Musikbusiness: Kritik der geplanten Verlängerung des Urheberschutzes

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Musikbusiness: Kritik der geplanten Verlängerung des Urheberschutzes

Kretschmer, Professor am Center for Intellectual Property Policy and Management der Universität Bournemouth, startete einen Aufruf an die EU, in dem er seine Argumentation auch auf die bisher größte Studie zum Einkommen von 25.000 Autoren in Deutschland und Großbritannien stützt. Die Studie zeigt, daß das Einkommen von Kreativen nicht vom Urheberrechtsschutz abhängt, sondern hauptsächlich von Verträgen mit Verlagen, Musikfirmen und dergleichen. Ein typischer Musiker verdient weniger als 250 Euro im Jahr aus seinen Verwertungsrechten.

Martin Kretschmer plädiert dafür, Einnahmen aus Zweitvergütungssystemen in Erwägung zu ziehen, etwa aus einer Kultur-Flatrate für spezifische Online-Nutzungen. Doch das müsste transparenter reguliert werden, als es bisher der Fall ist.

Zum einen kommen Mehreinnahmen aus Lizenzgebühren, etwa der Rundfunkanstalten; diese sollen laut europäischer Kommission aber nicht steigen, was bedeutet, daß derselbe Topf an mehr Berechtigte länger verteilt wird. Das heißt aber auch, dass die nächste Generation, die auch jetzt schon arbeitet, weniger bekommt, weil der Topf nicht größer wird.

Eine zweite Quelle von Mehreinnahmen sind höhere Preise für Musikaufnahmen. Wenn die Schutzfrist abläuft, können Aufnahmen billiger angeboten werden. Wird sie verlängert, muss der Konsument diese Subvention der Musikindustrie bezahlen. Die Kommission beteuert aber, daß sie keine höheren Preise erwartet.

Kretschmer weiterhin:

Die Verlängerung würde die kulturelle Vielfalt einschränken. Wenn die Schutzfrist abgelaufen ist, gibt es Wiederauflagen, zum Teil als überarbeitete so genannte Re-masters, die in Konkurrenz zur Originalausgabe angelegt sind, meistens jedoch als Neuveröffentlichungen von Aufnahmen, die gar nicht mehr verfügbar in den Archiven schlummerten. Diese Vielfalt würde durch die Verlängerung um 45 Jahre verschoben. […]

Das komplette Interview

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Lesermeinungen (3)

zu 'Musikbusiness: Kritik der geplanten Verlängerung des Urheberschutzes'

  • Mike   29. Apr 2009   15:52 UhrAntworten

    Das ist ja mal wieder typisch, da lässt sich die Lobby der Großen mal wieder etwas nach eigenen Maßstäben anpassen. Komplett vorbei an der aktuellen Entwicklung im Musikbusiness.

  • chrk   29. Apr 2009   17:39 UhrAntworten

    Der Diskussionsstand ist schon nicht mehr ganz frisch.

    Das Europäische Parlament hat in der vergangenen Woche schon einem Entwurf zugestimmt, die Schutzdauer auf nunmehr 70 Jahre auszudehnen, nach eine Vergütung von 20% der Einnahmen dem 50ten Jahr für ausübende Künstler festgelegt und eine 'Use it or loose it'-Klausel eingefügt.

    Mehr Details beim Europäischen Parlament: europarl.europa.eu/news/expert/infopress_page/058-54192-111-04-17-909-20090422IPR54191-21-04-2009-2009-false/default_de.htm

  • Carlos (delamar)   30. Apr 2009   12:04 UhrAntworten

    Ohje, ohje! Danke für den Link!

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