ReDigi: Gebrauchtwarenmarkt für MP3s?

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Umstrittener Weiterverkauf »gebrauchter« Dateien

Die Strategie von ReDigi, mit »gebrauchten« MP3s zu handeln, brachte Negativschlagzeilen und Vorwürfe, gegen das Urheberrecht zu verstoßen. Durch die neue Aktion will man die Künstler, die sich im »Artist Syndication Program« angemeldet haben, an den Gewinnen beteiligen, um in Zukunft bessere Publicity zu bekommen. ReDigi erhält bei jeder Transaktion eines gebrauchten Songs 15 Prozent des Verkaufspreises, der meist um die 69 Cent liegt. Zwei Cent also sollen pro Transaktion künftig an die Künstler gehen. Damit machen die Künstler mehr Geld bei ReDigi, als bei anderen Streaming-Diensten, so John Ossenmacher, Gründer von ReDigi. Im Gegensatz zu diesen, lege ReDigi deutlich mehr Wert auf die Künstler.

Ein anderes Angebot für Künstler ohne Plattenvertrag soll es auch geben: der direkte Verkauf ihrer Musik über die Plattform, der Service nennt sich »Artist Direct«. Derartige Do-It-Yourself-Services gibt es bereits von audiomagnet oder iMusician. Indem ReDigi auch mit iTunes zusammenarbeitet, wollen sich beide Kunden schaffen: die Credits, die bei ReDigi vergeben werden, können auch in iTunes-Songs umgesetzt werden. Ob jedoch jemand iTunes-Songs für wesentlich mehr Geld downloadet, wenn daneben der Button für denselben, jedoch »gebrauchten«, Song wartet – wer weiß.

ReDigiDer selbsternannte »Gebrauchtmarkt« für Musik funktioniert folgendermaßen: Die Musik, die man legal erworben hat, aber nicht mehr hören möchte, wird nicht einfach in den Papierkorb auf dem Desktop geworfen, sondern hochgeladen und von ReDigi analysiert. Nach der Feststellung, ob die MP3s wirklich legal erworben wurden (Anm. d. Red.: Wie genau soll das denn funktionieren?), bekommst Du für deine gespendeten Daten einen Gutschein, um dir die Musik zu holen, die Du gerade viel lieber hören würdest. Ein Perpetuum mobile und eine großartige Idee der Macher, denn so bleiben die Daten und das Geld immer bei ReDigi. Das gab bereits Ärger mit den amerikanischen Musikkonzernen.

Wer mehr über das Prinzip von ReDigi wissen will, schaut einfach mal auf der Website nach und kann sich dann entscheiden, wie man das Unternehmen einschätzen sollte. Aber egal, wie deine Entscheidung aussieht – in Deutschland wird ReDigi wohl nie starten.

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Lesermeinungen (5)

zu 'ReDigi: Gebrauchtwarenmarkt für MP3s?'

  • Luksimlau   17. Jun 2012   18:50 UhrAntworten

    (Anm. d. Red.: Wie genau soll das denn funktionieren?)

    Ganz meine Meinung!
    Die Idee ist hübsch, aber wer hindert mich denn z.B. daran, die Files einfach hoch zu laden ohne sie zu löschen?

    • Yfreet   18. Jun 2012   18:43 UhrAntworten

      Das einzige, was ich mir vorstellen könnte, wäre Wiedereinführung von Digital Restriction Management mit Hardwarebindung. Dafür ist der Zug aber seit ein Paar Jahren abgefahren. Zum Glück.

  • tommie12P   18. Jun 2012   20:46 UhrAntworten

    Das heißt man kann sich cds kaufen oder downloads kaufen (von woanders) und sie dann einfach dort weiterverkaufen, dafür Geld kassieren, und die Dateien oder die CD trotzdem noch haben? Das ist doch blöd!

  • V. Sternemann   25. Jun 2012   11:57 UhrAntworten

    Ich bezweifle die Legalität dieses Vorhabens. Gute Publicity über die Beteiligung der Künstler hin oder her... Man erwirbt mit dem Download eines MP3s ja kein materielles Gut sondern lediglich die Lizenz, mit der Datei etwas anzufangen (sprich: zu hören). Mehr nicht.

    Dieses Recht ist aber nicht abtretbar. Dazu kann man sich gerne mal die AGBs der Shops durchlesen. Da ich so eine Lizenz in der Regel nicht mal aufgeben kann, wenn ich das will, kann ich sie also auch nicht weiter geben.

    Der Grund dafür liegt in der von Luksimlau und der delamar-Redaktion im Artikel schon angesprochenen Fragestellung. Nämlich: Wie um alles in der Welt will man das kontrollieren? Es geht nicht, also nagelt man den Erwerber der Lizenz direkt in dieser Form fest, damit gar nicht erst solche Fragen aufkommen könnten.

    Die Lösung von Yfreet wäre tatsächlich auch in meinen Augen die einzige. Endlich hat es die Musikindustrie aber geschafft, sich größtenteils von DRM zu trennen (leider immer noch nicht alle...) und das wäre ein derber Rückschritt, den die Industrie hoffentlich nicht vollziehen wird.

  • V. Sternemann   04. Jul 2012   11:39 UhrAntworten

    Hier mal ganz brandaktuell (aufgrund eines EuGH-Urteils unlängst angepasst) die sehr eindeutige Rechtslage zur Illegalität von Gebrauchtsoftware und -MP3downloads. Ist wirklich sehr interessant.

    Auch die neueste Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zur Möglichkeit, Software (!nicht MP3s!) auch ohne Vorhandensein eines Datenträgers als gebraucht weiter verkaufen zu dürfen, ändert für die Musik nichts. Der BGH sieht es natürlich entsprechend analog, hat dies aber schon vor Jahren mit Urteil bestätigt. Lest mal selbst...

    heise.de/newsticker/meldung/EuGH-Klares-Ja-zum-Weiterverkauf-gebrauchter-Software-1631306.html

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