Trends & Voraussagen für die nächste Dekade im Musikbusiness

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Trends & Voraussagen für das Musikbusiness, Recording und Musikproduktion

Klar, ich bin kein Hellseher und das Rad habe ich auch nicht erfunden. Aber im Rahmen meiner Arbeit hier auf delamar habe ich eine Menge gelesen, recherchiert und mit Freunden, Bekannten und Kollegen diskutiert. Und einige dieser Ideen möchte ich heute mit dir teilen – und hoffentlich in den Kommentaren diskutieren.

 

Das Musikerdasein…

…war noch nie einfach und wird es auch in den kommenden Jahren nicht werden. Vielmehr werden sich Musiker und Bands, die erfolgreich sein wollen, noch wesentlich härter anstrengen müssen. Mit den fallenden Preisen für Musikequipment und den immer einfacher werdenden Werkzeugen zur Musikproduktion wird die Konkurrenz unweigerlich steigen. Es werden mehr Bands, mehr Musiker, mehr Soloprojekte denn je entstehen und um die ohnehin geringe Aufmerksamkeit potenzieller Fans kämpfen.

Wir werden uns mehr denn je darauf einstellen müssen, dass die Selbstvermarktung für Musiker immer wichtiger wird. Je undurchsichtiger und grösser das Angebot wird, desto grösser der Zeitanteil, der in das Vermarkten der eigenen Person, Musik oder Band gesteckt werden muss. Getreu nach dem Motto: Je lauter der Markschreier, desto grösser der Absatz.

Dasselbe trifft auch für Auftrittsmöglichkeiten für Bands zu. Denn diese sind rar bzw. die Masse der Bands, die sich um Auftritte bemüht ist gross. Dabei wird in den nächsten Jahren die Bedeutung von Auftritten als Einnahmequelle für Musiker noch weiter zunehmen.

Von seiner Musik zu leben ist nicht nur ein Privileg, es ist vor allem auch ein Geschäft.

 

Die Musikindustrie…

…wird noch eine ganze Weile weiterjammern, aber nicht mehr länger zusehen, wie ihr die Felle davonschwimmen. Während Sie weiterhin erstklassige Meinungsmache in Sachen Urheberrecht und Raubkopien machen, werden neue Modelle entwickelt, um das eigene Geschäft am laufen zu halten bzw. wiederzubeleben. Kundenorientierung und Fanpflege werden wieder in den Mittelpunkt rücken, denn es wächst gerade eine neue Generation von jugendlichen Musikkonsumenten und Musikern heran, für die freie Handhabe respektive Creative Commons ein wichtiger Punkt im Umgang mit ihrer Musik ist.

Wir werden in den nächsten zehn Jahren Musik- und Album-Releases in ganz neuen Art und Weisen erleben. Fertig geschnürte Musikpakete, in denen Fanbindung, Merchandising und Direktvermarktung eine wesentliche Rolle spielen, das Produkt Album und CD nur noch ein Teil des Ganzen ist.

Der Markt mit digitalen Musikdownloads wird weiter wachsen und das tradierte Musikbusiness am Leben erhalten. Die unabhängigen Labels werden an Bedeutung gewinnen, sofern sie lernen, sich selbst und ihre Aufgaben neu zu definieren. Die besten werden sich dann vor allem durch eine exzellente Musikauswahl und durch hervorragendes Marketing hervortun.

Die Kulturflatrate wird unter irgendeinem Namen Realität und uns für die Zukunft „Radiostationen“ nach Mass bescheren. Online, auf dem Handy, für das Auto und vielleicht auch als neue Form der Musikspeicherung (statt der heimischen Festplatte).

 

Internet, Social Media & Musikportale

Die Bedeutung von Angeboten wie YouTube & Co. als das neue Musikfernsehen und Unterhaltungsform wird durch die Verbreitung preiswerter Internet-Leitungen allerorts steigen, und damit auch der von diesen Portalen ausgeübte Einfluss. Die Musikindustrie wird sich immer mehr darauf einlassen (müssen) und eigene Wege finden, um daraus Kapital zu schlagen. Auch kleinere Vertreter der Branche werden früher oder später aufhören, dagegen anzukämpfen, und eigene Strategien entwickeln, um am Geldsegen beteiligt zu werden.

Social Media und Musikportale werden die wichtigsten Kommunikations- bzw. Vertriebskanäle für Musiker werden. In die Top 100 Musikcharts werden sich in Zukunft sicherlich auch vermehrt Musiker und Bands finden, die auf Portalen wie iTunes, Spotify, MySpace etc. gross geworden sind. Im undurchdringlichen Dschungel des Musikangebots werden diese Musikportale auch zu einem wichtigen Ratgeber auf der Suche nach neuer Musik.

Facebook wird früher oder später einen Weg finden, erfolgreich Musik in seine Strukturen einzubauen und auch Musikern eine gute Plattform bieten, sich der Welt zu präsentieren. Mit der riesigen Userbase bei Facebook würde diese Social Media Plattform praktisch über Nacht zu einem der wichtigsten Plätze für die Vermarktung von Musik werden.

Und dann ist da noch die grosse Suchmaschine in den Startlöchern mit der Google Musiksuche, die voraussichtlich einen grossen Einfluss auf das Finden und Kaufen von Musik in der nächsten Dekade nehmen wird. Google könnte mit Leichtigkeit die Oberhand im Musikmarkt übernehmen und eigene, neue Regeln einführen. Vielleicht bündelt der Suchmaschinenriese am Ende sogar ein Paket mit eigenem Musikdownloadportal – erste Schritte in diese Richtung wurden bereits in China getätigt.

 

Spannend…

…wird es auf jeden Fall. Die Chancen für Musiker und Bands, den eigenen Erfolg im Musikbusiness massgeblich selbst mitzubestimmen, sind so gut wie noch nie. Das Musikbusiness ist im Wandel, es erlebt gerade im Moment einen echten Umbruch, dessen Auswirkungen in den nächsten Jahren deutlich werden.

Was denkst Du, wird in den nächsten zehn Jahren passieren? Wohin geht die Reise? Was wird sich ändern? Was bleibt gleich? Schreib uns deinen Kommentar, deine Meinung!

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Lesermeinungen (4)

zu 'Trends & Voraussagen für die nächste Dekade im Musikbusiness'

  • Mphonic   05. Jan 2010   12:59 UhrAntworten

    hallo carlos,
    ich denke du hast schon weitgehend recht, die Musikindustrie muss sich neu aufstellen und vielleicht sollten die Labels sich auch mal anderweitig umsehen, nicht nur nach Musikern und Bands, die sofort das große Geld bzw. den großen Umsatz bringen, sondern auch Musiker die das Potenzial haben über einen größeren und weiteren Zeitraum eine konstante Leistung erbringen können. Und genau diese Künstler, die mit Kreativität, Leistung und Leidenschaft mehr gefördert werden sollten, als man es bisher mitbekommen hat.

    Die Musiker sollten sich hingegen, nicht nur auf das verlassen, was in den Charts läuft, sondern sollten sich vielleicht damit beschäftigen, was neues auf die Beine zustellen, Rockbands gibt es genug, aber vielleicht sollten sie neues erschaffen, einen neuen stil, oder sich einfach von allen Bands abheben und sich nicht immer an die aktuellen Regeln der Musikproduktion zu halten.

    soviel erst mal dazu, denke ich melde mich noch mal zu wort.... ;-)

  • manuel heeg   05. Jan 2010   17:46 UhrAntworten

    Ich gebe dem Verfasser Recht, dass u.a. durch die zügige technische Entwicklung und der damit verbundenen Erschwinglichkeit und vermeintlich leichteren Bedienbarkeit, das Angebot auf dem Musikmarkt in nächster Zukunft noch größer werden wird. Welche Konsequenz aus diesem Überangebot entstehen wird ist nach meiner Meinung noch völlig offen.
    Denkbar wäre die Variante, dass der von der Industrie gepushte "Top-Act" (etwa Madonna oder Robbie Williams) aussterben wird. Zum einen, weil der Musikhörer sein Verhalten in dieser demokratisierten Musikwelt ändert und seinen Konsum stärker personalisiert. Zum anderen wird es für die Industrie immer schwieriger ihren Act so zu platzieren, dass kein Kunde daran vorbei kommen kann.
    Eine zweite mögliche Konsequenz wäre auch, dass die Entwicklung des Überangebots sich binnen einiger Jahre wieder in das genaue Gegenteil verkehrt. Gemeint ist, dass der Musikmarkt für einige Zeit überschwemmt wird mit dieser unglaublichen Masse an Produktionen, aber sich immer weniger dieser Acts durchsetzen können und am Ende wieder nur noch die Künstler überleben, welche industrielle Unterstützung erhalten. Dies könnte eintreten, da sich der Musikhörer im Dschungel des Überangebots nicht mehr zurecht findet und sich deswegen wieder nur noch auf altbewährtes verlässt. Der Kunde könnte sich dem Angebot verweigern, da es zu groß und zu unübersichtlich geworden ist. Er weiß gar nicht wo er anfangen soll um nach neuen Acts zu suchen und denkt sich daher: "Madonna fand ich schon immer gut, deswegen bleib ich da, wo ich weiß was mich erwartet."
    Beide Möglichkeiten stellen sicher Extrempunkte dar und die Wahrheit liegt letztendlich wie so oft irgendwo in der Mitte. Was meint ihr?

  • Freddy   05. Jan 2010   21:07 UhrAntworten

    ... und dann wird ganz tolle Musik zu hören sein, ja ja ... und Radiostationen im offenen Kanal.

    Die meisten haben von der Technik mehr Ahnung als von dem, was sie eigentlich damit machen könnten oder sollten.

    Um ein Buch zu schreiben, brauchst Du nichts, was heute noch Geld kostet. Die Zahl guter Autoren ist damit nicht gestiegen.

    Die Talente werden in Zukunft viel höher eingekauft werden. Wirklich talentierte Kreative werden astronomische Einkünfte erreichen.

    Mal sehen, wer die Majors sein werden. Die Musik war immer dort, wo auch die Technik war. Es werden sich Majors entwickeln, die imstande sind, gigantische Vermarktungen zu leisten. Wenn die Chinesen und Inder erst mal für Musik zahlen. Die westliche Musik gefällt ihnen auf jeden Fall.

  • Johannes Strom   02. Sep 2010   16:00 UhrAntworten

    Gegenidee:

    Wäre es nicht für alle wahren Musikliebhaber ein Gutes, wenn sich speziell Start-Ups und kleine Bands lieber darauf konzentrieren würden ihre Musik wirklich Musik sein zu lassen. Zu Arrangieren, zu komponieren, auch mal was weg zu werfen. Anstatt halbfertige, teils halbherzige Projekte des Klicks wegen auf die Menscheheit los zu schicken. Pareto mal andersrum, 80% Marketing 20% Musik?

    Wollen wir das?

    Eine Bitte:

    Liebe Künstler, lasst euch Zeit, damit ihr am Ende auch Künstler bleibt und keine Geschäftsleute werdet.

    Interessanter Beitrag dazu:

    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,709953,00.html

Sag uns deine Meinung!

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