GEMA: Umstrittener DJ-Tarif VR-Ö beschlossen

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DJ-Tarif VR-Ö der GEMA beschlossen

Die jetzige Variante: Veranstalter zahlen für die Lizenzierung der Musik, die ein bestellter DJ verwendet. Wenn er dabei einen Laptop oder kopierte CDs benutzt, werden 30 Prozent mehr Abgaben an die GEMA fällig. Da es jedoch schon seit vielen Jahren ein vielfältiges Angebot an legalem Musikdownload im Internet gibt, das immer mehr Menschen und gerade DJs anstatt von CDs oder Platten nutzen, mussten die Mitarbeiter der GEMA umdenken. Die Regelungen der »Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte« sind veraltet.

Die neue Regelung sieht vor, die DJs zahlen zu lassen. Diese sollen pro Song, der zum Abspielen vorgesehen ist, 13 Cent löhnen. Dabei ist es völlig egal, ob die MP3s legal gekauft wurden oder Kopien der Musik einer Original-CD sind, die im Besitz des DJs ist. Musik, die zum Abspielen bereitgehalten wird, muss lizenziert werden. Das kann ganz schön teuer werden, wenn man davon ausgeht, das ein DJ im Schnitt 20.000 Musikdateien oder mehr auf seinem Computer hat.

DJ Controller Vergleich

Nicht vom DJ-Tarif VR-Ö betroffen: DJs, die ganz klassisch Vinyl auflegen

Für viele lohnt sich ein Auftritt dann gar nicht mehr, denn viele DJs bekommen nur wenig Gage. Wie man die Abgaben geringer halten kann? Man muss auf Lieder verzichten, die nicht dem Mainstream entsprechen. Wenig Spielraum bleibt da für Spontaneität. Unbekanntere Bands haben es dann schwerer, gespielt und bekannter zu werden, denn für jeden Song wird gleichviel gezahlt.

Die bereits vor dem 1.4. vervielfältigte Musik will die GEMA natürlich auch bezahlt haben – mit einem Pauschalbetrag von 125 Euro. So viel kostet auch ein Backup – wenn man eine »Sicherungskopie zum Zwecke der öffentlichen Wiedergabe aktiviert« oder wenn der Laptop, der Stick oder die externe Festplatte kaputt geht.

Das Vorgeplänkel zum DJ-Tarif VR-Ö

Diejenigen, die sich informieren wollen, hatten bisher schlechte Karten. Die GEMA teilte auf ihrer Website nichts über die Änderungen mit und auch die eingerichtete Facebook-Seite (!) zum Thema war bereits ein paar Tage offline, weil man die Diskussionen mit einem Shitstorm lahmgelegt hatte. Dies war die Reaktion darauf, dass die GEMA eine Facebook-Gruppe namens »1.000.000 Menschen gegen die GEMA« hatte sperren lassen.

Mittlerweile existiert eine neue Anti-GEMA-Gruppe. Wie dem auch sei – eine Facebook-Seite ist wohl kaum das geeignete Mittel, Entscheidungen mitzuteilen, sodass diese für alle durchsichtig werden. Nicht jeder hat einen Account, mit dem er sich in die Diskussion einschalten kann. Seit man gestern mit der Bundesvereinigung der Musikveranstalter einen Vertrag geschlossen hat, gibt es endlich auf der Website der GEMA einen Fragenkatalog und bald ein Service-Telefon.

GEMA LogoDas heißt jedoch nicht, dass die Durchführung der neuen Regelung nicht trotzdem Konfusion bei DJs und auch Schwierigkeiten auf Seiten der GEMA mit sich bringen wird. Es ist nämlich gar nicht so einfach, genau zu kontrollieren, ob die Angaben eines DJs, die er bei der Verwertungsgesellschaft macht, der Wahrheit entsprechen. Was sagt der Fragenkatalog? »Vom Grundsatz her ist die Person, die die Vervielfältigung vornimmt, zur ordnungsgemäßen Lizenzierung verpflichtet. Die GEMA könnte im Rahmen von Einzelverträgen Kontrollrechte vereinbaren.« Die GEMA darf jedoch keine Laptop-Kontrollen durchführen, wenn man ihr kein Kontrollrecht einräumt. Wie will sie Kunden also dazu bringen, dieses Kontrollrecht zu erteilen?

Viele wehren sich bereits gegen den neuen Tarif. Es gibt eine Online-Petition namens »Wir sind gegen die GEMA Tarife VR-Ö ab dem 01.04.2013«, an der man sich beteiligen kann und in Dortmund wird es am 30. März eine Demo geben, für die sich bereits zahlreiche DJs angekündigt haben.

Da die GEMA jedoch einige Erfahrung mit Rechtsstreits hat, kann man davon ausgehen, dass sie wohl kaum von ihren Plänen abrückt und weiterhin versucht, juristische Grenzen auszutesten, indem sie Abgaben erhöht und die Nerven Kunstschaffender strapaziert. Kann die GEMA so ihren ursprünglichen Anspruch, die Rechte der Künstler zu stärken und sich für Kunstschaffende einzusetzen, noch erfüllen?

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Lesermeinungen (21)

zu 'GEMA: Umstrittener DJ-Tarif VR-Ö beschlossen'

  • reverse   15. Mrz 2013   13:10 UhrAntworten

    wie sieht es aus wenn ich meine eignen lieder spiele ?

    liveact bspw

  • Dodo   15. Mrz 2013   14:53 UhrAntworten

    Natürlich muss man auch zahlen, wenn man nur eigenes Material spielt und in der GEMA ist.
    Man bekommt das gezahlte Geld allerdings wieder zurück. Bzw. einen kleinen Teil davon.
    Den Rest bekommen Dieter Bohlen & Co.

    http://www.fr-online.de/kultur/streit-um-gema-gebuehren-gema--der-club-der-oberen-3400,1472786,16472672.html

    Die GEMA macht die Kultur in Deutschland kaputt, damit ein paar reiche Gockel noch reicher werden . . .

  • Klaus-Dieter   15. Mrz 2013   17:30 UhrAntworten

    Facebook ist nicht gerade der richtige Ort für freie Meinungsäusserung oder Proteste. Die löschen solche Seiten sehr schnell.
    Mit einer richtigen eigenen Domain ist man viel flexibler.

  • Uwe Lohschelder   15. Mrz 2013   18:33 UhrAntworten

    Was ist denn wenn ich meine eigenen, selbstgeschriebenen Musikstücke aufführe und nicht in der GEMA bin?

    Wie kann ich am einfachsten und möglichst ohne Kosten meine Urheber rechte schützen?

    Kann ich einen Namen aus dem Bergbau (z.B. Streb, Querschlag oder Stempel) ohne Probleme nutzen, oder kann sich jemand die Rechte daran sichern?

  • Phorsicht   16. Mrz 2013   09:04 UhrAntworten

    Wenn mann nur eigene Lieder spielt schlägt die Gema Vermutung zu. Diese besagt dass erstmal alle so behandelt werden als wären sie in der Gema und würden Gema Lieder spielen. Man muss nun beweisen, dass das nicht so ist. Diese Gema Vermutung ist aber nur so lange gültig wie die Gema Monopolstellung hat.
    Genau das ist der Knackpunkt. So viele Leute beschweren sich über die Gema und weinen und mühmühmüh. Leute so lange die Gema monopol hat und intern die Struktur hat, dass nur die bestverdienenden Mitglieder stimmberechtigt sind wird sich nix ändern. Wir müssen eine Alternative schaffen, wo die Jungs mit "C3S" schon dran sind. Seht euch das mal an und unterstützt die, dann wird auch irgendwann die Gema ordentlich reformieren müssen.

    • Wirgefuehl   16. Mrz 2013   21:17 UhrAntworten

      Ja, C3S ist extrem unterstützenswert. Quasi ne Open-Source-Urheberrechtsvertretung...

      Also Absichtserklärung abschicken! Machen, statt meckern! :)

  • Franz – Hermann Schmidt   16. Mrz 2013   11:29 UhrAntworten

    Wird alle nicht so heiss gegessen, wie es gekocht wird.

    Was ich aber nicht verstehe ist, das wenn ich nachweisbar eigene Lieder spiele, hierfür auch noch bezahlen soll.

    Aber wer hat schon ca 200 Songs, die er sein eigen nennen kann, um einen Abend zu füllen. Und das dürfte dann auch sehr langweilig werden.
    Bei ein bis zwei Stunden Live Programm bekommt man das schon eher hin.

    Ich habe mal gedacht, das wenn man sich eine CD im Laden kauft, dort im Preis schon einmalige Gema Gebühren bei sind.
    Genau, wie bei Brennern usw.

    Da sind einfach zu viele Leute bei der Gema, die zu faul sind einer ehrlichen Arbeit nachzugehen.
    Sie wollen sich am geistigen Eigentum der Schaffenden bereichern.
    Wie eklig ist das denn? Dieser Mopp muss abgeschafft werden durch ehrliche Konkurrenz.

    Franz - Hermann Schmidt

  • sven   16. Mrz 2013   20:08 UhrAntworten

    Nachdem die sich Clubbetreiber zu sehr gewehrt haben, zockt man die DJs nun direkt ab.
    Sehr clever - So steigen die Eintrittspreise nicht, denn die Clubbetreiber zahlen deshalb natürlich nicht mehr Gage.

  • Thomas „thommytulpe“ Nimmesgern   17. Mrz 2013   14:26 UhrAntworten

    Hallo!

    Ein Zitat aus dem Text:
    "Für viele lohnt sich ein Auftritt dann gar nicht mehr, denn viele DJs bekommen nur wenig Gage. Wie man die Abgaben geringer halten kann? Man muss auf Lieder verzichten, die nicht dem Mainstream entsprechen. Wenig Spielraum bleibt da für Spontaneität. Unbekanntere Bands haben es dann schwerer, gespielt und bekannter zu werden, denn für jeden Song wird gleichviel gezahlt."

    Diese Argumentationskette versteh' ich nicht, ganz ehrlich.
    Wenn ich für jedes Lied erstmal die 13 Cent als Lizensierungsgebühr zahlen muss, kommt es -so verstehe ich das- nicht darauf an, von wem dieses Lied ist; das heißt (nach meinem Verständnis), dass sowohl Lieder von bekannten als auch von unbekannten Urhebern gleichermaßen lizensiert werden müssen.
    Wie man vor diesem Hintergrund dazu genötigt wird, nur Mainstream zu spielen, will mir da nicht einleuchten.
    Für erklärende Hinweise bin ich dankbar. :-)

    • Wirgefuehl   18. Mrz 2013   10:51 UhrAntworten

      "Diese Argumentationskette versteh’ ich nicht, ganz ehrlich."
      > geht mir genauso - wollte aber die Autorin nicht schon wieder bashen...

      hier noch ein schöner Text zum Thema - quasi eine Momentaufnahme des DJ-Daseins:

      wirdjs.tumblr.com/post/45358668682/wir-sind-djs-immer-noch-auch-wenn-wir

    • sven   18. Mrz 2013   14:30 UhrAntworten

      Was ist daran nicht zu verstehen? Wenn ich als DJ, sagen wir 200 Titel kaufen möchte, überlege ich mir natürlich vorher genau, welche Titel oft gespielt werden müssen. Und das sind dann eben die üblichen Gasssenhauer, die ständig nachgefragt werden.
      Bei Geheimtipps würde ich schon gut überlegen, ob ich die wirklich auf meiner DJ Platte brauche.

      • Wirgefuehl   18. Mrz 2013   15:09 Uhr

        Was ich vor allem nicht verstanden habe: Wie man die Abgaben geringer halten kann, indem man auf Lieder verzichtet, die nicht dem Mainstream entsprechen. Das wird mir auch durch Deine Ausführung nicht klar. Die Abgabe ist doch nicht davon abhängig, wie oft ich einen Titel spiele oder er nachgefragt wird. Ich check´s nich... :(

  • Jay   20. Mrz 2013   18:28 UhrAntworten

    Es wird allerhöchste Zeit, nach einer Strategie zu suchen, wie man die Öffentlichkeit auf breiter Front wachrütteln kann, um die üblen Machenschaften aufzuzeigen und so die Allmacht der GEMA empfindlich zu schwächen. Das kann ein Streik sämtlicher Musiker und DJs sein, ein einfaches Nichtzahlen ALLER Betroffenen (DJs, Musiker und Veranstalter). Das würde mit Sicherheit Wirkung zeigen, denn so kann es nicht weitergehen. Der Widerstand müsste auf breiter Front organisiert werden, möglichst nicht über Facebook und Co., da Facebook zum Teil Zensur betreibt und beeinflussbar ist (s.o.).
    Lassen wir uns nicht unterkriegen - ziviler Ungehorsam ist gefragt!!!

    • Phorsicht   20. Mrz 2013   20:49 UhrAntworten

      Genau deswegen solltest du die C3S unterstützen. Wenn einmal das Monopol der GEMA aufgehoben ist wird das ganze Gerüst der GEMA zusammenbrechen. Wenn du dich etwas im Netz informierst wirst du recht schnell merken, dass die C3S aktuell die beste Methode ist der GEMA einhalt zu gebieten.

    • Marc Hamann   03. Jun 2013   05:10 UhrAntworten

      Der zusammenhang ist doch ganz einfach.
      Als DJ habe ich 1000 Songs von den sind 750 bekannte titel.
      und die anderes 250 kennt eh keiner.

      Nun sage ich der GEMA, hey ich habe 750 Tracks zum vorführen. Der DJ bescheidet einfach sein angebot um den GEMA preis zu drücken.

  • Jay   21. Mrz 2013   14:45 UhrAntworten

    Mach ich, gar keine Frage! Es wäre auch sinnvoll (hier kann ich nur für die elektronische Club-Szene sprechen), nur noch GEMA-freie Musik zu spielen bzw. darüber Vereinbarungen zu treffen. Denn das ist doch das eigentliche Ziel der GEMA: das Herabwürdigen aller Musik-Styles, die NICHT dem gängigen Mainstream entsprechen. Warum sonst diese Schikanen?

    • Phorsicht   21. Mrz 2013   15:48 UhrAntworten

      Ich denke nicht, dass die GEMA uns schikanieren will. Ich denke Diejenigen wo etwas zu sagen haben wollen einfach mehr Kohle abzwacken. Da wir DJs und Elektroproduzenten wohl der am schlechtesten organisierte Haufen sind haben die es bei uns am einfachsten. Deswegen sollten wir uns endlich mal organisieren womit du vollkommen Recht hast!

  • Jay   27. Mrz 2013   10:59 UhrAntworten

    Na wenn wir so schlecht organisiert wären, wären wir ja nicht erfolgreich und hätten unsere Styles nicht etablieren können.
    Doch, ich denke schon, dass da ein gewisses System dahintersteckt, das zudem von der Politik unterstützt wird. Man denke nur an das Clubsterben, dass u. a. durch völlig hinrverbrannte Vorschriften begünstigt wird...seit Ende der 90er wird es immer schwieriger, überhaupt noch was zu reissen.

    • Phorsicht   27. Mrz 2013   12:27 UhrAntworten

      Wo sind wir organisiert? Der Erfolg liegt wohl eher an denen die ihr eigenes Ding durchziehen und genug Leute begeistern können da mit zu ziehen.
      Ich keine keine DJ Organisation die politisch gesehen ne gewichtige Stimme hat. Kann mir da irgendjemand eine nennen? Die eine komische öffentliche da, wo ich den Namen vergessen habe, wo sich kein Mensch für interessiert? Vielleicht bin ich da zu schlecht informiert, aber ich lasse mich da sehr gerne aufklären.

  • Jay   28. Mrz 2013   18:44 UhrAntworten

    Mit "organisiert" meinte ich keine Organisation im wörtlichen Sinn, sondern unser Netzwerk, dass internationalen Austausch von Musik, Gigs usw. ermöglicht, von der Booking Agentur bis zur Miami-Knferenz oder dem DJ-Meeting u. a. Ist aber richtig, dass das nicht ausreicht, um sich gegen das GEMA-Monster zu wehren. Daher - auch hier klare Zustimmung - müssen wir einiges anders machen, austauschen und Widerstand und Alternativen schaffen.

  • DJ Wark   19. Nov 2014   23:44 UhrAntworten

    Super Beitrag, danke delamar!

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