Madonna MDNA: Warum der Sturzflug so lehrreich ist

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Madonna MDNA

Madonna auf der Sticky & Sweet Tour. Foto: Guy Oseary

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Madonna MDNA: Mal die Fakten auf einen Blick

Bevor ich gleich aushole, noch eine kleine Anmerkung: Wer sich nicht dafür interessiert, seine eigene Musik zu verkaufen, kann hier aufhören zu lesen. Genau wie schon beim ersten Artikel heute Morgen geht es darum, aus den Stunts der Großen zu lernen – und da gibt es eine Menge. Wer aber nur Technik-News lesen möchte, ist hiermit herzlich eingeladen, die Bereiche Showbiz & Musikbusiness zu ignorieren.

Madonna MDNA

Madonna auf der Sticky & Sweet Tour. Foto: Guy Oseary

Beginnen wir einfach mal mit den Fakten des Falles Madonna MDNA.

Der Aufstieg

Madonna steigt mit ihrem neuen Album MDNA auf Platz 1 der amerikanischen Billboard Charts und 359.000 verkauften Alben ein. Eine absolut reife Leistung für den alternden Popstar, wie ich finde. Die Verkaufszahlen wurden im Übrigen um 20.000 Einheiten nach unten korrigiert, nachdem die Popdiva dabei erwischt wurde, den Tickets zu ihren Konzerten CDs beigelegt zu haben. Eine gängige Praxis, derer sich auch schon andere große Namen wie beispielsweise Bon Jovi oder Tom Petty in der Vergangenheit bedient hatten. Einige Publikationen beschuldigen die Künstlerin allerdings, wesentlich mehr CDs beigelegt zu haben. Wir können das allerdings nicht überprüfen, aber ist es überhaupt wichtig, wie viele es tatsächlich waren?

Mal zum Vergleich: Madonnas Quasi-Nachfolgerin Lady Gaga hatte mit ihrem Album „Born This Way“ einen Einstieg auf Platz 1 mit 1,11 Millionen verkaufter Alben.

Der Fall

In der zweiten Woche fallen die Albenverkäufe von Madonna MDNA rapide ab, es werden „nur“ noch 46.000 Verkäufe registriert. Das entspricht einem Absturz von rund 87 Prozent, der der Künstlerin je nach Stimmungslage des Autors als Altersschwäche oder Verfall in die Belanglosigkeit ausgelegt wird. Immerhin hält sich das Album damit auch in der zweiten Woche noch in der Top 10, und zwar auf Platz 8 der Billboard Charts. Immer noch eine reife Leistung.

Zum Vergleich: Oben erwähntes Album von Lady Gaga fiel in der zweiten Woche um nicht ganz 85% ab – konnte sich aber (und das im Gegensatz zu Madonna MDNA) an Platz 1 der Charts halten. Wahrscheinlich ist der damalige Absturz deswegen nicht ganz so breitgetreten worden wie der hiesige.

Und jetzt wollen wir mal aus den Fakten entnehmen, was es für uns daraus zu lernen gibt.

 

Madonna MDNA: Der vermeintliche Sturzflug entpuppt sich als Höhenflug

Was von vielen im ersten Moment als schlimmer Sturzflug und das vielleicht nahende Ende der bereits 30 Jahre lang anwährenden Karriere Madonnas ausgelegt wird, ist in Wirklichkeit eine wahre Erfolgsstory und der wahrscheinlich ganz normale Verlauf von (Achtung:) erfolgreichen (!) CD-Verkäufen.

  • 400.000 verkaufte Alben.
  • Zwei Wochen lang für die Künstlerin kostenlose Berichterstattung in den Medien.
  • Der angebliche Sturzflug dürfte für weitere Verkäufe durch Medienpräsenz sorgen.

Die Promotion

In der Halbzeitpause des Super Bowl trat die Künstlerin als Promotion-Maßnahme für das neue Album auf und generierte damit zurecht eine Menge Aufmerksamkeit in den USA. Gleichzeitig wurde das Album auch erfolgreich an zahlreichen anderen Stellen in den Medien beworben. So war es beispielsweise keine Seltenheit, das Albumcover bei iTunes zu sehen oder gezielte Werbung bei Spotify zu hören.

Folgerichtig schoss Madonna MDNA in der ersten Woche mit einem Peak deutlich auf Platz 1 der Charts, was sie wiederum in die realen und virtuellen Auslagen der Vertriebskanäle brachte. Immerhin sind in gerade einmal zwei Wochen 400.000 Alben verkauft worden. Und diese dienen wiederum als schmackhaftes Entrée für die anstehende Tour.

Das Beilegen der CD beim Kauf eines Konzerttickets mag für die Messung der Verkaufszahlen fatal sein, doch als Marketingaktion ist es ein genialer Promotion-Trick und damit ein voller Erfolg. Wenn ich mir als Fan eines Künstlers ein Ticket zu einem Konzert kaufe und bei dieser Gelegenheit eine CD mit dem neuesten Album erhalte, wird mich das überaus positiv stimmen. Eine Sache, die sich jede kleinere Band als eigene Promotion-Aktion überlegen sollte. Und auch anders herum könnte das als vortreffliche Marketing-Maßnahme funktionieren: Wenn ich mir eine CD kaufe, lege ich die Eintrittskarte für ein Konzert in der Nähe dazu. Cross-Promotion deluxe, mehr Besucher nebst Begleitern auf den Konzerten = noch mehr Fans.

 

Zwei Wochen lang kostenlose Promotion

Nachdem die Medien bereits in der ersten Woche durch gute PR-Arbeit seitens des Managements gezielt über die Veröffentlichung des neuen Albums berichtet haben, sorgt auch das signifikante Absinken der Verkaufszahlen in der zweiten Woche für weitere Schlagzeilen. Hätte die PR-Agentur für all die Schlagzeilen Geld in Form von Werbebuchungen ausgeben müssen, wäre ein nettes Sümmchen zusammengekommen, das Madonna sich nun getrost sparen kann.

Die stetige Medienpräsenz hat den Namen der Künstlerin und vielleicht auch den des Albums so in die Köpfe einzementiert, dass nun selbst die jüngeren Musikkonsumenten mit der Popdiva etwas anfangen können müssten. Und all die älteren Semester, die sie schon bestens kannten, wissen spätestens jetzt, dass eine neue Scheibe von ihr auf dem Markt ist. Well done.

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Lesermeinungen (18)

zu 'Madonna MDNA: Warum der Sturzflug so lehrreich ist'

  • Beo Dyrtland   12. Apr 2012   12:50 UhrAntworten

    Hey Carlos,...so wie Du es darstellst ,wird es lesbarer und lehrreicher.Guter,informativer Beitrag
    Danke !

  • ColdSteel   12. Apr 2012   12:55 UhrAntworten

    Danke, Carlos! So hätte ich mir den Artikel direkt gewünscht - kein sinnloses Gebashe sondern schön präsentierte Gedanken und Fakten.

  • Harald   12. Apr 2012   13:44 UhrAntworten

    guter Artikel!
    ergänzend kann man auch auf den Aspekt hinweisen, dass sich jeder Fan eh das Album gekauft hätte, also dürften die Absatzzahlen zum alternativ beschrittenen Weg nicht viel anders gewesen sein. Es ist doch auch als "netter Zug" zu sehen...und marketing-strategisch eh ein kluger Schachzug....

  • polyaural   12. Apr 2012   13:47 UhrAntworten

    Auch schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten.

    Aber klappt das in Europa genau so gut wie in US of A?

  • Martin   12. Apr 2012   14:45 UhrAntworten

    Schön, dass die Kritik ernst genommen wurde und ich für meinen Teil kann an diesem Beitrag nichts aussetzen.
    Warum auch?! Ich bin ja nicht zum kritisieren sondern schlußendlich zum konsumieren hier und suche nicht nach Negativem.
    Dieser Artikel ist so, wie ich es von dieser Plattform gewohnt bin und warum ich so oft hier vorbei schaue:
    interessante Infos in gutem Stil für viele zugänglich gemacht.

  • IrgendeinThomas   12. Apr 2012   17:24 UhrAntworten

    Guter informativer Beitrag Carlos, danke das hier die Kritik ernst genommen wird.
    Was die Thematik anbelangt...ich kann hier nicht so den großen Erfolg sehn (wenn ich auch verstehn kann das man die Meldung eines Madonna-Absturzes in den Medien als weiteren Marketing-Push betrachten könnte)
    Madonna hat ja für sich ja schon (wenn auch nicht unbedingt bei der Teenager-Generation) einen Markennamen und große Fanbase der eigentlich für sich allein schon ziehn müßte (jeder von uns würde sich sicher alle 10 Finger abschlecken wenn sein Band/Projekt-Name so bekannt wäre)ihr letztes - sehr erfolgreiches! - Album (in vielen Ländern Nr.1, insg. 4 Mio. verkaufte Alben) liegt 4 Jahre zurück, somit müßte sie eigentlich auch sogar den älteren Teenagern ein klingender Name sein. Also wie im Artikel hingestellt ein schon in die Jahre gekommenes Publikum weil sie die Jüngeren einfach nicht kennen kann somit nicht zutreffen.
    Zu diesem großen Markennamen "Madonna" kam wie im Artikel erwähnt ein gewaltiges Medienmarketing dazu - hinzufügen möchte ich zB noch das bei den offiziellen Musik-Videos auf Youtube aller Künstler die mit dem gleichen Label zu tun hatten für lange Zeit eine große Madonna-Werbung zu sehn war (das allein wäre ja für jeden Einzelnen von uns sicher schon ein Traum und super Voraussetzungen für einen Erfolg) ganz zu schweigen von den vielen Airplays der unzähligen Radios die jetzt sicher im Gang sind.

    Alles in Allem können die momentanen Verkaufszahlen nur als Enttäuschung gewertet werden. Sicher wird Madonna auch nicht jünger und somit nicht mehr für die jüngste Generation so werbewirksam aber dank Botox und unzähligen Liftings ist es ja noch nicht ganz so weit das man sie schon in Rente gehen sehen muß.;-)
    Ich hab noch nicht in das Album reingehört vielleicht mag es ja diesmal wirklich an der Qualität liegen das selbst Brachial-Marketing nicht so ganz zieht wie von Madonna und Beteiligten erhofft.

  • vanhold   12. Apr 2012   18:07 UhrAntworten

    Ja, das ist doch mal ein Artikel. Danke! Deckt sich ja mit meinen Anmerkungen in meinem letzten Post im "alten" Madonna-Threat.

  • testo   12. Apr 2012   19:58 UhrAntworten

    Ich entnehme daraus:

    Ist man bereits berühmt, spielt es keine Rolle mehr, was man macht. Man kann alles so auslegen, daß es einem zum Vorteil gereicht.

  • Alekseivi   12. Apr 2012   20:35 UhrAntworten

    Wenn man die Platte "Born this Way" von Gaga zum Vergleich heranzieht, sollte man fairerweise vielleicht auch vermerken, dass dieses durch einen eintägigen Verkaufspreis von 99 Cent an Platz 1 "geschummelt wurde - begleitet von einem riesigen Werbeszenario. Da hat sicherlich der ein oder andere einfach mal so "kaufen" gedrückt.
    Zudem hat Madonna nicht CD´s den Konzerttickets beigelegt, sondern vielmehr gab es beim Kauf der CD-Erstauflage das Konzertticket als Bonus dazu. Und um an eine 14€ teure CD gratis zu gelangen, gebe ich nicht 140€ für ein Konzertticket aus. Diejenigen, die bereit sind, soviel allen für einen Stehplatz zu berappen, hätten sich die CD auch ohne Konzert gekauft. Wohl eher ein Anreiz die überteuerten Tickets zu verkaufen als die Charts zu manipulieren.

    • Thomas „thommytulpe“ Nimmesgern   14. Apr 2012   23:11 UhrAntworten

      Hallo!

      Zitat: "Wenn man die Platte 'Born this Way' von Gaga zum Vergleich heranzieht, sollte man fairerweise vielleicht auch vermerken, dass dieses durch einen eintägigen Verkaufspreis von 99 Cent an Platz 1 'geschummelt' wurde".

      Vielen Dank für die Info!

      Was lernen wir daraus? Marketing, Werbung, großer Rummel ist alles.
      ...und das meine ich _nicht_ so zynisch, wie das jetzt vielleicht klingt. Diese 99-Cent-Aktion ist dafür ein gutes Beispiel: Bei mir als musikinteressiertem Leser und Hörer ist erstmal hängenblieben, dass Lady Gaga auf Platz 1 war - was auch heutzutage noch als Qualitätskriterium, zumindest aber als bemerkenswertes Alleinstellungsmerkmal wahrgenommen wird - aber obwohl ich mich für Musik interessiere, ist der Weg zu diesem Erfolg (nämlich diese 99-Cent-Aktion) mir _nicht_ im Gedächtnis geblieben, sondern nur das Ergebnis.

      Nochmal: Im Gedächtnis habe ich den (Verkaufs-)Erfolg, aber nicht die (manipulative) PR-Maßnahme.
      Die PR-Maßnahme an und für sich würde ich als Schummeln oder manipulativ bezeichnen - aber ich hab' sie vergessen, noch nicht einmal richtig wahrgenommen. Anders gesagt: Das Gute blieb im Gedächtnis hängen, der böse Weg dorthin nicht.

      Marketingstragetisch verdient das echten Respekt.
      Von soviel Einfallsreichtum in Sachen Werbung möcht' ich mir gerne eine Scheibe abschneiden. :-)

  • Huba   12. Apr 2012   21:38 UhrAntworten

    Sehr gut :) Das macht spass zu lesen!

  • Alex   13. Apr 2012   15:16 UhrAntworten

    Super Artikel, und interssante Sichtweise, darauf wäre ich jetzt nicht gekommen, klingt aber alles super logisch.
    Das einzige was mich gestört hat, ist, Lady gaga als ihre Nachfolgerin zu betiteln.
    Und wie oben in den Kommentaren auch schon erwähnt, kauft sich wohl jeder der auf das Konzert gehen möchte, gleichzeitig auch noch das Album bzw. zieht es sich aus dem Internet evtl sogar illegal, so hat sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, finde die Idee super raffiniert und denke so sollte es doch gleich jeder machen.

  • testo   15. Apr 2012   21:04 UhrAntworten

    wen interessiert es eigentlich noch, ob ein titel bei den Billboard Charts Nr 1 ist?

    ich kenne keinen, den das nur ansatzweise interessiert

    • Thomas „thommytulpe“ Nimmesgern   16. Apr 2012   14:40 UhrAntworten

      Hallo!

      Ich glaube, dass es durchaus noch Leute gibt, die eine hohe Chartsplatzierung zumindest annerkennend zur Kenntnis nehmen.

      Das sind -nach meiner Erfahrung- _nicht_ die Vollblutmusiker und _nicht_ die diejenigen, die sich für Musik, Musikproduktion, Komposition, Arrangement, Studiotechnik usw. interessieren.
      "eine hohe Chartsplatzierung zumindest annerkennend zur Kenntnis nehmen" - das gilt wohl eher für die Nebenbei-Radiohörer, die Formatradio toll finden und für die die Musik bei weitem nicht die Hauptrolle spielt.

      Ich glaube, dass man _solche_ Leute durchaus mit einer hohen Chartsplatzierung ansprechen kann.

      Musiker hingegen interessiert das nicht, da geb' ich Dir sogar recht.
      Musiker und Musikbegeisterte bleiben oft unter sich, und deswegen überrascht es mich nicht, wenn Deine Bekannten sich genauso wenig wie Du selbst für Chartsplatzierungen interessieren.

    • IrgendeinThomas   16. Apr 2012   17:12 UhrAntworten

      Es hat ja seinen Grund warum sie unbedingt dorthin wollen, die sind ja auch nicht dumm. Die breite Masse an reinen Musikkonsumenten orientieren sich schon meist an den charts bzw. das was es momentan im (Mainstream)Radio spielt. Und die spielen ja schließlich auch nichts das kommerziell nie erfolgreich war. Also ich konnte schon genug Menschen in meinem Leben kennenlernen bei denen jegliche Musik ausserhalb der charts nicht zu existieren scheint oder zum. das Non-plus-ultra darstellt (sozusagen was da vorne ist muß ja auch das Beste sein wozu dann nach Zweitklassigem suchen). Zum Glück sind nicht alle so aber leider doch die Mehrheit (was auch die Hörerzahlen der Mainstream-Radios gegenüber den Alternativen belegen)

  • Tron   16. Apr 2012   09:15 UhrAntworten

    Fakt ist halt:

    Mit Musik als Broterwerb lässt sich keine Familie mehr ernähren.
    Das ist vorbei.

  • ricardo   03. Mai 2012   23:49 UhrAntworten

    hm-komisch ist es aber schon ,dass es zu mdna überhaupt gar keine organische promo gab , also keine plakate und sowas , bei gaga war ja alles zugekleister vor allem in den usa aber auch hier ...

    aber madonna hat die zeichen der zeit erkannt und setzt halt alles auf ihre tour ( mit cds verdient man ja nix mehr..) ,ich denke mal dass die tour auch wieder recorde brechen wird ,dagegen sieht gaga dann alt aus , muss man ja nur die letzten beiden touren von den beiden vergleichen!

  • Alessandro   31. Mrz 2013   09:54 UhrAntworten

    Super Artikel....sehr sachlich geschrieben und interessant.

    Ich frage mich immer wieder wie es Madonna schafft, solch geniale durchgedachte Marketingstrategien umzusetzen. Sie muss die besten Marketing-Leute um sich haben und was wieder mal bewiesen ist, ist dass sie ne echte Bussinesswoman ist!

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