3 Wege um Sidechain-Kompression anzuwenden

3 Anwendungen von Sichechain-Kompression:

Das Thema Sidechaining und Pumpen bei Kick & Bass in House Music ist immer wieder beliebt. Für Sidechaining bzw. Sidechain-Kompression gibt es daher auch noch weitere Namen wie New York Compression oder Upward Compression. Alles miteinander bedeutet immer wieder dasselbe und kann vielfältig für deine Musik eingesetzt werden.

Hier sind 3 Wege, um Sidechain-Kompression anzuwenden:

  1. DeEssing

    Wer keinen DeEsser zur Hand hat, kann sich des folgenden Tricks bedienen: Man kopiert die Vocalaufnahme, die De-Essed werden soll auf eine neue Spur, die nirgendwo hörbar geroutet wird. Diese Spur wird dann genutzt, um den Kompressor, der auf der eigentlichen Vocalspur liegt, über Sidechain zu steuern. Der Kompressor wird so eingestellt, dass er das Audiosignal der Vocalspur etwas komprimiert und damit die Lautstärke absenkt.
    Nun müssen wir dafür sorgen, dass nicht die ganze Vocalspur komprimiert wird (dann hätten wir auch einen normalen Kompressor auf der eigentlichen Vocalaufnahme plazieren können), sondern nur die S-Laute abgesenkt werden. Dazu nehmen wir einen EQ auf der nicht hörbaren Vocalspur und heben relativ schmalbandig die Frequenzen um 7-8kHz (je nach Sänger) solange an, bis das DeEssing auf der hörbaren Vocalaufnahme zufridenstellend bewerkstelligt wird.

    Mehr Informationen zum DeEssing

  2. Lead- und Backingvocals voneinander abheben

    Ganz ähnlich funktioniert auch das Abheben von Lead- und Vocalspuren voneinander, nur dass man hier nicht einzelne Frequenzen nutzt, sondern gleich die ganze Lead-Vocalspur. Immer wenn die Hauptstimme lossingt, werden die Chöre sowohl leiser gemacht, als auch mehr komprimiert.

    Weitere Informationen zum Abheben von Lead- und Backingvocals

  3. Bass ducken

    In elektronischer Musik wie HipHop oder Techno hört man oft Bass-Sounds, die einem aus dem Mix oder den Boxen entgegenspringen und damit sehr dynamisch wirken. Diesen Effekt kann man ebenfalls durch Sidechaining erzielen, indem man den Bass von der Kickdrum steuern (ducking) lässt.

    Am besten dupliziert man auch hier die Kickdrum auf eine nicht hörbare Spur und nutzt den EQ, um die Stärke des Effektes einzustellen. Mit dem zusätzlichem Einsatz von Hall kann der Zeitpunkt des Herausspringens herausgezögert werden.

Einen kostenlosen, Sidechain-fähigen Kompressor für eure DAW findet ihr im Übrigen, wenn ihr dem Link folgt.

Viel Spass!

Lesermeinungen (4)

zu '3 Wege um Sidechain-Kompression anzuwenden'

  • Trump
    03. Nov 2009 | 02:21 Uhr Antworten

    Hey Carlos :D

    Hier noch eine Anwendungsmöglichkeit für Side-Chain-Kompression: das sogenannte Duck-Delay.

    Wenn man z.B. ein Delay auf Vocal-Spuren legt, dann müllt einem das oft den Mix zu. Man hat zum einen den Lead-Gesang und zum anderen ständig ein Delay darunter, was zu Verwirrungen führen kann.

    Also wäre es eine grandiose Idee, wenn man ein Delay baut, das nur dann zum Einsatz kommt, wenn die Lead-Vocal spur einen Moment inne hält.

    Also einfach ein Delay bauen über den Aux und in dessen Channel als Insert den Kompressor laden. Als Steuersignal verwendet man dann die Lead-Vocal spur.

    Die Parameter bestimmen in diesem besonderen Fall folgende Verhaltensweisen:

    – Threshold: Sobald der Threshold überschritten wird, wird das Delay komprimiert. Will ich jetzt z.B. ein Delay, dass nur dann einsetzt, wenn auf der Lead-Spur grade Pause ist (z.b. Ende einer Strophe), ziehe ich den Threshold möglichst weit runter.

    – Ratio: Sie beschreibt, um wieviel das Delay leiser gemacht wird.

    Attack/Release: Hier kann man regeln, wie schnell das Delay leiser gemacht wird, bzw wie lang es braucht um nach Threshold unterschreitung wieder auf den Asugangspegel hochzufahren. Es empfiehlt sich eine sehr kurze Attack, sodass der Compressor immer gleich arbeitet, sobald was auf der Lead-Vocal-Spur passiert. Die Release hängt vom eigenen Geschmack und vom Tempo des Stücks ab.

    Resultat: Während auf der Lead-Spur gesungen wird, ist von dem Delay nichts zu hören. Ist die Strophe dann zu Ende, so wird das Delay – je nach Release – langsam hörbar und rundet den Mix ab. Oft will man ja auch nur ein Delay auf dem letzten Wörtern eines Gesangs und anstatt das durch eine Zeitaufwendige Automation zu realisieren, hat man hiermit einen einfachen und doch recht brauchbaren weg.

    Voila :D

    Liebe Grüße,
    Trump

  • Matze
    09. Mrz 2011 | 11:38 Uhr Antworten

    Ich möchte auch noch meine zwei Anwendungsmöglichkeiten ergänzen:

    Snare und Gitarren. Es stellt sich doch immer wieder als recht schwierig heraus, eine Snare noch knallig und präsent im modernen Gitarrenbrett zu halten. Mit einem – minimalen – Ducking Compressor als letzten Effekt der Gitarrensumme kann man hier wirklich super Ergebnisse erzielen!

    Das “aufeinanderkomprimieren” von gedoppelten Vocals.
    Die Dopplungsstimme wird mit identischen Kompressoreinstellungen, lediglich einer höheren Ratio komprimiert, wie das Lead Vocal. Dieser Kompressor wird aber über Sidechain vom Lead Vocal gesteuert. Mit einer guten Portion De-essing kann man wirklich laute Dopplungen fahren, ohne dass es auf der Stelle unnatürlich klingt.

    Generell Eignet sich jede Situation, in der ein irgendein “Brett” (pad, gitarren, Backing “OH” und “AH”, shoegazer Gitarren – aber auch Hihat 32-tel) einer wichtigen Transiente (Snare, Bassdrum, Gitarren Offbeats, Attacklaute von Vocals, …) Platz machen muss.

    Super Seite im Übrigen, ich bin begeistert. Schnelle, kurze Denkanstöße, wenn man mal festhängt :)

    Matze

  • Peter
    17. Apr 2011 | 07:40 Uhr Antworten

    Finde ich auch super,
    inzwischen bin ich (erst mal für mich) dahintergekommen, daß das Ducking eines der besten Antimaskierungsmehtoden ist. Einfach und wirkungsvoll: Die gesamte Musik auf eine Gruppenspur legen und den Gesang als Sidechain-Trigger verwenden um die “restliche” Musik mit Mulitcompressorducking genau da frequenzmäßig einzuschränken wo der Frequenzgang des Gesangs Platz braucht.

  • Noob XD
    07. Sep 2014 | 20:44 Uhr Antworten

    Naja… soviel zur Theory… wo bleibt die Praxis?

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