GEMA: Der Kampf gegen das Kulturerbe geht weiter

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GEMA vs. Kindergarten Reloaded

Wenn es um das Urheberrecht geht, hört der Anspruch an die Pflege der hiesigen Kultur auf. Das zumindest könnte man meinen, wenn wieder ein Fall bekannt wird, in dem die GEMA eine Rechnung in Höhe von 50,- Euro für einige Kopien von Liedtexten an einen Kindergarten stellt (siehe den Bericht hier beim BR). Im vergangenen Jahr hatten wir bereits von einem anderen, ähnlich anmutenden Fall berichtet, in welchem die GEMA einige Schulkinder zur Kasse bat, nachdem diese einige Lieder auf einem Weihnachtsmarkt vortrugen. Wie?

Im aktuellen Fall soll ein Kindergarten dafür bezahlen, dass die Erzieherinnen Kopien eines handschriftlich angelegten Liedtextes an die Eltern verteilten. Per Gesetz ist dies zugelassen, aber graben wir uns da nicht gerade unser eigenes Grab kulturell betrachtet? Geht es hier wirklich um den Schutz von Komponisten, Textern und anderen kreativ Schaffenden? Oder ist am Ende des Tages doch nur der rollende Rubel für die Großen der Branche ausschlaggebend?

Gut, die GEMA arbeitet in diesem Fall nur als Inkassounternehmen für die VG Musikedition, deren Präsident nur rein zufällig und in keiner Weise kausal zusammenhängend zur selben Zeit der Inhaber des betroffenen Verlages ist. Und nein, keiner bezweifelt hier die enorme Bedeutung eines Verwaltungsapparates wie der GEMA.

Aber am Ende des Tages bleibt doch haften: Die GEMA verlangt Geld von Kindergärten, das sie dann an unter Verwendung eines undurchsichtigen Verteilungsschlüssels in der Mehrheit an die sowieso schon gut verdienenden ordentlichen Mitglieder ausschüttet. Natürlich nur, nachdem alle Verwaltungskosten abgezogen wurden. Hm.

Jetzt sollte man doch wirklich meinen, dass der GEMA und der jammernden Musikindustrie eben diese Geschichten in der öffentlichen Debatte zum Urheberrecht um die Ohren flögen. Leider nein, dazu sind diese einfach viel zu wenig bei der breiten Masse bekannt. Und schliesslich weiss man sich bei der GEMA ja auch angemessen zu wehren (bitte auch die Kommentare im obenstehenden Link beachten) und wer könnte schon seine Medienpräsenz besser in Szene setzen als die Musikindustrie?

Jeder soll und darf sich seinen eigenen Teil zum Thema GEMA, Urheberrecht und Verwertungsgesellschaften denken. Wichtig war es an dieser Stelle nur, auf diese Tatsache hinzuweisen.

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Lesermeinungen (40)

zu 'GEMA: Der Kampf gegen das Kulturerbe geht weiter'

  • Dirk   27. Okt 2010   12:01 UhrAntworten

    Hi,
    entschuldigt den Ausdruck, aber ich finde das eine Schweinerei! Wo bitteschön verwerten die Kinder denn hier Liedgut? Sollen die Kleinen Dumm bleiben?
    Ich habe davon schon die letzten Tage gelesen und mich tierisch aufgeregt. Als Musiker möchte man doch Geld verdienen, das ist klar aber ohne die Kleinen, die irgendwann meine Musik auch kaufen sollen, weil sie sie gut finden, habe ich als Musiker doch auch keine Chance! Hier sollte ganz klar in der Politik etwas passieren. Zwar sind 50 € nicht viel, aber es geht ums Prinzip. Die Gema ist bei vielen leider noch zu unbekannt. Das sollte sich ändern.
    Musiker die wirklich etwas auf sich halten sollten dagegen vorgehen. Und wie gesagt auch die Politik sollte hier einschreiten!

  • Dirk   27. Okt 2010   12:25 UhrAntworten

    PS:

    http://www.tonstudio-84.de/tonstudio-sprecher-blog/36-umfrage-gemagebuehren-fuer-kindergaerten.html

    Habe hier mal eine Umfrage dazu gestartet

  • Dominik   27. Okt 2010   14:41 UhrAntworten

    @ Dirk: Wollte gerade an deiner Umfrage teilnehmen, bin mir aber nicht sicher, ob das Ding funktioniert. Wenn man auf "Abstimmen" klickt, landet man jedenfalls wieder auf der Startseite und nicht, wie sonst üblich, auf einer Ergebnisseite.

    Und natürlich ist das wieder mal eine Sauerei, was die GEMA da macht oder zumindest vorhat. Natürlich sind 50 € "nicht viel", aber erstens wird nun gerade im Kindergarten kein Cent mit Liedersingen verdient (da wäre ja ein Eintreiben von Tantiemen durchaus nachvollziehbar, von Verteilungsgerechtigkeit mal abgesehen) und zweitens nehme man mal 50€ mal 200.000 (oder wie viele Kindergärten gibt es in Deutschland) – von der Kohle könnte sich die GEMA schon locker wieder ein neues Verwaltungsgebäude bauen.

    RAFFINIERTER PLAN: Dass "In der Weihnachtsbäckerei" in quasi jedem deutschen Kindergarten demnächst mindestens einmal gesungen wird (das ist dann ja quasi eine Aufführung!), kann man ja als gegeben ansehen, von daher braucht es eigentlich nur ein einziges Mailing mit vorbereitetem Überweisungsträger und die meisten zahlen lieber die 50€ (ist ja "nicht viel"), ehe es noch Ärger mit irgend einem Anwalt gibt.

    Das ganze System ist krank und wurde genau wie Atomkraft, Euro, Überwachung, "Krieg gegen Terror", Stuttgart 21 und -zig andere fragwürdige Themen an der Öffentlichkeit vorbei in Hinterzimmern zwischen Industrie und Politik entworfen und heimlich installiert. Jeder, der nicht durch eigene $-Interessen befangen ist, würde hier sagen, dass diese Kindergarten-Abzocke ein weiterer absurder Auswuchs ist – klarer Punkt für Partei "gesunder Menschenverstand" –, aber niemand kann was dagegen machen, vor allem deswegen, weil quasi niemand überhaupt weiß, was da passiert und dass es überhaupt eine GEMA gibt.

    Nur in Portalen wie diesem ereifern sich ein paar hundert (wenn's hoch kommt) Eingeweihte darüber (und ja, es hat auch schonmal eine Petition gegeben…), aber ich fürchte, dass das wohl der berühmte Tropfen ist. Vor allem weil man mit "dagegen, dagegen, alles Scheiße" auch nicht viel erreicht. Und wenn, dann müsste der Protest schon Ausmaße annehmen wie 1989 in Ostdeutschland – wobei er da auch auf ein sowieso schon schwächelndes System stieß.

    Bei der GEMA hingegen muss man sich insofern nicht unbedingt große Hoffnungen machen, dass sich an dieser eigentlich privaten, aber doch quasi-staatlichen Geldmaschine irgendetwas zum besseren, gerechteren oder wenigstens transparenteren wendet.

    Oder was meint ihr?

  • marc   27. Okt 2010   15:42 UhrAntworten

    Die GEMA ist derart mächtig, dass leider weder GEMA-Petitionen noch Umfragen daran etwas ändern. Meiner Meinung nach ist sowohl die GEMA-Vermutung als auch die "demokratische" Strukturierung dieses wirtschaftlichen Vereins äusserst grenzwertig. Aber das Einzige, was diesem Molloch entgegenwirken kann, ist imho der Konsument und der Musiker, die die GEMA schlichtweg boykottieren müssen. Im Endeffekt muss man sie jedesmal ins Leere laufen lassen, in dem man beispielsweise CC-lizensierte Musik verwendet. Und irgendwann werden auch die Künstler sich die Frage stellen, was denn besser ist: Sollen meine Lieder gesungen werden und deshalb auch Fans schaffen oder sollen sie quasi unantastbar bleiben und nur abgedultet werden?
    Wenn ich darüber nachdenke, wie oft unser Musiklehrer ganze Noten- und Textsätze von aktuellen Musikproduktionen kopiert und ausgeteilt hat, um unseren Unterricht aktuell zu halten, dann würde es mich nicht wundern, wenn demnächst auch die Schulen abkassiert werden sollen.
    Fazit: GEMA nach Hause

    PS: zum Thema gibts hier auch n 10 minütigen Beitrag http://www.rockthe.biz/media/MO/player6.php

  • Piratenpartei Mitglied   27. Okt 2010   16:01 UhrAntworten

    Die Gema gehört abgeschafft !

    Denn mit der gema wurde quasi das Staatliche Vorrecht Steuern einzutreiben zugunsten der Musikindustrie privatisiert. Hier kann die Musikindustrie von Privatpersonen aber auch Unternehmern direckt "Steuern" eintreiben ohne das sie irgendjemandem Rechenschaft darüber schuldig ist was mit dem Geld später passiert.

    Private Firmen sollten in einem Demokratischen Staat niemals die Möglichkeit haben private Steuern auszuzahlen.

  • Dirk   27. Okt 2010   18:31 UhrAntworten

    Ja das Formular funktioniert. Hab nur noch keine "Danke-Seite" eingerichtet. Das ganze war eine schnelle Aktion, um mich an dieser Diskusion aktiv zu beteiligen.

  • Sib   27. Okt 2010   22:55 UhrAntworten

    50 Euro vom Kindergarten für kopierte Liedtexte. Wofür ist die GEMA gleich nochmal gut?

  • Dominik   28. Okt 2010   00:05 UhrAntworten

    @ Sib: Die GEMA ist eine private, gemeinnützige Stiftung (meines Wissens ein e.V. ohne Gewinnerzielungsabsicht), mit dem Zweck, hilfsbedürftigen Kulturschaffenden, also zB Klaus Doldinger, Ralph Siegel, Michael Kunze, Ralf Zuckowski und Dieter Bohlen, ein Dach über dem Kopf (der Winter naht!) und eine humane Grundversorgung wenigstens mit dem Allernotwendigsten zu geben (Suppe, warme Socken).

    Wunder kann die Stiftung freilich nicht bewirken, aber allein die edle Absicht zählt!

    Jetzt mal im Ernst, grundsätzlich finde ich die Idee mit einem Boykott ja auch einleuchtend (und es wäre vielleicht theoretisch die einzige Möglichkeit), aber niemand, der mit Airplay-Einsatz Geld verdienen will (sagen wir mal als Film-oder TV-Komponist), wird um die GEMA herumkommen.

    Und ein Boykott auf breiter Basis, dafür genügt es leider nicht, wenn man alle Musiker (=insgesamt eine Minderheit) mobilisiert. Da müsste man schon eine Mehrheit der Musikkonsumenten und -nutzer erreichen und überzeugen. Wie soll das gehen? Und wie sollen die dann die GEMA boykottieren? Keine Musik mehr hören? Radiosender dichtmachen? Filme ohne Musik oder nur mit "royalty-free sound clips"?

    Kann man denn sonst nichts machen?

  • Dirk   28. Okt 2010   00:37 UhrAntworten

    eigene Verwertungsgesellschaft gründen ;) in den staaten gibt es mindestens vier. ist in deutschland es irgendwo gesetzlich vorgeschrieben, dass es NUR die gema geben darf?

    (der Kommentar hat ernste Züge!)

  • Jens   28. Okt 2010   09:15 UhrAntworten

    Der Fisch stinkt vom Kopf!

    Die GEMA setzt das Urheberrecht um (verwaltungstechnische Fehlinterpretation eingeschlossen; die gibt es natürlich). D.h., wenn "man" etwas ändern möchte, muss "man" sich an den Gesetzgeber wenden.

    Zum vorliegenden Fall:
    Ich habe mich beim Lesen des Artikels von Carlos an eine Begebenheit erinnert, bei welcher ich in der Funktion des AStA-Vorsitzenden einer Studierendenschaft einer schönen Universität in Deutschland ebenfalls einmal das Vergnügen hatte, mit den Gepflogenheiten der GEMA Bekanntschaft zu machen. Kurz um: mit Hilfe eines kundigen Rechtsbeistands hat die GEMA letztendlich den Kürzeren gezogen.

    Aber was ich einbringen wollte: Meines Wissens sind im Rahmen von Bildungseinrichtungen wie -veranstaltungen genutzte Werke nicht GEMA-pflichtig. Also können Kindergärten, Schulen, Universitäten nicht abkassiert werden, es sei denn, die von diesen Einrichtungen durchgeführten Veranstaltungen dienen einem kommerziellen Zweck und sind dementsprechend keine Bildungsveranstaltungen (im weitesten Sinne).

    Ein Boykott von Verwertungsgesellschaften ist nur von Seiten der Künstlerinnen und Künstler zu initiieren, indem diese auf die Verwertung ihrer Urheberrechte verzichten würden. Hier habe ich meine großen Zweifel, ob dies so der allgemeine Wille unserer kunstschaffenden Freundinnen und Freunde ist.

    Rock On!

  • roland   28. Okt 2010   09:49 UhrAntworten

    Pläne dazu gibt es (alternative Verwertungsgesellschaft), mehr zu finden dazu etwa hier: http://www.openmusiccontest.org/news/a2n-c3s

  • Dominik   28. Okt 2010   09:52 UhrAntworten

    @ Dirk: Sicher ist ein Monopol hier vom Gesetzgeber prinzipiell genau so unerwünscht wie bei anderen Themen (zB Telekommunikation).

    Und natürlich sind schon Leute auf den Gedanken gekommen, wie eine Suche nach "Alternativen zur GEMA" zeigt.

    Ich habe allerdings den Eindruck, dass sich das vor allem für kleinere Band / neue, unbekanntere Künstler lohnt, vornehmlich im Live-Bereich.

    Ist man hingegen bekannter und/oder will gerne den TV-Markt mit bedienen (was sich ja richtig lohnen kann), geht es lt. verschiedenen Einschätzungen nicht ohne GEMA. Die haben einfach die entsprechende Infrastruktur und Vernetzung mit den traditionellen Medien.

    Und genau das dürfte für viele der ausschlaggebende Punkt sein, ob man sich mit Alternativen nicht evtl. vom wirklich lohnenden Teil des Musikbusiness ausschließt.

    Ich weiß darüber allerdings momentan noch zu wenig. Vor einem evtl. GEMA-Beitritt werde ich mich jedenfalls noch einmal gründlich informieren.

  • Dominik   28. Okt 2010   10:22 UhrAntworten

    @ Jens: "Ein Boykott von Verwertungsgesellschaften ist nur von Seiten der Künstlerinnen und Künstler zu initiieren, indem diese auf die Verwertung ihrer Urheberrechte verzichten würden. Hier habe ich meine großen Zweifel, ob dies so der allgemeine Wille unserer kunstschaffenden Freundinnen und Freunde ist."

    Genau so sehe ich das auch. Zwar könnte die GEMA von heute auf morgen Geschichte sein, wenn alle aussteigen (und ggf. was neues gründen) würden, aber sicher werden gerade die Topverdiener das nicht tun.

  • Tischhupe   28. Okt 2010   13:46 UhrAntworten

    So langsam erinnert mich das Verhalten der GEMA an die Abmahn-Praktiken div."Rechtsanwälte". Geld eintreiben, ohne Rücksicht auf irgendwas. Zynischer geht es kaum noch. Die Künstler sollten sich überlegen, wem sie da die Sicherung der Pfründe überlassen haben und wie sich deren Verhalten auf ihre Reputation auswirkt.
    Die Mentalität, die hinter diesem Verhalten der GEMA steht, breitet sich in Deutschland zusehends aus. Es überkommt einen das kalte Grausen.

    • Sachlichkeit   29. Okt 2010   15:53 UhrAntworten

      "So langsam erinnert mich das Verhalten der GEMA an die Abmahn-Praktiken div.”Rechtsanwälte”. Geld eintreiben, ohne Rücksicht auf irgendwas"
      was hat denn das mit den "Abmahn-Praktiken" div. Rechtsanwälte zu tun ??? Dann sind für dich Stromrechnungen, Müllabfuhrgebühr oder Telefonrechnungen wohl auch "Abmahnpraktiken", oder ?

      • Tischhupe   30. Okt 2010   08:59 Uhr

        Lies meinen Kommentar weiter, da habe ich von Mentalität gesprochen. Die GEMA könnte in solchen Fällen auch mal fünf grade lassen sein, zumal, wie wir in den anderen Kommentaren gelesen haben, die besagten Natürlich bin ich dafür, dass Musiker und Autoren für ihre Leistungen bezahlt, bzw diese bei Gewinn bringender Nutzung beteiligt werden.

  • Dominik   28. Okt 2010   14:27 UhrAntworten

    Stimmt, es hat Parallelen zum Abmahnsport. Vor allem, weil es überhaupt um keine reale Gegenleistung geht, sondern nur darum, irgendwelche reinen Papierwerte einzufordern. Das ist eine hässliche Perversion des Wertekreislaufs.

    Ich kenne übrigens einen Musikverlag, der das System GEMA benutzt, um mit oft belangloser Musik, die aber durch den Verlagsverteiler bundesweit "aufgeführt" wird, Kohle aus dem Laden zu ziehen.

    An sich ein raffinierter Plan, der wohl auch ganz gut funktioniert, wobei auch da überhaupt nicht die Leistung im Vordergrund steht und der Wert, den das Ergebnis für das Publikum darstellt, sondern einzig der Gedanke: "Wie kann ich mit möglichst wenig Input viel Kohle machen?".

    Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, ist ja eigentlich klar. Es läuft letzten Endes auf einen großen Crash hinaus, der solche Krebswucherungen wie die GEMA (und es gibt ja noch ein paar mehr davon, zB an der Börse) gesundschrumpft.

    Vielleicht sind wir sogar schon mitten in einem solchen Crash drin und diese seltsamen Ideen der GEMA (die doch eigentlich auch so schon genug Kohle macht) sind die letzten Zuckungen des Monsters, das irgendwie bemerkt, dass die Rechnung unterm Strich nicht mehr so aufgeht, wie sie es jahrzehntelang tat?

    • Skellington   24. Feb 2013   13:09 UhrAntworten

      Ich kenne diesen Verlag…! Die haben auch schon versucht, mich als Vertragskünstler zu gewinnen (versuchen sie über ein Pyramiden- / Schneeballschema mit jedem, den sie irgendwie kennen), aber ich war von dieser ganzen Methode und der entsetzlich dünnen Substanz derat abgeschreckt, dass ich gleich die Finger davon gelassen habe.

      Und es ist so wie überall: Für die Verlagsinhaber und die, die am längsten dabei sind, rentiert sich das System (und zwar richtig), und all die anderen, die später einsteigen, sind in erster Linie dafür da, die Masse zu erzeugen, damit der Laden läuft. Das ist auch bei Tupperware so, aber da werden letzten Endes wenigstens noch reale (und nutzbringende) Produkte verkauft.

      Das ganze ist tatsächlich eine Geldmaschine, wie sie im Buche steht, und was dabei völlig auf der Strecke bleibt, ist natürlich die Liebe zur Musik. Die Musik hat dabei, ohne Übertreibung, exakt den Stellenwert billiger Plastik-Wegwerfartikel auf dem 1-Euro-Grabbeltisch. Es ist widerlich.

      Es dürfte auch nicht groß verwundern, dass der Verlagsinhaber nach eigener Aussage mittlerweile einen guten Stand als GEMA-Mitglied und damit ein besseres Mitspracherecht hat (bei dem Gesamtumsatz rückt man da schnell mal eine oder zwei Stufen höher).

      Ich kann das ganze nicht anders bezeichnen denn als Korruption. Endlos kann das natürlich nicht so funktionieren – sollte man meinen. Die Frage ist nur, wer soll dem einen Regel vorschieben? Die Politik ist da völlig blind (es sei denn, die Piraten kämen mal an die Macht), und die Selbstregulierung durch Umsatzeinbrüche (die nur gerecht und gesund wäre) wird von der GEMA jedes Mal mit irgendwelchem Wehklagen aufgefangen, aufgrund deren dann wieder eine neue Regelung, wie die hier diskutierte, eingeführt wird. Mal eben ein paar Millionen im Jahr mehr in die Kasse, heute von Kindergärten, morgen von Kulturvereinen.

      Das Schlimme dabei ist, dass es immer rechtfertigend heißt, "Ja, aber die Urheber wollen auch von irgendwas leben." Klar, aber den meisten Urhebern nützt das leider überhaupt nichts, wenn die GEMA mal wieder in die privaten Kassen langt (wie hier dargelegt – letzten Endes müssen sich die Eltern darauf einstellen, dass der Kindergarten, genau wie Strom, Müllabfuhr und quasi alles, MAL WIEDER teurer wird).

      Geld ist tonnenweise vorhanden, aber richtig etwas davon abbekommen tun leider nur die wenigsten. Das ist ja überall so. Alle müssen sparen bzw. für alles immer mehr bezahlen, und gleichzeitig werden Banken mit Milliardensummen (Steuergelder!) gerettet, während die Topmanager zusätzlich zum regulären Gehalt jährlich noch Boni in Millionenhöhe ausgezahlt bekommen.

      Bei der GEMA ist es beispielsweise so, dass die "unverteilbaren" Gelder (was ist daran "unverteilbar"?!) letzten Endes unter den dicken Fischen wie Siegel, Bohlen, White, Doldinger, Zuckowski etc. aufgeteilt werden. Das ist zwar, verglichen mit dem Bankengeschäft, alles Kleinkram, aber so ganz richtig und fair ist es auch nicht.

      Interessanter Artikel dazu:

      fr-online.de/kultur/streit-um-gema-gebuehren-gema--der-club-der-oberen-3400,1472786,16472672.html

      Wir haben es hier nicht mit einem reinen GEMA-, sondern mit einem grundsätzlichen Systemproblem zu tun. Die unbequeme Wahrheit ist, dass wir in einem korrupten System leben. Alle zeigen mit dem Finger auf Russland, Kolumbien und vielleicht Italien, wenn man von Korruption spricht; in Wirklichkeit passiert es überall. Nur bei uns sieht alles sauber, effizient und legal aus.

  • Carlos (delamar)   28. Okt 2010   14:52 UhrAntworten

    Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das die letzten Zuckungen sind. Im Grunde genommen fängt es erst an und es hat mehr Rückenwind von Musikern als geahnt.

    Die MI hat es wirklich gut geschafft, die Frage nach einer gerechten Entlohnung von Kreativen kausal mit diesen fragwürdigen Aktionen bei Kindergärten (siehe auch Diskussion bei Facebook zum Thema) zu verknüpfen.

    Am Ende muss sich eine Gesellschaft aber doch mal die Frage stellen, inwieweit es hier tatsächlich um eine gerechte Entlohnung oder Geldmacherei geht.

  • Ramon Smith   28. Okt 2010   15:37 UhrAntworten

    pro Selbstvermarktung und contra gema ;D Ich kenne genug Musiker, die von ihrer Arbeit leben könne, große Kunst machen und KEINE Gema-Mitglieder sind.

  • Duster   29. Okt 2010   09:40 UhrAntworten

    Wie ich mitbekommen habe, ist die Berichterstattung nur nicht korrekt.

    Ich bin kein Fan von der Gema. Aber das mit den Kindergärten ist nicht richtig.
    http://www.vg-musikedition.de/home.php?nID=149

  • Carlos (delamar)   29. Okt 2010   10:53 UhrAntworten

    Hallo Duster, vielen Dank für den Link.
    Aber was genau soll an der Berichterstattung nicht richtig sein?

    Die Kindergärten sollen zahlen, die GEMA treibt das Geld für die VG Musikedition ein, das haben wir berichtet, das ist passiert. Steht ja auch in dem von dir angegebenen Link.

    Auch hat keiner die Legalität der Maßnahme angezweifelt. Kulturell gesehen ist das aber zumindest mal kontrovers zu diskutieren.

  • Sogyra   29. Okt 2010   11:07 UhrAntworten

    Hmmm...also wenn DAS kein Fall für den europäischen Gerichtshof ist...

    Meiner Meinung nach braucht die GEMA nur eins: Konkurrenz

  • Duster   29. Okt 2010   11:50 UhrAntworten

    Naja.
    Gerade as Berufsmusiker muss doch klar sein, dass die Gratismentalität an der Realität vorbei geht.
    50 Euro Pauschal für nen Kindergarten ist kein Geld.

    Bei Bundstiften gehen die doch auch nicht klauen.
    Was ist denn mit den Komponisten, die versuchen, von Kinderliedern zu leben?

  • Sogyra   29. Okt 2010   12:22 UhrAntworten

    Ein Berufsmusiker zockt aber keine Kindergärten ab-Kinderlieder hin oder her!

    Wer ernsthaft mit Kinderlieder seine Brötchen verdienen will, findet sich einen anderen Weg. Meiner Meinung nach wird weniger der Künstler gefördert der die Kinderlieder komponiert (hat), sondern viel mehr Leute die rein gar nichts mit Kinderlieder zu tun haben.

    Irgendwann reichts auch mal!!!

  • Dominik   29. Okt 2010   12:29 UhrAntworten

    @ Duster
    Du hast zwar im Grunde recht, aber selbst wenn man in diesem Kontext das Kassieren für gerechtfertigt hielte, bliebe immer noch das bekannte Problem, dass die Summe von 50 € aus Bequemlichkeit einfach im Topf "unverteilbar" landen und bei den Komponisten davon nicht viel ankommt.

  • Carlos (delamar)   29. Okt 2010   13:05 UhrAntworten

    @Duster:
    Kindergärten sind keine top-verdienenden Unternehmen. Die 50,- Euro sähe ich lieber in die Erziehung unserer Kinder investiert.
    Nichtsdestotrotz sollen und müssen Musiker an ihrer Musik Geld verdienen - und das tun sie auch mit Auftritten im Radio, TV und dem Verkauf der CDs.

    Wenn jetzt jeder Verlag auf die Idee kommt, für Kinderlieder eine Pauschale von nur 50,- Euro für das Nachsingen einiger Werke zu verlangen, dann muss so ein Kindergarten vielleicht plötzlich 1.000,- Euro zahlen?

  • Duster   29. Okt 2010   13:31 UhrAntworten

    Noch mal.
    Ich bin KEIN Gemamitglied. Und das aus Überzeugung.

    Ich bin allerdings Musiker, Sounddesigner UND Verlag.
    Und bestimmt kein Toppverdiener.

    Einige meiner CDs verteilen sich wunderbar über Tauschbörsen.
    Ich höre die Leute und wie sie das schön reden.

    Aber ich sehe einfach die Nachtschichten, die ich investiert habe.
    Ich hab nicht noch zusätzlich nen Brötchenjob um neben meiner Arbeit noch anders Geld zu verdienen.

    Ich finde, Arbeit gehört vergütet.
    Ich geh ja auch nicht in die KFZ-Werkstatt und argumentiere mir die Rechnung weg.

    Kindergärten gehören behütet und unterstützt.
    Aber die Unterstützung muss von den Machern kommen und nicht einfach genommen werden.
    Und hier reden wir von einer Jahresvergütung von 50 Taken.
    Das ist auch nur guter Wille....

  • Carlos (delamar)   29. Okt 2010   13:42 UhrAntworten

    Bin voll auf deiner Seite, Duster, dass kreative Arbeit nicht unentgeltlich ist und einfach mal so über Tauschbörsen verteilt werden sollte. Kreative gehören bezahlt!

    Und zwischen Erwachsenen in Tauschbörsen und singenden Kindergartenkindern sehe ich einen gehörigen Unterschied, der mir wichtig ist, herauszustellen.

    Folgen wir der Argumentation der MI und verlängern die Dauer des Urheberrechts und versuchen Alles und Jeden ohne Vorausblick abzukassieren, kommen wir vielleicht noch in Teufels Küche. Wäre das schon immer so gewesen, wäre es denkbar, dass heute niemand Goethe, Schiller, Mozart oder Beethoven mehr kennte...

  • Duster   29. Okt 2010   13:47 UhrAntworten

    Das aktuelle GEAM-Modell ist natürlich schrott.

    Für "Verbraucher" und auch Urheber.
    Die Gema ist einfach nur ein Frankenstein-Monster.
    Mit guten Ambitionen leider keine große Hilfe für die meisten Urheber.
    Da sind wir uns einig :)
    Deswegen bin ich da auch nicht. Will nix mit denen zu tun haben.

  • Dominik   29. Okt 2010   13:50 UhrAntworten

    Vor allem, wie gesagt, gerade von solchen Pauschalbeträgen wie €50 kommt höchstwahrscheinlich GAR NIX beim Urheber an. Da lohnt es sich für den Sachbearbeiter überhaupt nicht, die Daten einzutippen…

    Ich kenne einige GEMA-Mitglieder, die schändlich wenig Ausschüttung (so 80 € / Jahr) bekommen, obwohl sie für ihre eigenen Kompositionen/Produktionen erstmal ordentlich Abgabe zahlen dürfen…

  • Sogyra   29. Okt 2010   15:13 UhrAntworten

    Den Vergleich mit der KFZ-Werkstatt kann ich so nicht nachvollziehn.

    Es kann ja beispielsweise auch nicht von mir verlangt werden, das ich nach einer KFZ-Reparatur 50,-Euro mehr bezahlen soll, nur weil der Schornsteinfeger 50 Euro mehr verlangt.

    Ich seh das schon kommen: wenn das wirklich durchgeht, werden die Kindergärten das Geld von den Eltern einholen müßen, sodaß am Ende der kleine Mann wieder dafür grade stehen muß.

    Bei dem Gedanken wird mir vor lauter Kopfschütteln schon schwindelig.

  • marc   29. Okt 2010   19:21 UhrAntworten

    Wenn man den von Duster geposteten link mal genau durchliest, dann sollte v.a. Punkt 5 interessant sein:
    "Aufgrund des gesetzlich verankerten Kopierverbotes für Noten erhalten die Rechteinhaber (Komponisten, Textdichter, Musikverlage) folgerichtig auch keinen Anteil aus den so genannten Geräte- und Betreiberabgaben. Es wird demnach auch nicht „doppelt“ kassiert."

    Ergo: Die Künstler und Urheber haben schon mal gar nichts von der Kopierpauschale, sondern lediglich die GEMA!!!

  • PeeDeeSan   30. Okt 2010   02:19 UhrAntworten

    Diese 50€ wandern in den grossen Topf der GEMA und beim Urheber kommt da nix an, ausser die Kindergärten würden eine Liste mit den Liedern, die sie gesungen und gespielt haben, und diese bei der GEMA einreichen, wie es Veranstalter machen müssen. So aber geht das eingenommene Geld (wie auch bei Kneipen, Geschäften, Restaurants etc) in einen grossen Topf der am Ende des Jahres an die ehrenamtlichen Mitglieder ausgeschüttet wird. Ein normalers GEMA Mitglied, der keine grossen Umsätze bringt, sieht von dem Geld nix. Aber trotzdem bin ich froh das es die GEMA gibt, denn sie ist für mich als Komponist eine zusätzliche Einkommensquelle jedes Jahr.

  • Rudy Jacket   15. Feb 2012   13:47 UhrAntworten

    Dieses Scheiss-system ist immer nur für die "REICHEN"....die Musikindustrie hat die Musik kaputtgemacht (schon immer!),ist voll mit perversen Dummköpfen... & die GEMA hat einen mittelalterlichen Verteilungsschlüssel ...

    Ich wurde in Italien als Strassenmusiker von der dortigen SIAE mal angezeigt,weil ich auf der Strasse "ohne Genehmigung" Lieder anderer Leute spiele ... ...

  • Toni Geiling   22. Feb 2013   20:08 UhrAntworten

    Kauft doch ein paar Liederbücher, wovon sollen die Verlage und Autoren denn sonst leben? Immer dieses rumkopiere und runtergelade, wenn mann in China Industriespionage betreibt ist das doch auch nicht OK?

  • Claus   22. Feb 2013   22:31 UhrAntworten

    Frage: wer bekommt eigentlich für das Lied "Laterne, Laterne,
    Sonne, Mond und Sterne" die Tantiemen?
    Antwort: ee hmm ääää... weiß nicht.
    Aha, Text und Musik Autoren sind unbekannt und mit Sicherheit schon 100 Jahre und mehr verstorben. Hier zeigt sich doch, die GEMA ist eine kriminelle, politisch legalisierte, Abzockermaschinerie.

    • Dominik   24. Feb 2013   11:57 UhrAntworten

      Weißt Du nun, wer die Tantiemen in diesem Fall bekommt? Vielleicht ja ausnahmsweise mal niemand? Etwas mehr Differenzierung wäre vielleicht angebracht.

Sag uns deine Meinung!

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