Geheimes Abkommen soll Internetpiraterie beenden

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Musikbusiness: Geheimes Abkommen soll Internetpiraterie beenden

Die an die Öffentlichkeit gelangten Entwürfe entlarven den Wunsch der grössten Länder der Welt, den Internet Service Providern mehr Verantwortung für die von ihnen zur Verfügung gestellten Inhalte aufzubürden. Wiederholte Urheberrechtsverletzungen sollen nach Wunsch des Papiers zu einer Trennung vom Internet für die Verursacher führen.

Laut Analysten käme es zu einer Veränderung der Urheberrechtsgesetzte in den USA und der Europäischen Union, sofern dieses geheime Abkommen ratifiziert würde. Das so genannte „Three Strikes“-Modell ist, aller Lobbyarbeit der Musik- und der Filmindustrie zum Trotz, sehr umstritten als Massnahme, die Internetpiraterie einzudämmen. Laut den Aussagen von EuroISPA, einer Vereinigung von 1.700 europäischen Internet Service Provider (ISP), wären die besprochenen Massnahmen sehr streng und weitläufig bis hin zum kompletten Disconnect vom Internet.

Der amerikanische Jura-Professor James Boyle der Duke University lässt sich im Artikel der Financial Times zitieren: „Die Pläne sehen Geldstrafen und Inhaftierung für nicht-kommerzielles Filesharing, die Vergrösserung der Verantwortlichkeit der ISPs für die Taten ihrer Kunden und noch viel mehr vor.“

Die Geheimniskrämerei um dieses Abkommen hat schnell Stimmen auf den Plan gerufen, die glauben, dass die Rechteverwerter und die Musikindustrie ihre Ziele hinter verschlossenen Türen durchsetzen wollen, nachdem die ersten Versuche gescheitert scheinen, die Gesetzesgeber in dieser Sache auf die eigene Seite zu ziehen.

Michael Bartholomew ist Leiter von Etno, die die Telekommunikationsbranche in Brüssel vertreten, und vermutet, dass ein solches Abkommen wohl schwerlich von der EU ratifiziert werden könnte. Die unangemessenen und sehr weitläufigen Massnahmen wie die Filterung von Inhalten (Zensur) oder das Verwehren des Internetzugangs für Nutzer stünde den Grundrechten der EU diametral entgegen.

Die Europäische Kommission hingegen hat es bisher abgelehnt, Stellung zu beziehen.

Vergangene Woche erst hätten sich die Verantwortlichen des geheimen Abkommens zu einer siebten Gesprächsrunde zusammengesetzt. Die Politiker, die sich in den vergangenen zwei Jahren mit dem Abkommen beschäftigt haben, meinen, es wären keine neuen Gesetze notwendig, jedoch entstünden neue Verpflichtungen für die Unterzeichnenden aus diesem Abkommen. Diese sähen die Bestrafung von Bürgern vor, die gegen bestehende Gesetze verstossten. Die an diesen Gesprächsrunden beteiligten Länder sind laut Financial Times die USA, die europäische Union, Japan und Australien. Noch dieses Jahr soll es zum Abschluss kommen, so die Financial Times weiter.

„La Quadrature du Net“, eine französische Gruppe von Aktivisten, lässt verlauten, dass die Möglichkeiten für Lobbyisten ideal sei, ohne angemessene Kontrolle ihren Traum eines Copyright-Regimes zur Überwachung des Internets und den Zugang zu Wissen aufzubauen.

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Anmerkung:
Wie es aussieht, hat die Musikindustrie noch lange nicht aufgegeben in dieser Sache. Wir werden die Geschichte weiter verfolgen und darüber berichten, denn der freie Zugang zu Wissen und dem Internet geht uns alle an.

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Lesermeinungen (11)

zu 'Geheimes Abkommen soll Internetpiraterie beenden'

  • Joachim Losehand   06. Feb 2010   12:53 UhrAntworten

    Dieses "geheime Abkommen zwischen den Ländern der westlichen Welt" nennt sich "Anti-Counterfeiting Trade Agreement" ACTA und ist ein Handelsabkommen. Dieses Abkommen existiert jedoch noch nicht, sondern es ist gerade erst in Mexiko die 7. Runde zuende gegangen. Weitere folgen.

    Warum der Begriff "ACTA" in diesem Beitrag nicht fällt, ist mir - gelinde gesagt - schleierhaft. Davon redet inzwischen das ganze Internet.

  • Grafzahl   06. Feb 2010   12:54 UhrAntworten

    BB i w u !!!

  • Carlos (delamar)   06. Feb 2010   14:48 UhrAntworten

    Danke für den Hinweis, habe es hinzugefügt.

  • Marc   06. Feb 2010   15:40 UhrAntworten

    Zum ACTA-Fall gibt es ein interessantes Interview mit Prof. Hoeren: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,674802,00.html

  • Mischy   06. Feb 2010   17:03 UhrAntworten

    Ich überlege ein Spendenkonto für die Angehörigen der Musikindustrie einzurichten, es sollen sich ja auch schon Selbsthilfegruppen gebildet haben...:-)

    Nee mal im Ernst: wenn ich immer nur darauf gucken würde, was ich wo hätte verdienen können, wenn nicht dies und jenes wäre - dann wäre ich auch sauer über solche "Verdienstausfälle".

    Ich finde die Musikindustrie sollte sich mal ruhig ein wenig gelassener und bescheidener zeigen. Schließlich muß ja auch der "kleine Mann" den Gürtel immer enger schnallen, in diesen schwierigen Zeiten.

    Und wer auf der einen Seite junge Künstler in jeder Hinsicht ausbeutet (siehe DsdS & Co) darf sich auf der anderen Seite nicht beklagen, wenn er genauso um die Früchte seiner Arbeit betrogen wird.

  • Richie   08. Feb 2010   09:11 UhrAntworten

    Hmmm anscheinend boomt das legale Musik Downloaden doch noch nicht so dolle. Grundsätzlich finde ich es legitim, dass sich die Musikindustrie wehrt. Ob oder wer da ausgebeutet wird, ist doch erstmal nicht dafür aussschlaggebend, ab wann man es sich illegal beschaffen darf oder nicht.

    Wenn das einem nicht passt (wie z.B. DSDS etc.) dann kauf ich mir logischerweise diese Musik nicht - eigentlich doch logisch, oder?

    Ich führe mal ein anderes Beispiel an - der Kaffee. Da werden in vielen Fällen die Leute die auf den Feldern arbeiten sowas von ausgebeutet und sehen vom tatsächlichen Gewinn so gut wie nix. Da sagt doch auch keiner, bäääh - "Das ist doch Ausbeute!!!" und geht schnurstrax in den Supermarkt und klaut ein Fund Kaffee.

    Wem die Musikdownloads zu teuer sind (ich finde sie auch noch zu teuer), der kaufst sich halt weniger Musik, sondern nur die echten Perlen. Und das ist mit ein wichtiger Vorteil von Musik Downloads. Man muss sich nicht mehr ein ganzes Album von Künstler XY zulegen, wo die Hälfte der Trax als Lückenfüller dient.

    Die einzige Gefahr sehe ich, dass jetzt erstmal jeder als potentieller Krimineller abgestempelt wird, bevor nicht seine Unschuld bewiesen ist.

    • Carlos (delamar)   08. Feb 2010   09:39 UhrAntworten

      Das eigentliche Problem liegt in der Verhältnismässigkeit der Dinge: Ist es gerecht zu fordern, dass ein Mensch vom Internet und damit einer Menge Informationskanäle getrennt wird, weil er sich drei Musikstücke aus dem Netz gezogen hat? Was passiert denn mit dem Rest der Familie? Darf die dann auch nicht mehr ins Internet?

      Ist es gerecht, den ISPs Kosten für "mehr Verantwortlichkeit" aufzudrücken, nur um die Gewinne der Musikindustrie aufrecht zu erhalten?

  • Mischy   08. Feb 2010   13:12 UhrAntworten

    Ich wollte mit meinem Kommentar keinesfalls illegale Downloads rechtfertigen. Diese sind bringen ja nicht nur die (anonyme) "Musikindustrie" um ihren Lohn, sondern auch den Künstler.

    Was mich daran nur immer ärgert, ist die Scheinheiligkeit mit der die Musikindustrie solche Forderungen aufstellt, obwohl sie selber zu der Situation beitragen, die sie beklagen: Auf der einen Seite beuten sie Menschen aus, was dazu führt das die Ausgebeuteten kein Geld mehr "übrig" haben um Musik legal zu erwerben.

    Wo wir was dran ändern müssen ist die Ausbeutung der Gering- und Mittelverdiener: wer durch Billiglöhne und Hartz IV gerade kaum genug zu leben hat (Zunahme der Suppenküchen), wird wohl kaum noch Geld für CD-Käufe oder legale MP3-Downloads auslegen können. Um dennoch irgendwie am kulturellen Leben teilhaben zu können, wird dann evtl. zu illegalen Methoden gegriffen.

    Mit anderen Worten: bezahlt die Leute vernünftig, dann sind sie auch in der Lage und willens, sich Musik legal anschaffen zu können.

  • Richie   08. Feb 2010   15:13 UhrAntworten

    Zitat v. Mischy: "Wo wir was dran ändern müssen ist die Ausbeutung der Gering- und Mittelverdiener: wer durch Billiglöhne und Hartz IV gerade kaum genug zu leben hat (Zunahme der Suppenküchen), wird wohl kaum noch Geld für CD-Käufe oder legale MP3-Downloads auslegen können. Um dennoch irgendwie am kulturellen Leben teilhaben zu können, wird dann evtl. zu illegalen Methoden gegriffen."

    Das ist doch eine fadenscheinige Behauptung, dass in erster Linie die Geringverdiener für die illegalen Downloads verantwortlich sind. Zum anderen ist doch die Musikindistrie nicht für die Billiglöhne verantwortlich - in erste Linie doch die Arbeitgeber bzw. die handlungsunfähige Politik.

    Ich kenn genug aus meinem Bekanntenkreis die Festplatten voll von illegalen MP3s haben und das sind keine Geringverdiener. Und selbst als normalverdiener könnte ich mir nur schwer alle Tracks der Top100 auf einen Schalg leisten. Das wären bei Itunes ca. 100 €.

    @ Carlos

    Über die Methoden kann man sich bekanntlich streiten. Und da gebe ich dir Recht, denn diese finde ich dann doch etwas zu radikal. Dass man die ISPs auch in die Verantwortlichkeit bringt, finde ich garnicht mal so verkehrt. Zuerst könnten man mal sämtliche Leute aus dem netz nehmen, die durch solche Seiten illegale Musikdownloads und sonstige illegale Aktivitäten begünstigen. Zum anderen wären auch die Eltern gezwungen zu kontrollieren was ihre Kinder im Netz so treiben, um nicht in Gefahr zu geraten das man vom Netz getrennt wird. Wie war das nochmal: Eltern haften für ihre Kinder. Warum auch nicht dafür was die Kinder im Netz für Blödsinn anstellen.

  • Mischy   08. Feb 2010   17:10 UhrAntworten

    @ Richie

    Da hast Du natürlich Recht, daß nicht nur die Geringverdiener illegal downloaden - deshalb schrieb ich ja auch "Gering- und Mittelverdiener". Der Hartz IV-Empfänger, der einfach keine Knete für legale Downloads hat ist natürlich nur EIN Beispiel und verkürzt das Ganze - da hast Du Recht.

    Aber das was Du sonst noch schreibst, beschreibt eigentlich sehr schön einen weiteren Aspekt: "Ich kenn genug aus meinem Bekanntenkreis die Festplatten voll von illegalen MP3s haben..."

    Wäre es da nicht mal an der Zeit, Zivilcourage zu zeigen und diesen Typen ordentlich die Meinung zu geigen ? Aber genau das tut heute keiner mehr - "Das geht mich ja eigentlich nix an". Weggucken - DAS ist die Mentalität, die sowas ermöglicht.

    Dabei geht es um viel mehr als um illegale Downloads: wir gucken weg und sagen nichts, wenn Kinder in der Nachbarschaft verwahrlosen, wir gucken weg und sagen nichts, wenn immer mehr Leute in unserem Umfeld "absteigen" oder vor lauter Druck auf der Arbeit krank werden.

    Ich könnte tausend Beispiele bringen, wo wir endlich mal die Klappe aufmachen und handeln müssen, statt immer nur auf den Schwächsten rumzutrampeln - den Arbeitslosen, den Obdachlosen, den vergessenen Kindern. Ja, die machen vielleicht Blödsinn im Netz - aber die sind die Opfer, nicht die Täter.

    Wo wir selbst anfangen können (um doch wieder auf die Downloads zu kommen), sind unsere eigenen Festplatten: ich muß nicht immer alle aktuellen TOP 100 auf der Platte haben - 5-10 schöne Songs pro Monat tun es auch - "Bescheidenheit ist eine Zier" hat meine Oma immer gesagt - vielleicht altbacken, stimmt aber trotzdem.

    Man muß nicht immer alles haben, was es gibt...gut, wenn man Kindern das vorlebt...

  • Richie   08. Feb 2010   21:08 UhrAntworten

    "Wäre es da nicht mal an der Zeit, Zivilcourage zu zeigen und diesen Typen ordentlich die Meinung zu geigen ? Aber genau das tut heute keiner mehr – “Das geht mich ja eigentlich nix an”. Weggucken – DAS ist die Mentalität, die sowas ermöglicht."

    Naja das ich das nicht in Ordnung finde, wissen die schon, aber mehr als meine Meinung dazu zu äußern, habe ich natürlich auch nicht. Was soll ich da großartig machen. Anzeigen??? Nicht wirklich! Aber ein guter Kumpel von mir ist schon auf die Schnauze geflogen. Der musste 1000 € blechen, weil er Musik aus einem P2P Netzwerk gesaugt hat. das ist mehr Überzeugungsarbeit als ich jemals leisten könnte.

    Wir sind leider mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo die Leute nur lernen, wenn die es am eigenen Leibe spüren.

    Aber mit dem Vorleben ist schon mal ein Ansatz. Zum anderen werdwen die Methoden der Musikindustrie immer effektiver: siehe z.B. das geplante Wasserzeichen

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