YouTube: Erst Schmarotzer, jetzt strategischer Partner der Labels

YouTube: Vom Schmarotzer zum strategischen Geschäftspartner der Music Labels

Ich bin nun beileibe kein Mensch, der Stunden auf YouTube verbringt, um die neuesten Musikvideos zu sehen. Doch die Meldung “Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar” sehe ich praktisch auf täglicher Basis im Rahmen meiner Recherche. Das ist nervig und auch nur in Deutschland noch so geregelt. Warum? Nun, da gibt es diesen unsäglichen Streit zwischen GEMA und YouTube über die Höhe der Tantiemen, eine Einigung wurde bisher nicht erzielt.

Und es ist schwer Stellung zu beziehen, denn einerseits darf man die Daseinsberechtigung der GEMA nicht verleugnen. Im besten Falle sorgt diese dafür, dass alle Künstler immer dann Geld für ihren Air-Play sehen, wenn dieses angebracht ist. Andererseits scheint Deutschland nicht zuletzt auch wegen der latent konservativen Einstellung der GEMA und ihrer Entscheider immer weiter ins Hintertreffen in Sachen Internet und Urheberrechte zu geraten. Während die Handhabe in den USA gewaltige Unternehmen hat entstehen und gedeihen lassen, und die Music Labels dort bereits heute eine Menge Geld mit YouTube verdienen, so versperren wir hierzulande Newcomern den Weg über YouTube.

Kürzlich so geschehen mit einem HipHop-Act namens Marteria, dessen Single von Label Sony auf YouTube nach vier Millionen Klicks gesperrt wurde. Fraglich, ob dadurch die Plattenverkäufe hochgegangen sein mögen und ob diese Sperrung überhaupt im Interesse des aufstrebenden Künstlers lag. Doch das ist eben auch Deutschland.

YouTube als strategischer Partner für Music Labels und zur Selbstvermarktung

YouTube als strategischer Partner für Music Labels und zur Selbstvermarktung

In den USA scheint man hingegen mindestens einen Schritt weiter zu sein und Music Labels begreifen das Videoportal YouTube als Chance für die Vermarktung von Musikern. Und wie ein Artikel im Independent (danke an Marc Teichner für den Hinweis) kürzlich veröffentlichte: Die amerikanischen Music Labels machen bereits Umsatz in Millionenhöhe auf monatlicher Basis – auf und durch YouTube. Natürlich kommt diese Information mitnichten von Seiten der Music Labels, sie wurde von Patrick Walker, dem Senior Director of Content Partnerships für YouTube veröffentlicht.

Im Jahr 2009 hatten sich auch in den USA die Music Labels und YouTube über die Höhe der Tantiemen überworfen. Doch im Gegensatz zu den hiesigen Pendants konnte man sich in Übersee schnell einigen. Zurecht, denn nun verdienen beide Seiten mehr als gut an der Verbreitung von Musikvideos. Glaubt man dem YouTube-Executive, so werden wöchentlich drei Millarden Videos angesehen, bei denen Werbung geschaltet ist und an denen beide Seite verdienen.

Dass YouTube sich voraussichtlich noch etwas weiterentwickeln wird, liegt auf der Hand. Mit den immer preiswerter werdenden Smartphones, Tablets und Mobilfunkverbindungen, dürfte ein Wachstum des Videokonsums in der Gesellschaft vorprogrammiert sein. YouTube’s Mutterkonzern Google hat das schon vor Jahren erkannt und ist nicht umsonst ein Mediengigant, von dem wir in der Zukunft noch einiges mehr erwarten dürfen.

Die Frage lautet jedoch: Wann werden Deutschland, seine Verlage und Labels das auch verstehen?

Lesermeinungen (7)

zu 'YouTube: Erst Schmarotzer, jetzt strategischer Partner der Labels'

  • FreelancerP
    01. Mrz 2011 | 12:05 Uhr Antworten

    Vielleicht im nächsten Jahr, wenn es eine einheitliche Mediensteuer gibt? Es regt mich schon jetzt auf, daß bestimmte Neuveröffentlichungen von zb. Ami-Künstlern nur außerhalb Europas (od. Detschl.) auf YT zu sehen sind. Wo soll ich denn sonst Musikvideos gucken, bei MTV oder Viva? *grins*

    • Thomas “thommytulpe” Nimmesgern
      03. Mrz 2013 | 09:43 Uhr Antworten

      Hallo!

      Wo sonst? MyVideo, Clipfish, sevenload, vimeo, Youku, Dailymotion, blip.tv … es gibt nicht nur YouTube, auch wenn einem Google etwas anderes einreden möchte.
      Meines Wissens sperrt nur YouTube die Musikvideos (YouTube macht das, nicht die GEMA).

  • Thomas
    01. Mrz 2011 | 15:35 Uhr Antworten

    Mich wundert es immer wieder, daß noch niemand eine Alternativ-Verwertungsgesellschaft gegründet hat. Die GEMA ist schließlich nicht gottgegeben – und Konkurrenz belebt das Geschäft. Wenn eine alternative Verwertungsgesellschaft für mich als Künstler interessantere Konditionen hätte, wäre es doch klar, von wem ich meine Rechte vertreten lassen würde …

    • Julian
      08. Mrz 2011 | 13:39 Uhr Antworten

      Dem stimme ich vollkommen zu, zumal die GEMA sich nur für Künstler lohnt, welche schon einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzen und/oder entsprechenden Umsatz haben. Für kleinere Künstler wäre GEMA-Konkurenz sicher gut.

  • Timo Jan Knoll
    02. Mrz 2013 | 19:19 Uhr Antworten

    Ja die C3S scheint doch auf dem Weg zu sein eine Konkurrenz zur GEMA zu stellen.

    • Thomas “thommytulpe” Nimmesgern
      03. Mrz 2013 | 09:54 Uhr Antworten

      Hallo!

      Gibt’s denn da schon neue Entwicklungen? Das bislang letzte, was ich in der Hinsicht mitbekommen habe, war, dass C3S Sich beim Patentamt um Zulassung beworben habe und sich um die Startfinanzierung kümmern müsse – weiß jemand, wie das mittlerweile weitergegangen ist?

      Nebenbei: C3S scheint (so wie ich das mitkriege) das Hauptaugenmerk auf CC-Lizenzen zu legen – find’ ich auch nicht sooo prickelnd. Da wird den Urhebern und auch den Nutzern vorgemacht, dass andere Lizensierungsmodelle nicht empfehlenswert seien.

  • Timo Jan Knoll
    04. Mrz 2013 | 17:03 Uhr Antworten

    Also hier bekommt man Infos aus erster Hand.
    http://www.c3s.cc/

    – Da wird den Urhebern und auch den Nutzern vorgemacht, dass andere Lizensierungsmodelle nicht empfehlenswert seien. –

    Ja klar natürlich will doch jeder mit seinem Modell/Unternehmen das NonPlusUltra sein.
    Aber für den Semi – Hobby Musiker der trotzdem seine Musik schützen lassen will (in der Welt des Internets) ohne GEMA und große artige Verträge mit GEMA kann die C3S eine alternative sein. Da weniger Kosten, Aufwand usw.
    Ich selbst will lieber arbeiten gehen ohne drauf zu hoffen das mir meine Musik irgendwann zum Glück verhilft. Aber trotzdem geschützt sein und so. Und wenn doch mal der Fall der Fälle eintritt dann kann ich mal weiter schauen.

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