GEMA schröpft singende Senioren (nun doch nicht)

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Und täglich grüßt die GEMA

Im Norden Schleswig-Holsteins treffen sich seit einiger Zeit Sangesfreundinnen in einem Fahrdorfer Kulturcafé. Helga von Assel organisiert einmal monatlich ein gesellige Runde, in der Volkslieder gesungen werden. Ende April teilte die GEMA der Rentnerin mit, dass ihr kleiner musikalischer Kreis Gebühren zu entrichten hätte, da es nicht ausgeschlossen werden könne, dass Urheberrechte verletzt würden.

Durch die systematische Auswertung von Zeitungsmeldungen ist die GEMA dem singenden Seniorenkreis auf die Schliche gekommen. Täglich werten Mitarbeiter der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte Tausende solcher Meldungen aus. Sofern die Veranstaltungen nicht angemeldet sind, gilt es, dies nachträglich zu tun und eine Gebühr zu zahlen.

 

GEMA to the rescue!

Die Treffen standen kurz davor, eingestellt werden, da sich die betagten Damen und Herren nicht in der Lage sahen, Auseinandersetzungen mit der GEMA zu führen. Zudem hätte man gar kein Geld zur Entrichtung der Gebühren gehabt. »Die sind zum Teil richtig arm, sparen sich alles vom Mund ab«, so von Assel damals.

GEMA Logo

Die Runde kommt seit jeher ohne Radio und CD-Player aus. »Bei uns sollen die Leute sich treffen und reden. Musik machen nur die Vögel draußen vor dem Fenster«. Daher hätten sie bis vor wenigen Tagen auch noch nichts mit der GEMA zu tun gehabt.

Doch dann erreichte sie eine Rechnung über 24,13 Euro für das Singen von Volksliedern (»Tarifmerkmal U-V II +II 2a«) und die Mahnung, von nun an jede Veranstaltung vorab anzumelden. Die GEMA hätte bisher auf einen sog. Kontrollkostenzuschlag von 100% verzichtet, da von Assel wohl in Unkenntnis der Rechtslage gehandelt hätte.

Update: In einer Stellungnahme der GEMA hätten die Seniorinnen zunächst nicht auf die Forderung reagiert. Die GEMA hätte nicht gewusst, wer dort was singen und ggf. mit welcher Musik untermalen würde. Nach der inzwischen doch erfolgten Aufklärung wurde die Rechnung storniert.

Hier ist Alles zur GEMA » auf delamar

Was tun?

Immer wieder erreichen uns Meldungen dieser Art, wonach die GEMA Gebühren für solche harmlosen Veranstaltungen einfordert. Die Tatsache, dass diese nun doch nicht mehr erhoben werden sollen, ändert nichts an den folgenden Fragen:

Ist die sogenannte GEMA-Vermutung verhältnismäßig, auch wenn als Kollateralschaden unbescholtene Sangesfreunde verdächtigt werden? Warum gilt hier eine Beweislastumkehr? Findest Du es zur potentiellen Wahrung der Künstlerrechte angebracht, dass systematisch Zeitungen und andere Publikationen nach derartigen Kleinstveranstaltungen durchforstet werden, auf denen GEMA-pflichtige Musik gespielt werden könnte?

Lohnt sich die Unterstützung der C3S, um endlich eine GEMA-Alternative zu etablieren?

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Lesermeinungen (9)

zu 'GEMA schröpft singende Senioren (nun doch nicht)'

  • Merano   22. Mai 2015   10:16 UhrAntworten

    Ich habe mal für eine Band von geistig behinderten Menschen eine CD ihrer Sangeskünste aufgenommen und ca 500 x pressen lassen. Die CD sollte verschenkt werden. Objektiv gesehen war das auch bitter nötig, den die Qualität der Sangeskünste war eher unterdurchschnittlich und die CD auch mehr als Doku gedacht. Trotzdem hat die GEMA fett abkassiert, nicht mit sich reden lassen; Ich denke hätte man die Urheber direkt gefragt, hätten diese sicher auf ihre Gebühren verzichtet.

    Ich denke, das GEMA eigentlich eine gute Idee ist (für Urheber/Künstler), leider aber in Bürokratie erstarrt.

  • Tim   22. Mai 2015   11:59 UhrAntworten

    Speziell in diesem Fall hat die GEMA reagiert.
    http://www.stern.de/wirtschaft/news/gema-warum-die-senioren-wieder-singen-duerfen-2193284.html

    • Felix Baarß (delamar)   22. Mai 2015   12:18 UhrAntworten

      Vielen Dank, Tim, der Artikel ist entsprechend umgearbeitet.

  • Jodelautomat   22. Mai 2015   15:21 UhrAntworten

    Kontrolle ist gut aber man sollte auch die Kontrolleure unter Kontrolle halten und auch mit Köpfchen agieren.

  • P.Chris   22. Mai 2015   16:16 UhrAntworten

    Schwierig.
    Insbesondere wenn es um den "moralischen Aspekt" und "gleiches Recht, bzw. Pflicht für alle (Gema/Öffentliche Aufführung)" geht, wenn man mal ganz hart an in der Gesetzesvorlage bleibt.
    ABER das macht es eigentlich auch um so deutlicher, das gewisse Regelungen und Bürokratien schier unsinnig (und regelrechte Abzocke) sind !

    Wenn ich mich beispielsweise mit Freunden in einem Cafè in einer Runde zu einer Buch- oder Filmbesprechung treffe etc. kann doch ein Verleger auch nicht daherkommen und meinen, das gefälligst Lizenzen für eine Rezitation zu entrichten wären, wenn ich in einem öffentlichen Cafè oder wo auch immer über Buch, bzw. Film plausche.
    Genauso wenig dürfe die Polizei daherkommen, wenn man sich in einer öffentlichen Runde wie z.B. Kunstschule mit der Malerei beschäftigt und in Techniklektionen ein berühmtes Gemälde als Leitmotiv und "Modell" nimmt und nachher ein jeder als Kunstfälscher beschuldigt wird !

    Wenn sich Personen zum "(Nach)singen" berühmter Lieder treffen, sehe ich das ebenfalls als zumindest (musikalische) Rezitation und eine Gemapflichtigkeit als unsinnig !

    Ich bin zwar ein Freund der Lizenzierungspflichtigkeit, denn immerhin verdiene ich meine Brötchen durch Lizenzierungen und Tantiemen, aber es steht außer Frage, das hinsichtlich Angelegenheiten öffentlicher Aufführungen und diversen (Gema) Pflichtigkeiten, dringend Reformen hermüssen, sonst ufern gewisse Lizezenzierungspflichtigkeiten in bodenlosen Wahn- und Irrsinn aus !
    Denn was wäre (theoretisch heutzutage nicht mal abwegig), wenn plötzlich Instrumente und diverse Hersteller sagen würden:" Na ihr macht euer Zeugs ja auch mit einer Gibson-Klampfe und abgenommen über Marshall-Amps und dies und das und dafür möchten wir bitte künftig anteilig bezahlt werden, denn alleine der Kauf der Utensilien berechtigt euch ja noch lange nicht, damit öffentlich aufzutreten und Kohle zu machen" ?!
    (Hoffen wir mal, dass das nicht salonfähig wird).

    Die Gema (wie auch die GEZ) ist mir persönlich ein auch seitens politisch zu mächtigen, bzw. "eigenmächtiges" Instrumentarium geworden, die mit Dutzenden Verordnungen nicht nur Musiker, Verleger, Konsumer und sich bietende neue Märkte ausbremst, sondern auch sich selbst und wie die berühmte Katze ist, die sich in spezifischen Angelegenheiten selbst in den Schwanz beißt und daher dringend Reformen hermüssen.

    Es gibt Gesetze, die sind für die Ewigkeit gemacht- aber auch Gesetze müssen hin und wieder der Zeit angepasst werden und bei der Gema ist das nicht anders.
    Ich befürchte nur, das die Institution aber schon zu mächtig ist, das sie sich ernsthaft mit Reformen in die Suppe spucken lässt und lassen muss.

  • Andy F   23. Mai 2015   10:04 UhrAntworten

    C3S unterstützen. Ja. Wenn zwei VGs zuständig sind, kann es keine GEMA-Vermutung mehr geben

  • Jay   23. Mai 2015   15:44 UhrAntworten

    Das Beispiel zeigt, dass unser Land in einem kaum noch zu überbietenden Kontroll- und Regulierungswahn verfallen ist. Dass die Gema "systematisch" Zeitungsartikel auswertet, um sich dann solche Dinge zu leisten, grenzt an die Methoden von NSA, Stasi und Co. Wie andere hier schon schrieben: Diese Organisation hat jeglichen Boden zur Realität verloren, erstarrt in Bürokatie, Machtgier und Irrsinn. Es müssen Reformen her und Widerstand bzw. eine andere Organisation - und zwar SCHNELL!!! Und der erste Schritt dazu ist, diejenigen NICHT mehr zu wählen, die diesen Wahnsinn unterstützen.

  • Ramon Smith   29. Mai 2015   11:44 UhrAntworten

    Die GEMA bezahlt also Leute, die jeden Tag tausende Zeitungen nach Veranstaltungen durchsuchen? Ich bekommen 0,12€ gutschriften mit seperat verschicktem Kontoauszug - also fast 1,20€ Versandkosten?

    Liebe GEMA, es ist an der Zeit radikal umzustrukturieren, transparenz zu erzeugen und alle bürokratie und vor allem kostensparenden Hilfsmittel der neuzeit zu nutzen!
    Ja, dafür müssen bestimmt ein paar Köpfe intern rollen. Es wird harte arbeit und tut weh!
    Das muss aber sein, denn sonst rollt irgendwann der Kopf der gesamten GEMA...

  • fatman   30. Mai 2015   10:41 UhrAntworten

    Die GEMA gehört abgeschafft. Musik gehört allen Menschen und ein Lied das ich nachsinge ist eine Verbeugung vor dem Komponisten. Jeder Künstler kann mit seinen Auftritten und Tonträgern Geld verdienen. Die GEMA pervertiert die Absicht der Gewinnmaximierung. Ich bin geborener Bochumer. Wieso sollte Gröni jedesmal
    an mir Geld verdienen, wenn ich öffentlich "Bochum" singe. Kann er sonst sein Penthouse in London nicht mehr finanzieren?

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