhrAntworten

    Hey Carlos :D

    Hier noch eine Anwendungsmöglichkeit für Side-Chain-Kompression: das sogenannte Duck-Delay.

    Wenn man z.B. ein Delay auf Vocal-Spuren legt, dann müllt einem das oft den Mix zu. Man hat zum einen den Lead-Gesang und zum anderen ständig ein Delay darunter, was zu Verwirrungen führen kann.

    Also wäre es eine grandiose Idee, wenn man ein Delay baut, das nur dann zum Einsatz kommt, wenn die Lead-Vocal spur einen Moment inne hält.

    Also einfach ein Delay bauen über den Aux und in dessen Channel als Insert den Kompressor laden. Als Steuersignal verwendet man dann die Lead-Vocal spur.

    Die Parameter bestimmen in diesem besonderen Fall folgende Verhaltensweisen:

    - Threshold: Sobald der Threshold überschritten wird, wird das Delay komprimiert. Will ich jetzt z.B. ein Delay, dass nur dann einsetzt, wenn auf der Lead-Spur grade Pause ist (z.b. Ende einer Strophe), ziehe ich den Threshold möglichst weit runter.

    - Ratio: Sie beschreibt, um wieviel das Delay leiser gemacht wird.

    Attack/Release: Hier kann man regeln, wie schnell das Delay leiser gemacht wird, bzw wie lang es braucht um nach Threshold unterschreitung wieder auf den Asugangspegel hochzufahren. Es empfiehlt sich eine sehr kurze Attack, sodass der Compressor immer gleich arbeitet, sobald was auf der Lead-Vocal-Spur passiert. Die Release hängt vom eigenen Geschmack und vom Tempo des Stücks ab.

    Resultat: Während auf der Lead-Spur gesungen wird, ist von dem Delay nichts zu hören. Ist die Strophe dann zu Ende, so wird das Delay - je nach Release - langsam hörbar und rundet den Mix ab. Oft will man ja auch nur ein Delay auf dem letzten Wörtern eines Gesangs und anstatt das durch eine Zeitaufwendige Automation zu realisieren, hat man hiermit einen einfachen und doch recht brauchbaren weg.

    Voila :D

    Liebe Grüße,
    Trump

  • Matze   09. Mrz 2011   11:38 UhrAntworten

    Ich möchte auch noch meine zwei Anwendungsmöglichkeiten ergänzen:

    Snare und Gitarren. Es stellt sich doch immer wieder als recht schwierig heraus, eine Snare noch knallig und präsent im modernen Gitarrenbrett zu halten. Mit einem - minimalen - Ducking Compressor als letzten Effekt der Gitarrensumme kann man hier wirklich super Ergebnisse erzielen!

    Das "aufeinanderkomprimieren" von gedoppelten Vocals.
    Die Dopplungsstimme wird mit identischen Kompressoreinstellungen, lediglich einer höheren Ratio komprimiert, wie das Lead Vocal. Dieser Kompressor wird aber über Sidechain vom Lead Vocal gesteuert. Mit einer guten Portion De-essing kann man wirklich laute Dopplungen fahren, ohne dass es auf der Stelle unnatürlich klingt.

    Generell Eignet sich jede Situation, in der ein irgendein "Brett" (pad, gitarren, Backing "OH" und "AH", shoegazer Gitarren - aber auch Hihat 32-tel) einer wichtigen Transiente (Snare, Bassdrum, Gitarren Offbeats, Attacklaute von Vocals, ...) Platz machen muss.

    Super Seite im Übrigen, ich bin begeistert. Schnelle, kurze Denkanstöße, wenn man mal festhängt :)

    Matze

  • Peter   17. Apr 2011   07:40 UhrAntworten

    Finde ich auch super,
    inzwischen bin ich (erst mal für mich) dahintergekommen, daß das Ducking eines der besten Antimaskierungsmehtoden ist. Einfach und wirkungsvoll: Die gesamte Musik auf eine Gruppenspur legen und den Gesang als Sidechain-Trigger verwenden um die "restliche" Musik mit Mulitcompressorducking genau da frequenzmäßig einzuschränken wo der Frequenzgang des Gesangs Platz braucht.

  • Noob XD   07. Sep 2014   20:44 UhrAntworten

    Naja... soviel zur Theory... wo bleibt die Praxis?

  • Raphael   07. Jun 2016   08:44 UhrAntworten

    Man sollte nur darauf achten, es mit der Komprimierung nicht zu übertreiben. Der Mix soll ja noch natürlich klingen : )

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