Musikbusiness: Warum die Google Musiksuche schlecht für deine Band ist

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Warum die Google Musiksuche schlecht für deine Band ist

Für alle, die noch nicht genau wissen, von welcher Google Musiksuche ich rede, hier einige Fakten: Der Markt legaler Musikdownloads boomt gewaltig. Im Jahr 2008 gingen etwa 25% mehr legale Musikdownloads über die virtuelle Ladentheke als noch im Jahr zuvor. Marktführer ist hier Apple iTunes, das Entscheidungen auch gerne mal gegen den Willen der Musikindustrie trifft.

Datenkrake Google will jetzt (oder vielleicht auch etwas später, siehe unten) einen Teil vom Kuchen abhaben und startet vorerst nur in den USA die Musiksuche „OneBox“. Über diesen können Nutzer der Suche in Zukunft nicht nur nach Musik suchen, sondern bekommen in den Ergebnissen gleich die Möglichkeit, diese zu hören und zu kaufen (siehe auch offizielles Video unten).

Wer in Zukunft in Google nach einer Band, einem Song oder einer Lyrics Textzeile sucht, bekommt von der Suchmaschine als erstes Ergebnis Hörproben der Songs als Appetizer angeboten. User können sich diese anhören und über Links zu kommerziellen Angeboten die Musik auch gleich einkaufen. Im Video konnte ich bisher die Dienste LaLa, iMeem, Pandora und die Myspace-Tochter iMeem als Kooperationspartner erkennen.

Google hat es nach eigenen Angaben anscheinend auch geschafft, den grössten Teil der Musikindustrie für diese Idee begeistern zu können. Zumindest jedoch haben die vier Major Labels Warner, Sony, Universal und EMI ihren Katalog hierfür freigegeben. In einschlägigen Magazinen konnte ich auch lesen, dass die Musikindustrie diesen Dienst und die Idee dahinter „begrüsse“.

Was für die Musikindustrie gut ist, muss es noch lange für dich als Musiker oder deine Band sein, nicht wahr?

 

Warum ist das nun schlecht für deine Band?

Im ersten Moment scheint das eine gute Sache für Musiker und Bands zu sein. Habe ich mir auch gedacht. Da sucht ein Unbekannter nach deiner Band, deinen Songs oder einem Album und wird sofort zum anhören und kaufen eingeladen. Dazu kommen noch all die Suchen, die zwar gar nichts mit deiner Musik zu tun haben, für die Google dich aber wegen einer Textzeile einblendet. Die Chance, mehr Musik zu verkaufen, scheint also im ersten Moment groesser zu werden. Nur: Das ist bestenfalls kurz- bis mittelfristig gedacht. Langfristig werden Musiker und Bands wahrscheinlich ein echtes Problem mit der Fanbindung bekommen.

Gehen wir mal einige Szenarien durch:

1. Google’s Sicht

Google ist der strahlende Gewinner. Um dir zu erklären, warum das so ist, muss ich etwas ausholen: Wie Du vielleicht weisst, verdankt der Suchmaschinengigant (Anteil 84% in Deutschland laut Comscore) den groessten Teil seines Umsatzes dem Verkauf von Werbung. Gemeint sind diese kleinen Felder, die Du auch hier auf delamar finden kannst und die mit „Google Anzeigen“ gekennzeichnet werden. Diese werden nicht nur auf Webseiten wie unserer angezeigt, sondern auch in den Ergebnisseiten bei Suchen und dann auch bei den meisten Diensten, die von Google angeboten werden: YouTube, Gmail, etc. Jedes Mal, wenn ein Nutzer auf eine solche Anzeige klickt, verdient Google daran.

Daher hat Google ein natürliches Interesse daran, die Suchenden im eigenen Netzwerk zu halten. Wir Internetnutzer sind bequeme Menschen und finden das natürlich toll, wenn wir gute Musik aus einer verlässlichen Quelle wie Google sehr schnell geliefert bekommen. Ich vermute, dass sich das Verhalten der Internetnutzer langfristig gesehen dahingehend ändern wird, dass Musikportale wie iTunes, Musicload, aber auch last.fm und spotify an Bedeutung verlieren.

Für alle Zweifler sei hier noch angemerkt, dass der Marktführer unter den Suchmaschinen bereits angekündigt hat, dass es nicht dabei bleiben wird. Es sei nur ein erster Schritt auf dem Weg, die Suche musikalischer zu machen. Wir können gespannt sein.

 

2. Die Musikindustrie

Die Musikindustrie ist ganz klar der zweite Gewinner – aber nur mittelfristig, wie ich meine. An jedem verkauften Song verdienen die Majors selbstredend mit und die bessere Sichtbarkeit ihrer Bands bei den Suchenden dürfte den Absatz von Musikdownloads noch weiter ankurbeln. Zudem kann sich die Musikindustrie freuen, die Bedeutung jedes einzelnen Musikportals (insbesondere die von iTunes) zu schmälern.

Mittelfristig ist zu erwarten, dass die meisten Musikdownload-Portale auf den Zug aufspringen (müssen) und die Weiterleitung durch Google paritätisch geschieht. Wenn keines der Musikportale mehr eine Vormachtsstellung inne hat, kann die Musikindustrie endlich wieder mehr Einfluss auf die Preisgestaltung und damit auf die eigenen Gewinne nehmen.

Ich halte das allerdings für etwas zu kurz gedacht, denn: Bisher verlangt Google noch keinerlei Vergütung für die Vermittlung der Musik und will nur an den Anzeigeneinnahmen verdienen. Aber schon heute betreibt der Konzern ein eigenes Musikportal ein China, das – sollte diese Musiksuche von den Nutzern gut angenommen werden – sicherlich auch in den Staaten und Europa Einzug halten wird. Wer hindert G dann, die Rolle des Marktführers in Sachen Musikportale an sich zu reissen und, wie heute schon bei iTunes der Fall, gehörig Einfluss auf die Regeln zu nehmen?

 

3. Die kooperierenden Musikportale

Die heute kooperierenden Musikportale können sich als dritte Gewinner freuen. Nach Aussagen von Google ist bereits heute jede zweite der zehn häufigsten Suchanfragen in der einen oder anderen Weise mit Musik verbunden. Das bedeutet auch für die Musikportale mehr Sichtbarkeit bei den Suchenden und damit mehr Umsatz.

Mittel- bis langfristig werden sich weitere Kooperationspartner finden, die alle etwas vom Kuchen abbekommen – bis zu dem Zeitpunkt, wo alle gleich viel (oder wenig) Mehrumsatz machen. Die Portale können bei diesem Dienst nur dann als Verlierer dastehen, wenn Google ein eigenes Musikportal aufbietet und diesem mehr Wert in den Suchergebnissen beimisst als seinen Kooperationspartnern.

 

4. Du & deine Band seid noch unbekannt

Für dich ändert sich nichts, Du gehörst zu den Gewinnern. Wenn Du noch unbekannt bist, sucht auch niemand nach deinem (Band-) Namen oder deinen Alben. Für dich heisst es auch weiterhin, an möglichst vielen Stellen im Internet deine Musik feil zu bieten, um möglichst viele potenzielle Fans zu erreichen.

Wenn Du Glück hast, werden Du oder deine Band bei Suchen nach anderen Dingen zufällig gefunden. Damit erhöht sich deine Chance, mehr Musik zu verkaufen. Übrigens ein kleiner Tipp für dich am Rande: Sollte dieser Dienst auch in Deutschland starten, dann könntest Du ja mal einige Songs veröffentlichen, deren Titel ganz ähnlich wie Titel einer bekannten Band klingen…aber das nur am Rande. ;)

 

5. Du & deine Band seid bekannt

Oops, Du gehörst zu den Verlierern – zumindest langfristig gesehen. Warum? Zunächst schau dir mal den nachfolgenden Screenshot aus dem Video an. Du kannst darauf erkennen, dass Google die Musikergebnisse noch vor den eigentlichen Suchergebnissen anzuzeigen.

Google Musiksuche wird vor den normalen Ergebnissen angezeigt

Google Musiksuche wird vor den normalen Ergebnissen angezeigt

 

Findest Du gut? Glaubst Du damit mehr Musik als vorher zu verkaufen und damit deine Einnahmen zu steigern?

Warum sucht überhaupt jemand nach dir?
Der Suchende könnte beispielsweise einen Song von dir im Radio gehört haben oder deine Band wurde ihm von einem Freund empfohlen. Vielleicht ist der Suchende aber schon ein (kleiner) Fan deiner Band und möchte einfach nur einen deiner Songs irgendwo hören. Vielleicht sucht er aber auch nach Informationen zu deiner neuen CD, dem Release-Termin für dein nächstes Album oder er will ein Konzertticket kaufen.

Würdest Du jetzt diesen (potenziellen) Fan nicht gerne auf deiner Webseite haben? Würdest Du nicht gerne selbst entscheiden, was dieser potenzielle Fan von dir (oder deiner Band) sieht? Würdest Du ihm nicht vielleicht am Ende seines Besuchs einen kostenlosen Song deines letzten Albums im Tausch gegen seine Email-Adresse zukommen lassen? Nun, das wird durch die Google Musiksuche nun verhindert oder zumindest erschwert.

Wo liegt das Problem?
Die Google Musiksuche steht ganz oben auf der Ergebnisseite und damit oberhalb der normalen Ergebnisse. Sie fängt damit den potenziellen Fan schon ab, bevor er überhaupt auf deine Webseite gelangt. Und für alle, die jetzt sagen, dass sich die Leute lieber zur offiziellen Webseite durchklicken werden. Warum sollten sie das? Nicht nur, dass Studien gezeigt haben, dass die meisten Suchenden gleich das erste Ergebnis (ohne Überprüfung auf dessen offiziellen Charakter) anklicken, nein. Sie bekommen zudem ja das, was sie suchen: Informationen über dich und deine Band – nur eben nicht von dir, sondern von einer dritten Partei.

Du wirst dann nicht mehr in der Lage sein, die Email des potenziellen Fans in Erfahrung zu bringen. Du kannst ihm keine kostenlosen Songs anbieten und aus einem Beinahe-Fan einen echten Fan machen. Du kannst keine T-Shirts, anderes Merchandising oder Konzerttickets über deine Webseite verkaufen – denn die kauft er im Zweifelsfall bei einem der Musikportale oder direkt über Google. Du wirst dem potenziellen Fan in Zukunft keine Email mehr zukommen lassen können, wenn es einen neuen Song auf deiner Webseite zum Download gibt oder ihm mitteilen können, dass deine Band auf ihrer Tour auch in seiner Stadt spielt. Kurzum: Die Bindung der Fans an dich oder deine Band wird wesentlich schwieriger!

Fans binden unmöglich?
Die Abwicklung des Geschäfts übernimmt jetzt nämlich ein Dritter für dich. Heute mögen es noch die Musikportale sein und später vielleicht sogar Google selbst. Aber wer weiss, welche Regeln von diesen Dritten in Zukunft noch aufgestellt werden? Die Google Musiksuche mag mehr Einnahmen über Musik bedeuten – vielleicht. Sie bedeutet aber gleichwohl geringere Fanbindung. Und das in einer Zeit, in der auch bekannte Musiker wie Jay-Z schon lange verkündet haben, dass der Anteil der verkauften Musik der kleinste Anteil des eigenen Einkommens sei.

Auch wenn im gestrigen Gespräch mit Marc Weissenberger von rockthe.biz dieser meinte, dass Bands jetzt einfach in Zukunft ganz proaktiv entscheiden müssten, über welche Kanäle sie noch von potenziellen Fans gefunden werden wollten. Welche Band kann es sich denn leisten, nicht in den Musikportalen vertreten zu sein? Wie sollen denn Fans initial auf dich oder deine Band aufmerksam gemacht werden? Eine eigene Entscheidung können doch sicherlich nur die bekanntesten der Bands treffen? Denn bevor ein Trent Reznor seine Musik allein über seine Webseite vertreiben konnte, mussten viele Jahre, viele Alben und eine Menge Musikmarketing ins Land gehen, um zunächst überhaupt bekannt bzw. berühmt werden zu können – die Voraussetzung, um exklusiv über die eigene Webseite verkaufen zu können.

 

Fazit: Warum die Google Musiksuche schlecht für deine Band ist

Vielleicht sehe ich die Sache ja auch viel zu schwarz. Vielleicht habe ich ja auch gehörig Unrecht. Vielleicht bietet Google ja auch Bands die Möglichkeit, sich selbst aus diesem Dienst auszuschliessen und damit dem Problem mit der Bindung der Fans zu umgehen. Und dann könnte ja noch sein, dass es dieser Dienst nie bis nach Europa bzw. Deutschland schafft und sich auch in den Staaten nicht dauerhaft durchsetzt. Es bleibt uns Musikern und Bands wohl einfach nur übrig, abzuwarten und zu beobachten, wie sich diese Musiksuche OneBox entwickelt.

Ich bin gespannt darauf zu lesen, wie Du die Sache siehst. Habe ich recht? Werden Bands hiervon profitieren? Setzt sich der Dienst überhaupt durch? Müssen die Musikportale Angst haben? Ich würde mich auch freuen, wenn Du diesen Artikel anderen Musikern und Bands weiterempfehlen könntest, damit möglichst viele an der Diskussion teilnehmen. Danke!

 

Das offizielle Video

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Lesermeinungen (30)

zu 'Musikbusiness: Warum die Google Musiksuche schlecht für deine Band ist'

  • Sasan   02. Nov 2009   10:15 UhrAntworten

    Danke Carlos für deinen sehr ausführlichen Beitrag.

    Wie heisst es so schön?

    "Ich wollte der Welt doch nur was Gutes tun, aber dass ich damit vielen den Job genommen habe, wollte ich nicht."

    Inwieweit profitieren denn die etwas kleineren Indielabels davon?

  • DrNI   02. Nov 2009   10:20 UhrAntworten

    Ich finde, Du bist etwas zu pessimistisch. Schon heute ist oft über dem ersten eigentlichen Treffer ein Werbelink und die Leute finden uns trotzdem. Die gewöhnen sich ja auch daran. Echte Fans wollen das Original, denke ich.

    Dein Thema spricht ein ganz generelles Problem an. Ob man nun eine Band ist oder ein Wissenschaftler: Was Google nicht listet, das existiert auch nicht. Damit lenkt Google unsere Aufmerksamkeit womöglich bald stärker als jede Werbung. Wenn hier Google seine Macht ausspielen würde, dann wären davon nicht nur Musiker betroffen.

    Was den Listenplatz angeht, so gibt es dazu eine Eye-Tracking-Studio. Kurz gesagt: Die ersten zwei Plätze sind die wichtigsten in der Trefferliste. Die konkrete Frage ist aber, ob die Benutzer das "Musikangebot" nicht nach kurzer Zeit von den Treffern abzugrenzen lernen, so wie die Werbung auch.

  • Bandologie | Nils Kolonko   02. Nov 2009   11:48 UhrAntworten

    Moin Carlos,

    Danke für den Link zu dem Artikel.

    Ich sehe das anders als du, denn nach meinen Kenntnissen gibt es für das ganze Szenario anderer Voraussetzungen:

    * Zunächst mal, gehst du davon aus, dass sich über Online-Verkäufe momentan "relevantes Geld" für Bands bewegt. Meines Wissens nach ist das aus Sicht der Bands in der Regel NICHT so. Die meisten Bands machen ihre Umsätze durch Live-Gigs und Merchandising. Dazu kommen für viele kleiner Bands CD Verkäufe auf Konzerten und für größere, weiterhin ein paar CD Verkäufe durch die Plattenfirma.
    Das BEINHALTET übrigens beispielsweise Trent Reznor (Nine Inch Nails), der in einem Interview im April 2009 sagte:
    Frage des Interviewers: "Can you make money on iTunes?"
    Trent Reznor: "Not that I have personally experienced."
    (Also: Nicht, dass ich persönlich das erlebt hätte! ... Sagt ein Mann, der in den 90er Jahren mehr als 10 Millionen Alben verkauft hat.)
    Hier das Interview: http://www.bandologie.de/index.php/bandologie-neuigkeiten/56-20090504-trent-reznor-videointerview#video

    => Ergo: Hier stellt sich mir die Frage, ob das alles überhaupt dermaßen relevant ist.

    * Du unterstellst unbekannten Bands eine ziemliche Unmündigkeit. So SEHEN sich viele Bands zwar in der Tat selbst (unmündig), die Realität zeigt allerdings, dass auch Bands immer so mündig sind, wie sie sich selbst machen! (Und das beginnt damit, wie man sich selbst betrachtet). Beispielsweise hat sich das im Gespräch mit Mickey Monroe mal wieder bestätigt: www.bandologie.de/mickey.html
    ... Und auch bei "rockthe.biz" ist man sich in diesem Punkt wahrscheinlich darüber einig: "Eine Musikerkarriere läuft in der Regel so, wie man sie selbst gestaltet." Auch - und insbesondere - in der Anfangsphase.

    Ich stimme also Marc Weissenberger zu, wenn er sagt: "Musiker sollten pro-aktiv entscheiden, wie sie Fans sammeln möchten."

    * Ich sehe den Punkt, dass hier ein "Großhändler" versucht, Musik (endlich) zu verkaufen und nicht nur zu verschenken (wie das übrigens viele Bands tun), tendenziell positiv! ... Dass Google AUCH eine potenzielle Gefahr ist, findet meiner Meinung nach sowieso statt. Unabhängig vom Musikdienst. Das wäre aber auch eine andere Diskussion.
    Für die Bands öffnet sich hier ein weiterer Musikvertriebs-Kanal. ... Interessant wird glaube ich eher, wie man da REIN kommt und nicht so sehr, wie man sich davon fern halten könnte.

    * Wie viele Leute auf die eigene Webseite gehen hängt meiner Meinung nach im Wesentlichen davon ab, was die Bands auf ihrer Webseite anbieten. Zudem kann man nahezu jedes System mit einem 'Gegen-System' umgehen. ... Beispielsweise könnte eine Band (WENN sie denn ein Problem damit hat, per Google-Suche in den Musikergebnissen zu erscheinen), einfach alle ihre Songs, die dort gefunden werden, in den Ursprungsdaten umbenennen in "Get A Free Song On Our Website! Don't Listen To That Song!" ... oder entsprechende Songs veröffentlichen, in denen per Songtext auf die Webseite hingewiesen wird.

    ABER das ist meiner Meinung nach auch alles vergleichsweise irrelevant. ANGENOMMEN, die Band KÖNNTE überhaupt per Google mehr verkaufen (was ich nicht glaube), dann wäre das doch zunächst mal BESSER für die Band einen Song zu verkaufen, als dieses (zunächst mal) blöde Spielchen "Gib mir deine Email-Adresse, dann schenke ich dir einen Free Song und bombe dich mit Infos über meine Band zu, in der Hoffnung, dass du dann mal was kaufst".

    Das Spielchen "Vergiss meinen Free Song und kaufe lieber direkt einen per Google" wäre doch viel besser für die Band! (Erneut: ich glaube, das Problem wird eher, dass das bei vielen Bands gar nicht in dem Maße passieren wird.)

    * Zu Google Treffer "1" und "2" ... das mag ja per Marktforschungen richtig sein. Im Durchschnitt trifft das sicherlich zu.

    Aber stell dir mal vor, Treffer eins in der Musiksuche (oben, über den eigentlichen Ergebnissen) wäre "Boulevard Of Broken Dreams" von Green Day und Treffer zwei wäre: "GET FREE MUSIC FROM GREEN DAY on greenday.com ... Win a meet & greet where you can drink and fuck with the band!!"

    ... Es kommt also meiner Meinung nach ganz wesentlich darauf an, was die Band überhaupt anbietet und wie sie selbst wirbt!

    * Alles in allem halte ich eine solche Analyse für verfrüht. Ich würde das Ding gerne erst mal in Aktion sehen ... DANN einige Ergebnisse aus der Praxis im Detail kennen ... und DANN könnte man entscheiden, ob das "gut" oder "schlecht" für Bands ist.

    Und selbst, wenn es schlecht WÄRE, dann würde mich nicht interessieren DASS es schlecht ist, sondern, wie man das Beste daraus machen kann ... :)

    Nach dem Schema, das oben angedeutet ist, wären per Definition auch Musikvertriebe und Plattenfirmen schlecht für Bands ... denn auch übernehmen für Musiker das Geschäft und mindern in der Regel die Fanbindung. ... Ich glaube, dass das Thema "Fanbindung" auch weiterhin relativ unabhängig von Tonträgerverkäufen und Digitalverkäufen laufen wird. Dafür "dürfen" die Bands wohl auch in Zukunft selbst sorgen. Und ich glaube auch nicht, dass eine Google-Musiksuche die Fanbindung in einem nennenswerten Maß beeinflusst.

    Ich glaube, "das Schlimmste" was da passieren kann, ist, dass die Bands ein paar MP3s mehr verkauft und ein paar Webseiten-Besucher verliert. Und das wäre meiner Meinung nach eher positiv zu bewerten.

    Die Alternative, bei Bedarf einfach niemandem seine Verwertungsrechte zu übergeben, sondern die Musik ausschließlich selbst (auf der eigenen Webseite etc.) zu verkaufen, hat man ja sowieso immer. ... Und die Vorteile eines großen Systems nutzen zu wollen (Musikvertrieb), dabei aber nichts abzugeben, funktionierte auch noch nie. Wäre auch nicht sinnvoll. ... Also ... ich denke, das ist alles halb so wild.

    Bin gespannt, wie sich das entwickelt.

    Alles Gute und beste Grüße
    Nils

  • Carlos (delamar)   02. Nov 2009   12:22 UhrAntworten

    Danke für euren Input. Na klar, es ist noch verfrüht eine Analyse zu machen. Deswegen ist das hier auch grösstenteils Spekulation. Aber nur wer den Markt genau beobachtet, wird daraus Kapital schlagen können.

    Im Übrigen sind die hier beschriebenen Auswirkungen nicht ganz aus der Luft gegriffen - in ähnlicher Form finden sie ja aktuell schon mit Videos und Bildern statt. Dass sich die Musiksuche hier anders verhalten wird, halte ich für unwahrscheinlich.

    @DrNI:
    Ich habe mal nach den Studien eben gesucht und bin auf folgende Daten gekommen: Etwas über 70% klickt auf das erste Ergebnis. 10-15% klicken auf das zweite und die restlichen 15% verteilen sich auf die restlichen Ergebnisse. Autsch.

    @Nils:
    Ich gebe dir recht, dass es immer darauf ankommen wird, wie sich eine Band selbst verkauft. Und dass hiervon die Welt nicht untergeht ist auch richtig. Aber ich finde, Du widersprichst deinen (früheren) Aussagen schon etwas. Z.B.: Wenn in iTunes kein Geld zu verdienen ist für jemanden wie Trent Reznor, wie könnte er da viel Geld über irgendein anderes Portal wie Amzon, LaLa und Konsorten verdienen? Die Preise sind doch überall ähnlich - und sollten sie es nicht sein, dann gehen die Leute am Ende wieder zu iTunes und der Künstler verdient nichts.

    Was ich denke ist, dass die Bands mehr Musik verkaufen werden, woran sie aber weniger Geld verdienen als am Verkauf eines Tickets für ein Konzert oder am sonstigen Merchandising. Oder um deine Worte zu nutzen: Es erföffnet sich ein weiterer Vertriebskanal, der zu Lasten der eigenen Webseite geht.

    Du selbst sagst ja auch, dass eine Band sich gut verkaufen können müsste - doch das wird ihr jetzt voraussichtlich erschwert werden im Bereich Internet. Und nur diesen betrachten wir hier. Wo sollte denn eine Band besser seine Fans binden können als über die eigene Webseite? Wo soll die Band in Zukunft die Emails sammeln können? Wer erfährt von den geilen Aktionen, die die Band auf die Beine stellt, wenn er einfach nur die allgemeine Info bei einem der Musikportale liest?

    Ich sage übrigens keineswegs, dass Musikvertriebe schlecht seien. Ganz im Gegenteil halte ich auch Labels und Vertriebe für wichtige Partner im Musikbusiness. Nicht für jeden, aber für manche.

    Halb so schlimm? Vielleicht. Das werden wir jedenfalls in naher Zukunft genaustens sehen. Bin übrigens gespannt, wann Google dasselbe für Bücher einführt...

  • Bandologie | Nils Kolonko   02. Nov 2009   14:00 UhrAntworten

    Hallo Carlos,

    meinst du http://books.google.com ? :)
    Das gibt's schon. Dort kann man große Teile von Büchern lesen. Es fehlen hin- und wieder mal (absichtlich) 10 oder 20 Seiten ... aber große Teile sind dort online. Übrigens war das Bandologie Buch dort auch mal, ich habe es allerdings wieder entfernen lassen, weil man dort - nach meinem Verständnis als Autor - bereits zu viel per Google (gratis) lesen konnte. Meine Verkäufe laufen und liefen allerdings immer konstant. Google Books hin- oder her, das hat verkaufsmäßig überhaupt nichts beeinflusst. Habe Google Books nur aus dem Gefühl heraus beendet, weil ich persönlich nicht so gerne so große Teile meines Buches kostenlos online haben wollte.
    ... So wird das wahrscheinlich auch mit der Musik laufen.

    Im Wesentlichen haben wir ja 'die' Argumente nun einmal ausgetauscht.

    Ich verstehe nicht so ganz, wo ich meinen früheren Aussagen widerspreche. Trent Reznor macht einen Großteil seines Umsatzes nach eigenen Angaben direkt und wenn nicht direkt, dann "non-virtuell". (Also live, durch Sonder-Editions seiner Alben, durch Merchandising ... und sicherlich auch noch ein paar Euro durch CDs; NICHT aber durch Downloads.) Soweit ich ihn verstanden habe, spielen virtuelle Portale als Verkaufs-Orte für ihn und seine Band gar keine so große Rolle. Also weder Amazon, noch LaLa etc. Und dieses Bild bestätigen auch die Aussagen diverser anderer Bands.

    Mal ANGENOMMEN allerdings, Google WÜRDE es schaffen, damit die Online-Verkäufe von Musik maßgeblich anzuheizen, wüsste ich keinen klar denkenden Musiker, der sich darüber beschweren würde. Im Gegenteil: Musiker würden eher Feste feiern, wenn Google es schaffen sollte (was ich weiterhin nicht glaube), deren Musik im größeren Stil online zu verkaufen.

    Zu welchem Prozentsatz wäre den meisten Musikern erstmal egal, solange sich da ÜBERHAUPT online Geld für Musik bewegt!

    Und in Deutschland, ... zum Thema, "da wird dem Musiker was aus der Hand genommen" ... gibt es seit 2003 den Paragraphen zur "angemessenen Beteiligung". http://dejure.org/gesetze/UrhG/32a.html
    Das wird also auch nicht das Problem.

    Ich denke weiterhin, dass diese Musiksuchfunktion keinen nennenswerten Einfluss auf das Geschäft der meisten selbstständigen Profi-Bands hat. Und wenn, dann einen positiven.

    Denn im Endeffekt wollen Google und 'die Musiker' doch das Gleiche: Möglichst viel Musik verkaufen.

    Wenn Google dabei eine effektive Hilfe sein sollte, ist es absolut gerechtfertigt, dass sie sich eine angemessene "Vertriebsbeteiligung" einbehalten. Viel schlimmer als die traditionellen Plattenverträge, bei denen der Künstler irgendwas zwischen 8% und 25% des Händlerabgabepreises erhält, wird diese Beteiligung auch nicht sein. (Wahrscheinlich würde es heutzutage schon einen Aufschrei geben, wenn Google dafür 50% haben will ... aber wenn eine Major Plattenfirma 75% bis 92% haben wollte, galt das in den letzten 40 Jahren als normal ...)

    Und falls das doch schlimmer sein sollte als klassische Plattenverträge, würden diverse Medienanwälte mit "§32a" im Gepäck Google verklagen und gewinnen. Auch so weit wird es aber nicht kommen.

    Ich würde mir - erstmal - wünschen, dass diese Musiksuche überhaupt bei Konsumenten nennenswerte Beachtung findet. DANN würde ich mir wünschen, dass Google es schafft, darüber überhaupt Musik zu verkaufen. Und DANN können wir gerne anfangen, darüber zu reden, ob die Vor- und Nachteile für die Musiker dabei angemessen sind. :)

    Musikern würde ich - momentan - empfehlen, zunächst mal abzuwarten, ob das Ding überhaupt nach Deutschland kommt, oder ob diese Geschäftsidee floppt. ... WENN es kommt, sich mal in der Praxis anzuhören, ob irgendein bekannterer Musiker damit nennenswertes Geld machen konnte (wenn nicht: gedanklich sofort 'droppen', das Thema und zurück mit dem Fokus auf direkte Einnahmen.) ... und wenn doch, sich zu überlegen, wie man das Ding bestmöglich nutzen kann. ... ODER, wenn es wirklich Nachteile bringen SOLLTE (was ich noch immer nicht glaube) ... dann das Ding umgehen. So, wie ich beispielsweise mit einer simplen Email meine Präsenz bei 'Google Books' beendet habe. :)

    Bestes,
    Nils

    P.S.: Übrigens passiert mir - auch aktuell noch - eine solche "Macht-Entnahme" ganz direkt: Amazon.de betreiben Werbung für das Bandologie Buch UND bewerben sich sogar noch selbst damit! ... Wenn man den Namen googled heißt es dort, als Werbe-Einblendung, neben den Suchergebnissen ... "Riesenauswahl: Bandologie & mehr
    Jetzt portofrei bestellen!
    Amazon.de/buecher"
    Und direkt darunter wirbt sogar noch Google: "Schalten Sie hier Ihre Anzeige »" ... DAS lenkt auch von meiner Webseite ab! ... Ich kann dadurch schlechter Kunden binden. Haja, aber um so besser, finde ich!
    Da schaltet jemand Gratis-Werbung für mich! Hammermäßig! So ähnlich wäre das doch auch mit der Google Musiksuche.

    Und wenn ich Kunden binde und mal wieder viele Stunden in meinen Newsletter, in neue Gratis-Infos und in 'Kundenkontakt' investiere ... mit welchem Ziel wohl? Da kommt mir Amazon mit einer Werbeschaltung - selbst, wenn durch die Positionierung sogar präsenter als meine eigene Webseite(!) - geradezu gelegen! :) ... Das bringt mich auf eine Idee: Mal sehen, ob ich bei "Google Music" in den Such-Ergebnissen, ÜBER meiner Webseite ... das Hörbuch zum Verkauf reinkriegen kann! :) Wenn die Leute sofort per Google kaufen würden, wäre das ja noch besser! ... Das wäre passives Einkommen; die Traumvorstellung vieler Musiker. So betrachte ich die Sache eher.

    - - -
    Hey Google! Hiermit biete ich euch 50% meiner Hörbuch-Einnahmen an, wenn ihr das Ding verkauft!! Meldet euch und führt bitte auch "Google audio books" ein! Denn bei iTunes kann ich das Ding aufgrund der Länge nicht hochladen! Ich zahle auch gern weiterhin die Hosting-Kosten selbst. Alles kein Ding. :)
    - - -

    Nun gut ... also, ich denke, es wurde klar, dass man das Szenario auch durchaus positiver betrachten kann.

  • Marc Shake   02. Nov 2009   14:01 UhrAntworten

    Wunderbarer Artikel. Ich glaube aber, Google schneidet sich ins eigene Fleisch, weil diese Suchmaschine auch wunderbar als MP3-Suchmaschine funktioniert. Kann man zum Beispiel bei mir nachlesen.

    Andersrum trau ich denen auch zu, dass sie die mp3-Dateien von irgendwelchen China-Servern nutzen und so eigenen Traffic einsparen können. :)

  • Till   02. Nov 2009   14:31 UhrAntworten

    Hi,
    es schleicht sich im deutschen Web die falsche Wahrnehmung ein, dass Googles neuer Musik-Suchdienst den Namen OneBox trägt.
    OneBox werden sämtliche “Einblendungen” bei Google genannt, die zwischen die normalen Suchergebnisse geschoben werden. Diese gibt es bspw. für Wetter, Bilder, Videos, News, Produkte oder eben auch Musik. Die Musik OneBox ist jetzt kürzlich grundlegend überarbeitet worden.

  • mike   02. Nov 2009   14:58 UhrAntworten

    Also lieber sehe ich legale Links der Google Musiksuche auf dem 1. Platz als irgendeinen illegalen Link zu Rapidshare, Zippyshare usw.

  • Marc Weissenberger   02. Nov 2009   16:20 UhrAntworten

    Guter Artikel zu Google's Musiksuche.
    Ich muss mich einigen Meinungen anschliessen, andere realtivieren.

    1. Wenn wir hier von "der Musikindustrie" reden, dann möchte ich einwerfen, dass ich der Überzeugung bin, dass es mittlerweile DIE MUSIKINDUSTRIE als solche nicht mehr in dem Maße gibt, wie noch vor 10 Jahren. Es gibt verschiedene Geschäfts- und Vertriebsmodelle, was Musik betrifft und alle gehen ihre eigenen Wege mit eigenen Kanälen.
    Sicherlich, die Majorlabels werden von Google's Musiksuche profitieren, insofern, als dass sie dem User (durch ihre Vertretung in den o.g. Portalen) einen einfacheren Zugang zu dem von ihnen beworbenen und bekannt gemachten Material geben. Sie nutzen ihre Werbekanäle (TV/Radio etc.), generieren einen Erkennungseffekt wie: "Out now, Madonna with "XYZ" " und der geneigte Hörer tippt dies in die Suche ein, kommt direkt zum Portal, fertig. Das ist auch gut so. Denn nicht jeder hat nen I-Tunes Account oder ist bei musikload registriert, warum soll Goggle einen da nicht direkt draufschubsen?

    Da gibt es aber seit geraumer Zeit auch das andere Userverhalten, die, die über Websiten wie hypem, sc, last.fm oder spotify nach neuer Musik suchen. Die, die User generierte Filter verwenden, die, die Musikblogs lesen. Diese Filterfunktion, die individuell zugeschnitten ist, erfüllt Google (noch) nicht. Wer sich als Band auf diesen Portalen herumtreibt, hat die Chance, überhaupt entdeckt zu werden! Denn was soll ich denn bei Google-Music eingeben : "Electro, Juri Gagarin, Frittenbude, Audiolith, klingt wie"? Da führen meiner Meinung nach Googles Suchmechanismen entweder wieder auf Blogs und somit auf die direkten HPs der Band oder liefern eine derart konfuse Auswahl, dass der User sich gleich wieder auf seine Lieblingsseiten beschränkt.

    2. Inwieweit ich mich als Band entscheide, in all diesen Portalen und somit effizient in Google-Music vertreten zu sein, ist eine Grundsatzentscheidung zum Thema Vertrieb bzw. Einkommensgenerierung. Wer darauf setzt, über I-Tunes oder Lala so viel Geld zu verdienen, dass er den trackback auf seine HP mit Merchandise, Live-Gig-Terminen etc nicht nötig hat, dem sei dies frei gestellt.
    Wer allerdings über den Live-Weg und das damit verbundene direkte Merch gehen will, der sollte sich sehr wohl überlegen, ob man bei Google-Music mit einem track gefunden werden will oder ob man bei Google direkt auf die HP selbst kommt, mit der Möglichkeit, special editions, merch etc. zu kaufen oder auf den nächsten Live-Gig zu kommen.

    3. Es dürfte klar sein, dass man mit Google-Music keine Wunder-Engine erfunden hat, die plötzlich alle erdenkliche Music ausspuckt und z.B. dem Crossover-Liebhaber die Zugänge zu seinem Fabel eröffnet. Durch das Internet gibt es eben auch andere mannigfaltige Filterfunktionen, die von den Usern und Bands immer individuell genutzt werden. So ist es für mich immer wieder interessant zu sehen, mit welchen musikalischen Freunden unser myspace-profil direkt und indirekt verbunden ist. Haben ich eine coole Band geaddet, treffe ich mit Sicherheit auch auf coole Freunde-Bands derselben, mit interessanter Musik.

    4. Eine Analyse über die Auswirkungen und Funktionalität von Google-Music wird erst in ein-zwei Jahren interessant. Und ich glaube / hoffe, dass die Welt eben keine Google ist, sondern die User differenzierter und gezielter im Netz umhersurfen, als schlichtweg immer nur Google anzuwerfen. Ich beziehe meine Musikinfos eben nicht aus dem Suchmaschinen-Giganten, sondern habe meine RSS-Reader vollgedonnert mit interessanten HPs, Blogs und Portalen. Wer weiß schon, wie sich das User-Suchverhalten in den nächsten Jahren entwickelt und, wurde überhaupt schon mal eine Studie erstellt, die die Veränderung des Suchverhaltens der User betrachtet? Klar, Google geht von seinen Statistiken aus, allerdings wird hier nicht berücksichtigt, wieviele User eben mittlerweile NICHT mehr über Google Musik suchen, sondern die o.g. anderen Möglichkeiten nutzen!!!

  • markus   02. Nov 2009   16:26 UhrAntworten

    Was meiner Meinung nach fehlt (ähnliches kenne ich zumindest noch nicht) ist eine Platform auf der jeder seine Musik hochladen kann, die Musik andere bewertern und auch kaufen kann.
    Verdammtnichmal muss es doch irgendeine Form geben die Musiker zu retten.

  • Marc Weissenberger   02. Nov 2009   16:34 UhrAntworten

    @ Markus: Diese Modelle gibt es schon, sc z.B. ermöglicht es Dir, Musik hochzuladen, über twitter bewerten zu lassen und bei diversen Portalen zu kaufen.
    Auch bei spotify ist eine Bewertung inklusive Verlinkung zum Kauf eingebunden

  • Paul   02. Nov 2009   17:41 UhrAntworten

    Ist jemandem eigentlich aufgefallen das die illegalen downloadportale nicht gelistet werden ?
    Ich glaube eher das durch diese Aktion die "load mich down für umme" Portale gekickt werden sollen. Das ist der erste Schritt. Der zweite wird sein, das jeder große Firma ihr eigenes Downloadportal aufbauen wird, jetzt noch mit Partnern, da sie momentan bei den Käufern bekannt sind.
    In 5 Jahren prangen nur noch die großen Namen Warner und co mit ihren eigenen Downloadportalen auf google, denn diese haben immer noch das meiste Geld, google zu bezahlen. Google wird noch mehr dadurch verdienen, das die Regenbogenpresse weit oben gelistet werden will.
    Carlos hat durchaus recht das andere bekanntere Bands zuerst gelistet werden, um den potentiellen Käufer von dem Wunsch abzulenken den unbekannteren Künstler aufzusuchen. Das erschwert es für Newcomer, aber das war schon immer so. Um ordentlich gelistet zu werden muss man halt mal wieder jemanden bezahlen.
    Letztendlich wird es wieder so sein wie früher. Der Boden ist jetzt wieder dafür vorbereitet.
    Andererseits kann sich die Situation für die kleinen Bands dadurch wieder verbessern, denn wer nicht gelistet ist, kann über Konzerte den Käufer direkt auf seine Webseite leiten, ohne den Umweg über google.
    Das bedeutet je interessanter die Webseite ist, umso mehr Fans kann man aufbauen. Irgendwie so.
    Auf jeden Fall sollte man immer das positive und das negative solcher Aktionen im Auge behalten.
    Nur Schwarz zu sehen bringt ebenso wenig wie "träum dich berühmt und erfolgreich"- "Erfolgreich sein in zehn Schritten",oder "Du kannst alles haben"

  • Carlos (delamar)   02. Nov 2009   17:55 UhrAntworten

    Wenn ich euch recht verstehe, dann seht ihr keine Gefahr darin, den Kontakt zum Online-User (Fan) an Google oder Dritte abzugeben.

    Das ist der Punkt, den ich anders sehe. Zum Verständnis eine Analogie: Ich würde auf einem Konzert dem versammelten Publikum jedenfalls nicht raten, zu Amazon zu gehen, um mein Album zu kaufen. Ich würde sie viel lieber auf meine Webseite verweisen. Dort finden sie das Album zum Kauf oder den Link zu Amazon. Aber die geschäftliche Abwicklung, den direkten Kontakt zum Fan (also mein KAPITAL als Band), den würde ich nur ungern an Dritte abgeben.

    Darum geht es mir in diesem Artikel und nicht darum, ob eine Band sich (vielleicht) selbst aus dem Katalog nehmen kann.

    Und Marc hat recht damit, dass eine Band selbst entscheiden muss, ob sie in die Musikportale will. Aber die Wahl sieht doch (immer vorausgesetzt, dass die Musiksuche sich durchsetzt, worauf ich wetten würde) nicht gerade gut aus: 1) Die Band entscheidet sich für die Aufnahme in die Kataloge dieser Musikportale und muss damit rechnen, den direkten Kontakt zum Fan weiter zu verlieren, verdient aber zumindest mit. 2) Die Band entscheidet, nicht auf den Musikdownloadportalen aktiv zu werden. Sie verdient kein Geld, wird nicht bekannt und wird aufgelöst.
    Das halte ich nicht gerade für eine "freie" Entscheidung.

    @Nils: Und im Übrigen ist mir bisher noch nie die Buchsuche als OneBox oberhalb der Ergebnisse aufgefallen. Aber ich wette, dass Du das Buch lieber als PDF-Download auf deiner Webseite mit 100% Gewinn für dich verkaufst UND der Möglichkeit dem User noch weitere Informationen über dich und deine Leistungen zukommen zu lassen, als das Buch über Amazon zu verkaufen, die eine stattliche Provision für die Vermittlung bekommen und als einzige dann Zugriff auf die Daten des Kunden haben.

    Zu den Diensten wie spotify, last.fm & co. sei nur so viel gesagt: Heute sind sie einer Musiksuche des Suchgiganten Google weit voraus. Aber in einigen Jahren wird Google sicherlich nachlegen oder einen dieser Dienste aufkaufen.

    Und was mir sehr wichtig war zu erwähnen, was anscheinend aufgrund der Länge des Artikels nicht durchgekommen ist: Die Nachteile entstehen nicht dadurch, dass zu ungewöhnlichen Suchen meine Band gelistet wird - das kann den Umsatz ja nur steigern. Die Nachteile entstehen erst, wenn ein potenzieller Fan nicht mehr auf die Webseite der Band kommt, sich nicht mehr die Fotos anschaut, die Tourdaten durchgeht und direkt vor Ort etwas Merchandising kauft. Dass Du als Band sicherlich auch noch ein groesseres Offline-Geschäft hast mit dem Merchandising sei unbestritten. Aber ist es deswegen gut, wenn mir ein Dritter mein Online-Geschäft abnimmt?

  • Bandologie | Nils Kolonko   02. Nov 2009   18:24 UhrAntworten

    Hallo Carlos,

    würde gern kurz den Marc zitieren; denke, der hat hier eines der wesentlichsten Statements abgegeben: "4. Eine Analyse über die Auswirkungen und Funktionalität von Google-Music wird erst in ein-zwei Jahren interessant."
    - - -

    Und ob nun mit diesem Zeitfenster, oder einem anderen: ich würde es sehr vernünftig finden, wenn wir das Thema wieder aufgreifen, sobald es Fakten dazu gibt.

    Bestes,
    Nils

    • Carlos (delamar)   02. Nov 2009   18:39 UhrAntworten

      Jajaaaa, wir werden auf jeden Fall in 1-2 Jahren darüber sprechen, keine Frage. Aber wenn ich immer alles nur in der Retrospektive beobachten und darüber reden würde, hätte ich als Band keine Zukunftschancen. Und da zitiere ich mal dich: "Als Band bist Du Unternehmer" und als solcher möchte ich meinen, dass man Ausschau halten sollte, wie man aus dieser Geschichte vielleicht sogar einen großen Nutzen ziehen kann - noch bevor es den Mainstream erreicht.

      Allein deshalb finde ich diese Diskussion hier als sehr befruchtend! :)

  • Bandologie | Nils Kolonko   02. Nov 2009   19:21 UhrAntworten

    Hallo Carlos,

    wenn wir schon von Unternehmern sprechen, dann lass uns auch davon sprechen, was man als Musiker "unternehmen" kann.

    Bisher habe ich hier eher das Credo gelesen: "Warum die Google Musiksuche schlecht für deine Band ist." und ergänzend dazu solche düsteren Statements wie:

    "1) Die Band entscheidet sich für die Aufnahme in die Kataloge dieser Musikportale und muss damit rechnen, den direkten Kontakt zum Fan weiter zu verlieren, verdient aber zumindest mit. 2) Die Band entscheidet, nicht auf den Musikdownloadportalen aktiv zu werden. Sie verdient kein Geld, wird nicht bekannt und wird aufgelöst."
    - - -

    In der Praxis gibt es allerdings eine ganze Reihe von positiven Alternativen, sowohl bei Ausgangssituation "1)" als auch "2)". Von denen war hier leider nicht die Rede. Der Artikel hätte ja ... wenn schon für Unternehmer und Visionäre gedacht ... auch lauten können: "Welche Möglichkeiten deine Band in zwei Jahren schon mit der Google Musiksuche umgesetzt haben kann! ... Und welche Risiken es dabei zu beachten gibt."
    - - -

    Meinen Tipp als Unternehmer gab es ja weiter oben schon, als ich über die Möglichkeiten sprach, die damit voraussichtlich verbunden sind. Beispielsweise meine Idee zum Hörbuch-Verkauf und eine Beschreibung meines bisherigen Umgangs mit "Google Books".

    Darüber hinaus zum jetzigen Zeitpunkt noch mehr Überlegungen in solche un-ausgebrüteten Eier zu stecken, davon würde ich jedem Unternehmer abraten.

    Wenn man jetzt etwas "neuartiges" unternehmen möchte, kann man sich bei www.topspinmedia.com anmelden oder sich damit beschäftigen, was andere, erfolgreiche Unternehmer jetzt gerade tun, um ihr Geld als Musiker zu verdienen. ... Und dazu gibt es ja demnächst den zielführenden www.rockthe.biz Film und einige Interviews mit solchen Musik-Profis bei Bandologie.

    Würde es daher weiterhin sinnvoll finden, diese Diskussion für den Moment dabei zu belassen, oder zumindest mich dort bitte auszuklammern. Habe dazu alles gesagt, was ich im Moment im Bezug darauf für wichtig halte.

    Bestes,
    Nils

  • Lars van Reenstrømen   02. Nov 2009   19:32 UhrAntworten

    Gut. Habs mal in google calendar eingetragen. Macht dann 2011 und 2012 ring ring

  • Der_Cube   03. Nov 2009   14:18 UhrAntworten

    Hallo in die Runde,
    folgende Variante aus anderer Perspektive:

    Der Konsument (Der Suchende)

    Als Musik-Konsument (potentieller Fan) möchte ich vor allem schnell etwas von der gesuchten Band hören - egal ob mir zu dem Zeitpunkt bekannt oder nicht (Empfehlung / Zufallstreffer). Spricht mich das Gehörte an möchte ich vielleicht mehr Infos oder/und weitere Musik "konsumieren".

    Und hier - glaube ich - wird sich das Verhalten der Leute gegenüber Google nicht so schnell ändern. Google ist eine Suche und per Klick komme ich dahin wo ich will. Erscheint nun die Band-Website in den Top 5 stehen die Chancen weiterhin gut das der geneigte Hörer auf die Band-Website klickt. Egal ob als 1. oder 5. Ergebnis in der Suche - wenn Bedarf an weiteren Infos zur Band besteht ist auch ein genaueres "auswerten" (ein paar Textzeilen überfliegen) der Googlesuche annehmbar.

    Bei Leuten die das nicht möchten (oder können) ist es doch auch fraglich ob diese dann überhaupt "Fans" sein wollen, geschweige denn einige Minuten kostbarster Lebenszeit verschwenden die Website der Band zu finden, durchzusehen und sich für weiteren Content zB per Anmeldung mit E-Mail-Adresse für Newsletter oder Ähnlichem die Zeit nehmen. Von diversen Konzertbesuchen ganz abgesehen... Wer nicht will, der will nicht.

    Wenn also zuerst mal die Musik gut ankommt (ob die von iTunes, einem Blog, der Band-Website oder Google selbst bereitgestellt wird ist vorerst doch egal), dann stehen die Chancen schon besser das beim Hörer auch Interesse für mehr geweckt wird. Wie weit das dann geht hängt hoffentlich nicht an einem Ranking der Suchergebnisse von Google ab.

  • Tom   03. Nov 2009   16:59 UhrAntworten

    Ist das nicht der Anfang einer Gratis Download Plattform a la China? http://mashable.com/2009/03/30/google-china-free-music-downloads/

  • Ben   03. Nov 2009   20:27 UhrAntworten

    Für die Suchenden ist das sicherlich eine echte Abkürzung, aber ich kann mir schon vorstellen, dass Bands darunter leiden werden. Wenn eine Band zum beispiel als Namen den Songtitel einer anderen, bekannteren Band nutzt (machen viele). Da wird doch sicherlich eher die bekanntere angezeigt als die kleine von den Independent Labels?

  • Carlos (delamar)   03. Nov 2009   21:56 UhrAntworten

    @sasan
    Inwieweit Indies davon profitieren können, bleibt erst einmal abzuwarten. Auf der Labelseite gibt es wahrscheinlich zunächst nur einen Zugewinn. Wenn sich die Bindung der Fans an die Bands jedoch tatsächlich schmälern sollte, dann könnte sich auch die Situation für die kleinen Labels entsprechend anpassen.

    @Tom
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die MI der westlichen Welt so eine Plattform hierzulande zuliesse, oder?

  • Church   06. Nov 2009   11:27 UhrAntworten

    Dann mußt Du wohl oder übel die Google Werbung aus Delamar entfernen, oder nicht?

  • Carlos (delamar)   06. Nov 2009   12:23 UhrAntworten

    Warum?

  • Church   07. Nov 2009   06:24 UhrAntworten

    Um konsequenterweise ein Zeichen zu setzen. Leute die sich dazu durchringen den ersten und den zweiten Schritt zu machen sind rar. Soooviel kann die Google Werbung auf, bzw. für Delamar ja auch nicht bringen, mal abgesehen davon, daß viele sie eh, dank Firefox Addons, nicht sehen, demzufolge nicht anklicken können/werden.

    Man muß ja nicht jeden Scheiß mitmachen (Twitter, Google Adsense ;-) !

    Schon gar nicht, wenn man als kritischer Mensch integer bleiben will. Ob Google jetzt wirklich die schlimme & böse Datenkrake ist - wer weiß, jedoch führen Monopolstellungen stets zu unheilvollen Entwicklungen, und wo soll man anfangen, wenn nicht auf der eigenen Netzseite.

  • Carlos (delamar)   07. Nov 2009   10:47 UhrAntworten

    Ein Zeichen setzen können nur die User, die die Google-Suche nutzen. Ob ein einzelner Publisher das eine oder andere bevorzugt fällt erst gar nicht auf. Zumal die Google Musiksuche sicher nichts ist, was uns als Publisher direkt betrifft - das ist für Musiker und Bands von Interesse. Und angefangen habe ich genau da: Bei der Suche. Ich verwende nämlich auch die anderen Mitbewerber.

    Und wenn wir von Monetarisierung reden: Wir können nicht einfach unsere Einnahmequellen streichen, wenn wir auch in Zukunft die Infos für Musiker und Bands bereitstellen wollen. Hier gilt es für uns abzuwägen, was langfristig wohl schlimmer wäre: Den Musikern und Bands nicht mehr zur Seite stehen zu können oder über einen Verzicht auf Einnahmen aus dem Adsense-Programm auf etwaige Missstände hinzuweisen.

    Im Übrigen sollten wir uns als Leser über unsere Bequemlichkeit hinaus klar machen, dass Werbung, die auf Webseiten und Magazinen geschaltet ist, nicht nur einen störenden Aspekt für uns aufweist. Dieselbe Werbung ist es, die erst möglich macht, dass Webseiten überhaupt existieren, dass wir unsere tägliche Portion Informationen frei Haus geliefert bekommen.

    Wer Werbung im Browser ausschaltet, muss sich im Klaren darüber sein, dass der Publisher Risiko läuft, seine Dienste früher oder später wegen Unwirtschaftlichkeit einstellen zu müssen. Wahlweise kann der Leser zur Kasse gebeten werden. Das gilt für einen Spiegel genauso wie für ein delamar.

  • Carlos (delamar)   26. Nov 2009   14:01 UhrAntworten

    Gerade von Marc als Link geschickt bekommen:
    http://www.futureofmusicbook.com/2009/11/google-music-and-the-new-payola-some-things-never-change/

    Ich bin anscheinend nicht der Einzige, der der Meinung ist, dass das hier ein grosser Schachzug für die Majors und Google, aber das genaue Gegenteil für die Bands...unbedingt lesen!
    Danke, Marc!

  • DJ CeeJay   22. Apr 2010   18:05 UhrAntworten

    Hallo Carlos!

    Ok, sorry, das ich jetzt erst meinen Kommentar dazu abgebe - kannte Delamar (leider) nicht früher :(

    Zum Topic:

    Ich sehe das aus einem ganz einfach folgendem Prinzip heraus so:

    Meine Website ---> wenig Besucher.
    Google --> Meine Website --> viele Besucher

    Anhand der Statistiken erkenne ich, wieviele uniqe-IP´s auf meiner Website gewandert sind und natürlich auch, woher sie kommen - ich hab selbst gestaunt, als ich Google als Ort der häufigsten Besuche verzeichnen durfte.

    Angenommen, du hast Recht und das ganze wirkt sich negativ auf mich aus - so kann ich immer noch eine Listung in den Suchergebnissen dieses Musikdienstes verzichten. Bis jetzt war Google jedoch nicht unbedingt schlecht zu mir, also mach ich mir da noch nicht so große Sorgen.

    Vielen Dank für den Beitrag - er war dennoch sehr informativ und inspirierend. Andere Denkweisen sind immer gut =)

    Liebe Grüße wünscht dir DJ CeeJay

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