Woran erkennt man den Musik-Produktion aus Amateurhand? Warum klingen meine Songs nicht wie die kommerziellen Musikstücke aus dem Radio? Das sind die Fragen mit denen sich bereits der gestrige erste Teil sowie auch dieser zweite Teil auseinandersetzen wird.

In 10 verräterische Anzeichen einer Amateur-Produktion (Teil 1) hatte ich bereits die ersten fünf untrüglichen Anzeichen für einen Amateur-Mix genannt. Heute gibt es die restlichen 5 entlarvenden Aspekte, die man beachten sollte, um möglichst professionell klingende Produktionen zu schaffen.

Hier also fünf weitere Anzeichen:

6. Billig klingender Hall-Effekt

Selbst ungeübte Ohren können den Unterschied in der Klangqualität zwischen einem Lexicon Hallgerät für EUR 3000.- und einem in den Multitrack-Recorder eingebauten Halleffekt heraushören. Das liegt daran, dass der Mensch jeden Tag den unterschiedlichsten Halleffekten in der Natur und seiner Umgebung ausgesetzt ist. Billige Hall-Effekte klingen leider auch eben das: billig.

Wer sich kein teures Effektgerät für Hall-Algorithmen leisten kann, kann sich mal bei den Plugins umschauen. Das VST-Plugin SIR gilt als eins der besten und ist sogar kostenlos erhältlich. Im Zweifel ist es besser den Hall ganz wegzulassen als einen schlecht klingenden Hall zu nutzen.

 

7. Falsche Drums

Oder besser gesagt: offensichtlich im Sequencer erstelltes Schlagzeug, das als echtes Schlagzeug durchgehen soll. Dies ist zwar kein Problem in elektronischer Musik, wo die Beats von Drum Machines gespielt werden. Aber in Pop- und Rock-Musik sind die dynamischen Anforderungen höher und der Hörer ist an natürliche und nuancierte Sounds vom Schlagzeug gewöhnt.

Der Amateur-Mix ist am einfachsten an der Ride Cymbal oder der Snare Drum zu hören. Der Sound einer echten Snare Drum hängt davon ab wo und wie stark der Stick die Drum trifft. Und das gilt noch viel mehr für das Ride Cymbal, insbesondere in der Nähe der Erhöhung in der Mitte. Wenn ein Musikstück nun 16 Takte lang dasselbe Sample einer Ride Cymbal im Achtel-Rhythmus spielt, dann ist auch für den Laien klar, dass etwas nicht stimmen kann.

Mit einem bisschen mehr Aufwand können aber auch programmierte Drums realistisch klingen und die in viele Sequencer eingebaute Groove-Quantisierung kann hier ebenfalls etwas mehr Menschlichkeit in die Beats bringen.

 

8. Unverständliche Vocals

Wenn ein Song Lyrics bzw. eine Gesangsspur hat, dann sollte ein Zuhörer auch in der Lage sein, den Inhalt der Worte verstehen zu können. Natürlich erscheint das elementar, aber viele Anfänger und Amateure übersehen diese Tatsache.

Es gibt verschiedene mögliche Gründe für unverständliche Vocals. Eine Möglichkeit ist der so genannte Nahbesprechungseffekt bei direktionalen Mikrofonen. Wenn die Schallquelle sich zu nahe an der Membran befindet, werden die tiefen Frequenzen angehoben. Abhilfe ist einfach geschaffen indem man das Mikrofon einige Zentimeter von der Schallquelle entfernt.

Ein weterer Grund könnte das Fehlen eines Popp-Filters sein, denn dadurch werden im schlimmsten Fall harte Konsonanten in einen kleinen Luftstrom übersetzt, der Plopps und Popps auf der Aufnahme hervorruft. Eine solche Aufnahme klingt sorglos und faul. Wer sich keinen Popp-Filter leisten möchte, der kann einen aus einem Kleiderbügel und einem Nylonstrumpf zusammenbasteln. Der Effekt ist auch mit der DIY-Methode zufriedenstellend.

Weiterhin ist oft ein falsch eingestellter EQ schuld an unverständlichen Vocals. Zu oft neigt man dazu einen Vocaltrack durch das Boosten der hohen Frequenzen verbessern zu wollen und macht das Vocals dadurch zu kantig, scharf und manchmal sogar dünn ohne die Klarheit zu steigern. Viel effektiver ist es hingegen eine Vocalspur durch einen Low-Frequency Cut um die 100Hz “aufzuräumen” und durch einen minimalen Boost um die 4-5kHz die Sprachverständlichkeit etwas zu verbessern.

 

9. Zu viel (schlechter) Raumklang

Wer keinen akustisch behandelten oder sehr großen Aufnahmeraum hat, sollte sich bewusst werden, dass der Aufnahmeraum alles andere als optimal ist. Andererseits bedeutet ein schlecht klingender Raum nicht gleich automatisch eine schlechte Aufnahme. Viele kommerzielle Alben sind in solchen suboptimalen Umgebungen aufgenommen worden, es wurde dann aber darauf geachtet, dass sich der Raumklang, der in den Aufnahmen zu hören ist, in Grenzen hält.

Um den Raumklang möglichst gering zu halten, sollte man Mikrofone mit Nieren- oder Acht-Charakteristik wählen und möglichst nah an der Schallquelle mikrofonieren.

10. Schlechtes Timing

Professionelle Musiker üben oftmals wochen- oder monatelang bevor sie ins Studio gehen. Wie bereits weiter oben erwähnt, tendieren Amateure dazu ihre Musik on-the-fly zu schreiben und aufzunehmen, was wiederum bedeutet, dass das Üben schlicht wegfällt. Oftmals kommt noch hinzu, dass man glaubt Fehler im Mix korrigieren zu können und deswegen Aufnahmen behält, die alles andere als perfekt sind.

Wer aber professionell klingen will, der muss nach Perfektion streben und darf keine Fehler in den finalen Spuren haben. Ein einziger Fehler kann einen Song schon als einen Amateur-Mix entlarven.

Oder anders gesagt: Gute Bands sind tight, und wenn die eigene Musikproduktion nicht tight klingt, dann denken die Zuhörer automatisch man wäre nicht gut. Der Schlüssel ist ausgiebiges Üben bevor man auf den Aufnahmeknopf drückt.

 

Fazit

Das waren die 10 verräterische Anzeichen einer Amateur-Produktion. Achtet auf genau diese Dinge in Euren Mixen und dann werdet ihr noch ein bisschen mehr “pro” klingen.

Den ersten Teil dieses Artikels findet ihr hier.