Streaming: Der Fluch der Personalisierung in der Musikwelt

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Die Revolution der Musikbranche bedeutet das Aussterben der CD-Player.

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Heute Streaming in Echtzeit – Früher harte Fingerfertigkeit

Die guten alten Musikkassetten: klein, kompakt und im Vergleich zu den alten Vinyls wirklich unverwüstlich. Mit Geburt des Kassettenrecorders mit Aufnahmefunktion wurden auch die ersten personalisierten „Playlists“ geboren. Wer hat in jungen Jahren nicht ab und an vor dem Radio gesessen und die wöchentlichen Charts aufgenommen, sehnsüchtig auf seinen Lieblingssong gewartet und sich geärgert, wenn die Songs nicht ausgespielt wurden?

Das war unser erstes legales Streaming. Ja, das Mitschneiden von Musik aus dem Radio ist und war tatsächlich vollkommen legal. Schon damals wurde es nicht unbedingt gern gesehen – immerhin war auch damals schon das Ziel der Musikindustrie, möglichst viele Alben zu verkaufen. Doch damals gab es Mixtapes nicht in der Masse, wie es sie heute in Form von digitalen Playlists gibt.

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Streaming-Dienste Spotify & Rdio

Der nächste Schritt in der Personalisierung seiner Musik: Der eine eigene Sampler mit Titeln aus 20 unterschiedlichen CDs. Der CD-Brenner war geboren, mit ihm viele Varianten von CD-Recordern und CDi-Geräten, die gleich die passenden Videoclips an Bord hatten. Welch eine großartige Sache, wenn man bedenkt, dass man sich viele Sampler und Alben bei Freunden ausleihen konnte und so wunderbar (fast gratis) an seine personalisierten Sampler kam.

Musiker haben bereits ab diesem Zeitpunkt nur eine statt zwei CDs wie zuvor verkauft. Für den kleinen Geldbeutel gab es nun die Singles – gerade Teenager hatten damals mehr Singles, als Alben in den Regalen stehen (mich eingenommen). Aber wozu in Alben oder Sampler investieren, bei denen die meisten Songs doch nur Durchschnitt waren? Wenn mir 80% der Songs gefielen, war das viel. Eine 100-prozentige Punktlandung gab (und gibt) es kaum. Und so waren CD-Brenner ein wahrer Segen für Freunde der individuellen Musikgestaltung.

 

Wir wollen Musik JETZT, IMMER und UNBEGRENZT

Heute steckt der USB-Stick am Autoradio, Spotify startet automatisch wenn wir unseren Rechner hochfahren und Napster schlägt uns vor, was wir toll finden. Keine illegalen Downloads, keine CDs mehr in den Regalen zuhause, nur noch das Internet immer und überall. Und die großen Streaming-Dienste moderner Zeit bieten nach und nach auch alles in einer Offline-Version an, falls doch einmal irgendwo das Internet weg sein sollte. Doch: Wie sicher sind die Streamingdienste?

Es gibt also alles, sofort und immer. Das Begehren der Menschheit umgewälzt auf die Musik. Kein langwieriges Stöbern in Plattenläden, geschweige denn das mühselige Aufnehmen von Kassetten oder Brennen von CDs. Verliert Musik dadurch auch an Bedeutung? Eher befasst man sich mit den rechtlichen Gegebenheiten seiner Login-Daten oder mit der Menge an Songs beim gewünschten Streaming-Dienst. Keiner beschäftigt sich vorab noch mit Alben und deren Inhalt. Man hört einfach darauf los, klickt weiter, landet bei einer anderen Band und hat bereits vergessen, was man zuletzt gehört hat.

Das bringt die Personalisierung mit sich: breite Masse, von allem etwas und kaum noch etwas richtig. Weniger Kult- und Fancharakter, weniger CD-Verkäufe, trockenes Brot für Künstler und ein längerer Weg vom Hörer zum Fan.

Oder ist es vielleicht nur die Einfachheit? Musik wird zugänglich, universal und überraschend. Ist es ein Segen, durch die vielen Streaming-Dienste und persönlichen Playlists immer wieder Neues zu entdecken? Etwas, das man sich im Plattenladen niemals gekauft hätte? Ein Künstler, über den man früher die Nase gerümpft hätte? Ist Streaming als Zukunftsmodell überhaupt haltbar?

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Lesermeinungen (20)

zu 'Streaming: Der Fluch der Personalisierung in der Musikwelt'

  • Rainer Welthit   31. Okt 2013   11:26 UhrAntworten

    Das Radio hat Stars zerstört und Stars erschaffen, Videos haben Stars zerstört und Stars erschaffen, das Internet hat Stars zerstört und Stars erschaffen... Die, die nichts besseres zu tun haben, als sich darüber zu beschweren, dass Dinge sind wie sie sind, hatten noch nie Erfolg und werden auch nie Erfolg haben.

  • Gilbert   31. Okt 2013   11:43 UhrAntworten

    Ich bin jetzt 25, habe somit alle von dir aufgezählten Medien durchlebt. Angefangen damit, mir aus den CD's meines Bruder Mix-Kassetten zu erstellen bis hin zu Spotify. Ich bin selbst Musiker und Musikverliebter und kann zumindest sagen, dass Streamingdienste die (meine) Musikwelt entzaubert haben.
    Am besten ein Beispiel: Ich hab mich auf die neue Jupiter Jones-Scheibe echt gefreut, aber hab sie mir dann irgendwie doch nicht gekauft, weil sie auch gerade bei Spotify auftauchte, da war ich dann zu ungeduldig, um nochmal zum Laden zu fahren..;) Beim ersten Mal durchhören sagte sie mir gar nicht so zu, habe Songs auch schnell mal übersprungen, wenn mir was nicht gefiel. Ich hab die Platte echt nicht gewürdigt - war ja umsonst. Ein paar Wochen zuvor: Beim Plattenladen um die Ecke gibt's immer mal wieder eine Wühlkiste, da hatte ich Springsteen's Magic für nur 5 € entdeckt, und kennen tat ich das auch noch nicht, also gekauft. Auch die CD gefiel mir zu Anfang nicht soo super, aber ich hab zumindest jeden Song komplett gehört - hab ja explizit für DIE CD bezahlt, und von der Couch zur Anlage ist es ein weeeiter weg ;). Ich hab sie sogar mehrmals gehört, und wie so oft bemerkte ich immer mehr Sachen, die ich daran doch ziemlich gut fand.

    Der ständige Zugang zu nahezu jeder Band und jedem Künstler über Spotify nimmt deren Musik für mich zumindest das Besondere, bzw. ich geb mir keine Mühe mehr, das Besondere zu entdecken.

    Andererseits gilt für mich aber natürlich, dass ich mir viel Musik nur aus Nostalgiegründen anhöre. Und 'ne Captain Jack-CD will ich mir nun echt nicht kaufen...;)

    Schöner Artikel, weiter so.

  • Carlos San Segundo   31. Okt 2013   11:50 UhrAntworten

    Und wie haben sich eure Hörgewohnheiten verändert? #Spotify hat mir jedenfalls bessere Musik auf die Ohren gegeben als Radio und TV - weil ich sie selbst aussuchen.

  • Count Infinity   31. Okt 2013   14:31 UhrAntworten

    Diese unmittelbare Verbindung zum Interpreten, die man verspürt, wenn man Musik - vor allem in Form eines Tonträgers - käuflich erwirbt, kommt mit Streaming-Diensten in der Tat etwas abhanden.

    Ich habe dieselbe Erfahrung gemacht wie Gilbert: wenn ich für eine CD 15 Euro ausgebe und mir diese beim ersten Mal hören nicht gefällt, werde ich mir diese wahrscheinlich öfter anhören, weil ich ja dafür bezahlt habe. Bei einem Streaming-Dienst höre ich häufig nur wenige Sekunden eines Songs und klicke bei Nichtgefallen zum Nächsten bzw. überhaupt gleich zu einem anderen Künstler.

    Auf der anderen Seite hat man mit Spotify & Co. durch das Wegfallen des Konsumrisikos die Möglichkeit, ganz ganz viel zu entdecken. Bei mir ist es schon so, dass ich Sachen, die ich auf Spotify gehört und für gut befunden habe, dann auch kaufe. Gleichzeitig habe ich mich früher auch oft darüber geärgert, eine CD, die in einem Fachmagazin abgefeiert wurde, blind gekauft zu haben, die dann auch nach mehrmaligem Hören nicht meinen Geschmack getroffen hat.

    Insofern gibt es Pro und Contra. Ich denke, die Mischung macht es. Bei mir läuft tagsüber am PC Spotify, im Auto verwende ich einen USB-Stick, zuhause höre ich über die Heimanlage CDs bzw. Vinyls. In meine Sammlung wandern aber, seit ich Spotify-User bin, nicht mehr so viele Alben wie früher. Bei Releases, wo die Vorfreude groß ist, pflege ich aber nach wie vor das Ritual, das Album ohne Vorhören zu kaufen, mich damit vor die Anlage zu setzen und intensiv zu befassen. Diese Vorgehensweise wird auch trotz Spotify weiterhin zelebriert.

    Ob Streaming in Zukunft alle anderen Formate ersetzen wird, denke ich nicht, zumindest nicht kurzfristig (vor allem nicht in Deutschland bzw. Österreich). In Skandinavien sieht die Sache schon anders aus. Wenn man sich aktuelle Reports ansieht, kann man erkennen, dass z.B. in Schweden Streaming schon einen wesentlichen Teil des Gesamtmarkts ausmacht und dieser zuletzt auch wieder signifikant gewachsen ist.

    Spotify ist somit nicht der Teufel. Wenn der Markt dadurch insgesamt größer wird, wird sich das auch positiv für die Labels und Künstler auswirken.

    Man darf weiterhin gespannt sein.

  • Gilbert Schwarz   31. Okt 2013   14:46 UhrAntworten

    Jaa, Carlos, das stimmt auf jeden Fall, doch wer ein 'aber' suchet, der findet auch eins. ;) z.B. das Autoradio hat doch auch was..man fährt mit seinen Kumpels rum, und im Radio kommt unerwartet Uptown Girl. Würde ich glaube ich auf keinem USB-Stick meiner Kumpels finden, aber wenn's dann läuft, singt doch jeder mit! :)

  • Mex   31. Okt 2013   16:01 UhrAntworten

    Die Art wie man heute durch Internet&Co Musik konsumiert, hat leider schon etwas mit belangloser Genusslosigkeit zu tun.
    Es ist zu einem Massenprodukt verkommen, das der Berieselung zum Langeweile überbrücken etc. dient.
    Musik wird heute wie Klopapier zumeist einfach nur konsumiert, bzw. gesammelt.

    Eher selten wird der Musik heutzutage eigentlich noch wirklich gelauscht... so wie wir damals mit Freunden vor den Plattenspielern lagen und uns mit Genuss und Spannung die neuesten Platten unserer Lieblingskünstler reinzogen, ja quasi analysierten. Zu meiner Zeit in den 1970/80`er Jahre, gab es noch einen gesellschaftlichen Aspekt, den man wahrlich "Musikbegeisterung" nennen konnte !
    Diese Art der Begeisterung treffe ich heute in der Jugend eigentlich kaum bis gar nicht an.
    Hin und wieder trifft man Teens in der Bahn an, die sich über diesen oder jenen Künstler unterhalten und auch streiten (immerhin), aber oftmals geht es auch nur darum, wer die meisten Songs auf dem Smartphone hat oder die Quali so mies sei, das dieses oder jenes Downloadportal nicht so zu empfehlen wäre (immerhin :D) !

    Die Probleme und Einbrüche die dieses Konsumverhalten in der Musikindustrie schafft, schafft auf der anderen Seite auch wieder andere Möglichkeiten, die an Stellenwert dazu gewinnen, bzw. sich nie ändern werden.
    Das Live-Konzert z.B. Damals, wie aber insbesondere heute, ist es halt etwas ein nach wie vor unvergleichliches Erlebnis, ein Konzert seines Idols besuchen zu können.
    Diese Gefühl, dabei gewesen zu sein.
    Ein echtes Erlebnis, das man sich eben nicht im Internet Downloaden kann !

    Durch die Einbrüche im CD-Verkauf und dem Online-Konsumverhalten hat die Wichtigkeit Konzerte zu machen (ja, machen zu müssen), wieder stark zugenommen, glaube ich.
    Es reicht heute nicht, einfach nur eine CD auf den Markt zu schmeissen.
    Die Musiker müssen wieder raus, um die Leute zu erreichen und durch Auftritte ihre Musik zu promoten.
    Mitte/Ende der 80'er, befanden es viele Künstler ja nicht mehr für soo notwendig, Konzerte zu geben (insbesondere im kleineren Rahmen) und eher nur die Platte auf den Markt zu schmeissen. Konzerte und Tourneen wurden seltener (und daher noch besonderer).

    Aber durch das heutige Konsumverhalten muß der Musiker quasi wieder mehr unter das Live-Volk, sei es um sich einen Namen zu machen oder seine Musik zu promoten und der Stellenwert eines Konzerts (eben auch im kleineren Rahmen und nicht mehr nur ausschließlich Stadien füllend) hat m.E. wieder deutlich zugenommen !

    Auch aus dem Bekanntenkreis sehe ich viele meiner Freunde wieder öfter zu Konzerten gehen. Früher ging man natürlich auch zu Konzerten, aber das es vorkam das "Der" oder "Die" halt in der Stadt waren und ein Konzert gaben, passierte eher alle Jubeljahre mal.
    Heute sind "Der" oder "Die" halt öfter mal in der Stadt.
    Das ist ein schöner Umstand, der halt irgendwo sicherlich auch dem heutigen Konsumverhalten geschuldet ist.

    Mich als Musiker hat sich das berieselnde Konsumverhalten durch Internet&Co zu einer beruflichen (richtigen) Entscheidung gedrängt.
    Klar wollten wir in der Band immer alle Reich&Berühmt werden, aber mir wurde klar, das dies nicht geschehen wird, indem wir Radiostars werden würden.
    Abgesehen einmal davon, das wir als Band nicht alle am selben Strang zogen und auch nicht gut genug wären.
    Für mich waren die Verdienstmöglichkeiten durch CD-Vekauf und Radiosendung als utopischer Radiostar einfach kein realer Umstand und so entschloss ich mich, mit meiner Musik in der Industrieproduktion (sprich Film, Werbung, Games usw.) unterzukommen.
    Eine goldrichtige Entscheidung die ich für mich traf.
    Wenn ich daran denke, wie oft ich im Radio gespielt werden müsste (was heute für mich ein quasi beiläufiger Nebeneffekt meiner Arbeit ist) oder anteilig an CD's verdienen müsste um auf mein durchschnittliches Monatseinkünfte zu kommen, umso mehr weiß ich heute, wie unrealistisch das Träumen in der Band von Ruhm&Reichtum doch war !
    Das soll aber nicht bedeuten, das andere ihren Traum von Ruhm&Reichtum und Radiostar begraben sollten...Nein, auf keinen Fall !
    Ich war für mich damals halt nur an einem Punkt, wo ich mir überlegte, mit weniger Energie und Aufwand als in harten Bandproben, Gigs, durchzechte Nächte und Tage usw. ein halbwegs bescheidenes, dafür aber reales und konstantes Einkommen zu erzielen...und außerdem hatte meine damalige Freundin immer gemeckert von ernsthaft beruflichen Standbein usw :D

    Mex

    • KallePeng   04. Nov 2013   23:42 UhrAntworten

      Das war schon immer so. Bei mir, im einzugsbereich des NDR gab es in den 70gern und frühen 80gern eine Sendung, die nannte sich 'Der Club' eine Kultsendung, in der wirklich auch recherchierte Beiträge aus der Britischen und Internationalen Szene präsentiert wurden. das ging zu Zeiten des Staatlich monopolisierten Rundfunkmonopols schon an den Massen vorbei und wurde auch sofort mit dem privaten Formatradio abgesetzt.
      Man muß einfach akzeptieren, das der größte Teil der Menschheit keinen Zugang zu Musik über dem Niveau von Kinderliedern hat.
      Aber man kann sich gleichgesinnte suchen., dass macht das Erleben von Musik wahnsinnig spannend.

      • KallePeng   04. Nov 2013   23:48 Uhr

        Nachtrag:
        Ein Kollege hat mal gesagt: "Beim staatlichen Rundfunk wurde ein intellektuelles Programm von studierten Menschen für gebildete Menschen gemacht. Mit den privaten hat sich das geändert!"

  • Mr.Magnus   31. Okt 2013   18:20 UhrAntworten

    Ich wohne aufm Dorf. Electro und Hip-Hop kennt ihr kaum einer. Schlager ist beliebt. Im Radio läuft nur altes Rock-Zeugs, Williams und Bon Jovie und ab und an verirrt sich noch der deutsche Pop (oder Pop-Schlager) alla Frida Gold in die Funkstationen. Mir bietet Streamen die Möglichkeit neue Musik zu entdecken; Musik die mir gefällt. Plattenläden oder ähnliches gibt es hier ja auch nicht. Ich höre viele neue Sachen, die mir nicht gefallen. Aber wenn mir dann was gefällt, bestell ich mir meistens immer noch das Album.

    Ausserdem hast sich das Geldverdienen als Musiker stark verändert. Die Mainstram-Alben bieten doch kaum noch Platz für wahre Kunst. Alles ausproduziert. Keine Ecken und Kanten, alles klingt schön und wenn der Sänger ma verkackt hilft AutoTune. Der wahre Künstler zeigt sich heute auf der Bühne. Wie bewegt er die Massen, mit seinen Worten, seiner Ausstrahlung. Wie singt er live, macht er Variationen. Spielt die Band live, harmoniert sie mit Sänger, sind sie ein Team.
    Aloe Blaccs Track I Need A Dollar is ja auch nicht die grosse Kunst. Ein schönnes Klavier und eine ganz gute Stimme. ABER wenn der Typ auf der Bühne steht und die Nummer einfach mal als Ragge-Nummer oder durch den Blues oder Jazz zieht, dann ist das Kunst. Dann ist er Künstler, dann ist er Musiker.

    • KallePeng   04. Nov 2013   23:31 UhrAntworten

      Es geht gar nicht um das Medium.
      Oder besser gesagt: "Es geht darum, dass Musik lebt!"
      Vinyl, Tape oder CD sind doch nur der Konservierungsstoff einer vergangenen Zeit.
      Viele Studio Aufnahmen haben mich enttäusht, wenn ich eine Band erst einmal live kennengelernt hatte.
      Das bringt kein Medium wieder.
      Musik ist ein Lebensgefühl, und umgekehrt.
      Ich bin Musik Junky.
      Von Klassik über Jazz und Rock bis hin zum Punk.
      Wenn mich jemand nach meinem Musik Geschmak fragt, dann sage ich gerne einmal provokant, von allem einfach nur das beste.
      Die Wahrheit ist aber viel banaler.
      Als gutbürgerliches Mittelschichtskind, mit der Bewußtseinserlangung in den 80ern habe ich durch meinen 68er Vater eben auch mal ein free Jazz Konzert mitgenommen oder ein Klassik Abonement abgesessen.
      Was davon übrig geblieben ist, ist ein breiter Horizont.
      Mich haben sehr schnell die 'Formatradios' angekotzt, die meinten jeden Musikgeschmack bis zum erbrechen mit der Playrotation totzulangweilen.
      Ich bin den Samplern, Mixtapes und Playlists dankbar gewesen, die mir die Nischenprodukte näher gebracht haben.
      Abseits vom Mainstream, wir selbst haben das in den 80er Independent genannt.
      Heute, bei Napster 3.0 und leckmichfiy, deren Programmierer sich einbilden, man könnte Individualität und guten Geschmack in programmierbare, vorhersehbare Parameter und damit in kalkulierbaren Gewinn zwingen gehe ich zwar wieder den Weg der Konsumenten, aber eben den, der aufgeklärten, anspruchsvollen, bornierten, avantgardistischen, intellektuellen, gutbürgerlichen.
      Ich höre moderierte radiostreams mit gut recherchierten Beiträgen zu Künstlern und Musikern.
      Ich teile diese Links mit Freunden aus der Szene, tausche mich aus und gelegentlich kauft auch der eine oder andere eine CD aus dem Netz.

  • Orlando   31. Okt 2013   20:13 UhrAntworten

    Ein Großteil der Musik scheint mir zum Massenprodukt verkommen zu sein. Die Produktionen werden immer billiger, vieles wird nach Schema F für die Popcharts produziert. Der "Konsument" bekommt, was er verlangt.

    Echte Künstler gibt es leider nur noch wenige. Es scheint, als Fehle den Menschen die Zeit zuzuhören...;)

  • Abrak   31. Okt 2013   21:18 UhrAntworten

    Bei den heutigen Speicherkapazitäten ist Streaming doch überflüssig.

    Wenn ich im MP3-Format mit grob 1MB pro Minute rechne komme ich mit einer 16GB Speicherkarte im Smartphone auf etwa 11 Tage Dauerberieselung.

    • Matthias   03. Nov 2013   11:25 UhrAntworten

      Die musst du aber erst mal kaufen, die Musik, oder?

  • Niiru Ownas’h   01. Nov 2013   09:09 UhrAntworten

    Ich glaube die Thematik wird etwas überdramatisiert.
    Viele (echte) Künstler, also niemand der sich im "Mainstream" Bereich bewegt, sind schon dazu übergegangen ihre Alben direkt nach Release gratis zu Streamen. Es scheint auch zu funktionieren, denn es gibt sie immer noch und die Fangemeinden wachsen.

    Na klar, wenn mir das Album gefällt, kaufe ich es. In welcher Form bleibt einem selbst überlassen, jedoch legen diese Bands sehr oft sehr großen Wert darauf mit der CD ein Kunstwerk zu schaffen, welches nicht nur die Musik, sondern auch die Verpackung, das Inlay etc. umfasst!

    Natürlich gibt es immer wieder Kiddies, die sich all ihre Musik mit dem Youtube-Downloader gezogen haben..
    Das sind dann oft auch welche die Behaupten, dass man für 1 Minute MP3 grob 1MB rechnen müsste *würg*
    Diesen "Konsumenten" ist soweiso nicht zu helfen.

  • Wirgefuehl   01. Nov 2013   09:53 UhrAntworten

    Die Erkenntnis, die ich aus dem Artikel und den Kommentaren hier ziehe ist, dass Musik in Streaming-Diensten mehr denn je darauf ausgelegt sein sollte, den Hörer vom ersten Moment an zu packen - damit sie nicht weg geklickt wird.

    Diese Ungeduld oder auch Unzufriedenheit ("bei dieser Masse muss es doch noch was Besseres geben...") wird offensichtlich immer größer, obwohl die technischen Möglichkeiten eigentlich genau das Gegenteil bewirken könnten/sollten. Ein Paradoxon unserer Zeit.

    Der Artikel ist eine schöne Zusammenfassung aktuellen Zeitgeschehens, allerdings finde ich stöbern in Plattenläden überhaupt nicht langweilig... :)

  • jacktheguitarman   01. Nov 2013   13:51 UhrAntworten

    Nutzerzentrierte Erlebnisse, darum geht's, oder?
    Wenn man früher ein Mixtape für die Freundin zusammengestellt hat, dann doch mit der Absicht, etwas zu schaffen, was verbindet.
    Wenn man mit einem unvergleichlichen Gefühl von einem Live-Konzert kam, dann doch, weil die Band es geschafft hatte, einen persönlich mitzureißen.
    Nutzerzentrierung kann auch über Interaktion erfolgen, deshalb ist wohl Spotify so beliebt, weil man ganz allein in etwas eingreifen kann, was andere bereitstellen. Nur kommt die Kommunikation hier zu kurz (Facebook-Shares und Sterne-Bewertungen sind in meinen Augen Pseudokommunikation).
    Radiosender, deren Moderatoren oder auch DJs sollten sich zumeist ihrer Verantwortung bewusst werden, diejenigen Menschen zu sein, die eine Verbindung zwischen Musikern und ihren Rezipienten schaffen könnten.
    Ob man als Musiker mittels Social Marketing mehr Fans anziehen kann als über einen Live-Gig ist meiner Meinung nach fraglich.

  • AndyF   01. Nov 2013   15:26 UhrAntworten

    Streaming ist der Weg zur Musik ohne physikalisches Medium. Dumm ist nur, dass Musiker noch bis vor kurzem genau mit diesem Medium Geld verdient haben. Fast die ganze Kohle die da verdient wird geht jetzt nicht mir zu den kreativen Menschen, nein es sind die allseits so beliebten Investoren welche sich an den Gewinnen erfreuen. Mit Verlaub eine Bande von Individuen, welche alles kaputt machen was sie anfassen. Dass dabei die Qualität auf der Strecke bleibt ist ja kein Wunder. Einheitsbrei macht halt mehr Umsatz.
    Was können wir Musiker tun? Ja halt einfach nichts bei den genannten Streamern verkaufen. Ich für mich kann auf die paar Cents welche am Ende noch an die Musiker vergütet werden gut verzichten. Es gibt auch digitale Vertriebe welche die Künstler am Verkaufserfolg in einem vernünftigen Rahmen teilhaben lassen.
    In diesem Sinne, kauft doch Eure Musik lieber bei iTunes oder Amazon.

  • Abrak   02. Nov 2013   09:14 UhrAntworten

    Musik ohne physikalisches Medium haben wir doch schon seit MP3

    • AndyF   02. Nov 2013   19:29 UhrAntworten

      Ja, da hat Du noch recht wenig von Musik, Qualität und Markt verstanden. Aber, wenn Du mit MP3 glücklich bist, mach weiter so...

      • Abrak   05. Nov 2013   18:47 Uhr

        Was genau habe ich deiner Meinung nach denn nicht von "Musik, Qualität und Markt" verstanden?

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