Leitfaden Selbstvermarktung 2: Einleitung
Inhaltsverzeichnis:
- Leitfaden zur Selbstvermarktung: Ein Einstieg ins Musikbusiness der Popakademie und audiomagnet
- Leitfaden Selbstvermarktung 2: Einleitung
- Leitfaden Selbstvermarktung 3: Kunst, Kommerz, Professionalität und mehr…
- Leitfaden Selbstvermarktung 4: DIY-Vertriebswerkzeuge, Tools (1)
- Leitfaden Selbstvermarktung 5: DIY-Vertriebswerkzeuge, Tools (2)
- Leitfaden Selbstvermarktung 6: Vergleich Digitale Distributoren (1)
- Leitfaden Selbstvermarktung 7: Weitere Distributoren
- Leitfaden Selbstvermarktung 8: Promotion
- Leitfaden Selbstvermarktung 9: Analyse, Controlling & Fundraising
- Leitfaden Selbstvermarktung 10: Download
Wie gestern bereits angekündigt, geht es heute nun los mit dem Leitfaden 1.0 zur Künstler-Online-Selbstvermarktung. Wir beginnen mit der Einleitung. Hin und wieder werde ich (Carlos) eigene Kommentare hinzufügen, die als solche gekennzeichnet werden.
Jetzt aber viel Spass beim Lesen und umsetzen!
There is a dance between art and business. You need to learn to cha-cha.
Martin Atkins, 2007
Einleitung Leitfaden Selbstvermarktung 1.0
Liebe Musiker,
das Internet hat zu einem veränderten Umgang mit urheberrechtlich geschützten Inhalten geführt. Gerade die Musikindustrie hat aufgrund der neuen technischen Möglichkeiten, insbesondere durch die digitale Entwicklung (z.B. CD-Brenner oder das Audiokompressionsverfahren MP3), Umsatzeinbrüche erlitten.
Aufgrund der rückläufigen Umsätze in der Musikindustrie (vgl. Grafik) sind Tonträgerunternehmen nicht mehr in der Lage, hohe wirtschaftliche Risiken bei Investitionen in Newcomer-Künstler einzugehen.
Ich bin nicht sicher, ob die vermeintlich rückläufigen Umsätze (in einigen Teilen legt die Musikindustrie jährlich zu) schuld an fehlenden Investitionen sind. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Musikindustrie einfach nicht mehr darauf angewiesen ist, Kapital in ein risikoreiches Unternehmen (eine Band oder ein Projekt) zu investieren, ohne zu wissen, ob es funktionieren wird. Viel einfacher ist doch zu warten, ob die vielen potenziellen Newcomer auf eigene Faust kleine Erfolge verzeichnen können und dann auf den Zug aufzuspringen.
Die Leidtragenden wart in den letzten Jahren stets Ihr, da Ihr nicht auf die finanzielle Unterstützung von Tonträgerunternehmen zählen und somit Eure Musik nur einem kleinen Publikum zur Verfügung stellen konntet.
Mehr und mehr sind Musiker deshalb dazu übergegangen, ihre Karriere selbst in die Hand zu nehmen und selbst dafür zu sorgen, dass ihre Musik von den Massen gehört und erworben werden kann. Um diesen Traum wahr werden zu lassen, haben sich in den letzten Jahren viele Möglichkeiten in der Online-Welt aufgetan, die Musikern dabei helfen wollen, Musik erfolgreich selbst zu vermarkten. Die Idee der Online-Selbstvermarktungsplattform für Künstler fand ihren Anfang Mitte/Ende der 90er Jahre in Plattformen wie MP3.com oder besonic.de. Die amerikanische Firma CD Baby brachte ab 1997 mit ihrem Online-CD-Mailorder-Katalog die Vertriebskomponente hinzu. Nach dem Aussterben der ersten Generation von Internet-Musik-Unternehmen (Platzen der sog. „Dot-Com-Blase“) in 2001, das die frühen Do-It-Yourself-Dienste von der Bildfläche verschwinden ließ, griff das 2003 gegründete soziale Netzwerk MySpace die Präsentations-, Promotion- und Fan-Management-Komponente konsequent und sehr erfolgreich auf. In den folgenden Jahren entstanden vielfältige Angebote, die Musikern den Weg zum Erfolg durch eigene Vermarktungs- und Management-Werkzeuge ebnen wollen.
Tim Renner, ehemaliger Geschäftsführer von Universal Music Deutschland und Inhaber von Motor Music, beschreibt die Entwicklung folgendermaßen:
(…) heute hat das Musikgeschäft immer weniger mit physischer Distribution zu tun. […] Mit MP3 drohen sie überflüssig zu werden. Im non-physischen Musikvertrieb entfallen Einstiegshürden wie Macht und Kapital. Der Markt steht prinzipiell jedem offen.
Diese Marktoffenheit, die Renner hier benennt, birgt viele Vorteile für Euch, denn Ihr habt die Wahl wie und mit welchem Partner Ihr Eure Karriere selbst steuern wollt. Allerdings birgt sie auch Gefahren, da das wirtschaftliche Risiko zu großen Teilen von Euch selbst getragen wird und das Service-Angebot aufgrund der Fülle der Anbieter unübersichtlich und undurchsichtig ist.
Dieser Leitfaden versucht, den Markt der Online-Künstler-Selbstvermarktung für Euch übersichtlich darzustellen. Ihr sollt so einen Marktüberblick erhalten und somit die richtigen Partner für Eure individuellen Selbstvermarktungs-Pläne finden. Dieser Leitfaden dient als Basis und Überblick über die Möglichkeiten, sich im Internet gegenüber neuen Fans, Veranstaltern, potentiellen Medienpartnern und eben auch Plattenfirmen und Verlagen besser zu präsentieren. Grundlage dieses Leitfadens ist eine im Vorfeld durchgeführte Umfrage unter Musikern und Musikerinnen. Die Ergebnisse dieser Umfrage (sie befinden sich im Anhang) dienten als Orientierung bei der Auswahl der Services und der Einschätzung ihrer Angebote.
Dieser Leitfaden lässt bewusst einen sehr wichtigen Teil des Musikbusiness – den Live-Bereich – unberücksichtigt, da dieser so vielfältig und wichtig ist, dass es den Rahmen dieser kleinen Broschüre bei weitem gesprengt hätte.
Den ersten, entscheidenden Schritt für deinen Einstieg ins Musikbusiness hast Du jetzt bereits getan. Du liest dir diesen Leitfaden durch und interessierst dich für deine Optionen. Der nächste Teil des Leitfadens wird sich dann mit dem künstlerischen Umgang mit Kommerz bzw. dessen Umkehrung, dem kommerziellen Umgang mit Musik auseinandersetzen. Die Veröffentlichung wird in Kürze hier auf delamar folgen.
Bis dahin bist Du herzlich eingeladen, dein Feedback in den Kommentaren kundzutun. Und falls Du andere Musiker kennst, die sich mit diesem Thema beschäftigen, dann empfiehl ihnen diese Artikelreihe doch weiter.

07. Nov 2010 | 20:04 Uhr
Vor allem aber bringt diese Marktoffentheit eine Menge Konkurrenz auf. Es gibt so viel Musik wie nie und der Anteil an Müll darunter ist noch mehr gestiegen.